{"id":199903,"date":"2023-06-08T17:00:00","date_gmt":"2023-06-08T15:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/?p=199903"},"modified":"2023-06-08T18:26:39","modified_gmt":"2023-06-08T16:26:39","slug":"weinbau-in-der-ddr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/2023\/06\/weinbau-in-der-ddr\/","title":{"rendered":"Weinbau in der DDR"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Alkoholparadies DDR? w<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Alkoholparadies DDR? Kommt auf die Definition an. Getrunken wurde jenseits des Eisernen Vorhangs jedenfalls deutlich mehr als im Westen &#8211; vor allem Unmengen Schnaps, den man aus sehr vielen verschiedenen Rohstoffen brennen kann, auch Bier nicht gerade wenig. \u00dcber die Gr\u00fcnde k\u00f6nnte man soziologische Abhandlungen verfassen, die aber dennoch immer bis zu einem gewissen Punkt spekulativ bleiben m\u00fcssten. Stattdessen kann man Fakten betrachten. In unserem Fall sollen das aber nicht die planwirtschaftlich gelenkten Produktionsmengen der Kombinate und LPGs sein, die den \u201eganz allt\u00e4glichen Alkohol\u201c wie Radeberger und den \u201eBlauen W\u00fcrger\u201c in rauen Mengen herstellten. Sondern die der vielen kleinen Weinbauern zwischen Pirna und Bad K\u00f6sen. Denn Wein wurde im Osten genauso erzeugt wie im Westen, auch wenn der Konsum von durchschnittlich 12 Litern pro Person und Jahr nicht ansatzweise durch den eigenen Anbau gedeckt werden konnte. Die Geschichte vom Weinbau im Sozialismus ist dabei wie so h\u00e4ufig eine von Mangelwirtschaft und staatlicher Bevormundung, aber auch von viel Herzblut und gro\u00dfem Improvisationstalent.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Weinbau_in_der_DDR_3.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"480\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Weinbau_in_der_DDR_3.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-199966\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Weinbau_in_der_DDR_3.png 640w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Weinbau_in_der_DDR_3-300x225.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\"><kbd> <\/kbd><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die Winzer aus der Bundesrepublik, die im Zuge der allgemeinen Goldgr\u00e4berstimmung der direkten Nachwendezeit in die ehemalige DDR hin\u00fcberfuhren, um sich ein Bild davon zu machen, wie die potentielle Konkurrenz so aufgestellt war, werden sich wahrscheinlich nicht selten ein Schmunzeln verkniffen haben. Im Gebiet Saale-Unstrut wurde auf 800 Hektar Weinbau betrieben, in Dresden-Mei\u00dfen, das in der Vermarktung mittlerweile unter Sachsen firmiert, auf lediglich 350 &#8211; wobei das nur einer von vielen Sch\u00e4tzwerten ist, die Angaben schwanken zwischen 200 und 400. Jedenfalls war es wenig, sehr wenig im Vergleich zum Westen: Rheinhessen kommt auf knapp 27000 Hektar, selbst das f\u00fcr westdeutsche Verh\u00e4ltnisse recht kleine Gebiet Mosel noch auf 8800. Dabei ist es nicht so, dass es auf dem Gebiet der \u201eZone\u201c keine Weinbautradition gegeben h\u00e4tte. Im genussfreudigen Barock Augusts des Starken, der bei Banketten gern mal sieben Flaschen geleert haben soll, verf\u00fcgte das reiche Sachsen noch \u00fcber 6000 Hektar Rebfl\u00e4che &#8211; erm\u00f6glicht durch w\u00fcrttembergische Expertise, die den Terrassenweinbau an die Elbe brachte. Ende des 19. Jahrhunderts dann kam der erste Einschnitt: der Rebbestand wurde durch die Reblausplage und den Mehltau arg dezimiert. Die