{"id":201228,"date":"2023-09-25T17:00:00","date_gmt":"2023-09-25T15:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/?p=201228"},"modified":"2024-04-17T15:42:22","modified_gmt":"2024-04-17T13:42:22","slug":"das-weinland-frankreich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/2023\/09\/das-weinland-frankreich\/","title":{"rendered":"Das Weinland Frankreich"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Leben wie Gott in Frankreich &#8211; das wollen wir doch alle. Und sicherlich hat Gott einen gro\u00dfen Verdienst darum, dass die Grande Nation in Sachen Weinbau international die Nase vorn hat, indem er das Land mit fruchtbaren B\u00f6den, g\u00fcnstigem Klima und ertragreichen Rebsorten segnete. Aber auch die Franzosen selbst trugen ihren Teil dazu bei, ihr Land zum unbestrittenen Epizentrum der Weinwelt zu machen. Zum einen haben sie es binnen recht kurzer Zeit geschafft, urspr\u00fcnglich franz\u00f6sische Reben \u00fcber den gesamten Erdball zu verstreuen. Pinot Noir, Sauvignon Blanc, Malbec, Cabernet Sauvignon und andere finden sich mittlerweile auch in den USA, in S\u00fcdamerika und Australien. Und obwohl in \u00dcbersee ganz beachtliche Qualit\u00e4ten entstehen, die in Tastings hin und wieder ihre Geschwister aus der Alten Welt in den Schatten stellen, ist Frankreich nach wie vor der Ma\u00dfstab, dem sich jeder ausw\u00e4rtige Wein stellen muss. Verantwortlich daf\u00fcr sind vor allem drei Regionen, deren Namen fast mythischen Status erlangt haben und deren Erzeugnisse auf keiner Karte eines Spitzenrestaurants fehlen d\u00fcrfen: die Champagne f\u00fcr die herrlich hefebetonten Schaumweine, das Bordelais mit seinen kraftvollen roten Cuv\u00e9es und die Bourgogne als Heimat der finessenreichen Burgunder.<\/p>\n\n\n\n<p>Und weil kein Anbaugebiet wollen kann, dass die harte Arbeit der dortigen Winzer von anderen ausgenutzt wird, um ihren eigenen, billigen und minderwertigen Wein in seinem Namen verkaufen, erfand man obendrein noch die Appellation d\u2019Origine Contr\u00f4ll\u00e9e. Vor etwa hundert Jahren war es, da stattete man Ch\u00e2teauneuf-du-Pape als erstes Gebiet mit diesem Siegel aus, das klare Vorgaben hinsichtlich der zugelassenen Rebsorten, des H\u00f6chstertrags, der Kellerarbeit und anderer Dinge macht. Etwa ein Drittel aller franz\u00f6sischen Weine fallen unter AOC (seit 2009 in AOP umbenannt), der Rest wird entweder als IGP oder Vin de France vermarktet, als Land- oder Tafelwein also. Heutzutage findet sich das Konzept der gesch\u00fctzten Ursprungsbezeichnung im EU-Recht wieder und sichert nicht nur die Herkunft von Weinen, sondern auch anderer Lebensmittel wie Fetak\u00e4se oder Parmaschinken.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"800\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/frankreich_cotes_du_provence_miraval_weinberg-Kopie-1200x800.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-201457\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/frankreich_cotes_du_provence_miraval_weinberg-Kopie-1200x800.jpg 1200w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/frankreich_cotes_du_provence_miraval_weinberg-Kopie-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/frankreich_cotes_du_provence_miraval_weinberg-Kopie-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/frankreich_cotes_du_provence_miraval_weinberg-Kopie-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/frankreich_cotes_du_provence_miraval_weinberg-Kopie.