{"id":201660,"date":"2023-10-11T17:00:00","date_gmt":"2023-10-11T15:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/?p=201660"},"modified":"2023-10-11T10:41:15","modified_gmt":"2023-10-11T08:41:15","slug":"das-weinbaugebiet-bordeaux","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/2023\/10\/das-weinbaugebiet-bordeaux\/","title":{"rendered":"Das Weinbaugebiet Bordeaux"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Geschichte und Wissenswertes \u00fcber das Bordelais<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Kein dem Wein noch so reserviert gegen\u00fcberstehender Biertrinker, kein noch so \u00fcberzeugter Abstinenzler, der mit diesem Namen nichts anfangen kann: wenn es um Bordeaux geht, hat doch jeder schon mal irgendwas geh\u00f6rt. Klar, Reisep\u00e4sse haben diese Farbe. Aber darum geht es nicht. Sondern eher um die wundersch\u00f6nen Schl\u00f6sser, tiefen Gew\u00f6lbekeller, gro\u00dfen Namen und astronomischen Preise. All diese gedanklichen Bilder sind wahr &#8211; und auch wieder nicht. Denn in Bordeaux sind zwar viele Dinge bis ins kleinste Detail geregelt, andere wiederum erscheinen ganz und gar nicht so, wie man sie vielleicht erwartet h\u00e4tte. Doch dazu sp\u00e4ter mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Bordeaux &#8211; oder Bordelais, wie es die Franzosen selbst nennen &#8211; liegt auf einem riesigen Kalksteinsockel und vereinigt 110 000 Hektar auf sich. Damit ist es nicht nur gr\u00f6\u00dfer als die Rebfl\u00e4che ganz Deutschlands, sondern sogar das gr\u00f6\u00dfte geschlossene Weinbaugebiet der Welt. Der insgesamt produzierte Most liegt mit etwa sechs Millionen Hektolitern zwar hinter dem deutschen mit neun Millionen, dies aber ist eher ein Zeichen daf\u00fcr, dass in Bordeaux deutlich mehr qualitativ hochwertiger Wein produziert wird. Und ohnehin befinden wir uns im ertragreichsten Weinbaugebiet des Kontinents. Die Weintraube ist hier bildlich gesprochen der gr\u00f6\u00dfte Arbeitgeber: mehr als 55 000 Menschen sind in der Branche besch\u00e4ftigt. Allein schon deswegen sollte man nicht davon ausgehen, es mit einem homogenen Anbaugebiet zu tun zu haben. Beginnen wir am besten in der Herzkammer des Bordeaux, dem M\u00e9doc. Bis vor etwa 150 Jahren fand sich hier nur eine unwirtliche, windige D\u00fcnenlandschaft mit nicht mehr als ein wenig Gestr\u00fcpp &#8211; dann begann man, durch die Pflanzung von Kiefern das Sumpfland zu entw\u00e4ssern und den kargen B\u00f6den feine, hochkomplexe Tropfen abzutrotzen. Die dreiecksf\u00f6rmige Halbinsel wird im Westen vom Meer, im Osten von der Gironde begrenzt, der Hauptschlagader der Region. Streng genommen ist die Gironde kein Fluss, sondern ein \u00c4stuar &#8211; die trichterf\u00f6rmige gemeinsame M\u00fcndung der Fl\u00fcsse Garonne und Dordogne an der flachgr\u00fcndigen Senkungsk\u00fcste des Atlantik. Hier, wo das Klima dank des Ozeans besonders mild und ohne gr\u00f6\u00dfere Schwankungen ist, reihen sich die kommunalen Appellationen aneinander wie Perlen an einer Schnur: Saint-Est\u00e8phe etwa, dessen gerbstoff- und s\u00e4urebetonten Weine mit leicht mineralischer Note pr\u00e4destiniert sind f\u00fcr einen langen Dornr\u00f6schenschlaf im heimischen Weinkeller. Pauillac mit den wohl gewaltigsten Roten der ganzen Region, deren \u00fcberw\u00e4ltigende F\u00fclle sich erst mit den Jahren selbst z\u00e4hmt und dann in ein charakteristisches Bouquet nach Zedernholz und Schwarzen Johannisbeeren hin\u00fcbergleitet. Oder auch die hocheleganten Weine aus Margaux, deren bet\u00f6rende floral-w\u00fcrzige Finesse mit den Jahren Ausdruck in einer leichten Veilchenaromatik findet.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"800\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/CH.CANTIN-489-Kopie-1200x800.