beiden Weltkriege samt zwischenzeitiger Weltwirtschaftskrise taten ihr \u00dcbriges, die Weing\u00e4rten brachliegen zu lassen. Und in der unmittelbaren Nachkriegszeit waren landwirtschaftliche Fl\u00e4chen kostbar, sodass die politische F\u00fchrung in den 50ern verordnete, Getreide und Kartoffeln statt Wein anzubauen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Weinbau_in_der_DDR_1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"480\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Weinbau_in_der_DDR_1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-199965\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Weinbau_in_der_DDR_1.png 640w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Weinbau_in_der_DDR_1-300x225.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\"> <\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Ausgerechnet eine Gr\u00fcndung aus der NS-Zeit ist wohl der Grund daf\u00fcr, dass in den 50er Jahren die Tradition schrittweise wieder aufgenommen werden konnte. So hatten die Nazis klug erkannt, dass es sich auf kommerzieller Ebene kaum lohnte, die meist sehr kleinen und oft auch noch an Steillagen befindlichen Parzellen zu bewirtschaften. Also gr\u00fcndete man die S\u00e4chsische Winzergenossenschaft, in der haupts\u00e4chlich Kleinstwinzer und solche, f\u00fcr die der Weinbau eher ein Freizeitvergn\u00fcgen darstellte. Diese \u00e4nderte sp\u00e4ter in der DDR zwar ihren Namen in \u201eVereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe\u201c und wurde verstaatlicht, die Struktur ihrer Mitglieder jedoch blieb bestehen. Und auch die auf den ersten Blick nicht unattraktiven Rahmenbedingungen: die Pacht f\u00fcr einen Quadratmeter kosteten selbst in bester Lage kaum mehr als 10 Pfennig, meist eher deutlich weniger &#8211; pro Jahr. Dann aber begannen schon die Schwierigkeiten: mal fehlte es an Unterlagsreben, dann an Draht, an Pf\u00e4hlen und Pressen. Und an Landmaschinen sowieso dauerhaft, weshalb die Arbeit im Weinberg ein ziemlicher Knochenjob und meist nur mithilfe von Familie und Freunden zu bew\u00e4ltigen war. Legend\u00e4r und oft als Beispiel herausgestellt wird der chronische Mangel an s\u00e4ureresistentem Edelstahl f\u00fcr die Kellertechnik. Also goss man herk\u00f6mmliche Bottiche mit Glasemaille aus und griff f\u00fcr die Leitungen auf Jenaer Glas zur\u00fcck &#8211; ironischerweise w\u00e4re das heutzutage gar nicht mehr finanzierbar. Aber selbst diese bescheidenen M\u00f6glichkeiten hatten oft nur die Gro\u00dfen, die den (\u00f6ffentlichen) Markt dominierten wie etwa Rotk\u00e4ppchen &#8211; heute Ostalgie-Marke schlechthin, damals eher notwendiges \u00dcbel.<\/p>\n\n\n\n<p>Im gesamten Land gab es gerade einmal vier Kellereibetriebe, die ihrem Namen wirklich gerecht wurden und tats\u00e4chlich auf professionelle Weise Lesegut zu Most pressten. Trauben aus der DDR allein verschafften hier aber bei Weitem nicht die n\u00f6tige Auslastung: gr\u00f6\u00dftenteils wurden Importe aus befreundeten sozialistischen Staaten wie Rum\u00e4nien und Bulgarien, aber auch aus westlichen L\u00e4ndern wie Italien und Spanien verarbeitet. Als Winzer war man verpflichtet, seinen Ertrag dort abzuliefern &#8211; er war ja Volkseigentum. Daher gab es streng genommen auch keinen privaten Weinbau in der DDR. Allerdings erhielt man quasi als Aufwandsentsch\u00e4digung meist eine niedrige dreistellige Anzahl fertiger Flaschen f\u00fcr den \u201eEigenbedarf\u201c. Und diese Flaschen musste man im n\u00e4chsten Jahr &#8211; wohl der