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Nun sagt aber eine solche Angabe noch nichts \u00fcber die qualitativen Unterschiede innerhalb des gesch\u00fctzten Gebietes aus. Doch auch daf\u00fcr hatten die Franzosen L\u00f6sungsans\u00e4tze. Der eine stammt aus dem Bordeaux: hier verband man die Klassifizierung mit der F\u00e4higkeit des jeweiligen Weingutes, eine bestimmte G\u00fcteklasse zu erzeugen &#8211; zugrunde gelegt wurden w\u00e4hrend der umfassenden Einteilung des M\u00e9doc 1855 die durchschnittlichen Preise f\u00fcr den vom Gut erzeugten Wein der letzten hundert Jahre. Dabei entstanden zwei Kategorien: die des \u201eeinfacheren\u201c Cru Bourgeois und die des au\u00dfergew\u00f6hnlich hochwertigen Grand Cru Class\u00e9. Diese ist wiederum in f\u00fcnf Klassen unterteilt und bewertet die knapp \u00fcber 60 Ch\u00e2teaux nochmal pr\u00e4ziser. Die f\u00fcnf Premieres Crus Margaux, Lafite, Latour, Mouton und Haut-Brion sind so etwas wie der Heilige Gral der Weinwelt. Letztlich aber hat sich der Ansatz des Burgund international durchgesetzt &#8211; und wurde Vorbild f\u00fcr etliche nationale Qualit\u00e4tspyramiden, etwa die des deutschen VDP. Hier war es nicht das Weingut, sondern die Lage, an der man die Qualit\u00e4t eines Weines festmachte: als Fixpunkt galt das bei optimaler Arbeit des Winzers maximal m\u00f6gliche Potential einer bestimmten Bodenfl\u00e4che. Die Hierarchie reicht dabei von Grand Cru als bester \u00fcber Premier Cru als zweitbester Lage bis zu den weit gefassten Kategorien, nach denen das Traubenmaterial aus verschiedenen Fl\u00e4chen innerhalb eines Ortes oder einer Region stammen darf. Beide Herangehensweisen waren dabei f\u00fcr eine Zeit, in der kaum Lebensmittelgesetze existierten, revolution\u00e4r. Beide haben aber auch ihre jeweiligen Schwachstellen: beim Bordeaux-Ansatz ist es f\u00fcr aufstrebende Ch\u00e2teaux, die sehr viel Arbeit in die Verbesserung ihrer Weinbergsarbeit und Kellertechnik investieren, kaum m\u00f6glich, in eine h\u00f6here Klasse aufzusteigen, w\u00e4hrend die Spitzeng\u00fcter es sich theoretisch leisten k\u00f6nnen, zumindest eine gewisse Zeit qualitativ auf Sparflamme zu laufen, denn herabgestuft wird so schnell niemand. Im Burgund besteht dieses Problem zwar nicht, daf\u00fcr sind aber die allerwenigsten Lagen im Alleinbesitz, sondern meist unter etlichen Winzern aufgeteilt, die mit dem Traubenmaterial sehr gut oder auch sehr schlecht verfahren k\u00f6nnen &#8211; entsprechend gro\u00df ist die qualitative Bandbreite. Ausgewiesene Kenner wiederum sind in der Lage, aus den Systemen ihren Vorteil ziehen: entdecken sie den Erzeugnissen der Spitzeng\u00fcter oder -lagen qualitativ ebenb\u00fcrtige Weine aus nachrangigen Klassen, l\u00e4sst sich viel Geld sparen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"720\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/vignes-fleuries-2-Kopie-1200x720.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-201453\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/vignes-fleuries-2-Kopie-1200x720.jpg 1200w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/vignes-fleuries-2-Kopie-300x180.jpg 300w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/vignes-fleuries-2-Kopie-768x461.jpg 768w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/vignes-fleuries-2-Kopie-1536x922.jpg 1536w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/vignes-fleuries-2-Kopie.