{"id":199801,"date":"2023-09-03T17:00:00","date_gmt":"2023-09-03T15:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/?p=199801"},"modified":"2023-07-24T13:35:22","modified_gmt":"2023-07-24T11:35:22","slug":"das-weinbaugebiet-ribeiro","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/2023\/09\/das-weinbaugebiet-ribeiro\/","title":{"rendered":"Das Weinbaugebiet Ribeiro"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ribeiro: Winzig klein, mit b\u00e4renstarken Qualit\u00e4ten<\/h2>\n\n\n\n<p>Winzig klein ist Ribeiro im Vergleich zum gesamtspanischen Weinbau: die Rebfl\u00e4che verteilt sich auf gerade einmal 13 Gemeinden innerhalb der Provinz Ourense und betr\u00e4gt rund 3000 Hektar, was es fl\u00e4chentechnisch in etwa mit dem Rheingau vergleichbar macht. Anders als das benachbarte R\u00edas Baixas liegt Ribeiro im Landesinnern, was Einfluss auf die klimatischen Verh\u00e4ltnisse hat: diese sind zwar immer noch atlantisch, also recht frisch, allerdings halten Bergketten die k\u00fchlenden, salzigen Winde des Ozeans gro\u00dfenteils ab, sodass es, auch aufgrund der sehr zahlreichen Sonnenstunden und der allgemeinen S\u00fcdlage, verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig warm ist &#8211; 15 Grad im Jahresmittel, im Sommer auch gern mal \u00fcber 30. In Kombination mit recht hohen Niederschl\u00e4gen entsteht so ein interessanter Mix aus ozeanischen und mediterranen Einfl\u00fcssen, der eine zeitige Reife sicherstellt und dennoch ein recht hohes S\u00e4ure-Level gew\u00e4hrleistet. Und die Region zu einer der vegetationsreichsten und somit gr\u00fcnsten Spaniens macht: schattige Kiefernw\u00e4lder, knorrige Eichenhaine und lichtdurchflutete Kastanienansammlungen erm\u00f6glichen einen entspannten \u00d6notourismus fernab der sonnenverbrannten Hochebenen im Landesinnern. Die Lebensader der Region ist der 315 Kilometer lange R\u00edo Mi\u00f1o, dessen Unterlauf die Staatsgrenze zwischen Spanien und Portugal bildet und schlie\u00dflich in den Atlantik m\u00fcndet. Er und seine Nebenfl\u00fcsse Arn\u00f3ia, Avia und Barbanti\u00f1o gaben Ribeiro seinen Namen, denn \u00fcbersetzt bedeutet es nichts anderes als Uferland. Da die von ihm aufsteigenden H\u00e4nge recht steil sind, hat man f\u00fcr den Weinbau h\u00e4ufig Terrassen angelegt, die sich in der Regel in 100 bis 400 Metern Seeh\u00f6he befinden. Den Reben bieten sie tiefgr\u00fcndige B\u00f6den mit sandiger Textur, die auf Gr\u00fcnden aus Schiefer, vor allem aber Granit liegen und \u00fcberdies arm an organischer Materie und leicht sauer sind.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"667\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Sebio-Valdeorras040915-2_1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-200102\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Sebio-Valdeorras040915-2_1.jpg 1000w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Sebio-Valdeorras040915-2_1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Sebio-Valdeorras040915-2_1-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Nur etwas \u00fcber 100 gr\u00f6\u00dfere Kellereien verarbeiten die Trauben, die meist von in Winzergenossenschaften organisierten Kleinbetrieben gelesen werden. Und dennoch werden die von hier stammenden Weine keineswegs \u00fcbersehen, sondern erfreuen sich gro\u00dfer Beliebtheit. Und das schon seit dem Mittelalter, als sie zu den teuersten des Landes z\u00e4hlten, von K\u00f6nigen gesch\u00e4tzt und von Dichtern besungen wurden. Und einmal mehr seit 1957, als das Gebiet als eines der ersten in Spanien mit einer gesch\u00fctzten Herkunftsbezeichnung, einer Denominaci\u00f3n de Origen, geadelt wurde. Grund daf\u00fcr ist die umfassende Erneuerung der Weinberge, die lange Zeit nur tr\u00fcb-sauren Kopfschmerz-Wein hervorgebracht hatten. Und die R\u00fcckbesinnung auf heimische Trauben, nachdem die Reblauskatastrophe die Anpflanzung internationaler Reben bef\u00f6rdert hatte, die aber weder dem feuchten Klima gewachsen noch imstande waren, das einzigartige Terroir schmeckbar zu machen. Das Resultat dieser Anstrengungen sind die herrlich frischen Wei\u00dfweine, die mit strohgelber Farbe, moderater S\u00e4ure, unkomplizierter Leichtigkeit und einer blumig-fruchtigen Aromatik das