Grund daf\u00fcr, dass uns nur wenige fl\u00fcssige Zeitzeugen erhalten geblieben sind &#8211; auch zwecks Neubef\u00fcllung geleert zur\u00fcckgeben. Die Korken allerdings nicht &#8211; es gab n\u00e4mlich kaum welche, da die Korkeiche sich eben entschlossen hatte, nur in den L\u00e4ndern des Klassenfeindes zu wachsen. Deshalb war der Wein &#8211; heute g\u00f6lte das wohl als vorbildlich nachhaltig &#8211; meist mit Kronkorken verschlossen. \u00c4hnlich simpel wie die Erzeugung waren konsequenterweise die staatlichen Vorgaben f\u00fcr die Deklaration. Es durfte die Rebsorte ausgewiesen werden, nicht aber eine bestimmte Qualit\u00e4tsstufe. Auch Lagenbezeichnungen suchte man auf den Etiketten vergeblich, so hie\u00dfen alle Winzererzeugnisse aus Sachsen schlicht \u201eElbtalwein\u201c &#8211; alles andere w\u00e4re aber auch irref\u00fchrend gewesen, denn die Kellereien schmissen das Lesegut gedankenlos zusammen und kelterten meist nur einen einzigen Wein pro Rebsorte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Rebsorten-Palette war jedoch erstaunlich breit und fand Einschr\u00e4nkungen eigentlich nur im k\u00fchlen Klima: Wei\u00df- und Grauburgunder sch\u00e4tzte man ebenso wie Silvaner, Riesling oder M\u00fcller-Thurgau. Und mit dem Goldriesling, einer Kreuzung aus Riesling und Fr\u00fcher Malingre, existiert sogar eine echt s\u00e4chsische Spezialit\u00e4t. Eine Beh\u00f6rde wie das Bundessortenamt im Westen gab es zwar, sie war allerdings mehr wissenschaftlich als regulierend t\u00e4tig, betreute etwa die Rebenversuchsstation der DDR auf dem Radebeuler Krapenberg. Als Winzer musste man nichts anmelden und konnte pflanzen, was immer man wollte und wie man wollte. \u00dcberhaupt galt meist \u201elearning by doing\u201c, denn Weinbauschulen wie in Geisenheim oder Weinsberg existierten nicht, von M\u00f6glichkeiten, sich im Ausland etwas von den Herangehensweisen anderer Winzer abzuschauen, mal ganz abgesehen. Meist arbeitete man mit Spontanverg\u00e4rung, denn f\u00fcr Reinzuchthefen fehlten die finanziellen Mittel &#8211; was wahrscheinlich auch eine Erkl\u00e4rung daf\u00fcr ist, weshalb viele ostdeutsche 80er-Jahre-Weine, die man noch in muffigen Kellern findet, sich als erstaunlich langlebig und nach wie vor genie\u00dfbar erweisen, w\u00e4hrend die konventionell erzeugten, meist pappig s\u00fc\u00dfen BRD-Produkte aus dieser Zeit l\u00e4ngst gekippt sind. Gut, m\u00f6glicherweise hing das nicht minder mit der hohen S\u00e4ure zusammen, die den DDR-Tropfen eigen war. So hei\u00dft es schon in einem Jenaer Studentenlied aus dem 19. Jahrhundert ironisch: \u201eUnd ein Wein w\u00e4chst auf den Bergen \/ Und der Wein ist gar nicht schlecht \/ Tut er gleich die Str\u00fcmpfe flicken \/ Und den Hals zusammendr\u00fccken \/ Ist er doch zur Bowle recht!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wer einen solchen Wein erwerben wollte &#8211; pro Jahr lag die Produktion irgendwo zwischen 10 und 15 Millionen Flaschen -, brauchte eine geh\u00f6rige Portion Gl\u00fcck: der Ab-Hof-Verkauf war den Winzern verboten, auch und gerade an westdeutsche Touristen. Stattdessen mussten die Produktionsmengen an die entsprechenden Beh\u00f6rden in Berlin gemeldet werden, die daraufhin Anordnungen \u00fcber die konkrete Verteilung traf. In den \u201enormalen\u201c Filialen der Handelsorganisation und den Konsum-M\u00e4rkten, die den gr\u00f6\u00dften Anteil an der t\u00e4glichen Lebensmittelversorgung hatten, fanden sich diese Weine kaum. Man musste schon einen der feineren