{"id":204852,"date":"2024-09-01T17:00:00","date_gmt":"2024-09-01T15:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/?p=204852"},"modified":"2024-05-22T14:43:48","modified_gmt":"2024-05-22T12:43:48","slug":"das-weinland-suedafrika","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/2024\/09\/das-weinland-suedafrika\/","title":{"rendered":"Das Weinland S\u00fcdafrika"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Weinbau am Kap der Guten Hoffnung<\/h2>\n\n\n\n<p>Rainbow Nation wird S\u00fcdafrika gerne genannt, und so vielf\u00e4ltig die ethnische Zusammensetzung, die Kultur, die Sprachen und die Landschaft sind, so abwechslungsreich pr\u00e4sentiert sich auch der Weinbau des Landes. Etabliert wurde er ausgerechnet von einem Volk, das so gar nichts mit Rebenzucht am Hut hatte: den Niederl\u00e4ndern. Als sie 1652 in S\u00fcdafrika anlandeten, hatten sie allerdings auch nicht vor, auf diesem Gebiet Meilensteine zu setzen. Ganz im Gegenteil: die Region am Tafelberg wurde in erster Linie als reiner Versorgungsst\u00fctzpunkt in Besitz genommen, eine Art Tankstelle, an der die Schiffe der Vereinigten Ostindien-Kompanie (VOC) auf dem Weg von Europa nach Indien ihre Best\u00e4nde auff\u00fcllen konnten. Der dort erzeugte Wein sollte den Matrosen denn auch nicht als Genussmittel dienen, sondern wurde vor allem gesch\u00e4tzt, weil er durch seinen Alkoholgehalt auf wochenlangen Seereisen weniger schnell verdarb als Wasser. Auch sein nat\u00fcrlicher &#8211; wenn auch sehr geringer &#8211; Gehalt an Ascorbins\u00e4ure, besser bekannt als Vitamin C, machte ihn zum beliebten Tonikum, das die Auswirkungen von Mangelerkrankungen wie der gef\u00fcrchteten Skorbut zumindest ein bisschen im Zaum halten konnte. Solche Weine darf man sich nat\u00fcrlich nicht wie die heute \u00fcblichen vorstellen. Sie hatten meist nur wenige Volumenprozent, waren v\u00f6llig ungesch\u00f6nt und schmeckten wohl ausgesprochen sauer. Dennoch waren sie schon aus bekannten Reben gekeltert: da es im S\u00fcden Afrikas keine autochthonen Gew\u00e4chse gab, importierte man sie aus Europa, vor allem aus Frankreich. Und obwohl die Hugenotten eben diesem Land aus weltanschaulichen Gr\u00fcnden gerade erst den R\u00fccken gekehrt hatten, waren sie es, die in der neuen afrikanischen Heimat mit den franz\u00f6sischen Reben am besten klarkamen und den ersten Quantensprung in Sachen Weinerzeugung einleiteten. Kaperten also bald franz\u00f6sische Religionsfl\u00fcchtlinge den Weinbau am Kap? Nur zum Teil, denn an einem Holl\u00e4nder kommt man kaum vorbei, will man die bewegte Geschichte des s\u00fcdafrikanischen Weinbaus verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Simon van der Stel war sein Name, und er galt im Amt des Gouverneurs als deutlich ambitionierter als sein Vorg\u00e4nger. Dieser hatte &#8211; auch aufgrund mangelnder Kenntnisse &#8211; den Weinbau sehr stiefm\u00fctterlich behandelt und vor allem auf den Anbau von Gem\u00fcse gesetzt. Van der Stel hingegen war seit jeher weininteressiert, und so gr\u00fcndete er im Jahr 1685 an den H\u00e4ngen einer Verl\u00e4ngerung des Tafelberges das 750 Hektar gro\u00dfe Weingut Constantia. Obwohl dieses nach dem Tod des Gr\u00fcnders rasch in mehrere Teile zerfiel, sollte es sich doch als \u00e4u\u00dferst wirkm\u00e4chtig erweisen, indem es die Tropfen S\u00fcdafrikas erstmals einer breiteren Konsumentenschicht bekannt machte. Das unbestrittene Aush\u00e4ngeschild des Gutes war n\u00e4mlich ein gleichnamiger S\u00fc\u00dfwein, gekeltert aus verschiedenen Muskatellertrauben, die zwar schon rosiniert, aber nicht von Edelf\u00e4ule befallen gelesen wurden. Anders als andere beliebte Dessertweine der damaligen Zeit &#8211; Marsala