Zeug zu Everybody\u2019s Darling haben. Liest sich wie ein Wei\u00dfburgunder? Naja, sie mit bekannten Sorten vergleichen zu wollen, w\u00fcrde ihnen nicht gerecht werden &#8211; zu einzigartig ist der Charakter der autochthonen Reben Torront\u00e9s und Godello. Auch Loureiro, Palomino und Albari\u00f1o baut man gern an. Sie alle genie\u00dfen aber nicht die Popularit\u00e4t der Treixadura. Geringe Ertr\u00e4ge und sp\u00e4te Reife sind der Preis f\u00fcr floral bis grasig-kr\u00e4utrig duftende und volumin\u00f6se Weine mit recht hohem Alkoholgehalt, der ihren Charakter noch zus\u00e4tzlich betont. Seit einigen Jahren ist eine zunehmende Orientierung am Stil der klassischen Burgunder zu beobachten: mittels malolaktischer G\u00e4rung, bei der im Most enthaltene Apfel- in Milchs\u00e4ure umgewandelt wird, erzeugt man Weine, die keine spitze S\u00e4ure aufweisen, sondern cremig-schmelzig geraten. Der Ausbau im Eichenfass kommt ebenfalls mehr und mehr in Mode. Auch rote Reben gedeihen hier, machen aber nur etwa ein F\u00fcnftel der Gesamternte aus. Unter ihnen sind bekannte wie der Tempranillo und Menc\u00eda, aber auch entdeckenswerte Underdogs wie der Cai\u00f1o Bravo oder der autochthon galicische Brancellao. Ihnen ist zumeist gemein, dass sie einen eher hellen Farbton und einen gerbstoffreichen Geschmack entwickeln, dabei aber deutlich weniger alkoholisch geraten als die Rotweine weiter \u00f6stlich in Kastilien-Leon &#8211; in aller Regel weisen sie nie mehr als 12 Volumenprozent auf, w\u00e4hrend die Wei\u00dfweine durchaus schon mal auf 13 kommen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"800\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/sebio_vinas_otono_18_122-1200x800.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-200103\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/sebio_vinas_otono_18_122-1200x800.jpg 1200w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/sebio_vinas_otono_18_122-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/sebio_vinas_otono_18_122-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/sebio_vinas_otono_18_122-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/sebio_vinas_otono_18_122.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Wobei jene, die man mit Vorliebe zum Men\u00fa del D\u00eda trinkt, eher weniger haben. Diese spanische Mittagessens-Tradition ist noch gar nicht so alt: ihre Wurzeln liegen in den fr\u00fchen 60er Jahren. Ob sie entstand, weil der zust\u00e4ndige Minister einen Anreiz f\u00fcr Touristen zu schaffen gedachte, die lokale Gastronomie zu besuchen und nicht nur in den Hotels zu speisen, oder ob General Franco sichergestellt wissen wollte, dass jeder Arbeiter sich in der Mittagspause eine warme Mahlzeit leisten konnte, l\u00e4sst sich heute nicht mehr kl\u00e4ren. Fest steht aber, dass das Men\u00fa del D\u00eda sich auch heute noch bei Berufst\u00e4tigen und (gut informierten) Touristen einer gleicherma\u00dfen hohen Beliebtheit erfreut. Auf einer Tafel vor dem Restaurant werden tagesaktuell die drei G\u00e4nge beworben, f\u00fcr die man &#8211; in Deutschland unvorstellbar &#8211; meist nur um die zehn Euro zahlt. Getr\u00e4nke sind dabei noch inklusive &#8211; Kaffee, Bier oder eben Wein. Und davon h\u00e4ufig nicht nur ein lumpiges Gl\u00e4schen, sondern eine komplette Flasche. Pro Person.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer Foodpairing auf einem etwas h\u00f6heren Level betreiben m\u00f6chte, der sieht sich am besten nach Fischgerichten um, denn schlie\u00dflich befinden wir uns zwar nicht direkt am, aber doch in unmittelbarer N\u00e4he zum Meer. Eine der besten Gelegenheiten, die kulinarischen Segnungen des Ozeans zu genie\u00dfen, bietet sich bei den zahlreichen Festen der Region. Beim Festa do Peixe e da Angu\u00eda im \u00d6rtchen Francelos stehen &#8211; wie der Name schon sagt &#8211; Fische und Aale im Mittelpunkt, beim Festa do Polbo in O Carballi\u00f1o der Oktopus, der unbestrittene Star der galicischen K\u00fcche, der in den zahlreichen Pulper\u00edas das bestimmende Gericht der Speisekarte ist. Auch Lamprea, das mittlerweile schwer zu bekommende, weil stark gef\u00e4hrdete aalartige Neunauge, traditionell nach galicischer Art eingelegte Sardinen und Entenmuscheln