{"id":201945,"date":"2023-11-07T17:00:00","date_gmt":"2023-11-07T16:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/?p=201945"},"modified":"2023-11-03T09:49:51","modified_gmt":"2023-11-03T08:49:51","slug":"das-weinbaugebiet-douro","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/2023\/11\/das-weinbaugebiet-douro\/","title":{"rendered":"Das Weinbaugebiet Douro"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Von R\u00f6mern, M\u00f6nchen und Wein: Die transformative Reise des Douro-Weinbaugebiets<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Nein, f\u00fcr sich allein haben die Portugiesen ihn nicht, den Douro &#8211; den drittl\u00e4ngsten Fluss der Iberischen Halbinsel m\u00fcssen sie sich mit den Spaniern teilen. Dort entspringt er auf \u00fcber 2000 Metern H\u00f6he in den Bergen von Soria unter dem Namen Duero, flie\u00dft dann etwa 570 Kilometer durch den spanischen Norden, bis er auf die Grenze zu Portugal trifft, die er \u00fcber 110 Kilometer auch auf nat\u00fcrliche Weise bildet. Dann schl\u00e4gt er wieder westliche Richtung ein und m\u00fcndet bei Porto schlie\u00dflich in den Atlantik. Dieser letzte Teil des Flusses ist es, der die Lebensader des wohl ber\u00fchmtesten Weinbaugebiet Portugals bildet: Willkommen in Douro!<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"558\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/ardau_f-niepoort-68_300dpi_rgb-1-1200x558.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-201972\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/ardau_f-niepoort-68_300dpi_rgb-1-1200x558.jpg 1200w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/ardau_f-niepoort-68_300dpi_rgb-1-300x140.jpg 300w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/ardau_f-niepoort-68_300dpi_rgb-1-768x357.jpg 768w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/ardau_f-niepoort-68_300dpi_rgb-1-1536x714.jpg 1536w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/ardau_f-niepoort-68_300dpi_rgb-1.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Schon vor mehreren tausend Jahren wurde hier vergorener Traubensaft getrunken, wenn auch von wild wachsenden Reben und auf recht primitiven Niveau gekeltert. Als erste Fachleute erwiesen sich die R\u00f6mer, indem sie selbst Weinberge anlegten. Deren Wissen eigneten sich erst die im Zuge der V\u00f6lkerwanderung auf die Iberische Halbinsel gelangten germanischen Sueben, sp\u00e4ter dann die aus Nordafrika \u00fcbersetzenden muslimischen Mauren an. Obwohl diese keinen Weinbau zur Gewinnung von Trinkalkohol betrieben, sondern auf Rosinen und Hochprozentiges zur Duftstoffherstellung aus waren, blieben die Rebst\u00f6cke stets landschaftspr\u00e4gend. Doch w\u00e4hrend sie die meiste Zeit kaum mehr als das Interesse der heimischen Bauern geweckt hatten, wurden nach der christlichen R\u00fcckeroberung zwei einflussreiche Gruppen auf sie aufmerksam: M\u00f6nchsorden, die auf der Suche nach einer langfristigen Quelle f\u00fcr den t\u00e4glich ben\u00f6tigten Messwein waren, und der K\u00f6nigshof, der Wein einerseits aus Repr\u00e4sentationszwecken sch\u00e4tzte, andererseits schnell ein Exportgut witterte, das Geld in die Staatskasse zu sp\u00fclen in der Lage war. Der Weinbau wurde ab dem Hochmittelalter also nicht mehr nur so nebenbei betrieben, sondern gezielt gef\u00f6rdert &#8211; der rasche Aufstieg Portugals zur halb S\u00fcdamerika beherrschenden Seemacht geht ma\u00dfgeblich auf ihn zur\u00fcck. Mit England, das aufgrund der klimatischen Bedingungen selbst nur wenig Weinbau betreiben konnte und zur Einfuhr ausl\u00e4ndischer Produkte gezwungen war, kristallisierte sich ab dem Sp\u00e4tmittelalter ein zuverl\u00e4ssiger Abnehmer heraus. Lange Zeit fuhr Portugal gut damit, den zu dieser Zeit noch leichten, recht s\u00e4uerlichen Rotwein im Tausch gegen Stockfisch und Wolle den Engl\u00e4ndern zu \u00fcberlassen &#8211; damals noch nicht von Porto aus, sondern vom 100 Kilometer entfernten Viana do Castelo.