oder Port etwa &#8211; wurde er nicht aufgespritet, sodass sein Alkoholgehalt sich im moderaten Bereich von 13 oder 14 Volumenprozent bewegte. Dennoch erwies sich der hohe Restzuckeranteil als ausreichend, um ihn ohne die Gefahr eines spontanen Verderbens auf die Exportreise nach Europa schicken zu k\u00f6nnen &#8211; w\u00e4hrend die trockenen Weine vom Kap noch eine l\u00e4ngere Zeit ausschlie\u00dflich den Einheimischen vorbehalten bleiben sollten. Die s\u00fc\u00dfen Constantias erfreuten sich bald gro\u00dfer Beliebtheit in den besseren Kreisen der Alten Welt &#8211; sehr zum \u00c4rger der dortigen Weinproduzenten, die die aufstrebende Konkurrenz als Bedrohung wahrnahmen und versuchten, exorbitant hohe Einfuhrz\u00f6lle f\u00fcr sie zu erreichen oder gleich die Lieferung von damals f\u00fcr den Transport zwingend ben\u00f6tigten F\u00e4ssern zu unterbinden. Aber die F\u00fcrsprecher in m\u00e4chtigen Positionen waren einfach zu zahlreich: neben Literaten erwiesen sich vor allem gekr\u00f6nte H\u00e4upter als gro\u00dfe Fans des Weines, der zeitweise auf einer Ebene mit Tokajer und Sauternes rangierte. Der bekannteste unter ihnen ist wohl Napoleon &#8211; auch wenn er wahrscheinlich erst w\u00e4hrend seines Exils auf der nicht allzu weit entfernten Insel St. Helena auf den Geschmack kam, soll er so verliebt gewesen sein, dass er sich einen Constantia als Sterbetrunk servieren lie\u00df.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"675\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/afrika2-1200x675.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-204992\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/afrika2-1200x675.png 1200w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/afrika2-300x169.png 300w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/afrika2-768x432.png 768w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/afrika2.png 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Unter Hugenotten und Holl\u00e4ndern schienen sich die Reben S\u00fcdafrikas also allm\u00e4hlich echt wohlzuf\u00fchlen. Doch dieser erste H\u00f6henflug sollte nicht allzu lange w\u00e4hren: die VOC, der die Kolonie faktisch unterstand, pfiff Ende des 18. Jahrhunderts aus dem letzten Loch. Die Zeit der niederl\u00e4ndischen Dominanz im Gew\u00fcrzhandel war schlicht und einfach vorbei. Zudem hatte der gerade schon erw\u00e4hnte Napoleon das Land 1795 in einem Handstreich unterworfen und in einen Vasallenstaat verwandelt. Um die Verteidigungsf\u00e4higkeit des s\u00fcdafrikanischen Territoriums stand es also denkbar schlecht. Das wiederum erkannte Gro\u00dfbritannien sehr rasch und verleibte sich die Region 1797 erstmals ein. Zwar mussten die Briten sie wenige Jahre sp\u00e4ter zun\u00e4chst an die Niederlande zur\u00fcckgeben, schlugen 1806 aber erneut zu und r\u00fcckten ihre Eroberung dann nicht mehr heraus. F\u00fcr die Rebenzucht am Kap hatte das recht zwiesp\u00e4ltige Folgen: zwar erweiterte der Absatzmarkt sich dadurch zun\u00e4chst enorm, zumal Gro\u00dfbritannien lange Zeit den Wein aus dem verfeindeten Frankreich boykottierte &#8211; man war weinbaulich endg\u00fcltig den Kinderschuhen entwachsen. Zum anderen trat dadurch aber auch eine gewisse Verflachung der Erzeugnisse ein: die Briten waren sehr stark auf schwere, alkoholverst\u00e4rkte Weine fixiert, die fortan einen Gro\u00dfteil der Produktion ausmachten. Und als sie sich irgendwann mit den Franzosen wieder ausges\u00f6hnt hatten und Wein wie in alter Zeit einfach nur \u00fcber den \u00c4rmelkanal schicken zu lassen brauchten, stand S\u00fcdafrika ohne Abnehmer vor einer riesigen Lik\u00f6r-Monokultur.