erfreuen sich hoher Wertsch\u00e4tzung &#8211; wobei deren eher ungew\u00f6hnliches Aussehen nicht tr\u00fcgt, denn bei ihnen handelt es sich mitnichten um Muscheln, sondern um Krebstiere. Ebenso wenig optisch ansprechend pr\u00e4sentiert sich der Seeteufel, der bedingt durch seinen K\u00f6rperbau, von welchem nur Schwanz und B\u00e4ckchen, nicht aber der riesige Kopf verwendet werden, f\u00fcr spanische Verh\u00e4ltnisse recht kostspielig ist. Als Rape a la gallega zubereitet mit Erbsen, Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch und viel Oliven\u00f6l genie\u00dft er h\u00f6chstes Ansehen. Und alles, was an kleineren und gr\u00f6\u00dferen Fischst\u00fcckchen und Meeresfr\u00fcchten \u00fcbrig bleibt, wickelt man in Teigtaschen &#8211; die in der gesamten lateinamerikanischen Welt gesch\u00e4tzten Empanadas haben ihren Ursprung in Galicien. Neben den Lebewesen des Ozeans werden beim Festa do Pemento in Arnoia auch die kleinen Paprikas geehrt, die man scharf angebraten mit \u00d6l und Salz genie\u00dft. Und beim weihevollen Festa de Exaltaci\u00f3n do Pan de Cea das traditionelle galicische Brot, mit dem man am Ende Sud und Saucen gen\u00fcsslich vom Teller wischt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"667\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Sebio-Valdeorras040915-13_1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-200104\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Sebio-Valdeorras040915-13_1.jpg 1000w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Sebio-Valdeorras040915-13_1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Sebio-Valdeorras040915-13_1-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Ribeiro liegt im \u00e4u\u00dfersten Nordwesten Spaniens ziemlich genau auf halber H\u00f6he zwischen Porto und Santiago de Compostela. Die N\u00e4he zum europaweit bekannten Wallfahrtsort mit dem Grab des Apostels Jakobus, begr\u00fcndet als Zeichen des Widerstands gegen die islamische Besatzung der Iberischen Halbinsel, war schon in fr\u00fcheren Zeiten ein gewichtiger Wirtschaftsfaktor: die Pilger &#8211; zu Hochzeiten waren es j\u00e4hrlich bis zu zwei Millionen &#8211; g\u00f6nnten sich am Ende ihrer Reise gern den einen oder anderen Tropfen zur Belohnung und nahmen bei Gefallen auch etwas in ihre Heimat mit. Die florierenden, die Landschaft dominierenden Weinberge galten ihren Besitzern dabei nicht allein als Zeichen weltlichen Wohlstands, sondern genauso als hoch politische Aussage: Seht, wieviel besser es dem Land unter christlicher Herrschaft geht! Damals waren es allerdings nicht die trockenen, sondern die Tostadillos genannten s\u00fc\u00dfen Weine, die den Geschmack der Masse trafen. Hergestellt wurden sie aus getrockneten Treixadura-Trauben, nach wie vor die eigentliche Leitrebsorte der Region, und vermarktet unter dem Namen Ribadavia, der Stadt, in denen sie umgeschlagen und auf Lastk\u00e4hne Richtung Atlantik verladen wurden. Noch heute kann man dort das gut erhaltene j\u00fcdische Viertel besichtigen &#8211; kurz vor ihrer Vertreibung nach dem Ende der Reconquista stellten die Juden hier die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung und waren fast ausschlie\u00dflich im Weinhandel t\u00e4tig. Beliebt waren diese s\u00fc\u00dfen, einer Trockenbeerenauslese nicht un\u00e4hnlichen Tropfen in Italien und vor allem in England &#8211; dort rangierten sie lange Zeit noch vor dem viel bekannteren Portwein. Die dortigen Abnehmer, meist Herren von Stand mit entsprechenden finanziellen Mitteln, wollten sicherstellen, dass die Weine den langen Transport zuverl\u00e4ssig unbeschadet \u00fcberstanden, ohne zu verderben. Also brachten sie den Winzern bei, wie man Weine schwefeln und auf diese Weise ihre Haltbarkeit verl\u00e4ngern kann.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"254\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/sebio-finca-1200x254.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-200105\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/sebio-finca-1200x254.jpg 1200w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/sebio-finca-300x63.jpg 300w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/sebio-finca-768x162.jpg 768w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/sebio-finca-1536x325.jpg 1536w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/sebio-finca-2048x433.