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"800\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/baixo_weinberge_5-1-1200x800.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-201974\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/baixo_weinberge_5-1-1200x800.jpg 1200w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/baixo_weinberge_5-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/baixo_weinberge_5-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/baixo_weinberge_5-1-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/baixo_weinberge_5-1.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Gegen Ende des 17. Jahrhunderts jedoch trafen mehrere Umst\u00e4nde zusammen, die sich f\u00fcr das Land als absoluter Gl\u00fccksfall erweisen und einen regelrechten Boom einleiten sollten: zum einen erlangte man nach langer Zeit der Fremdherrschaft endlich wieder die Unabh\u00e4ngigkeit von Spanien, zum anderen f\u00fchrten diplomatische Verwerfungen \u00fcber den \u00c4rmelkanal hinweg dazu, dass England Produkte aus Frankreich mit enormen Einfuhrz\u00f6llen belegte. Das war ein ziemliches Problem, denn die Inselbewohner hatten zu dieser Zeit den h\u00f6chsten Weinkonsum weltweit. Englische Kaufleute streiften also schon bald durch Portugal und hielten Ausschau nach Ersatz f\u00fcr den bisher von den Franzosen bezogenen Rebensaft. F\u00fcndig wurden sie in einem Kloster in Lamego, wo sie voller Erstaunen beobachten konnten, wie ein M\u00f6nch schweren, dunklen Most mit Branntwein vermengte. Diese Aufspritung, fachsprachlich Fortifikation, war dabei nicht unbedingt neu: englische Kaufleute hatten schon seit langer Zeit Brandy unter den Wein gemischt, damit er auf den Transportreisen Richtung Southampton und Plymouth nicht verdarb und dann als Essig ankam. Allerdings war dessen G\u00e4rung zu diesem Zeitpunkt schon abgeschlossen, der Wein somit trocken. Der M\u00f6nch hingegen gab den Hochprozentigen in noch nicht durchgegorenen Rebensaft und stoppte durch die Abt\u00f6tung der Hefen den G\u00e4rprozess: ein gewisser Zuckeranteil wurde nicht in Alkohol umgewandelt, sondern verblieb im Wein und machte diesen s\u00fc\u00df &#8211; eine Innovation, die den Engl\u00e4ndern sofort den Kopf verdrehte und eine schier unglaubliche Nachfrage erzeugte.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"901\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/ardau_f-niepoort-Quinta-de-Napoles-002175-1-1200x901.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-201973\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/ardau_f-niepoort-Quinta-de-Napoles-002175-1-1200x901.jpg 1200w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/ardau_f-niepoort-Quinta-de-Napoles-002175-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/ardau_f-niepoort-Quinta-de-Napoles-002175-1-768x577.jpg 768w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/ardau_f-niepoort-Quinta-de-Napoles-002175-1-1536x1154.jpg 1536w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/ardau_f-niepoort-Quinta-de-Napoles-002175-1.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Um diese zu befriedigen, musste man den steilen H\u00e4ngen an den Ufern des Douro Herr werden und griff fl\u00e4chendeckend auf die Technik des Terrassenweinbaus zur\u00fcck. Heute geschieht das auf moderne Weise durch blo\u00dfe Erdstufen, die jedoch oft erst m\u00f6glich wurden, nachdem man die zerkl\u00fcfteten Felsen mit Dynamit weggesprengt hatte. Teilweise finden sich aber noch uralte, deutlich weniger erosionsanf\u00e4llige Trockensteinmauern, deren Erdf\u00fcllung m\u00fchevoll vom Flussufer heraufgeschleppt werden musste. Nicht einmal ein F\u00fcnftel des Tales ist mit Reben bepflanzt, so unzug\u00e4nglich sind viele