{"id":202438,"date":"2024-02-02T17:00:00","date_gmt":"2024-02-02T16:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/?p=202438"},"modified":"2024-01-29T15:14:26","modified_gmt":"2024-01-29T14:14:26","slug":"das-weinland-italien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/2024\/02\/das-weinland-italien\/","title":{"rendered":"Das Weinland Italien"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Von Antike bis Moderne: Die faszinierende Geschichte des italienischen Weinbaus<\/h2>\n\n\n\n<p>Bella Italia, das Mutterland des europ\u00e4ischen Weinbaus! Halt, so ganz stimmt das nicht, denn die alten Griechen waren damit schon wesentlich fr\u00fcher dran. Und doch haben die Italiener es geschafft, eine Verkn\u00fcpfung herzustellen, die die meisten Menschen instinktiv an das Land von Dolce Vita und Amore denken l\u00e4sst, wenn von Wein die Rede ist. Oh, da sind ja schon wieder zwei neue Klischees aufgeploppt &#8211; von denen kommen wir auch nicht so schnell los\u2026 Kein Klischee allerdings ist, dass Wein in Italien absolut zum Alltagsleben dazugeh\u00f6rt &#8211; mit einem j\u00e4hrlichen Pro-Kopf-Konsum von etwa 45 Litern liegt man nach Portugal und Frankreich auf einem sehr respektablen dritten Platz. Deshalb wird auch in ausnahmslos jeder der 20 Regionen des Landes Rebenzucht betrieben &#8211; manche verf\u00fcgen sogar \u00fcber mehrere Weinbaugebiete. Einige wie Venetien mit einem Jahresertrag von fast neun Millionen Hektolitern sind dabei ziemliche Big Player, andere wie das Aostatal oder Molise im Ausland weitgehend unbekannt, sodass sich interessante Entdeckungen machen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Entdeckung ist ein gutes Stichwort f\u00fcr eine kleine Zeitreise, denn eine ebensolche hat wohl den Urknall f\u00fcr den Qualit\u00e4tsweinbau in Italien gebildet. Und zwar die Entdeckung ebenjenen durch die seefahrenden Griechen, die etwa anderthalb Jahrtausende vor Christus in dessen S\u00fcden landeten. Zwar hat es wahrscheinlich schon lange vorher Wein gegeben, wie arch\u00e4ologische Funde nahelegen, aber die Trauben daf\u00fcr wurden wohl eher wild gesammelt und nicht gezielt kultiviert. Von Sizilien und Kalabrien aus arbeiteten sich die Reben nun schrittweise Richtung Norden vor, wo ihrerseits die Etrusker allm\u00e4hlich den Dreh raus bekamen. Die R\u00f6mer mit ihrer geografischen Mittellage hingegen verschwendeten nicht allzu viel Zeit auf botanische Studien: ihr Talent lag im milit\u00e4rischen Bereich, sodass sie die umliegenden Gebiete einfach eroberten und auf diese Weise auch in den Besitz von Weinbergen und der entsprechenden Technologie gelangten. Doch es dauerte noch lange Zeit, bis sich der Weinbau in Italien von seinen griechischen Vorbildern emanzipiert hatte: zun\u00e4chst galten die heimischen Tropfen als recht minderwertig und wer etwas auf sich hielt, lie\u00df Rebensaft aus Hellas importieren. Mit dem \u00dcbergang von der Republik zum Kaiserreich aber wuchs das Selbst- und Sendungsbewusstsein. Nun pries man nicht nur die eigenen Erzeugnisse, sondern exportierte das Wissen um deren Anbau auch in die zahlreichen eroberten Provinzen &#8211; Im Nachhinein ein Geschenk von unsch\u00e4tzbarem Wert, stellte dies doch den Startschuss f\u00fcr den Weinbau in vielen Regionen S\u00fcd- und Mitteleuropas dar. Einige Weine brachten es zu solcher Bekanntheit, dass uns deren Namen \u00fcberliefert sind: etwa der Falerner aus dem Norden Kampaniens, von dem sogar eine wenn auch recht einfache Lagenklassifizierung bekannt ist. Gemein war den meisten Weinen der damaligen Zeit, dass sie eine aggressive