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Den Wohlstand, der durch diesen Fernhandel in die Region kam, kann man noch heute an den vielen Pazos ablesen. Die traditionellen galicischen Anwesen reicher Grundherren bestehen meist aus einem trutzigen, quaderf\u00f6rmigen und recht schmucklosen Haupthaus, das von einem Park und diversen Wirtschaftsgeb\u00e4uden, aber auch eigenen Kapellen umgeben ist. Diese Pazos waren wichtige Verwaltungszentren, von denen aus der Land- oder Geldadel die Arbeit auf seinen L\u00e4ndereien organisierte. Gerade im 19. Jahrhundert, als im Zuge der sogenannten Desamortisation die Kl\u00f6ster enteignet wurden, die seit dem Hochmittelalter quasi ein Monopol auf den Weinbau hatten, witterten viele gesch\u00e4ftst\u00fcchtige Familien mit dem entsprechenden Kleingeld ihre Chance und ersteigerten die besten Weinberge. Der Klerus tobte zwar, dem Staat brachte die radikale Ma\u00dfnahme aber riesige Einnahmen: die neuen Besitzer mussten Abgaben auf ihren Grundbesitz zahlen, von denen die Kirche stets ausgenommen war. Ein weiterer Beweggrund lag im Bestreben der spanischen Herrscher, den Aufstieg einer liberalen Mittelschicht zu f\u00f6rdern, die ihrerseits ein Interesse daran hatte, langfristig wirtschaftlich erfolgreich zu sein und so wiederum reichlich Steuern zahlte. Doch nat\u00fcrlich besa\u00dfen die neuen Herren keineswegs die Expertise, die Benediktiner und Franziskaner \u00fcber Jahrhunderte immer weiter verfeinert hatten. Und als dann noch Mehltau und Reblaus hinzukamen, sank die Qualit\u00e4t der Weine f\u00fcr fast ein Jahrhundert auf ein recht k\u00fcmmerliches Niveau herab.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"667\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Sebio-Valdeorras040915-18_1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-200107\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Sebio-Valdeorras040915-18_1.jpg 1000w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Sebio-Valdeorras040915-18_1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Sebio-Valdeorras040915-18_1-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4ltere Einheimische kann man durchaus noch dabei beobachten, wie sie ihre abendliche Ration dieses ihr vertrauten Landweines aus cuncas, den kleinen Keramikschalen, trinken. Dies war jahrhundertelang die g\u00e4ngige Darreichungsweise, denn Glas war schwer herzustellen und dementsprechend teuer. Man kam mit dem aus, was einem die Umgebung bot &#8211; das gilt auch f\u00fcr die Trauben. Denn anstatt die pflanzlichen R\u00fcckst\u00e4nde, die nach dem Pressvorgang verblieben, und den bei der G\u00e4rung entstehenden Hefesatz wegzuwerfen, brannte man aus ihnen Schnaps. Und benannte diesen auch kurzerhand nach dem spanischen Wort f\u00fcr Trester: Orujo. Mittlerweile existieren von dem Brand etliche Variationen: mit dem Orujo seco eine klare, eine honigfarbene mit dem mehrere Jahre in Eichenf\u00e4ssern gereiften Orujo envejecido und schlie\u00dflich der Orujo de hierbas als Kr\u00e4uterlik\u00f6r. Nach einem ausgiebigen Mahl sind sie ein perfekter Absacker. Meist zu sp\u00e4ter Stunde, denn ein gutes Abendessen kann in Ribeiro viele Stunden dauern. Wein, Speisen und Genuss im Allgemeinen werden hier regelrecht zelebriert &#8211; allerdings mit einer Selbstverst\u00e4ndlichkeit, die manchen Deutschen sich verwundert die Augen reiben l\u00e4sst. Weil f\u00fcr die Menschen aus Ribeiro ihr erstklassiger Wein so sehr zum Alltag geh\u00f6rt, schafft es nur ein Zehntel davon \u00fcberhaupt in den Export. Gut also, wenn man schon jetzt um die Weine aus Ribeiro wei\u00df, die nicht f\u00fcr ewig ein Geheimtipp bleiben werden. Text: Dario Sellmeier<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ribeiro: Winzig klein, mit b\u00e4renstarken Qualit\u00e4ten Winzig klein ist Ribeiro im Vergleich zum gesamtspanischen Weinbau: die Rebfl\u00e4che verteilt sich auf gerade einmal 13 Gemeinden innerhalb der Provinz Ourense und betr\u00e4gt rund 3000 Hektar, was es fl\u00e4chentechnisch in etwa mit dem Rheingau vergleichbar macht. 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