Bereiche noch immer. Zusammen mit dem windungsreichen Fluss f\u00fchlt sich der Besucher ein ums andere Mal an die Mittelmosel erinnert, mit welcher der Douro noch etwas anderes gemein hat: die Schieferb\u00f6den, die in der Nacht die W\u00e4rme des Tages an die Rebst\u00f6cke abstrahlen. Deren Qualit\u00e4t erkannte der portugiesische Premierminister Marqu\u00eas de Pombal schon im Jahr 1756: durch den Portwein-Booms zu Beginn des 18. Jahrhunderts hatten viele Winzer minderwertige Qualit\u00e4t auf den Markt gebracht, etwa blasse Weine aus anderen Regionen mit Holundersaft gef\u00e4rbt, um schnell auf der Erfolgswelle mitschwimmen zu k\u00f6nnen. Dem Premier war das ein Dorn im Auge, er f\u00fcrchtete um die Reputation seines Landes. Also gr\u00fcndete der \u00fcberzeugte Merkantilist, der auf Au\u00dfenhandelsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse setzte, um die staatlichen Finanzen zu sanieren, die noch heute bestehende \u201eCompanhia Geral da Agricultura das Vinhas do Alto Douro\u201c. Sie sollte \u00fcber verbindliche G\u00fctekriterien wachen und zu diesem Zweck ein Kataster der Uferbereiche anlegen, die man mit steinernen Markern zus\u00e4tzlich von der Umgebung abgrenzte. Anhand dessen ermittelte man nun ein Rangsystem, das sich auf Parameter wie Hangneigung, Klima, Ausrichtung und Bodenbeschaffenheit st\u00fctzte &#8211; und schuf damit neben Chianti eine der ersten gesch\u00fctzten Herkunftsbezeichnungen der Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Rebsorten unterteilte man in drei Klassen, obwohl damals die wenigsten Winzer recht wussten, was genau in ihren Weinbergen wuchs &#8211; man produzierte meist einen Gemischten Satz. Die Dreiteilung hat sich im Grunde bis heute erhalten, denn man unterscheidet zwischen empfohlenen, erlaubten und tolerierten Reben; aber inzwischen hat sich fast \u00fcberall der reinsortige Anbau durchgesetzt. Die wohl wichtigste f\u00fcr Port und Rotweine gleicherma\u00dfen ist die als edelste Rebe der Region geltende Touriga Nacional. Ihre Beeren sind klein, die Ertr\u00e4ge nur gering, doch daf\u00fcr hoch aromatisch, sehr farbintensiv und mit oft schwindelerregendem Extrakt und Tannin. Flankiert wird sie von Touriga Franca, Tinta Barroca, Tinta Roriz und Tinto C\u00e3o &#8211; ebenfalls wahre Kraftpakete. Doch auch wei\u00dfe Trauben sind unter den zahlreichen Neuanpflanzungen der j\u00fcngsten Vergangenheit, etwa der Viosinho, dessen leichte und blumige, dabei aber s\u00e4urebetont-frischen Weine einen interessanten Kontrast zu den schwarzfruchtigen Roten mit ihren edelherben R\u00f6staromen bilden. Den meisten Weinkonsumenten sind all diese Namen kaum ein Begriff, da haupts\u00e4chlich Cuv\u00e9es produziert werden, auf deren Flaschen die Rebsorten nicht aufgef\u00fchrt sind.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_2307-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-201975\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_2307-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_2307-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_2307-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_2307-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_2307-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Im eigentlichen Weinbaugebiet vollzieht sich Wachstum, Lese und Pressung der Trauben sowie die Aufspritung des Mostes, die eigentliche Reifung des Weines hingegen findet weiter flussabw\u00e4rts in Vila Nova de Gaia statt, einer K\u00fcstenstadt auf der S\u00fcdseite des Stromes direkt gegen\u00fcber von Porto &#8211; hier haben fast alle gro\u00dfen Kellereien ihren Sitz. Fr\u00fcher transportierte man die F\u00e4sser auf kleinen, langgestreckten Booten, den sogenannten Rabelos, die auf dem Hinweg sanft mit der Str\u00f6mung trieben und zur\u00fcck getreidelt, also von am Ufer laufenden Tieren oder Menschen