S\u00e4ure aufwiesen, die selbst manchen Moselriesling vor Neid erblassen lassen w\u00fcrde. Vom Surrentinum sagte der Autor Plinius etwa, dass er ein gutes Vierteljahrhundert Reife vertragen k\u00f6nnte &#8211; f\u00fcr einen leichten Wei\u00dfwein eine beachtliche Aussage, aber die Kellertechnik steckte eben noch in den Kinderschuhen. Aus diesem Grund zuckerte man die essig\u00e4hnlichen Tropfen oder versetzte sie mit allerhand Gew\u00fcrzen. Ohnehin wurde Wein nie pur genossen, sondern stets mit Wasser gestreckt. Unverd\u00fcnnten Wein tranken nur Barbaren, lautete die r\u00f6mische Lesart. Die meisten R\u00f6mer konnten es sich auch gar nicht leisten, ab mittags betrunken herumzulaufen, sie mussten schlie\u00dflich noch arbeiten. Wein wurde n\u00e4mlich nicht nur von reichen Patriziern und Senatoren genossen, sondern stand auch Soldaten und sogar Sklaven zu. Aber nichts w\u00e4hrt ewig und so brachte die Zeit der V\u00f6lkerwanderung neben vielen anderen zivilisatorischen Errungenschaften auch den Weinbau zu Fall. Die alten Handelswege brachen zusammen, Weinberge wurden aufgegeben und verfielen, Technologie und Fachwissen gerieten in Vergessenheit. Dabei war es keineswegs so, dass die einfallenden Goten und Langobarden nichts f\u00fcr Wein \u00fcbrig gehabt h\u00e4tten, ganz im Gegenteil. Aber sie bauten eben nur noch f\u00fcr den Eigenbedarf an und vor allem eher Masse als Klasse.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"899\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Father-and-Daughter-Kopie-1200x899.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-202468\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Father-and-Daughter-Kopie-1200x899.jpg 1200w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Father-and-Daughter-Kopie-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Father-and-Daughter-Kopie-768x575.jpg 768w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Father-and-Daughter-Kopie-1536x1150.jpg 1536w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Father-and-Daughter-Kopie.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Oft wird \u00fcbersehen, dass es abseits des gern gepflegten Klischees von Pizza, Pasta und Pinot Grigio extrem vielf\u00e4ltige Regionalk\u00fcchen und -weinstile gibt, meist perfekt aufeinander abgestimmt, denn viele italienische Weine brillieren nicht in erster Linie als Solisten, sondern als ideale Speisenbegleiter. Dass jede Region ein eigenes kulinarisches Erbe aufweist, h\u00e4ngt viel mit der j\u00fcngeren Geschichte des Landes zusammen. Denn anders als etwa Frankreich oder Spanien war Italien nicht schon fr\u00fch eine gefestigte, zentralistisch organisierte Nation, sondern \u00fcber viele Jahrhunderte territorial zersplittert. W\u00e4hrend der Renaissance gesellten sich zu den K\u00f6nigreichen Sizilien und Neapel im S\u00fcden noch der Mittelitalien dominierende Kirchenstaat sowie die kleineren Herzogt\u00fcmer und Republiken im Norden wie Florenz, Venedig, Mailand, Savoyen und Genua, von den zahlreichen Kleinststaaten ganz zu schweigen. Jedes Territorium verf\u00fcgte dabei nat\u00fcrlich \u00fcber eine verm\u00f6gende Oberschicht, die ihren Reichtum auch nutzen wollte, sei es blo\u00df zur Au\u00dfendarstellung oder dem tats\u00e4chlichen Verlangen nach pikanten Gen\u00fcssen. \u00c4hnlich wie auch in Kunst und Architektur begann man sich an den Idealen der Antike zu orientieren: galten dort die Wohlproportioniertheit und strengen Formen als nachahmenswert, ging es in kulinarischen Dingen deutlich weniger zur\u00fcckhaltend, daf\u00fcr aber fast noch ausgew\u00e4hlter