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen Ende des 19. Jahrhunderts lag der Weinbau dann vollends darnieder. Das lag zum einen an der Reblausplage, die das Land in verheerendem Ausma\u00df heimgesucht hatte &#8211; viele bisherige Weinberge wurden kurzerhand in Obstplantagen umgewandelt. Es lag aber auch an den fortw\u00e4hrenden Auseinandersetzungen zwischen Briten und den Buren, Afrikaans sprechenden Nachkommen der niederl\u00e4ndischen Erstbesiedler. Diese hatten sich nach der britischen Eroberung der Kapkolonie weiter ins Landesinnere zur\u00fcckgezogen und dort unabh\u00e4ngige Republiken wie Transvaal oder den Oranje-Freistaat gegr\u00fcndet, um an der von den Briten 1833 verbotenen Sklaverei festhalten zu k\u00f6nnen. Diese hatten ihrerseits jedoch ein gro\u00dfes Interesse an einer Ausdehnung des eigenen Machtbereichs, um die vielversprechenden Vorkommen an Gold und Diamanten auszubeuten. Es bedurfte zweier \u00fcberaus blutiger Kriege, bevor schlie\u00dflich mit der Vereinigung burischer und britischer Territorien 1910 in der S\u00fcdafrikanischen Union der Konflikt beigelegt werden konnte. Doch erst im Anschluss an den Ersten Weltkrieg konsolidierte sich die Weinwirtschaft langsam wieder. Die Bev\u00f6lkerung war inzwischen durch europ\u00e4ische Einwanderer massiv angewachsen. Das sicherte einen gro\u00dfen Binnenmarkt, zudem bildete sich erstmals ein &#8211; wenn auch eher fragiles &#8211; Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem wollte man auch weinbaulich irgendwie huldigen und stellte bei dieser Gelegenheit fest, dass es zwar allerhand europ\u00e4ische Reben im Land gab, aber keine genuin s\u00fcdafrikanische. An der Universit\u00e4t Stellenbosch machte man sich also ans Werk und pr\u00e4sentierte im Jahr 1925 der \u00d6ffentlichkeit stolz den Pinotage. Die Traube war eine recht raffinierte Kreuzung aus Pinot Noir und Cinsaut &#8211; der in S\u00fcdafrika fr\u00fcher gern Hermitage genannt wurde, daher der Name -, bestens angepasst an das hei\u00dfe und sehr niederschlagsarme Klima im Land. Auch die tief granatrote Farbe und das samtig-s\u00fc\u00dfe Aroma von Pflaume, dunklen Beeren und tropischen Fr\u00fcchten, unterlegt mit Noten von Vanille, Tabak und Schokolade, schien ihren Erfindern ein perfektes Visitenk\u00e4rtchen S\u00fcdafrikas zu sein. Das ist bis heute so geblieben, denn obwohl sich viele Neue-Welt-L\u00e4nder um den Pinotage bem\u00fchten, wollte die fr\u00fchreifende und sehr zuckerhaltige Sorte nirgendwo anders so recht Wurzeln schlagen. Der besondere Clou ist, dass sowohl fruchtbetonte, sofort trinkreife Alltagsweine als auch extraktreich-komplexe, lange lagerf\u00e4hige Tropfen aus uralten Buschreben erzeugt werden k\u00f6nnen. Um auch rauchige und w\u00fcrzige T\u00f6ne aus der Traube herauszukitzeln, setzt man h\u00e4ufig auf eine Reifung im Barriquefass, die aber dank der sortentypisch weichen Tannine keineswegs zwingend erforderlich ist. Bis der Pinotage tats\u00e4chlich Marktreife erlangte, sollte es noch fast vier weitere Jahrzehnte dauern. Dann aber setzte sich die neue Nationalrebsorte sowohl als Solist als auch im Verschnitt mit Merlot oder Cabernet Sauvignon in den sogenannten Cape Blends durch &#8211; wobei sie allerdings niemals Potential f\u00fcr echte Spitzenweine offenbarte.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"675\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/afrika1-2-1200x675.