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber Geld muss man zwangsl\u00e4ufig auch sprechen, wenn man sich mit franz\u00f6sischen Weinen auseinandersetzt. Sehr lange Zeit war Frankreich weltweit das einzige Land &#8211; mit Ausnahme des deutschen S\u00fc\u00dfwein-Booms um die vorletzte Jahrhundertwende -, das wie selbstverst\u00e4ndlich H\u00f6chstpreise f\u00fcr seine Weine verlangen konnte. Doch auch wenn f\u00fcr die italienischen Super-Toskaner und erstklassige Rioja-Tempranillos mittlerweile ebenso viele hundert Euro aufgerufen werden und die qualitative F\u00fchrerschaft Frankreichs nach geradezu skandal\u00f6sen Blindverkostungen wie der Weinjury von Paris 1976 etwas ins Wanken geraten ist &#8211; die Preisspirale dreht sich munter weiter nach oben, ohne dass sich die gro\u00dfen H\u00e4user f\u00fcr die astronomischen Betr\u00e4ge rechtfertigen m\u00fcssten. Das hat sicherlich etwas mit der nach wie vor un\u00fcbertroffenen Lagerf\u00e4higkeit von etlichen Jahrzehnten zu tun &#8211; viele Weine dienen nicht in erster Linie als Genussmittel , sondern verschwinden auf Ewigkeiten in den Kellern von Spekulanten, in j\u00fcngerer Zeit besonders in China. Nicht zu untersch\u00e4tzen ist aber auch der Mythos, der insbesondere die ganz gro\u00dfen Namen wie P\u00e9trus, Roman\u00e9e-Conti oder D\u2019Yquem umgibt und der Weinliebhaber regelm\u00e4\u00dfig um den Verstand bringt. Eine h\u00fcbsche Anekdote ist die einer Versteigerung von Weinen des sp\u00e4ter als F\u00e4lscher enttarnten Rudy Kurniawan: als ein aufmerksamer Teilnehmer aufstand und dem Publikum zuverl\u00e4ssig darlegte, dass es sich keinesfalls um echte Flaschen handeln k\u00f6nnte, wurde er von der Menge beschimpft und niedergeschrien &#8211; so stark war das Verlangen, einen der Weine zu besitzen, v\u00f6llig egal, ob gef\u00e4lscht oder nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Drei Viertel der Gesamternte entfallen auf rote Rebsorten. Platz eins reklamiert der Merlot f\u00fcr sich &#8211; er stellt kaum Anspr\u00fcche an den Boden und liefert hohe Ertr\u00e4ge, was ihn neben seiner fr\u00fchen Trinkreife bereits nach wenigen Jahren bei Winzern und Konsumenten gleicherma\u00dfen beliebt macht. Sehr h\u00e4ufig wird er mit anderen Rebsorten verschnitten, um diese von seiner vollmundigen, sanften Frucht und leichten Zug\u00e4nglichkeit profitieren zu lassen. Er ist &#8211; vor allem wegen seiner harmonisierenden F\u00e4higkeiten und seiner Affinit\u00e4t zur Fasslagerung &#8211; eine der sechs f\u00fcr Bordeauxweine zugelassenen Trauben und wird insbesondere in Pomerol und Saint-\u00c9milion gesch\u00e4tzt, wo sein Anteil am Cuv\u00e9e meist bei mehr als drei Vierteln liegt und manche Chateaux ihm sogar Reinsortigkeit zugestehen. An zweiter Stelle folgt der Grenache, urspr\u00fcnglich eigentlich ein Spanier. Sein vergleichsweise geringer Gerbstoff- bei hohem Alkoholgehalt und die helle Farbe des Mostes pr\u00e4destinieren auch ihn f\u00fcr den Verschnitt mit kr\u00e4ftigeren Reben, die wiederum von seiner saftigen Fruchtf\u00fclle zehren k\u00f6nnen. Besonders im S\u00fcden sch\u00e4tzt man ihn, an der s\u00fcdlichen Rh\u00f4ne pr\u00e4sentiert er sich als Basis f\u00fcr Blanc de Noir ebenso wie f\u00fcr Ros\u00e9 und Rotweine als wahres Multitalent, das den unkomplizierten Alltagstropfen ebenso beherrscht wie den weltbekannten Ch\u00e2teauneuf-du-Pape. Der beliebteste Verschnittpartner f\u00fcr Grenache ist der Syrah, gleichzeitig die Nummer drei der franz\u00f6sischen Roten. Er liebt trockenes, hei\u00dfes Klima mit viel direkter Sonneneinstrahlung und f\u00fchlt sich deshalb an seinem \u201eGeburtsort\u201c im Rh\u00f4netal nach wie vor am wohlsten, in dessen n\u00f6rdlichen Appellationen er sogar die einzige amtlich zugelassene rote Rebe ist. Sein bet\u00f6rendes Johannisbeer-Bukett, der tiefdunkle Farbton und der kr\u00e4ftig-w\u00fcrzige Tanninteppich machen den Syrah zum idealen Begleiter kr\u00e4ftiger Speisen, der nebenbei ein hervorragendes Alterungspotential besitzt. Er z\u00e4hlt ebenso wie Merlot und Grenache zu den Gewinnern des Wandels in der franz\u00f6sischen Rotweinwelt weg von schweren, s\u00e4urelastigen, aber wenig aromatischen Weinen hin zu feinen, fruchtbetonten Tropfen &#8211; der