per Seil gezogen wurden, eine \u00fcberaus anstrengende Arbeit. Heutzutage sind die Rabelos durch LKW ihrer urspr\u00fcnglichen Aufgabe beraubt und liegen als blo\u00dfe Touristenattraktion vor den Lodges, den weitl\u00e4ufigen Lagerh\u00e4usern der Hersteller, die irgendwann von den in Porto ans\u00e4ssigen Handelsh\u00e4usern \u00fcbernommen wurden. Deshalb tragen die meisten noch heute haupts\u00e4chlich englische Namen wie Grahams und Taylors, niederl\u00e4ndische wie Niepoort oder deutsche wie Kopke und Burmester. Hier lagert der Wein entweder noch traditionell in gro\u00dfen Holzgebinden oder deutlich h\u00e4ufiger in Edelstahltanks &#8211; mindestens zwei, h\u00f6chstens aber sechs Jahre. Nach den ersten 24 Monaten nehmen geschulte Gaumen eine Verkostung vor und entscheiden dann anhand der Qualit\u00e4t \u00fcber das weitere Vorgehen: weniger guter Rebensaft eignet sich nicht f\u00fcr eine lange Reifezeit und wird recht bald in Flaschen abgef\u00fcllt. Dies sind die rubinroten, fruchtbetonten Ruby-Ports, die in aller Regel sofort trinkbereit sind. Handelt es sich um besseren Stoff, lagert man ihn von den gro\u00dfen Beh\u00e4ltnissen in kleine F\u00e4sser, sogenannte \u201ePipes\u201c um &#8211; hier hat er im Gegensatz zum Ruby-Typ deutlich mehr Luftkontakt, was ihn schneller oxidieren und von karamelligem Schmelz unterlegte Aromen von N\u00fcssen, Gew\u00fcrzen und Trockenfr\u00fcchten annehmen l\u00e4sst. Dieser Port wird nach der rotbraunen bis goldenen F\u00e4rbung, in der man fr\u00fcher eine \u00c4hnlichkeit mit Gerberlohe sah, als Tawny bezeichnet. Die Port-Bandbreite reicht von einfachen Varianten f\u00fcr wenige Euro bis hin zu den raren Editionen eines einzelnen Jahrgangs &#8211; denn \u00fcblicherweise werden verschiedene Jahrg\u00e4nge miteinander verschnitten. Diese Vintage-Editionen, die man im Schnitt nur jedes dritte bis vierte Jahr herausbringt, weil sie sehr hei\u00dfe Sommer mit gleichzeitig moderaten Niederschl\u00e4gen ben\u00f6tigen, k\u00f6nnen viele Dekaden gelagert werden und entwickeln sich dabei stetig weiter. Ihren H\u00f6hepunkt erreichen sie meist erst nach etwa 50 Jahren, was legend\u00e4re F\u00fcllungen wie 1966 oder 1977 zeigen. Ein so edler Vertreter, der gerade einmal ein Prozent der gesamten Port-Produktion ausmacht, muss es nat\u00fcrlich nicht immer sein: mit dem Colheita bietet sich eine ebenb\u00fcrtige, aber direkt genussreife Alternative, mit dem Late Bottled Vintage eine nicht ganz so komplexe, daf\u00fcr aber deutlich g\u00fcnstigere. Nach wie vor genie\u00dft man Port gern als Digestif zu kr\u00e4ftigem K\u00e4se, in den letzten Jahren haben sich aber auch andere Darreichungsweisen etabliert: ein leichter Ros\u00e9-Port kann auch schon vor dem Essen genossen werden und die trockene wei\u00dfe Version aus Gouveio- und Malvasia-Trauben eignet sich in Kombination mit Tonic Water perfekt als Longdrink.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"607\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/ardau_f-niepoort-65_300dpi_rgb-1200x607.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-201977\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/ardau_f-niepoort-65_300dpi_rgb-1200x607.jpg 1200w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/ardau_f-niepoort-65_300dpi_rgb-300x152.jpg 300w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/ardau_f-niepoort-65_300dpi_rgb-768x389.jpg 768w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/ardau_f-niepoort-65_300dpi_rgb-1536x777.jpg 1536w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/ardau_f-niepoort-65_300dpi_rgb.