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-201674\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/CH.CANTIN-489-Kopie-1200x800.jpg 1200w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/CH.CANTIN-489-Kopie-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/CH.CANTIN-489-Kopie-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/CH.CANTIN-489-Kopie.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Der ansonsten eher unbeliebte Kaiser Napoleon III. war es, der 1855 anl\u00e4sslich der Weltausstellung ein geradezu bahnbrechendes Klassifikationssystem auf den Weg brachte, das bis zum heutigen Tage seine G\u00fcltigkeit bewahrt hat. Es legt &#8211; anders als jenes im Burgund, das das Potential der einzelnen Lagen als Grundlage nimmt &#8211; den Fokus auf die Chateaus und errechnete sich damals nach den Preisen, die ebenjene in den vergangenen hundert Jahren im Durchschnitt f\u00fcr ihre Weine aufrufen konnten. Diese Chateaus k\u00f6nnen &#8211; wie man es sich als Besucher gern vorstellt und viele G\u00fcter auch mit der Abbildung ihres Anwesens auf den Flaschen suggerieren &#8211; hochherrschaftliche Anwesen sein, wie etwa Margaux mit seinem klassizistischen Portal, Palmer mit seinen schlanken T\u00fcrmchen oder das \u201eVersailles des M\u00e9doc\u201c, Chateau Beychevelle. Unter den mehreren tausend Chateaus sind aber auch viele, die optisch eher an einen Bauernhof erinnern. Denn anders als in den meisten anderen Teilen Frankreichs war Gutsbesitz nicht allein dem Adel vorbehalten, sondern stand auch dem B\u00fcrgertum offen &#8211; der Grund daf\u00fcr, dass w\u00e4hrend der Franz\u00f6sischen Revolution hier kaum Enteignungen vorgenommen wurden und die historische Kontinuit\u00e4t zwischen einem Gut und seinen Besitzungen und Besitzern hoch ist. Die Abf\u00fcllung der Weine vor Ort, die ja den Chateau-Wein eigentlich erst vollkommen macht, setzte sich jedoch vor gerade einmal hundert Jahren als Reaktion auf unsch\u00f6ne Panscherei-Skandale durch.<\/p>\n\n\n\n<p>Unterschieden wird seit 1855 also zwischen der gro\u00dfen Menge der Crus Bourgeoises und dem feinen Sahneh\u00e4ubchen obendrauf, das die Grand Crus Class\u00e9s bilden. Diese 61 Betriebe sind wiederum in f\u00fcnf Klassen unterteilt, von Cinqui\u00e8me bis Premier. In dieser obersten finden sich die legend\u00e4ren F\u00fcnf, deren Namen die Herzen von Weinliebhabern rund um den Globus h\u00f6her schlagen lassen: Margaux in der gleichnamigen Appellation, Haut-Brion im streng genommen nicht mehr zum M\u00e9doc geh\u00f6renden Pessac-L\u00e9ognan und in Pauillac die G\u00fcter Latour, Lafite-Rothschild und Mouton-Rothschild. Letzteres gelangte erst im Jahr 1973 in den Wein-Olymp &#8211; nicht als blo\u00dfer Verwaltungsakt, sondern standesgem\u00e4\u00df vorgenommen vom Landwirtschaftsminister und sp\u00e4teren Pr\u00e4sidenten Jacques Chirac. Mouton-Rothschild ist ohnehin geradezu ein Punk unter den sonst sehr konservativ-distinguierten Erscheinungen: jedes Jahr gestaltet ein anderer namhafter K\u00fcnstler das Flaschenetikett. Was 1945 anl\u00e4sslich der Befreiung von der deutschen Besatzung begann, wurde von Gr\u00f6\u00dfen wie Picasso, Warhol, Kandinsky und Gerhard Richter mit teilweise sehr kontroversen Werken fortgef\u00fchrt. Sein Aufr\u00fccken von der zweiten in die erste Klasse war die einzige Ver\u00e4nderung, die seit nunmehr 170 Jahren am etablierten System vorgenommen wurde. Dabei sind die qualitativen Unterschiede zwischen h\u00f6her- und niederrangigen Chateaus oft geringer als solche zwischen verschiedenen Jahrg\u00e4ngen ein und desselben Betriebes. Ohnehin wird die starre Ordnung oft kritisiert, l\u00e4sst sie den umgangssprachlich auch \u201e5er\u201c oder \u201e4er\u201c bezeichneten H\u00e4usern doch kaum die M\u00f6glichkeit, f\u00fcr ihre Weine \u00e4hnlich hohe Preise zu verlangen wie ihre Kollegen aus den h\u00f6heren Ligen, auch wenn sie sich noch so viel M\u00fche geben.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"800\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/CH.CANTIN-514-Kopie-1200x800.