Carignan etwa, bis vor einigen Jahrzehnten noch die popul\u00e4rste Rebsorte des Landes, wurde massiv gerodet und konnte sich eigentlich nur in der ehemaligen Kolonie Algerien nachhaltig behaupten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die meistangebaute wei\u00dfe Rebe ist ironischerweise recht unbekannt. Der Ugni Blanc &#8211; vertrauter vielleicht noch unter seinem italienischen Namen Trebbiano, denn von dort stammt er auch &#8211; ist ein Massentr\u00e4ger und liefert als solcher eher flache, s\u00e4uerliche Weine &#8211; die gerade angesprochene \u201ealte Schule\u201c und nicht mehr unbedingt etwas, das man Freunden gern serviert. Dass die Produktion dennoch nach wie vor so hoch ist, h\u00e4ngt damit zusammen, dass Frankreich auch \u00fcber eine florierende Branntweinproduktion verf\u00fcgt. Die ber\u00fchmtesten unter ihnen sind der Cognac und der Armagnac. Zu verdanken ist ihre Erfindung nicht etwa dem Verlangen der Menschen, noch schneller betrunken zu werden, sondern der langen Dauer der Seereisen, w\u00e4hrend derer zum Export bestimmter Wein oftmals schlicht kippte. Gl\u00fccklicherweise hatte man von den Mauren die Technik der Destillation \u00fcbernommen, ebenso die Erkenntnis, dass Hochprozentiges sich sehr lange h\u00e4lt. \u00dcber Jahrhunderte hinweg betrachtete man Getr\u00e4nke jenseits der 20 Volumenprozent allerdings als reine Medizin &#8211; und verd\u00fcnnte den Weinbrand entsprechend wieder auf den Alkoholgehalt eines normalen Weines, wenn er seinen Zielort erreicht hatte\u2026 Auf Platz zwei folgt der Chardonnay, der im Burgund die dominierende wei\u00dfe Rebe &#8211; besonders begehrt aus weltbekannten Appellationen wie Puligny-Montrachet oder Meursault -, und ebenso Bestandteil des Champagners ist. Er wird f\u00fcr seinen K\u00f6rperreichtum gesch\u00e4tzt, kommt aber von Natur aus eher schlank und geschmacklich neutral daher, darum baut man ihn oft im Fass aus. Seit den 80ern ist die weltweite Nachfrage massiv angestiegen, weswegen sich seine Anbaufl\u00e4che in Frankreich innerhalb eines halben Jahrhunderts versechsfacht hat. Ebenfalls ein Gewinner ver\u00e4nderter Trinkgewohnheiten ist der urspr\u00fcnglich von der Loire stammende Sauvignon Blanc, der bei den Wei\u00dfen den dritten Platz belegt. Zu au\u00dfergew\u00f6hnlicher Qualit\u00e4t gelangt der feinfruchtige Wein mit dem charakteristischen Aroma von Stachelbeeren oder auch gr\u00fcner Paprika in den Bordeaux-Unterregionen Graves und Entre deux mers, auch ist er ein wichtiger Verschnittpartner f\u00fcr die ber\u00fchmten S\u00fc\u00dfweine von Sauternes. Am bekanntesten aber sind die Loire-Klassiker Sancerre und Pouilly-Fum\u00e9, der auf B\u00f6den mit hohem Feuersteinanteil w\u00e4chst und deswegen ein leicht rauchiges Aroma annimmt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"800\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Benjamin-Leroux_Bilder_Benjamin-in-the-cellar-Kopie-1200x800.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-201454\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Benjamin-Leroux_Bilder_Benjamin-in-the-cellar-Kopie-1200x800.jpg 1200w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Benjamin-Leroux_Bilder_Benjamin-in-the-cellar-Kopie-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Benjamin-Leroux_Bilder_Benjamin-in-the-cellar-Kopie-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Benjamin-Leroux_Bilder_Benjamin-in-the-cellar-Kopie-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Benjamin-Leroux_Bilder_Benjamin-in-the-cellar-Kopie.