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-205000\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/afrika1-2-1200x675.png 1200w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/afrika1-2-300x169.png 300w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/afrika1-2-768x432.png 768w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/afrika1-2.png 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Aber immerhin, es schien doch voranzugehen? Auf jeden Fall, im ersten Drittel des vergangenen Jahrhunderts war der Weinbau zun\u00e4chst wieder auf Kurs. Es gab da nur ein Problem. Die Buren hatten in ihrem Friedensvertrag mit den Briten ausgehandelt, die Rechte aller nichtwei\u00dfen Einwohner auch weiterhin massiv zu beschr\u00e4nken &#8211; die Grundlage der Apartheidspolitik, die das Land bis Anfang der 1990er pr\u00e4gen sollte. Die Winzer nutzten das zwar gerne f\u00fcr ihre Zwecke aus. Besonders beliebt war etwa der Deal, als Landwirt den Bau eines Gef\u00e4ngnisses mitzufinanzieren und dann auf die schwarzen Insassen als billige Hilfskr\u00e4fte zugreifen zu k\u00f6nnen. Nach au\u00dfen hin erwies sich diese Ungleichbehandlung aber als \u00e4u\u00dferst kontraproduktiv &#8211; viele andere Staaten lehnten die Methoden des Regimes ab, und obwohl S\u00fcdafrika zun\u00e4chst als einziger afrikanischen Nation der wirtschaftliche Aufstieg in den Kreis der Erste-Welt-L\u00e4nder gelang, war es mit zunehmender Dauer der Rassentrennung international immer mehr isoliert, musste etwa den Kreis der Commonwealth-Staaten verlassen und die Belegung mit harschen UN-Sanktionen hinnehmen. Das brachte nat\u00fcrlich auch das weitgehende Fehlen von Exportm\u00e4rkten mit sich &#8211; statt sich in der Weinwelt mit anderen Nationen zu messen und fortzuentwickeln, schmorte man einmal mehr im eigenen Saft. Produziert wurden Brandy und Port in rauen Mengen, aber kaum ein Stillwein, der halbwegs geschulte Geschmacksknospen zu \u00fcberzeugen in der Lage gewesen w\u00e4re. Das hing auch damit zusammen, dass bis 1982 der Import europ\u00e4ischer Rebst\u00f6cke schlicht verboten war &#8211; zwar wurde munter geschmuggelt und einige befanden sich schon seit langer Zeit im Land und genossen Bestandsschutz, allerdings kamen sie nicht einmal auf ein F\u00fcnftel der Gesamtrebfl\u00e4che.<\/p>\n\n\n\n<p>Die vielf\u00e4ltige und qualit\u00e4tsbewusste Szene, die den s\u00fcdafrikanischen Weinbau heute tr\u00e4gt, hat sich tats\u00e4chlich erst in den vergangenen 30 Jahren entwickelt. Als die Apartheid mit dem \u00fcberw\u00e4ltigenden Wahlsieg des ANC 1994 und der darauffolgenden Pr\u00e4sidentschaft Nelson Mandelas faktisch endete, entstand eine Art Goldgr\u00e4berstimmung: Jungwinzer nutzten die Gunst der Stunde und lie\u00dfen sich in L\u00e4ndern wie Frankreich auf den neuesten Stand der Technik bringen, Betriebe investierten hohe Summen in brandneue Ausstattung und allerorten unternahm man Versuche mit neuen Rebsorten. Die weitestgehende politische Gleichstellung Schwarzer und Wei\u00dfer in S\u00fcdafrika darf dabei jedoch nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass Weinbau noch immer eine fast ausschlie\u00dflich wei\u00dfe Dom\u00e4ne ist: obwohl sie nur etwa acht Prozent der Gesamtbev\u00f6lkerung stellen, kontrollieren sie vom Anbau \u00fcber die Kellertechnik bis zur Logistik und Vermarktung die gesamte Wertsch\u00f6pfungskette; Schwarze, immerhin vier F\u00fcnftel der Bev\u00f6lkerung, \u00fcbernehmen nach wie vor allenfalls landwirtschaftliche Hilfsarbeiten oder Kellnerjobs in Restaurants. Auch in Sachen Konsum gibt es gro\u00dfe ethnische Unterschiede: denn obwohl die finanzielle Ungleichheit zwischen Schwarzen und Wei\u00dfen nicht mehr so exorbitant gro\u00df ist wie w\u00e4hrend der Rassentrennung, leben viele Schwarze noch immer in prek\u00e4ren Verh\u00e4ltnissen und greifen eher zu anderen alkoholischen Getr\u00e4nken als zum vergleichsweise teuren Wein.