Delikat-L\u00e4den aufsuchen oder Gast in einem der gro\u00dfst\u00e4dtischen Interhotels sein, um in den Genuss zu kommen, bedurfte also konkret einer dicken Geldb\u00f6rse oder eines gewissen gesellschaftlichen Status. Oder man hatte eben Beziehungen &#8211; womit DDR-Wein ebenso wie andere knappe G\u00fcter den Stellenwert einer Zweitw\u00e4hrung bekam, die man gegen spezielle Gefallen und begehrte West-Produkte tauschen oder die Arbeit einer Beh\u00f6rde in einem pers\u00f6nlichen Anliegen beschleunigen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Er war durch seinen konsequent trockenen Ausbau, die filigrane Mineralik und vor allem die Sortenreinheit eben auch ganz anders als die verschnittene Importware aus Bulgarien, Rum\u00e4nien und Ungarn, die bis auf wenige Ausnahmen nur zwei Extreme kannte: bis zum Gehtnichtmehr aufgezuckert oder sauer wie Essigs\u00e4ure. Gute Weine von dort wurden zwecks Devisenbeschaffung gr\u00f6\u00dftenteils in den Westen exportiert. \u00c4ltere Ostdeutsche erschaudern regelm\u00e4\u00dfig beim Gedanken an Rosenthaler Kadarka, einen der meistverkauften Weine der DDR f\u00fcr sehr g\u00fcnstige 6,30 Mark. Oder haben sich ihren Geschmackssinn so nachhaltig verdorben, dass sie Verirrungen wie Schwarze M\u00e4dchentraube, Eselsmilch oder Erlauer Stierblut noch immer anh\u00e4ngen, die mit der Wende anders als die meisten Ost-Produkte keineswegs aus den Supermarktregalen verschwunden sind. Es ist im Nachhinein schwer zu sagen, ob die heimischen Tropfen damals tats\u00e4chlich mehrheitlich des Geschmacks wegen getrunken wurden oder doch eher aus einer Mischung aus Stolz \u00fcber die eigene Leistung und Trotz gegen\u00fcber einem Staat, der nur vorher festgelegte Ernteziele erf\u00fcllt sehen wollte, sich um die Qualit\u00e4t aber nicht scherte. Auf jeden Fall gelangten gerade einmal f\u00fcnf Prozent \u00fcberhaupt au\u00dfer Landes.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Winzer insbesondere an Saale-Unstrut hatten nicht nur mit den staatlichen Stellen ihren regelm\u00e4\u00dfigen Kampf auszufechten, sondern auch mit den klimatischen Verh\u00e4ltnissen. Denn die Weinberge hier reichen bis an Havel und Harz heran und liegen noch einmal deutlich weiter im Norden als das n\u00f6rdlichste Weinbaugebiet der damaligen Bundesrepublik, der s\u00fcdlich von Bonn beginnende Mittelrhein. Wird allgemein der 50. Breitengrad als jene Grenze betrachtet, oberhalb derer Rebenzucht sowohl geschmacklich als auch wirtschaftlich nicht mehr lohnenswert erscheint, lag die Region um Naumburg und Freyburg etwa auf Breitengrad 51,5. Und das musste sich nat\u00fcrlich irgendwann einmal r\u00e4chen: im Winter 1986\/87 sanken die Temperaturen auf bis zu minus 30 Grad, was eine Menge Rebst\u00f6cke nicht \u00fcberlebten. Die st\u00e4ndige Mangelwirtschaft erwies sich an dieser Stelle jedoch als vorteilhaft: viele Weing\u00e4rten waren, bedingt durch die fehlende Verf\u00fcgbarkeit junger Reben am Markt, wie in alten Zeiten recht bunt gemischt bepflanzt &#8211; hin und wieder vielleicht mal zus\u00e4tzlich belebt durch manches, was der Winzer von Reisen in andere Teile des Ostblocks so mitbrachte oder was von Kollegen aus dem Westen eingeschmuggelt wurde. Jedenfalls sicherte die aus der Not geborene Heterogenit\u00e4t der Pflanzen den Fortbestand des Weinbaus insgesamt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Weinbau_in_der_DDR_2.