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-201675\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/CH.CANTIN-514-Kopie-1200x800.jpg 1200w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/CH.CANTIN-514-Kopie-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/CH.CANTIN-514-Kopie-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/CH.CANTIN-514-Kopie.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>M\u00e9doc ist nicht die einzige Region am linken Ufer der Gironde, weiter aufw\u00e4rts liegen auch die langgestreckten Graves mit ihren Pinienw\u00e4ldern, wo vor \u00fcber 2000 Jahren die Weinbau-Historie ihren Anfang nahm. Die Unterscheidung zwischen den beiden Flussufern ist dabei kein rein geografischer: auf der linken Seite dominiert Cabernet Sauvignon die Cuv\u00e9es, was ihnen eine gewisse Strenge verleiht, meist gepaart mit zupackendem Tannin und knackiger S\u00e4ure &#8211; die besten Voraussetzungen f\u00fcr eine lange Flaschenreife. So dunkel und gehaltvoll waren die Weine allerdings nicht immer: zu Beginn der Fr\u00fchen Neuzeit muss man sie sich eher blassrot vorstellen, wovon die englische Bezeichnung \u201eClaret\u201c zeugt, die damals zur Unterscheidung von den kr\u00e4ftigen Rotweinen der Iberischen Halbinsel gebraucht wurde und bis heute der \u00fcbliche Name f\u00fcr Bordeaux in Gro\u00dfbritannien ist. Damals verschnitt man die leichten Weine gern mit kr\u00e4ftigeren aus dem franz\u00f6sischen S\u00fcdwesten.<\/p>\n\n\n\n<p>Am rechten Ufer hingegen ist der Merlot Hauptakteur in den Weinen, was diese allgemein fruchtbetonter, fr\u00fcher zug\u00e4nglich und sanfter im Geschmack macht. Im Gegensatz zum Cabernet Sauvignon, dem es daf\u00fcr an F\u00fclle mangelt, wird Merlot hin und wieder auch mal sortenrein ausgebaut. Etwa vom Chateau P\u00e9trus, dessen namensgebende Heiligenfigur aus flechten\u00fcberwachsenem Stein so etwas wie ein kleines Wahrzeichen des Pomerol ist, in dem wir uns nun befinden. Es profitiert ebenso wie seine nur unwesentlich weniger bekannten Nachbarn Lafleur, La Conseillante und Le Pin vom hohen Kiesanteil und dem darunter liegenden, stark eisenhaltigen Lehm. Das Resultat sind warme, samtig-mollige Tropfen mit feiner Tr\u00fcffelaromatik, die von den Franzosen liebevoll als \u201egras\u201c, fett, bezeichnet werden. Pomerol gilt mit nur 800 Hektar als die kleinste Appellation im ganzen Bordelais, aber als qualitatives Zentrum des Libournais &#8211; zusammen mit dem s\u00fcdlich gelegenen Saint-\u00c9milion. In dieser AOC wird die seit 1955 bestehende Klassifizierung anders als im M\u00e9doc alle zehn Jahre einer \u00dcberpr\u00fcfung unterzogen, was jedoch zu erbitterten Gerichtsprozessen und j\u00fcngst aufgrund von Streit \u00fcber die Bewertungsgrundlagen sogar zum freiwilligen Ausscheiden der Spitzeng\u00fcter Cheval Blanc, Ang\u00e9lus und Ausone f\u00fchrte. Wo der Merlot jedoch kein Solo spielt, wird er oft vom Cabernet Franc verfeinert, der eine gewisse Schwere und W\u00fcrzigkeit mit einbringt. Er ist eine von vier \u201eNebensorten\u201c, die die beiden Leitreben geschmacklich unterst\u00fctzen. Au\u00dfer ihm setzt man gern auf den kr\u00e4ftig-kantigen Petit Verdot. Der sehr farbintensive, fruchtige Malbec und die s\u00fcffige Carm\u00e9n\u00e8re mit dunkler Aromatik nach Tabak und Leder sind aufgrund ihrer Empfindlichkeit inzwischen nahezu vollst\u00e4ndig aus den Weinbergen verschwunden. Daf\u00fcr dr\u00e4ngen seht 2021 sechs neu zugelassene Reben ins Feld, die den Anforderungen immer hei\u00dferer und trockenerer Sommer Rechnung tragen sollen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"800\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/panneau-vignoble-1200x800.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-201676\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/panneau-vignoble-1200x800.jpg 1200w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/panneau-vignoble-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/panneau-vignoble-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/panneau-vignoble.