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/F6C8429A-517F-4D7D-BFB4-904E4829C242-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-204997\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/F6C8429A-517F-4D7D-BFB4-904E4829C242-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/F6C8429A-517F-4D7D-BFB4-904E4829C242-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/F6C8429A-517F-4D7D-BFB4-904E4829C242-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/F6C8429A-517F-4D7D-BFB4-904E4829C242-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/F6C8429A-517F-4D7D-BFB4-904E4829C242-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/F6C8429A-517F-4D7D-BFB4-904E4829C242-65x65.jpg 65w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/F6C8429A-517F-4D7D-BFB4-904E4829C242.jpg 2008w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Dabei ist er im internationalen Vergleich sehr preiswert &#8211; Nebenwirkung der dauerhaft am Boden liegenden Landesw\u00e4hrung Rand. Und weil im Inland abseits einer kleinen wei\u00dfen Mittel- und Oberschicht und des Tourismus Absatzm\u00e4rkte rar sind, muss mit etwa der H\u00e4lfte der Gesamtproduktion verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig viel exportiert werden. Die Europ\u00e4er kann es freuen: sie bekommen f\u00fcr kleines Geld Wein, der sich l\u00e4ngst nicht so sehr auf B\u00fcckware-Niveau herabl\u00e4sst wie der vieler anderer Weinbau-Nationen der s\u00fcdlichen Hemisph\u00e4re &#8211; und dem dar\u00fcber hinaus attestiert wird, dem in Europa vorherrschenden Weinstil am n\u00e4chsten zu kommen. Bei Chardonnay, Merlot, Sauvignon Blanc und Co. muss man sich also keine Sorgen machen, von v\u00f6llig unerwarteten Geschmackseindr\u00fccken \u00fcberw\u00e4ltigt zu werden, zumal man sie schon eine ganze Weile kultiviert. Spannender sind schon die allm\u00e4hlich in den Fokus r\u00fcckenden klassischen Rhone-Sorten Grenache und Syrah. Aber wenn man gerade das Besondere, die landestypische Spezialit\u00e4t sucht? Greift man neben dem uns schon bekannten Pinotage am besten zum Chenin Blanc. Der stammt zwar urspr\u00fcnglich aus Frankreich, ist dort aber gerade mal auf 9000 Hektar anzutreffen, w\u00e4hrend sie in S\u00fcdafrika mit der doppelten Hektarzahl als die beliebteste Traube des Landes gilt. Die Erfolgsgeschichte des Chenin Blanc so weit von zuhause entfernt ist einigerma\u00dfen ungew\u00f6hnlich, denn meistens w\u00e4hlen Neue-Welt-L\u00e4nder solche Trauben zu ihren Aush\u00e4ngeschildern, die recht pflegeleicht sind und konstante Ertr\u00e4ge bringen. Anders hier: die Traube, die wahrscheinlich schon mit den ersten niederl\u00e4ndischen Siedlern ins Land kam und jahrhundertelang als \u201eSteen\u201c bekannt war, bevor man ihre genetische \u00dcbereinstimmung mit dem Chenin Blanc beweisen konnte, ist ziemlich anspruchsvoll &#8211; daf\u00fcr aber auch unglaublich vielseitig, manchmal sogar unberechenbar. Der hohe Zuckergehalt und die dicken, f\u00fcr Edelf\u00e4ule sehr anf\u00e4lligen Schalen pr\u00e4destinieren ihn einerseits f\u00fcr den Ausbau als S\u00fc\u00dfwein, die sehr pr\u00e4sente S\u00e4ure wiederum bildet die Grundlage f\u00fcr spannende Schaumweine. Aber auch als trockener Stillwein wei\u00df die Traube zu \u00fcberzeugen: in guten Jahrg\u00e4ngen k\u00f6nnen diese entweder leicht und frisch mit einem zart blumigen Bukett oder, bei entsprechender Pflege, auch durchaus seidig-komplex geraten und \u00c4hnlichkeiten zu einem Burgunder aufweisen. In weniger guten Jahren (oder unter den H\u00e4nden weniger begabter Winzer) neigen sie hingegen zu Muffgeschmack oder stechender S\u00e4ure und werden dann in Massen der Branntweinproduktion zugef\u00fchrt. Mit seiner Eigenwilligkeit provoziert der Chenin Blanc sowohl Begeisterung als auch Skepsis, ist auf jeden Fall immer eine kleine Wundert\u00fcte und auf Blindproben oft ein Tropfen, an dem man sich die Z\u00e4hne ausbei\u00dfen kann.