zu. Bald bogen sich die Tafeln unter Gerichten, die den r\u00f6mischen Imperatoren alle Ehre gemacht h\u00e4tten. F\u00fcr den Weinbau war das ein Gl\u00fccksfall, denn mit dieser Entwicklung kam der Terroir-Gedanke zur\u00fcck: ein Tropfen aus den Marken sollte eben anders schmecken als einer aus Umbrien. Allerdings w\u00e4hrte die erneute Bl\u00fcte nicht allzu lang: ab dem Beginn des 16. Jahrhunderts sank Italien zum blo\u00dfen Spielball der europ\u00e4ischen Gro\u00dfm\u00e4chte herab. Erst kamen die Spanier, dann die Franzosen und schlie\u00dflich \u00d6sterreich. Alle hatten keinerlei Interesse daran, italienische Produkte zur Konkurrenz ihrer eigenen werden zu lassen, sodass der Weinbau wieder einmal auf einem qualitativ sehr niedrigen Niveau dahind\u00fcmpelte und vom Export nur tr\u00e4umen konnte. Erst nach \u00fcber 300 Jahren blitze mit der sich formierenden Nationalbewegung Licht am Ende des Tunnels auf: pl\u00f6tzlich galt alles Italienische nicht mehr als zweitrangig, sondern als patriotisches Statement. Eindrucksvollstes Beispiel daf\u00fcr ist wohl der Aufstieg des bekanntesten italienischen Schnapses: nachdem Grappa als Brand aus dem Trester, also alljenem, was von den ausgepressten Trauben in der Kelter zur\u00fcckgeblieben war, lange ein Schattendasein gef\u00fchrt hatte, geriet er im Zuge des Risorgimento, also der staatlichen Einigung um 1860, geradezu zum Nationalgetr\u00e4nk. Noch die Frontsoldaten des Ersten Weltkriegs erhielten wie selbstverst\u00e4ndlich ihr t\u00e4gliches Quantum, um sich die Segnungen des Vaterlandes zu vergegenw\u00e4rtigen, obwohl der Hochprozentige damals wahrscheinlich nur daf\u00fcr gut war, den Horror der Schlachten etwas zu mildern. Heutzutage freilich ist es eine eigene Wissenschaft, die verschiedenen Holzarten der F\u00e4sser herauszuschmecken, in welchen er w\u00e4hrend seiner Reifezeit ruhen darf. Kirsche, Kastanie oder Eiche? Macht schon was aus! Doch von solcher Feinschmeckerei war man um 1900 noch weit entfernt: kaum in Gang gekommen, erlahmte der Weinbau zun\u00e4chst durch Reblaus und Mehltau, dann durch die Kriege und Krisen der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts auch schon wieder. Erst ab den 60er Jahren beginnt die Geschichte der feinen Tropfen, die wir heute kennen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Laien ist es dabei oft nicht so einfach, zwischen Rebsorte und Region zu unterscheiden. W\u00e4hrend man in Deutschland einen Grauburgunder bestellt oder einen Riesling, wechselt man in Italien wild hin und her. Der bekannte Lugana etwa bezeichnet ein Gebiet s\u00fcdlich des Gardasees, hergestellt wird er aber aus Trebbiano di Soave. Auch beim toskanischen Chianti steht der Name f\u00fcr die Herkunft, der Inhalt wird durch den Sangiovese bestimmt. Auf die Spitze treibt es der Vino Nobile de Montepulciano, der eben nicht aus der ebenfalls existenten Rebsorte Montepulciano besteht, sondern wiederum aus Sangiovese. Unglaubliche 1000 Rebsorten werden Sch\u00e4tzungen zufolge in Italien kultiviert, immerhin noch 400 sind f\u00fcr die Herstellung von Qualit\u00e4tsweinen empfohlen oder zumindest zugelassen. Die kann man nat\u00fcrlich nicht alle kennen. Aber selbst auf den vorderen Pl\u00e4tzen finden sich Namen, die den wenigsten Konsumenten bekannt sein d\u00fcrften, etwa der fruchtige Cataratto. Oder der uralte Arneis, der fast ausgestorben w\u00e4re, h\u00e4tte man sich ab den 90ern nicht wieder f\u00fcr seine ausgepr\u00e4gt gelbe, mit zartem Mandelaroma unterlegte Frucht interessiert. Neben dem allgegenw\u00e4rtigen Pinot Grigio ist er ebenso eine