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Bordeauxweine, zumindest die besseren roten, sind definitiv nichts f\u00fcr Ungeduldige: f\u00fcnf Jahre Zeit sollte man ihnen mindestens geben, um ihren Charakter geb\u00fchrend offenbaren zu k\u00f6nnen. Und viele Grand Crus werden von gut betuchten Sammlern nicht f\u00fcr den eigenen Genuss erworben, sondern sollen Kindern und Enkeln als langfristige Wertanlage dienen. Ohnehin empfiehlt es sich, die Weine nur direkt ab Weingut (was jedoch als nahezu unm\u00f6glich gilt) oder aber vom Fachh\u00e4ndler des Vertrauens zu beziehen: insbesondere \u00e4ltere Flaschen auf Auktionsplattformen und in der Gastronomie sind h\u00e4ufig das Produkt versierter F\u00e4lscher: vom Chateau P\u00e9trus aus 1982, einem Jahrhundertjahrgang mit 100 Parker-Punkten, werden in Las Vegas jeden einzelnen Monat mehr Flaschen entkorkt, als man damals insgesamt produziert hatte. Apropos Parker: ohne den Weinkritiker aus Baltimore scheint nichts zu gehen in der Vermarktung, was ein erstes Indiz daf\u00fcr liefert, dass das Bordelais ohne den Einfluss der angels\u00e4chsischen Welt nicht den Weltruhm heutiger Tage erreicht h\u00e4tte. Die begehrten Punkte lassen sich dabei oft genug eins zu eins in Ladenpreise umrechnen. Das implizite Diktat der Preispolitik gilt vielen aber weit weniger bedenklich als die \u201eParkerisierung\u201c des Geschmacks: dem nahezu unangreifbaren Weinpapst wird vorgeworfen, mit seiner Bevorzugung alkoholreicher, stark konzentrierter Weine aus hochreifem Lesegut und gepr\u00e4gt durch kr\u00e4ftige Holzt\u00f6ne haupts\u00e4chlich dem Geschmack seiner amerikanischen Kunden Rechnung zu tragen und damit die unterschiedlichen lokalen Traditionen historischer Kulturlandschaften nach und nach einzuebnen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"800\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/REPORTAGE-CH-LESTAGE-SIMON-CHAI-BARRIQUES-1200x800.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-201677\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/REPORTAGE-CH-LESTAGE-SIMON-CHAI-BARRIQUES-1200x800.jpg 1200w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/REPORTAGE-CH-LESTAGE-SIMON-CHAI-BARRIQUES-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/REPORTAGE-CH-LESTAGE-SIMON-CHAI-BARRIQUES-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/REPORTAGE-CH-LESTAGE-SIMON-CHAI-BARRIQUES.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Dabei wird den Franzosen landl\u00e4ufig eigentlich unterstellt, keinerlei fremde Einmischung in ihre Angelegenheiten zu dulden &#8211; doch an der Entwicklung des Bordeaux hatten Ausl\u00e4nder seit jeher einen gro\u00dfen Anteil. Auch wenn es die Einheimischen nicht gerne h\u00f6ren, die Glorie der Bordeaux-Weine verdanken sie in nicht geringem Ma\u00dfe Engl\u00e4nder und Iren. Die ganz und gar nicht franz\u00f6sischen Namen vieler Chateaus wie Talbot, Belgrave oder Kirwan erinnern daran, dass jahrhundertelang enge Bande zwischen Frankreich und den Britischen Inseln bestanden. Die ersten wurden vor fast 900 Jahren gekn\u00fcpft, als der Normannenherzog Heinrich II., sp\u00e4ter englischer K\u00f6nig, Eleonore von Aquitanien heiratete und damit die Region f\u00fcr England in Besitz nahm. Die strategisch g\u00fcnstige Lage als gr\u00f6\u00dfter Atlantikhafen des Landes wurde von Heinrichs Nachkommen mit allerlei Privilegien belohnt, die auch erhalten blieben, als w\u00e4hrend des Hundertj\u00e4hrigen Krieges Bordeaux wieder zu Frankreich kam. Zu dieser Zeit musste man sich mit dem Trinken ranhalten: Flaschenwein gab es nicht und jener in F\u00e4ssern transportierte war nicht allzu lang haltbar. Das \u00e4nderte sich erst, als die Technik der Schwefelung sich allm\u00e4hlich durchsetzte. Nun konnte