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Mit Ausnahme des Nordens, wo in Normandie und Bretagne das Klima tats\u00e4chlich zu unwirtlich f\u00fcr den Weinbau ist, werden in fast jeder Region Reben gepflegt &#8211; der Kulturraum Frankreich ist mit seiner Ausdehnung von den Pyren\u00e4en bis zum \u00c4rmelkanal, vom Rhein bis zum Mittelmeer und von den Alpen bis zum Atlantik in seinen klimatischen und landschaftlichen Variationen absolut einzigartig. Ob im Nordwesten in der Champagne, im \u00f6stlich gelegenen Loire-Tal oder in den eher unbekannten Exklaven Jura und Savoyen ganz im Westen &#8211; jedes Anbaugebiet wartet mit einer ganz eigenen Kombination aus klimatischen Verh\u00e4ltnissen, Bodenbeschaffenheiten und daran angepassten Trauben auf. Viele sind lokale Spezialit\u00e4ten, die sich sonst nirgendwo im Land ein zweites Mal finden lassen: der Gew\u00fcrztraminer etwa ist aus dem Elsass nicht wegzudenken, im Rest Frankreichs aber unbekannt. Eng damit verbunden ist der Gedanke des Terroirs: jedes Fleckchen Erde hat seine ganz eigenen Vor- und Nachteile, die es f\u00fcr den Anbau einer ganz bestimmten Rebsorte pr\u00e4destinieren. Der Wein sollte dabei die Charakteristika seines Terroirs widerspiegeln und zudem in einer lokalen Traditionslinie stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Gro\u00dfteil des franz\u00f6sischen Weinbaus konzentriert sich im S\u00fcdwesten und S\u00fcden: im Uhrzeigersinn finden sich sich hier am Mittelmeer die vor allem f\u00fcr Ros\u00e9weine bekannte Provence, das Tal der Rh\u00f4ne und das riesige Languedoc-Roussillon, auf der Atlantikseite dann schlie\u00dflich der S\u00fcdwesten und Bordeaux. Generell ist die Einteilung in Frankreich auf Ebene der Weinbaugebiete vergleichsweise grob, mit 14 ebendieser verf\u00fcgt es \u00fcber ziemlich genau so viele wie Nachbar Deutschland, weist aber mit \u00fcber 700 000 Hektar siebenmal so viel bestockte Fl\u00e4che auf. Aber Fan vom stumpfen Vergleich nackter Zahlen war man in Frankreich noch nie: Italiener, die auf ihre noch h\u00f6here Produktion verweisen, werden ebenso scheel angesehen wie Spanier, die auf ihre noch h\u00f6here Rebfl\u00e4che pochen. Denn die Grande Nation hat ihnen allen etwas voraus, und das ist ihr genialer Erfindergeist. Nicht nur theoretische Neuerungen wie Klassifikationssysteme gehen auf sie zur\u00fcck, sondern auch ganz praktische, den Wein unmittelbar verbessernde. Die wohl bekannteste, weil wie vieles andere aus Frankreich mittlerweile internationaler Standard, ist der Barrique-Ausbau. Lagerung und Transport in Holzf\u00e4ssern sind schon seit der Antike belegt und unterschieden die Kelten von den sie kolonisierenden Griechen und R\u00f6mern, die stattdessen Tonamphoren nutzten. Als man im ausgehenden Mittelalter und der Fr\u00fchen Neuzeit den Export franz\u00f6sischer Weine institutionalisierte &#8211; einerseits nach England, andererseits in die Hansest\u00e4dte im Nord- und Ostseeraum -, stellte man fest, dass sich w\u00e4hrend der langen Zeit auf See zwei entscheidende Ver\u00e4nderungen vollzogen: zum einen war der Wein pl\u00f6tzlich deutlich l\u00e4nger haltbar, zum anderen hatte er ein bet\u00f6rendes Vanille-Aroma und ein feines pelziges Mundgef\u00fchl angenommen. Schnell und folgerichtig brachte man das in Verbindung mit dem Prozess des Verkohlens der F\u00e4sser von innen &#8211; eigentlich blo\u00df eine pragmatische Technik, um die Dauben biegsamer zu machen. Dass man sich die bisher unbekannte, den freigesetzten Tanninen geschuldete Komplexit\u00e4t des Weines von der Kundschaft f\u00fcrstlich entlohnen lassen wollte, da war man sich schnell einig &#8211; auch wenn man sich bis zum heutigen Tage nicht auf ein einheitliches Fassungsverm\u00f6gen einigen konnte: das Bordeaux-Barrique wartet mit 225 Litern auf, jenes aus dem Burgund mit 228 Litern.