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"900\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/IMG_0672-1200x900.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-204996\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/IMG_0672-1200x900.jpg 1200w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/IMG_0672-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/IMG_0672-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/IMG_0672-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/IMG_0672-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Nach wie vor konzentriert sich der Weinbau gr\u00f6\u00dftenteils auf jene Region, in der er vor \u00fcber 350 Jahren begonnen wurde: den Raum Kapstadt. Das hat jedoch nicht allein historische Gr\u00fcnde, sondern liegt auch in den hier herrschenden klimatischen Bedingungen begr\u00fcndet. Denn obwohl es zwischen dem 31. und dem 34. s\u00fcdlichen Breitengrad eigentlich deutlich zu warm f\u00fcr die Erzeugung hochwertiger Tropfen sein m\u00fcsste, hat man mit der Hitze kaum Probleme, es ist angenehm mediterran. Verantwortlich daf\u00fcr ist die N\u00e4he zum Wasser, genauer gesagt zum Atlantischen und zum Indischen Ozean, die am Kap aufeinander treffen. Haben gro\u00dfe Gew\u00e4sser an sich schon eine k\u00fchlende Wirkung auf die angrenzenden Landmassen, wird dieser Effekt hier zus\u00e4tzlich noch durch kalte Meeresstr\u00f6mungen aus dem Bereich der Antarktis unterst\u00fctzt. Weil man aber in Kapn\u00e4he bleiben muss, um von dieser frischen Brise zu profitieren, nehmen sich die 100 000 Hektar Rebfl\u00e4che in Relation zur eigentlichen Gr\u00f6\u00dfe des Landes verschwindend gering aus. Dennoch reicht dieses Weinbau-Areal, das ziemlich genau demjenigen Deutschlands entspricht, f\u00fcr den siebten Platz der Weltrangliste aus &#8211; die Hektarertr\u00e4ge in S\u00fcdafrika sind n\u00e4mlich etwas h\u00f6her als bei uns. Daf\u00fcr unterscheidet man allerdings zwischen gerade einmal f\u00fcnf Regionen. Die wichtigste von ihnen ist die Coastal Region, die etwa ein Drittel des gesamten Weinbaus auf sich vereinigt. Hier finden sich so bekannte Distrikte wie das fr\u00fcher f\u00fcr seine bordeaux\u00e4hnlichen Rotweine bekannte Stellenbosch, Swartland oder das nach den ehemals vorwiegend hugenottischen Bewohnern benannte Franschhoek. Zwar sind es eher die Distrikte, mit denen auf dem internationalen Markt geworben wird, allerdings kennt man auch seit \u00fcber 50 Jahren schon das Konzept der Einzellage, die nicht gr\u00f6\u00dfer als sechs Hektar sein darf, hat also durchaus ein Verst\u00e4ndnis von der Bedeutung des Terroirs. Die nordwestlich der Metropole Kapstadt gelegene Coastal Region ist denn auch der Motor, in der sich neue weinbauliche Tendenzen wie die Suche nach H\u00f6henlagen f\u00fcr den Anbau von Cool-Climate-Weinen oder die Wiederentdeckung an die hundert Jahre alter Buschreben zuerst vollziehen, andere Regionen wie Klein Karoo, Breede River Valley oder Olifants River sind f\u00fcr Spitzengew\u00e4chse oft schlicht zu hei\u00df und darum noch eher der alten Port- und Brandy-Seligkeit verhaftet.