lohnenswerte Entdeckung wie ein S\u00fcdtiroler Gew\u00fcrztraminer oder der intensive Vermentino mit seiner pikanten leichten Bitternote. Insgesamt machen wei\u00dfe Rebsorten \u00fcber 40 Prozent der Gesamtproduktion aus &#8211; was aber, wie es sich f\u00fcr ein mediterranes Land geh\u00f6rt, eine Dominanz der Rotweine bedeutet, und zwar in wirtschaftlicher ebenso wie in qualitativer Hinsicht, denn die gro\u00dfen Weine Italiens wie der Barolo, der Amarone oder der Brunello di Montalcino sind alle rot. Neben dem schon erw\u00e4hnten Sangiovese, der mit seiner Saftigkeit von unkomplizierten Alltagsweinen bis zu Spitzenerzeugnissen die gesamte Klaviatur beherrscht, kultiviert man vor allem die ertragreiche Barbera, die mit vollmundiger Pflaumenaromatik und geringem Gerbstoffgehalt punktet. Das genaue Gegenteil dazu ist der sehr anspruchsvolle Nebbiolo, dessen sehr pr\u00e4sente Tannine meist erst durch einige Jahre Kellerreife gez\u00e4hmt werden m\u00fcssen &#8211; mit seinen feinen Ankl\u00e4ngen an Veilchen, dunkle Schokolade und Tr\u00fcffel ist er ein wahrer Aristokrat und Nummer eins in der h\u00f6chsten Klasse der DOCG-Weine. Deutlich zug\u00e4nglicher kommt da der Primitivo daher, f\u00fcr viele der italienische Einstiegswein schlechthin. Sein ansprechendes Bukett von dunklen Waldbeeren, oft von einer leichten Fruchts\u00fc\u00dfe unterlegt, hat ihm unter dem Namen Zinfandel auch in Kalifornien eine steile Karriere erm\u00f6glicht. Allgemein l\u00e4sst sich ein stetiger R\u00fcckgang der klassisch italienischen Rebsorten und eine Hinwendung zu international bekannten Trauben wie Merlot, Syrah, Chardonnay oder Sauvignon Blanc beobachten. Ein Hinweis darauf, wie flexibel man ist. W\u00e4hrend in gewissen anderen Nationen die Einstellung vorherrscht, der Geschmack des Konsumenten habe sich halt an das Angebot anzupassen, l\u00e4uft es hier umgekehrt, der Kunde ist K\u00f6nig. Von dieser Einstellung profitiert dann aber doch noch eine typisch italienische Traube: die Glera. Aus ihr werden haupts\u00e4chlich Perlweine, hier Frizzante genannt, und die als Spumante bezeichneten Schaumweine gewonnen. Der Unterschied? Liegt ganz simpel bei drei bar Druck auf der Flasche &#8211; darunter perlt, dar\u00fcber sch\u00e4umt es. Keineswegs sollten Sie den kapitalen Fehler begehen, alle sprudelnden Erzeugnisse Italiens kategorisch als Prosecco zu bezeichnen: dies ist eine Ursprungsbezeichnung, die sich auf ein klar umgrenztes Gebiet in Venetien und dem Friaul bezieht &#8211; auch wenn bis vor einigen Jahren die Glera noch Prosecco hie\u00df, wieder so eine verwirrende Volte.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"800\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/PUGLIA-3-Kopie-1200x800.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-202469\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/PUGLIA-3-Kopie-1200x800.jpg 1200w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/PUGLIA-3-Kopie-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/PUGLIA-3-Kopie-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/PUGLIA-3-Kopie-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/PUGLIA-3-Kopie.