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein bisschen Starthilfe brauchten die Franzosen aber doch, bevor sie selbst das Heft in die Hand nahmen. Die Griechen lieferten sie, indem sie vor etwa 2500 Jahren die Hafenstadt Massalia, das heutige Marseille, gr\u00fcndeten und in der Umgebung die ersten Reben in die Erde brachten. Als Gallien r\u00f6mische Provinz wurde, war man schon so weit auf den Geschmack gekommen, dass man Wein extra aus Italien importieren lie\u00df. Doch mit dem Zusammenbruch des R\u00f6mischen Reiches verschwand auch die Weinkultur f\u00fcr viele Jahrhunderte von der Bildfl\u00e4che. Das Wissen darum wurde nur an wenigen Orten konserviert, die von \u00e4u\u00dferen Krisen weitgehend verschont blieben und sich deswegen zu Zentren der Gelehrsamkeit entwickelten: den Kl\u00f6stern. Die M\u00f6nche waren es, die im Hochmittelalter dem Weinbau zu neuer Bl\u00fcte verhalfen: einerseits brauchte man den Rebensaft ohnehin als Messwein, andererseits verlangten die H\u00f6fe aufstrebender Adliger zu Repr\u00e4sentationszwecken danach. Obwohl Frankreich fr\u00fch ein zentralistischer Staat wurde, kristallisierten sich in den traditionell sehr heterogenen Regionen ganz eigene Stilistiken heraus: w\u00e4hrend man in Bordeaux die Cuv\u00e9e zum Ma\u00df der Dinge erhob, erzeugte man im Burgund reinsortige Weine &#8211; die erste H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts wurde zum Goldenen Zeitalter. Dann brach erst der Mehltau herein und w\u00fctete f\u00fcrchterlich, dann folgte die Reblaus und vernichtete alles, was noch \u00fcbrig war &#8211; insgesamt eine Fl\u00e4che gr\u00f6\u00dfer als Hessen. Auch die beiden Weltkriege haben dem franz\u00f6sischen Weinbau ziemlich zugesetzt, allerdings avancierten Bordeaux und Champagner insbesondere w\u00e4hrend der Besatzung durch die Nazis zu Lebensmitteln des Widerstands, die heimliche Tr\u00e4ger der vaterl\u00e4ndischen Ehre waren und deshalb mit gro\u00dfem Einfallsreichtum und oft unter Lebensgefahr vor den Deutschen versteckt wurden. Viele historische Narben, die man aber gl\u00fccklicherweise kaum noch sieht &#8211; au\u00dfer vielleicht im Elsass, das mit seiner Weinkultur so gar nicht zum Rest der Republik passen will, sondern deutlich eher an Deutschland orientiert ist. Kein Wunder, war es doch bis 1648 Teil des Heiligen R\u00f6mischen Reiches und wechselte in den folgenden Jahrhunderten erzwungenerma\u00dfen st\u00e4ndig die Zugeh\u00f6rigkeit. Mittlerweile jedoch kann es mit seiner Kombination aus deutsch inspirierter Kulinarik und franz\u00f6sischer Lebensart als Musterbeispiel f\u00fcr V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung gelten.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"628\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Krug-Jenny-Zarins-Vineyards-3_veryhigh.width-9500x-prop-Kopie-1200x628.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-201455\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Krug-Jenny-Zarins-Vineyards-3_veryhigh.width-9500x-prop-Kopie-1200x628.png 1200w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Krug-Jenny-Zarins-Vineyards-3_veryhigh.width-9500x-prop-Kopie-300x157.png 300w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Krug-Jenny-Zarins-Vineyards-3_veryhigh.width-9500x-prop-Kopie-768x402.png 768w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Krug-Jenny-Zarins-Vineyards-3_veryhigh.width-9500x-prop-Kopie-1536x803.png 1536w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Krug-Jenny-Zarins-Vineyards-3_veryhigh.width-9500x-prop-Kopie.png 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Ressentiments sind seit Jahrzehnten \u00fcberwunden, nationale Stereotypen aber dennoch irgendwo erhalten geblieben. Und kaum einer ist im