der Wein auch in weit entfernte Gebiete wie die franz\u00f6sischen \u00dcberseekolonien exportiert werden, vor allem der weniger hochwertige. Das traf sich ganz gut, denn die Engl\u00e4nder hatten im Laufe der Zeit ihren Geschmack verfeinert und bestanden auf den allerbesten Tropfen. Nun waren sie allerdings misstrauisch, ob die Franzosen ihnen diese auch zuverl\u00e4ssig liefern w\u00fcrden. Also gr\u00fcndeten sie vor Ort kurzerhand eigene Handelsh\u00e4user, verlegten sich nach deren erfolgreicher Etablierung sogar selbst aufs Weinmachen. In den ber\u00fchmten Tageb\u00fcchern des englischen Chronisten Samuel Pepys findet sich eine anerkennende Notiz aus dem Jahr 1663, in welcher er einem \u201eHo-Bryan\u201c (gemeint ist Haut-Brion) \u201ea good and most perticular taste that I never met with\u201c bescheinigt. Auch den aus England stammenden Bewohnern der Neuen Welt lag der Geschmack eines guten Bordeaux noch auf der Zunge: Thomas Jefferson etwa, dritter Pr\u00e4sident der Vereinigten Staaten, bereiste w\u00e4hrend seiner Zeit als Gesandter das Bordelais, f\u00fchrte akribisch Buch \u00fcber die G\u00fcter und deren Weine und notierte schwer beeindruckt, dass seine junge Nation dem auf jeden Fall nachzueifern habe, wolle sie in der Welt etwas gelten. Privat galt er als fanatischer Sammler der besten Bordeaux\u2019, angeblich aus seinem Besitz stammende Flaschen gelangen zu absoluten Mondpreisen immer mal wieder in Auktionen, stellen sich aber fr\u00fcher oder sp\u00e4ter als F\u00e4lschungen heraus.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"427\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/PPTY-ENTREE-TERTRE.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-201678\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/PPTY-ENTREE-TERTRE.jpg 640w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/PPTY-ENTREE-TERTRE-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Wo edle Weine wachsen, da darf nat\u00fcrlich auch die regionale K\u00fcche in nichts nachstehen. Beliebt ist bei den erstaunlich abwechslungsreichen Gerichten, die sowohl Fleisch, vor allem vom Rind, als auch Fisch und Meeresfr\u00fcchte einbeziehen, die Zubereitungsart \u00e1 la Bordelaise, also an einer So\u00dfe aus vorzugsweise rotem Wein und &#8211; ganz wichtig &#8211; Schalotten statt Knoblauch und Zwiebeln. Im Becken von Arcachon werden Austern gez\u00fcchtet, au\u00dferdem gilt die Gironde als eines der letzten nat\u00fcrlichen Refugien des Europ\u00e4ischen St\u00f6rs, was &#8211; wenn auch nur in bescheidenem Umfang &#8211; die Gewinnung von Kaviar erm\u00f6glicht. Er teilt sich de Lebensraum mit dem herings\u00e4hnlichen Maifisch, der gern \u00fcber Rebenholz gegrillt und dann puristisch nur mit Kr\u00e4utern oder in einer leichten Wei\u00dfweinso\u00dfe verzehrt wird, und dem aalf\u00f6rmigen Neunauge. Das lebende Fossil, bekannter unter dem Namen Lamprete, genie\u00dft man vorzugsweise als Schmorgericht, dessen Sud mit dem Blut des Tieres gebunden wird. Zahlreiche Confits, Pasteten und Stopflebern bilden bei alldem die Zwischeng\u00e4nge. Auch Liebhaber von S\u00fc\u00dfspeisen kommen auf ihre Kosten: Canel\u00e9s, kleine, au\u00dfen karamellisierte Kuchen in Gugelhupf-Form erfreuen sich ebenso gro\u00dfer Beliebtheit wie die Makronen aus Saint-\u00c9milion, klassisch aus Mandeln, Zucker und Eiwei\u00df. F\u00fcr eine Rotweinregion betr\u00fcblich und \u00fcberdies f\u00fcr Frankreich ganz und gar un\u00fcblich ist allein das v\u00f6llige Fehlen einer regionalen K\u00e4sespezialit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn landl\u00e4ufig von Bordeaux die Rede ist, geht es in den allermeisten F\u00e4llen um Rotwein, der ja auch auf fast 90 Prozent der Anbaufl\u00e4che kultiviert wird. Genauso hellh\u00f6rig sollte man aber werden, wenn die Sprache auf trockene Wei\u00dfe und S\u00fc\u00dfweine kommt. Erstere gedeihen, neben kleineren Best\u00e4nden in