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend man sich in dieser Hinsicht also ein wenig schlau machen muss, ist das Qualit\u00e4tssystem verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig simpel aufgebaut. Ganz unten steht der Vino da Tavola, der Tafelwein. Er weist keinerlei Herkunftsangabe auf, kann also theoretisch aus allen m\u00f6glichen Landesteilen zusammengesch\u00fcttet worden sein. Auch \u00fcber Jahrgang oder enthaltene Rebsorten erf\u00e4hrt man hier nichts, sondern lediglich dar\u00fcber, ob der Wein \u201erosso\u201c oder \u201ebianco\u201c ist, also rot oder wei\u00df. Ein gro\u00dfer Teil erreicht gar nicht selbst den Handel, sondern wird als Verschnittwein ins Ausland verkauft oder zu Industriealkohol destilliert. Eine Stufe dar\u00fcber ist der Landwein angesiedelt, den man hier als IGT bezeichnet, als Indicazione Geografica Tipica. Von ihm wird verlangt, zumindest ein regionaltypisches Merkmal zu erf\u00fcllen, daf\u00fcr darf er dann auch Jahrgang, Region und Rebsorte ausweisen. Die Qualit\u00e4tsweine an der Spitze werden als DOC und DOCG bezeichnet &#8211; immer noch, muss man sagen, denn eigentlich sollten beide im Zuge der europ\u00e4ischen Vereinheitlichung schon durch die Klassifizierung DOP abgel\u00f6st worden sein, aber in Italien dauert eben vieles ein bisschen l\u00e4nger. Bei der gesch\u00fctzten und garantierten Ursprungsbezeichnung DOCG, mit den deutschen Pr\u00e4dikatsweinen vergleichbar, ist von der Pflanzdichte \u00fcber den Mindestalkoholgehalt bis hin zum Ausbauverfahren so ziemlich alles vorgegeben, vor allem m\u00fcssen die Weine auch am Ort ihrer Herkunft abgef\u00fcllt werden. 76 Weine sind aktuell als solche gelistet, die meisten davon aus den n\u00f6rdlichen Regionen Piemont, Toskana und Veneto. So \u00fcbersichtlich dieser Vierklang f\u00fcr Verbraucher erscheint, so unflexibel erweist er sich aber gleichzeitig zum Missfallen vieler Winzer, die ein wenig au\u00dferhalb der ausgetretenen Pfade unterwegs sein wollen. Bauen diese eine f\u00fcr ihre jeweilige Region nicht zugelassene Rebsorte an, kann der Wein noch so atemberaubend geraten, er muss als IGT klassifiziert werden &#8211; der Grund daf\u00fcr, das die Spannbreite in dieser Klasse riesengro\u00df ist und von simplen Hausweinen in der Taverne an der Ecke bis zu den sogenannten Supertoskanern reicht, die ab den 70ern die Weinwelt am Stiefel revolutionierten, indem sie auf die Verwendung franz\u00f6sischer Rebsorten wie Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc sowie Barrique-Ausbau setzten.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"771\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/2205e6b2-720b-559e-b6da-6e40ea6d23ef-Kopie-1200x771.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-202470\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/2205e6b2-720b-559e-b6da-6e40ea6d23ef-Kopie-1200x771.jpg 1200w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/2205e6b2-720b-559e-b6da-6e40ea6d23ef-Kopie-300x193.jpg 300w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/2205e6b2-720b-559e-b6da-6e40ea6d23ef-Kopie-768x493.jpg 768w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/2205e6b2-720b-559e-b6da-6e40ea6d23ef-Kopie-1536x987.jpg 1536w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/2205e6b2-720b-559e-b6da-6e40ea6d23ef-Kopie.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Bei einer Nord-S\u00fcd-Ausdehnung von 1200 Kilometern und einer Gesamtreibfl\u00e4che von \u00fcber 850 000 Hektar ist es nat\u00fcrlich kaum m\u00f6glich, einen \u00fcberschaubaren Abriss der geologischen und klimatischen Verh\u00e4ltnisse zu geben. Dennoch lassen sich einige Faktoren nennen, die \u00fcberregional Einfluss nehmen. Das ist zum einen das Mittelmeer, das f\u00fcr einen betr\u00e4chtlichen Teil des Landes die nat\u00fcrliche Grenze bildet. Es sorgt, zumindest in K\u00fcstenn\u00e4he, f\u00fcr ein mehr oder minder gem\u00e4\u00dfigtes Klima mit milden Wintern. \u00c4hnliches leisten die gro\u00dfen Wasserfl\u00e4chen im Norden wie etwa