{"id":36072,"date":"2017-05-10T11:00:26","date_gmt":"2017-05-10T09:00:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/?p=36072"},"modified":"2017-05-10T11:00:26","modified_gmt":"2017-05-10T09:00:26","slug":"36072-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/2017\/05\/36072-2\/","title":{"rendered":"Yotuel \u2013 Ribera del Duero &#8211; Spanien"},"content":{"rendered":"<h2>Bodegas y Vi\u00f1edos Gallego Zapatero &#8211; Yotuel \u2013 Ribera del Duero &#8211; Spanien<\/h2>\n<p><strong>Grunds\u00e4tzliches<\/strong><\/p>\n<p>Auf den Holzkisten, in denen der eine oder andere Wein die kleine, in Anguix beheimatete Kellerei verlassen, steht: \u201eYotuel \u2013 Vinos de Anguix\u201c. Damit ist eigentlich schon alles gesagt. Bleibt, zwei Begriffe etwas n\u00e4her unter die Lupe zu nehmen: Yotuel und Anguix.<\/p>\n<p>Anguix ist ein kleines Dorf im S\u00fcdwesten der Provinz Burgos, etwa einhundertsiebenunddrei\u00dfig Seelen leben dort, Hunde und Katzen nicht mit gez\u00e4hlt. Auf gut sechsundneunzig Prozent der Gemeindefl\u00e4che stehen keine Rebst\u00f6cke, Wein ist somit nicht unbedingt ein wichtiger Wirtschaftsfaktor des Dorfes. Dennoch gibt es hier sieben Bodegas, in denen jede Menge Trauben gekeltert werden. Sechs dieser sieben Kellereien verarbeiten Trauben aus diversen Orten der Region, die gr\u00f6\u00dfte, Protos, keltert hier inzwischen mehr als f\u00fcnf Millionen Liter Wein. Die siebte Bodega, gleichzeitig die j\u00fcngste des Ortes, arbeitet ausschlie\u00dflich mit Lesegut, das aus den eigenen Weinbergen stammt, ein jeder Rebstock steht in Anguix: Bodegas y Vi\u00f1edos Gallego Zapatero.<\/p>\n<p>Sowohl die Gesteins- und Bodenform als auch die klimatischen Gegebenheiten sind anders als im Rest von Ribera del Duero, so man das Terroir richtig versteht und interpretiert, haben die Weine aus Anguix nicht viel mit dem zu tun, was man landl\u00e4ufig als Ribera del Duero kennt. Aber das ist in vielen Orten im Norden der Region so. Anguix befindet sich nur etwa f\u00fcnf Kilometer vom Nordrand der Denominaci\u00f3n de Origen entfernt, das Land ist wellig, ein paar Kilometer weiter im Norden markiert eine Bergkette die Grenze dieser Weinbauregion. Wichtig ist indes nicht diese Ansammlung etwas gr\u00f6\u00dferer H\u00fcgel, wirklich wichtig ist der Tafelberg, an dessen F\u00fc\u00dfen Anguix liegt: der Manvirgo. Ein wahrlich m\u00e4chtiger, beeindruckender Tafelberg, das Gipfelplateau befindet sich auch neunhundertzweiundvierzig Metern \u00fcber Meeresniveau. Der Berg ist wichtig, weil sich Wolken, die in der Regel aus S\u00fcdwesten kommen, an seiner Westflanke stauen. An beiden Seiten entstehen Wirbel, die nur wenige Wolken, die aber in hoher Geschwindigkeit, durchlassen. Immer dann, wenn es Starkregen oder Hagel gibt, ist der Manvirgo nebst den umliegenden D\u00f6rfern besonders betroffen. Fr\u00fchjahrsfrost oder, noch schlimmer, Herbstfrost, ist eher selten ein Thema, und wenn, dann betrifft es den flachen Teil im S\u00fcden. Die Kaltluft zieht vom Duero gen Norden und bef\u00e4llt die wenigen Weinberge, die dort stehen.