den Graves, vor allem in Entre-deux-Mers. Die Appellation mit dem poetischen Namen, die sie ihrer Lage zwischen Garonne und Dordogne verdankt, nimmt die Bezeichnung \u201etrocken\u201c durchaus ernst, denn w\u00e4hrend sich diese in Deutschland auf Weine bis neun Gramm Restzucker erstreckt, sind es hier allerh\u00f6chstens vier. Auf den B\u00f6den mit hohen Kies- und Tonanteilen gedeihen vor allem Sauvignon Blanc, Muscadelle und S\u00e9millon, die sich meist leicht und unkompliziert pr\u00e4sentieren, eine herrliche Begleitung f\u00fcr Fischgerichte abgeben und nur einen Bruchteil dessen kosten, was f\u00fcr namhafte Rotweine verlangt wird. Auf den S\u00e9millon treffen wir erneut, wenn wir uns ins weiter s\u00fcdlich gelegene Sauternes-Barsac begeben. Er ist der Hauptbestandteil der dortigen goldgelben Weine mit nicht selten fast sirupartiger Konsistenz. Diese werden nicht aufgespritet, m\u00fcssen aber dennoch mindestens 13 Volumenprozent enthalten &#8211; und haben daher wenig mit deutschen S\u00fc\u00dfweinen gemein, deren Alkoholgehalt eher bei sechs bis neun Prozent liegt. Durch das Zusammentreffen des k\u00fchlen Fl\u00fcsschens Ciron mit der w\u00e4rmeren Garonne entsteht besonders im Herbst ein feiner Nebel, der die Entwicklung der Edelf\u00e4ule an den daf\u00fcr besonders anf\u00e4lligen S\u00e9millon-Trauben und damit den Anstieg des Zuckergehaltes f\u00f6rdert. Die Kombination von Alkohol, Zucker und der S\u00e4ure des Sauvignon Blanc verleihen den Weinen eine nahezu unbegrenzte Lebensdauer: w\u00e4hrend Rotweine aus dem Bordeaux viele Jahrzehnte gelagert werden k\u00f6nnen, sind die S\u00fc\u00dfweine mit ihrer unfassbar komplexen geschmacklichen Vielfalt faktisch f\u00fcr Jahrhunderte geschaffen. Stellvertretend f\u00fcr die ganze Appellation steht Chateau d\u2019Yquem, das in der dreiklassigen Sauternes-internen Hierarchie als einziges in der ersten Liga spielen darf. Anders als bei den Rotweing\u00fctern wird hier kein Zweitwein erzeugt, und entspricht ein Jahrgang qualitativ nicht den enorm hohen Standards des Gutes, gelangt er gar nicht erst in den Handel. So kompromisslos sind allerdings die wenigsten Betriebe.<\/p>\n\n\n\n<p>Man darf sich die Erschaffung eines Grand Vin n\u00e4mlich nicht zu romantisch vorstellen. Nachdem das Lesegut streng nach Rebsorten getrennt zu Most verarbeitet wurde, wird versuchsm\u00e4\u00dfig viel verschnitten und gekostet &#8211; aber stets mit dem Taschenrechner in der Hand. Denn es ist undenkbar, die gesamte Ernte nur in den besten Wein flie\u00dfen zu lassen, weshalb die meisten Weing\u00fcter auch einen preisg\u00fcnstigeren Zweit-, manche sogar einen Drittwein anbieten. Diese aber sollen auch nicht nur aus mittelm\u00e4\u00dfigem Wein bestehen, da die qualitative Kluft zum Erstwein sonst zu gro\u00df w\u00e4re. Man kann die Weinbereitung also durchaus als betriebswirtschaftlich-\u00f6nologische Knobelaufgabe begreifen, an deren Ende s\u00e4mtliches Lesegut verarbeitet, die Kosten gedeckt und Weine auf Flaschen gezogen wurden, die nicht nur gut sind, sondern im besten Falle auch noch den ganz eigenen Stil des Hauses erkennbar werden lassen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"800\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/visuel-Bastor-page-de-garde-carnet-1200x800.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-201679\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/visuel-Bastor-page-de-garde-carnet-1200x800.jpg 1200w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/visuel-Bastor-page-de-garde-carnet-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/visuel-Bastor-page-de-garde-carnet-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/visuel-Bastor-page-de-garde-carnet.