der Gardasee. Und zum anderen wirken sich die omnipr\u00e4senten Berge aus: ob im Norden durch die Alpen, die Schlechtwetterfronten abhalten, oder die einen Gro\u00dfteil des Landes durchziehenden Apenninen, an deren Hanglagen sich die Reben besonders wohlf\u00fchlen. Besonders in Zeiten immer w\u00e4rmerer Temperaturen ist das ein echtes Backup, kann man doch vor der Hitze fl\u00fcchten, indem man an den H\u00e4ngen weiter hinaufzieht. Allgemein sind die Mikroklimata in den Weinbergen aber oft noch k\u00fchler, als man das landl\u00e4ufig annehmen w\u00fcrde: so finden sich etwa auf Sizilien mehr wei\u00dfe als rote Reben. Es w\u00e4re alles in allem recht vermessen, \u201eden\u201c italienischen Wein k\u00fcren zu wollen, zu verschieden ist der Tropfen aus S\u00fcdtirol, wo die Reben auf weit \u00fcber 1000 Metern in relativer K\u00fchle auf kargen Urgesteinsb\u00f6den wachsen, von jenem aus dem hei\u00dfen Kampanien mit seinen sehr fruchtbaren vulkanischen Untergr\u00fcnden. Sehr gro\u00df sind auch die Unterscheide zwischen beschaulichen Familienweing\u00fctern und den gigantischen Betrieben, die den Exportmarkt dominieren. Fast zwei Dutzend G\u00fcter machen einen Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro. Das ist angesichts ihrer schieren Gr\u00f6\u00dfe oft kein Wunder: Platzhirsch Antinori etwa verf\u00fcgt \u00fcber fast 3000 Hektar, eine Fl\u00e4che so gro\u00df wie die Insel Borkum.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"800\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/53-Kopie-1200x800.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-202471\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/53-Kopie-1200x800.jpg 1200w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/53-Kopie-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/53-Kopie-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/53-Kopie-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/53-Kopie.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Dass italienischer Wein in Deutschland noch immer \u00fcber einen ganz anderen Nimbus verf\u00fcgt als etwa franz\u00f6sischer oder spanischer, h\u00e4ngt viel mit den sehr intensiven Nachkriegsbeziehungen beider L\u00e4nder zusammen. Italien war f\u00fcr etliche deutsche Familien in den 50er und 60er Jahren das erste Fernreiseziel \u00fcberhaupt, die Tour \u201emit dem Auto \u00fcber\u2019n Brenner\u201c und Schlager wie die \u201eCapri-Fischer\u201c oder \u201eZwei kleine Italiener\u201c zeugen von der Begeisterung und vor allem der Sehnsucht, welche die malerischen Ortschaften zwischen Adria und Golf von Neapel hervorriefen &#8211; besonders, wenn man den Abend in einem kleinen Lokal mit dem obligatorischen \u201eMan spricht Deutsch\u201c-Schild ausklingen lassen konnte. Wenig sp\u00e4ter waren es dann die Italiener, die ihrerseits nach Deutschland kamen &#8211; allerdings nicht auf Urlaub, sondern als Gastarbeiter. Sie brachten ihre Esskultur von der Eisdiele \u00fcber die Trattoria bis hin zur Weinhandlung mit und etablierten damit quasi eine fl\u00e4chendeckende gastronomische Infrastruktur &#8211; zun\u00e4chst f\u00fcr sich selbst, um das Heimweh nach dem Abendessen der \u201eMamma\u201c nicht zu gro\u00df werden zu lassen. Sehr rasch zeigten aber auch die Deutschen Interesse an den oliven\u00f6lges\u00e4ttigten Klassikern der Mittelmeernation. Im Zuge dessen kamen viele auch zum ersten Mal mit dortigen Weinen in Kontakt, und Erz\u00e4hlungen \u00fcber den ber\u00fcchtigten Kopfschmerz-Lambrusco oder Chianti aus der Korbflasche bezeugen, dass dieser nicht immer den allerbesten