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"480\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Weinbau_in_der_DDR_2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-199964\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Weinbau_in_der_DDR_2.png 640w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/Weinbau_in_der_DDR_2-300x225.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\"> <\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Was auch der Staat versuchte, der zum Ende hin eine wahre Charmeoffensive fuhr: 1987 k\u00fcrte man nach westlichem Vorbild eine Weink\u00f6nigin in Sachsen, lobte au\u00dferdem Preise f\u00fcr vorbildlich bewirtschaftete Weinberge aus und bot Fortbildungen an. Freilich, das ist bekannt, half das nichts mehr. Einige ber\u00fchmte Ost-Weing\u00fcter haben die Wirren von Wende und Treuhand-Gemauschel dennoch \u00fcberlebt: dem VEG Radebeul gelang die Transformation in das Weingut Schloss Wackerbarth, das heute mit einer Fl\u00e4che von 90 Hektar auch bundesweit zu den Platzhirschen geh\u00f6rt und insbesondere mit seiner Sektproduktion Aufsehen erregt; dem VEG Naumburg als heutiges Landesweingut die ideelle R\u00fcckbesinnung auf 800 Jahre Rebenzucht durch die M\u00f6nche des Klosters Pforta. Woanders haben sich die alten Eigent\u00fcmer ihren einstigen Besitz m\u00fchevoll zur\u00fcckerobert: Schloss Proschwitz bei Mei\u00dfen war lange Eigentum der F\u00fcrsten zur Lippe, wurde aber direkt nach dem Krieg durch die Sowjets enteignet. Die Herausforderungen waren dabei f\u00fcr alle relativ \u00e4hnlich: die Wirtschaftsgeb\u00e4ude waren in einem schlechten Zustand, die Trockenmauern aus Bruchstein, die den Terrassen Stabilit\u00e4t verliehen, br\u00f6ckelten vor sich hin. Allerdings waren durch den jahrzehntelangen Investitionsstau auch viele historische Strukturen erhalten geblieben, die man im Westen gedankenlos im Zuge von Renovierungen und Flurbereinigungen weggerissen hatte. Und erfreulicherweise hat sich auch ein Charakteristikum der wirtschaftlichen Struktur im DDR-Weinbau erhalten: von den etwa 1800 Weinbauern, die heute die B\u00f6den am Elbufer bestellen, sind fast 95 Prozent noch immer Nebenerwerbs- und Hobbywinzer.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass Wein aus Ostdeutschland einen gewissen Rarit\u00e4ten-Status einnimmt, daran hat sich auch mehr als drei\u00dfig Jahre nach der Wiedervereinigung nichts ge\u00e4ndert: aus Sachsen etwa stammen bis heute nur 0,5 Prozent der deutschen Gesamtproduktion. Auch in den renommierten VDP schaffen es nur wenige. Aber wenn, dann zeigt man wie Hey in Naumburg oder Zimmerling in Pillnitz eine unglaubliche Bandbreite von Muskateller und Gew\u00fcrztraminer bis Sp\u00e4tburgunder und Zweigelt. Zeitweise sollte der Wei\u00dfburgunder mal das Aush\u00e4ngeschild des ostdeutschen Weinbaus werden, gegen die Konkurrenz aus Baden und Co. kam man jedoch nicht an. Aber die St\u00e4rke von Sachsen und Saale-Unstrut liegt eben nicht so sehr in herausragenden Einzelleistungen, sondern in der staunenswerten Vielfalt der Rebsorten und der optimistischen Macher-Mentalit\u00e4t der Winzer. Auch wenn einige Kollegen aus dem Westen das als hemds\u00e4rmelig bezeichnen w\u00fcrden, insgeheim sind nicht wenige neidisch auf die Dynamik zweier Gebiete, in denen seit der Wende fast 80 neue Weing\u00fcter entstanden sind. Bl\u00fchende Landschaften? Im Weinbau ist es tats\u00e4chlich Realit\u00e4t geworden. Text: Dario Sellmeier<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alkoholparadies DDR? w Alkoholparadies DDR? Kommt auf die Definition an. 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