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch scheut man keine Kosten und M\u00fchen, um den wertvollen Trauben die bestm\u00f6gliche Pflege angedeihen zu lassen. Das konnte man bereits im 19. Jahrhundert beobachten, als der Falsche Mehltau das Bordelais heimsuchte. Ohnehin schon doppelt bitter, denn dieser war erst durch den Import amerikanischer Rebst\u00f6cke ins Land gekommen &#8211; die man aber brauchte, weil sie sich im Gegensatz zu den heimischen resistent gegen die Reblaus erwiesen, die gerade erst verheerende Zerst\u00f6rungen angerichtet hatte. Ein findiger Naturwissenschaftler der Universit\u00e4t Bordeaux entdeckte beim Spaziergang durch die Weinberge, dass eine L\u00f6sung aus Kalkmilch und Vitriol den Pilzbefall verhinderte &#8211; diese war eigentlich nur aufgebracht worden, um Spazierg\u00e4nger durch den unappetitlichen hellblauen Schimmer die Lust am Diebstahl der Trauben zu nehmen. Der Botaniker entwickelte daraufhin auf Basis von Kupfersulfat das erste Fungizid der Welt, das als \u201eBordeauxbr\u00fche\u201c schnell Bekanntheit erlangte und noch heute im Einsatz ist. Hundert Jahre sp\u00e4ter treiben neue technische M\u00f6glichkeiten die Rebpflege im wahrsten Sinne des Wortes in ungeahnte H\u00f6hen: einem namhaften Weingut musste es beh\u00f6rdlich untersagt werden, die Pflanzen mittels Hubschrauber trockenzuf\u00f6nen, andere bedecken den gesamten Boden ihrer Weinberge mit Plastikplanen, damit dieser kurz vor der Lese kein Wasser aufzunehmen mehr imstande ist, was in die Beeren wandern und damit ihre Aromenkonzentration mindern k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>So sagenumwoben die Namen sind, so hom\u00f6apathisch sind die Abgabemengen der G\u00fcter an Kunden. Sie k\u00f6nnen auch gar nicht anders, denn sie bewirtschaften gerade mal f\u00fcnf Prozent der Bordelaiser Gesamtfl\u00e4che und Betriebe wie Lafite-Rothschild mit \u00fcber 100 Hektar sind dabei noch die Ausnahme: die meisten G\u00fcter verf\u00fcgen nur \u00fcber 40 bis 60 Hektar, manche wie etwa Le Pin aber auch \u00fcber gerade mal zwei. Die starke Ertragsregulierung samt strengster Selektion tut ihr \u00dcbriges dazu, dass selbst namhafte Eink\u00e4ufer oft nicht mehr als zwei oder drei Kisten zugeteilt bekommen. Wohl dem also, der einen guten Draht zu einem der etwa 300 N\u00e9gociants hat: an diese nahezu allm\u00e4chtigen Zwischenh\u00e4ndler haben die gro\u00dfen G\u00fcter ihren Verkaufsbereich faktisch outgesourct &#8211; meistens erwerben sie nicht den bereits in Flaschen gef\u00fcllten Jahrgang, sondern per Subskription den noch in F\u00e4ssern ruhenden Jungwein. Und nat\u00fcrlich wohl dem, der wenige oder auch nur ein einziges Mal in seinem Leben die Gelegenheit bekommt, einen solchen Tropfen zu kosten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die luxuri\u00f6se Aura um den Bordeaux kann jedoch nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass die Region in den vergangenen 20 Jahren auch ordentlich zu k\u00e4mpfen hat: der Absatz sinkt, einerseits wegen starker und oft preisg\u00fcnstigerer Konkurrenz aus L\u00e4ndern wie Australien, Chile oder S\u00fcdafrika, andererseits wegen der sich immer mehr abzeichnenden Pr\u00e4ferenz gerade j\u00fcngerer Menschen f\u00fcr wei\u00dfe statt roter Weine und Easy Drinking im Allgemeinen. Auch den Trend zu mehr Transparenz, Nachhaltigkeit und biologischem Weinbau hat man lange Zeit ziemlich verschlafen. \u00dcber Erm\u00fcdungserscheinungen spricht man nicht gern, aber schon des \u00f6fteren musste der Staat helfend einspringen und \u00dcberproduktion z\u00e4hneknirschend in die Herstellung von Industriealkohol gegeben werden. Dar\u00fcber hinaus sind viele G\u00fcter massiv verschuldet und werden immer mal wieder von Gro\u00dfkonzernen aufgekauft. Doch man ist zuversichtlich, die Durststrecke meistern zu k\u00f6nnen. Wie sollte man auch nicht? Die Crus Bourgeois und Crus Artisans produzierenden, meist kleinen G\u00fcter, h\u00e4ufig seit Generationen in Familienhand, liefern solide, preiswerte Qualit\u00e4t im gro\u00dfen Mittelfeld. Und es gibt ja nicht nur Rotweine, sondern auch