Ausland so sehr im Unterbewusstsein verwurzelt wie der liebevolle des Franzosen mit Rotweinglas und Baguette. Und wie in den meisten Vorurteilen irgendwo ein F\u00fcnkchen Wahrheit steckt, ist diese angedeutete Symbiose zwischen der Bev\u00f6lkerung und einem wie selbstverst\u00e4ndlich in den Alltag integrierten Genuss immer wieder zu beobachten &#8211; nicht umsonst verlieh die UNESCO der franz\u00f6sischen Nationalk\u00fcche 2010 den Welterbestatus. Ob die intellektuelle Boh\u00e8me in den Pariser Caf\u00e9s oder die Fischer der C\u00f4te d\u2019Azur in ihren kleinen Hafenbars &#8211; keine soziale Gruppe verzichtet gern auf gastronomische Teilhabe. Dabei geht es in den seltensten F\u00e4llen um G\u00e4nsestopfleber und Froschschenkel, sondern um die reichhaltigen regionalen Spezialit\u00e4ten &#8211; und nat\u00fcrlich die sie begleitenden Weine. Jeder Franzose konsumiert im Schnitt 50 Liter Wein pro Jahr, womit er sich allein den noch etwas trinkfreudigeren Portugiesen geschlagen geben muss. W\u00e4hrend man zur els\u00e4ssischen Choucroute garnie, einem Sauerkrautgericht mit Wurst und Kartoffeln, gern den trockenen Riesling der Region reicht, ist es im Languedoc oft der tiefdunkle, gerbstoffreiche Tannat aus Madiran, der das Cassoulet begleitet, einen deftigen Eintopf aus Bohnen, Speck und W\u00fcrstchen. Zum Bresse-Huhn aus der Gegend um Lyon genie\u00dft man gern einen Chardonnay aus dem M\u00e2connais und die gem\u00fcse- und fischreiche mediterrane K\u00fcche der Provence mit ihrem Ratatouille und ihrer Bouillabaisse vertr\u00e4gt sich gut mit einem kr\u00e4ftig-kr\u00e4uterigen Ros\u00e9. Nicht ganz so einfach ist die Sache mit Austern &#8211; fr\u00fcher ein Arme-Leute-Essen, werden heute ganze B\u00fccher \u00fcber die korrekte Weinbegleitung verfasst. Der Klassiker schlechthin ist nat\u00fcrlich Champagner, aber letztlich bietet sich alles an, was trocken und entweder zitrusbetont, kreidig-hefig oder steinig-mineralisch ist: ein Aligot\u00e9 ebenso wie ein Muscadet oder auch ein leichter, knochentrockener Roter. Von den \u00fcber 400 franz\u00f6sischen K\u00e4sesorten wollen wir jetzt besser gar nicht anfangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Man sieht also: Frankreich hat die Weinwelt gepr\u00e4gt wie kaum ein anderes Land &#8211; in den fachsprachlichen Begrifflichkeiten, der Kellertechnik, im Geschmack. Und ist im Gro\u00dfen und Ganzen eher konservativ unterwegs: Schraubverschl\u00fcsse, wie sie in Deutschland mittlerweile v\u00f6llig normal sind, gelten den meisten franz\u00f6sischen Winzern noch immer als Sakrileg. B\u00f6se Zungen w\u00fcrden gar behaupten, Frankreich ruhe sich zu sehr auf seiner Historie aus und zehre von vergangenem Ruhm. Aber ist es nicht viel eher so, dass die franz\u00f6sische Weinkultur einem nie versiegenden Brunnen gleicht, aus dem sich unbegrenzt immer wieder Neues sch\u00f6pfen l\u00e4sst? Man nehme als Beispiel nur die Insel Korsika, die trotz ihres steilen Aufstiegs seit den 70ern und ihrer extrem breiten Rebsortenpalette nach wie vor als Geheimtipp gilt. Und wenn die Welt franz\u00f6sischen Wein irgendwann nicht mehr haben will &#8211; wovon indessen nicht auszugehen ist -, dann trinken die Einheimischen ihn halt selbst &#8211; schon jetzt bleibt der gr\u00f6\u00dfte Teil des erzeugten Rebensaftes im eigenen Land. Ob nun die Franzosen oder doch Gott f\u00fcr diese fast schon unversch\u00e4mte Reichhaltigkeit verantwortlich sind, wird sich wohl nicht kl\u00e4ren lassen &#8211; aber das \u201esavoir vivre\u201c lieben sie wohl beide.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leben wie Gott in Frankreich &#8211; das wollen wir doch alle. 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