Eindruck hinterlie\u00df &#8211; aber egal, es geht ja auch mehr ums Gef\u00fchl. Und das war in Bezug auf die als bodenst\u00e4ndig, ja geradezu inklusiv empfundene italienische K\u00fcche eben immer ein deutlich w\u00e4rmeres als bei der als etwas abgehoben angesehenen franz\u00f6sischen oder der als Junkfood gebrandmarkten amerikanischen &#8211; so sehr, dass man in der Neuen Deutschen Welle mit Songs wie \u201eCarbonara\u201c oder \u201eZuppa Romana\u201c schon begann, den ganzen Hype geh\u00f6rig auf die Schippe zu nehmen. Aber Satire ist ja bekanntlich eine der h\u00f6chsten Formen der Anerkennung und langsam, aber sicher arbeiteten sich die fr\u00fcher noch bel\u00e4chelten italienische Weine an die Weltspitze heran: Sassicaia, Ornellaia und Tignanello k\u00f6nnen mittlerweile durchaus mit den Crus des Medoc mithalten, sowohl qualitativ als auch preislich.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"973\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Vigna-Trulli-Mare-Kopie-1200x973.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-202472\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Vigna-Trulli-Mare-Kopie-1200x973.jpg 1200w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Vigna-Trulli-Mare-Kopie-300x243.jpg 300w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Vigna-Trulli-Mare-Kopie-768x623.jpg 768w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Vigna-Trulli-Mare-Kopie-1536x1246.jpg 1536w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Vigna-Trulli-Mare-Kopie.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Das sollte aber keineswegs die Tatsache verw\u00e4ssern, dass italienische Weine in aller Regel recht preiswert daherkommen. Und f\u00fcr jede Gelegenheit, f\u00fcr jeden Geschmack etwas zu bieten haben: nicht nur vollmundige Rote, sondern auch frische Wei\u00dfweine, spritzigen Spumante, fruchtige Ros\u00e9s und sogar elegante S\u00fc\u00dfweine wie etwa den Vin Santo oder den Marsala. Den ausgepr\u00e4gten Missionsgedanken haben die heutigen Italiener dabei in gewisser Weise von ihren r\u00f6mischen Vorfahren \u00fcbernommen &#8211; wo auch immer auf der Welt mehr als einer oder zwei versammelt sind, k\u00f6nnen perfekte Espressi, ein bisschen Italodisco im Hintergrund und nat\u00fcrlich der passende Tropfen zu Antipasti und Dolci nicht weit weg sein, Gastfreundschaft f\u00fcr zuf\u00e4llig Vorbeikommende immer inklusive. Ein bisschen Show geh\u00f6rt dabei freilich dazu: wo in \u00e4sthetisch leicht unterk\u00fchlten Nationen wie Deutschland kreative Ambitionen an ihr Ende kommen, geht es in Italien erst los. Kaum irgendwo anders sind die Etiketten so k\u00fcnstlerisch verziert, die Flaschen mit so barocken Pr\u00e4gungen versehen, die Namen der Weine so verwegen und fantasievoll. Und oft genug ist es dabei egal, ob man einen Pappbecher Kalterersee im Ferienlager genie\u00dft oder einen Barolo im feinen Florentiner Restaurant. Diese unb\u00e4ndige Leichtigkeit des Seins, diese \u00fcberstr\u00f6mende Lebensfreude und die Feier des puren Gl\u00fccks im Moment sind es eben vor allem, die den italienischen Wein zu dem machen, was er ist. Er zeigt aufs Eindrucksvollste, dass es f\u00fcr wahren Genuss eigentlich nur einer Zutat bedarf: der Gemeinschaft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Antike bis Moderne: Die faszinierende Geschichte des italienischen Weinbaus Bella Italia, das Mutterland des europ\u00e4ischen Weinbaus! Halt, so ganz stimmt das nicht, denn die alten Griechen waren damit schon wesentlich fr\u00fcher dran. 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