wei\u00dfe, Ros\u00e9s, S\u00fc\u00dfwein und sogar Cremant. Pro Sekunde werden auf der Welt 22 Flaschen aus dem Bordelais verkauft, mehr als 680 Millionen pro Jahr. Mit den fast vier Milliarden Euro j\u00e4hrlichen Umsatzes steht man auf einer Stufe mit dem Axel Springer Verlag oder der Lebensmittelsparte von Dr. Oetker. Die Franzosen haben in der Vergangenheit zwar oft auf Hilfe von au\u00dferhalb vertraut, den Weinabsatz stemmen sie aber heute gern selbst: mehr als de H\u00e4lfte der Bordeauxweine wird im eigenen Land konsumiert. In einer Nation, dessen Esskultur als UNESCO-Welterbe gilt, kann dies nicht als blo\u00dfer Lokalpatriotismus abgetan werden kann, sondern ist viel eher als Einladung an die Welt zu verstehen, Bordeaux im 21. Jahrhundert noch einmal v\u00f6llig neu zu entdecken. Text: Dario Sellmeier<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"800\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/144_ChtCantin_PiedVigneRaisin-1200x800.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-201680\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/144_ChtCantin_PiedVigneRaisin-1200x800.jpg 1200w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/144_ChtCantin_PiedVigneRaisin-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/144_ChtCantin_PiedVigneRaisin-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/144_ChtCantin_PiedVigneRaisin.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Die luxuri\u00f6se Aura um den Bordeaux kann jedoch nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass die Region in den vergangenen 20 Jahren auch ordentlich zu k\u00e4mpfen hat: der Absatz sinkt, einerseits wegen starker und oft preisg\u00fcnstigerer Konkurrenz aus L\u00e4ndern wie Australien, Chile oder S\u00fcdafrika, andererseits wegen der sich immer mehr abzeichnenden Pr\u00e4ferenz gerade j\u00fcngerer Menschen f\u00fcr wei\u00dfe statt roter Weine und Easy Drinking im Allgemeinen. Auch den Trend zu mehr Transparenz, Nachhaltigkeit und biologischem Weinbau hat man lange Zeit ziemlich verschlafen. \u00dcber Erm\u00fcdungserscheinungen spricht man nicht gern, aber schon des \u00f6fteren musste der Staat helfend einspringen und \u00dcberproduktion z\u00e4hneknirschend in die Herstellung von Industriealkohol gegeben werden. Dar\u00fcber hinaus sind viele G\u00fcter massiv verschuldet und werden immer mal wieder von Gro\u00dfkonzernen aufgekauft. Doch man ist zuversichtlich, die Durststrecke meistern zu k\u00f6nnen. Wie sollte man auch nicht? Die Crus Bourgeois und Crus Artisans produzierenden, meist kleinen G\u00fcter, h\u00e4ufig seit Generationen in Familienhand, liefern solide, preiswerte Qualit\u00e4t im gro\u00dfen Mittelfeld. Und es gibt ja nicht nur Rotweine, sondern auch wei\u00dfe, Ros\u00e9s, S\u00fc\u00dfwein und sogar Cremant. Pro Sekunde werden auf der Welt 22 Flaschen aus dem Bordelais verkauft, mehr als 680 Millionen pro Jahr. Mit den fast vier Milliarden Euro j\u00e4hrlichen Umsatzes steht man auf einer Stufe mit dem Axel Springer Verlag oder der Lebensmittelsparte von Dr. Oetker. Die Franzosen haben in der Vergangenheit zwar oft auf Hilfe von au\u00dferhalb vertraut, den Weinabsatz stemmen sie aber heute gern selbst: mehr als de H\u00e4lfte der Bordeauxweine wird im eigenen Land konsumiert. In einer Nation, dessen Esskultur als UNESCO-Welterbe gilt, kann dies nicht als blo\u00dfer Lokalpatriotismus abgetan werden kann, sondern ist viel eher als Einladung an die Welt zu verstehen, Bordeaux im 21. Jahrhundert noch einmal v\u00f6llig neu zu entdecken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschichte und Wissenswertes \u00fcber das Bordelais Kein dem Wein noch so reserviert gegen\u00fcberstehender Biertrinker, kein noch so \u00fcberzeugter Abstinenzler, der mit diesem Namen nichts anfangen kann: wenn es um Bordeaux geht, hat doch jeder schon mal irgendwas geh\u00f6rt. 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