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl S\u00fcdafrika stets eher eine Wei\u00dfwein-Nation war und auch heute noch ist, pr\u00e4sentieren sich viele Gerichte der landestypischen K\u00fcche eher rotweinkompatibel. Denn trotz der sehr langen K\u00fcste wird verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig wenig Fisch verzehrt, der Fokus liegt klar auf Fleisch &#8211; ob als Potjiekos-Eintopf aus dreibeinigen Gusseisent\u00f6pfen, als Boerewors zu Wurst verarbeitet oder als das legend\u00e4re Trockenfleisch Biltong. Neben Lamm und Rind sch\u00e4tzt man vor allem einheimische, klassischerweise wild lebende Tiere wie diverse Antilopenarten, Warzen- oder gar Stachelschweine. Besonderer Beliebtheit erfreut sich auch der fettarme Strau\u00df. Die s\u00fcdafrikanische ist eine klassische Crossover-K\u00fcche, die niederl\u00e4ndische, britische und traditionell afrikanische Einfl\u00fcsse verbindet. Insbesondere die Funktion als Zwischenstation im Gew\u00fcrzhandel hat ihre Spuren hinterlassen, denn Koriander, Ingwer, Zimt und andere haben ihren festen Platz in vielen Rezepten &#8211; am bekanntesten ist sicherlich die omnipr\u00e4sente W\u00fcrzso\u00dfe Chakalaka. In der j\u00fcngeren Zeit setzen auch asiatische Einwanderer vermehrt Akzente: so sind es etwa die aus Indien stammenden Samoosas, gef\u00fcllte Teigtaschen, die sich zu schon l\u00e4nger etabliertem Frittiertem wie Koeksister oder Vetkoek gesellen. Zu einem gelungenen Foodpairing geh\u00f6rt in S\u00fcdafrika wahrscheinlich immer etwas mehr Fantasie als in anderen L\u00e4ndern, und das ist gar nicht despektierlich gemeint.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sehen also, Weinbau in S\u00fcdafrika gibt es nicht ohne Kapriolen, ohne st\u00e4ndiges Auf und Ab. Aber wir befinden uns hier nicht umsonst am Kap der Guten Hoffnung. W\u00e4hrend fr\u00fcher die Seefahrer Grund zu ebensolcher hatten, weil nun schon die H\u00e4lfte der Strecke hinter ihnen lag, sind es heute die Winzer und vor allem die Konsumenten, die sich Hoffnung machen d\u00fcrfen, dass die Erfolgsgeschichte S\u00fcdafrika gerade erst begonnen hat. Die Schwierigkeiten sind nach wie vor zahlreich: aufgrund der Trockenheit ist in vielen Bereichen k\u00fcnstliche Bew\u00e4sserung vonn\u00f6ten, ein Zustand, der sich in den kommenden Jahren wahrscheinlich eher noch verst\u00e4rken wird. Investitionen wie in ebensolche fallen vielen Winzern aber schwer, denn die sehr schwache Landesw\u00e4hrung macht es ihnen nicht leicht, sich ein finanzielles Polster anzulegen &#8211; ohnehin verf\u00fcgen viele, gerade j\u00fcngere und experimentierfreudige Weinbauern kaum \u00fcber eigene Fl\u00e4chen. Auch die gro\u00dfe Abh\u00e4ngigkeit vom Tourismus hat sich w\u00e4hrend Corona als \u00fcberaus verh\u00e4ngnisvoll erwiesen. Doch nach jedem Wolkenbruch besteht die M\u00f6glichkeit auf ein neuerliches Erstrahlen des Regenbogens, um zu unserem Bild vom Anfang zur\u00fcckzukehren. Der Wasserschleier liegt noch in der Luft, die Sonne bricht gerade hinter den Wolken hervor: wird die Rainbow Nation den Sprung an die Weltspitze schaffen? Die Anzeichen daf\u00fcr sind klar erkennbar &#8211; zumindest wenn einige Trends anhalten. Das sind besonders die Nutzung von k\u00fchlen und in der N\u00e4he des Meeres gelegenen H\u00f6henlagen, die qualitativ deutlich bessere Ergebnisse hervorbringen als der Weinbau in der Ebene, und die Konzentration auf Chenin Blanc und Syrah als hochwertige Leitrebsorten, an deren Resultaten sich andere Weine messen m\u00fcssen. Und dann hei\u00dft es: hoffen! Gerade in Deutschland, nach Gro\u00dfbritannien der gr\u00f6\u00dfte Abnehmer s\u00fcdafrikanischen Rebensaftes, wird sich das Schicksal der Weine vom Kap in den kommenden Jahren entscheiden. Text: Dario Sellmeier<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weinbau am Kap der Guten Hoffnung Rainbow Nation wird S\u00fcdafrika gerne genannt, und so vielf\u00e4ltig die ethnische Zusammensetzung, die Kultur, die Sprachen und die Landschaft sind, so abwechslungsreich pr\u00e4sentiert sich auch der Weinbau des Landes. 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