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl \u201enur\u201c 25 000 Hektar gro\u00df, pr\u00e4sentiert sich das Anbaugebiet landschaftlich recht vielf\u00e4ltig, was sich wiederum auf den Charakter des Rebensaftes niederschl\u00e4gt. Die westlichste der drei Subregionen, Baixo Corgo, beginnt 80 Kilometer von Porto entfernt in der Serra do Mar\u00e3o. Hier macht der Atlantik mit relativ k\u00fchlem Seeklima noch seinen Einfluss geltend, weshalb die Weine eher leicht geraten &#8211; man sp\u00fcrt deutlich die N\u00e4he zum Gebiet Minho, der Heimat der Vinho Verdes. Im angrenzenden Cima Corgo, dem Herzst\u00fcck des Douro-Tales, schirmen erste Berge die Reben von den maritimen Einfl\u00fcssen ab &#8211; hier liegt nicht nur das geografische, sondern auch das \u00f6konomische Zentrum Douros, denn zwei Drittel der Gesamtproduktion werden hier geerntet. Gen Osten dann nimmt die H\u00f6he zu und die Vegetation immer mehr ab, aus heiterem Gr\u00fcn wird nach und nach eine karge W\u00fcstenlandschaft von unerwarteter Wildheit: der Alto Douro. W\u00e4hrend in den weiter westlich gelegenen Teilen des Tales die Winzer selbst f\u00fcr Ertragsreduktion sorgen m\u00fcssen, erledigen das hier die n\u00e4hrstoffarmen B\u00f6den und die allgegenw\u00e4rtige Hitze w\u00e4hrend des Sommers &#8211; so entstehen die besten, weil konzentriertesten Weine der gesamten Region. Anders als in vielen anderen Weinbaugebieten ist es hier keineswegs trubelig, viel mehr liegt eine leicht melancholische Ruhe, eine meditative Stille \u00fcber den malerischen D\u00f6rfern. Wenn man auf der Linha do Douro zwischen Peso da R\u00e9gua und Tua mit dem Dampfzug am Flussufer entlangf\u00e4hrt, f\u00fchlt man sich schnell 100 Jahre in der Zeit zur\u00fcckversetzt. Ohnehin ist Tradition den Portugiesen \u00e4u\u00dferst wichtig, was sich nach wie vor in der Weinbergs- und Kellerarbeit zeigt: Handlese gilt als obligatorisch, und bis vor einiger Zeit wurden die Trauben wie in grauer Vorzeit noch mit den F\u00fc\u00dfen in gro\u00dfen Bottichen, den sogenannten Lagares, zerstampft, um den Saft herauszupressen. Der behutsam eingef\u00fchrte technische Fortschritt tr\u00e4gt dem Rechnung, indem man auf Maschinen setzt, welche die menschlichen Stampfbewegungen imitieren &#8211; die \u201eRobotic Lagares\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine einzigartige Kulturlandschaft mit baulichen Zeugnissen aus zwei Jahrtausenden gibt es zum Wein quasi gratis dazu: Mauerwerk aus der Eisenzeit, r\u00f6mische Br\u00fccken, maurische Torb\u00f6gen, gotische Kirchen und barocke Pal\u00e4ste, alles atmet Geschichte. Von der UNESCO wurde diese Schatzkammer 2001 in die Liste des Welterbes aufgenommen und ist der in Stein gegossene Beweis daf\u00fcr, wie kosmopolitisch es hier im portugiesischen Norden seit jeher zuging. Auch wenn die Bekanntheit des Portweins eher den Briten zu verdanken ist, die ihn durch ihr riesiges Kolonialreich in Nordamerika, Indien und Australien bekannt machten und damit erst dessen Weltgeltung begr\u00fcndeten &#8211; er bleibt in seiner noblen Tiefgr\u00fcndigkeit doch immer ein fl\u00fcssiger Ausdruck der portugiesischen Seele. So stand in Vila Nova de Gaia Ende des 15. Jahrhunderts wohl schon der dort geborene Ferdinand Magellan am Ufer des Ozeans und blickte gen Westen in den Sonnenuntergang, die \u201eSaudade\u201c versp\u00fcrend, jene spezifisch portugiesische Melange aus Fernweh, Sehnsucht und Weltschmerz, die hier jeder kennt, aber keiner so recht in Worte zu fassen vermag. Eines hat man dem ersten Weltumsegler aber voraus, wenn man nach einer Reise durch das Tal des Douro schlie\u00dflich auf den Atlantik schaut, denn f\u00fcr ein gutes Glas Port war Magellan ein paar J\u00e4hrchen zu fr\u00fch auf der Welt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von R\u00f6mern, M\u00f6nchen und Wein: Die transformative Reise des Douro-Weinbaugebiets Nein, f\u00fcr sich allein haben die Portugiesen ihn nicht, den Douro &#8211; den drittl\u00e4ngsten Fluss der Iberischen Halbinsel m\u00fcssen sie sich mit den Spaniern teilen. 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