<\/p>\n<p>Entscheidend f\u00fcr die Qualit\u00e4t der Weine ist die Bodenform: in Anguix, teilweise auch in den Nachbard\u00f6rfern, stehen die Reben auf eisenhaltigem Lehmboden, ein schwerer, wasserspeichernder Bodega. Darunter befindet sich Sandstein, aber erst gut einen Meter unter der Oberfl\u00e4che. Dies hilft in trockenen Jahren; die D\u00fcrre, die ab und an in den Weinbergen weiter westlich zu gr\u00f6\u00dferen Problemen f\u00fchrt, gibt es hier nicht. Daf\u00fcr findet man, so die Weine ordentlich bereitet sind, mineralische Noten, Frische und S\u00e4ure. Im Vergleich zu anderen Teilen der Region, selbst zu den Nachbard\u00f6rfern, brauchen die Weine aus Anguix l\u00e4nger, um ihre optimale Reife zu erreichen.<\/p>\n<p><strong>Yotuel \u2013 w\u00f6rtlich genommen<\/strong><\/p>\n<p>Yo-Tu-El bedeutet nichts anderes als ich-du-er. Jede der drei Silben steht f\u00fcr eine Generation. Yo, das sind die beiden Br\u00fcder Bienvenido und Ignacio Gallego Zapatero, die im Jahr 2005 die Bodega gr\u00fcndeten. Tu bezieht sich auf Mariano, der Vater der beiden Inhaber, der \u00fcber Jahrzehnte die Weinberge gepflegt hat und dies zumindest teilweise noch immer tut. El indes steht f\u00fcr die Gro\u00dfeltern, die dereinst die ersten Weinberge der Familie gepflanzt haben.<\/p>\n<p>Bis ins Jahr 2005 wurden die Trauben an die Genossenschaft in Pedrosa de Duero verkauft, teilweise auch an andere Kellereien, ein kleiner Teil verblieb in Anguix, um einen Hauswein, einen typischen Clarete zu keltern. Noch bis ins Jahr 2008 wurde ein Teil der Ernte weiterverkauft, von da an wurde das gesamte Lesegut in der eigenen Bodega verarbeitet.<\/p>\n<p>Bodegas y Vi\u00f1edos Gallego Zapatero verf\u00fcgt \u00fcber neue Parzellen, die im Ertrag stehen, eine weitere wurde vor zwei Jahren neu bestockt. Abgesehen von Pincharratas, eine Miniparzelle, ganz im Nordosten des Dorfes gelegen, sind die Weinberge mindestens zwanzig Jahre alt. Camino Viejo bringt es auf vierzig Jahre, die vier alten Parzellen Morris, Otero, Valdepalacios und San Miguel auf zwischen achtzig und neunzig Jahre.<\/p>\n<p>Alle Weinberge werden strikt \u00f6kologisch kultiviert; letztendlich ist dies nichts anderes als die erhaltene Tradition, man braucht in dieser Gegend, wenn man bei der Standortwahl etwas aufpasst und gut im Weinberg arbeitet, nicht mehr als etwas Schwefel und ganz wenig Kupfer.<\/p>\n<p>Abgesehen von drei Parzellen, Camino Viejo, Molino und Los Dujos, werden alle St\u00f6cke im klassischen Kopfschnitt gezogen. Dies sorgt f\u00fcr Beschattung der Trauben, im Hochsommer eine sehr wichtige Komponente f\u00fcr erstklassige Weine.<\/p>\n<p>In den letzten Jahren haben Bienvenido und Ignacio damit begonnen, alte Parzellen aufzukaufen. Oftmals handelt es sich um kleine St\u00fccke Land, die an eine der Bodega eigenen Parzellen grenzen. Altersbedingt haben die Alteigent\u00fcmer keine Lust mehr, sich um die Weinberge zu k\u00fcmmern. Qualitativ stehen diese Parzellen den eigenen in nichts nach. Eine zwei Hektar gro\u00dfe Parzelle nahe Molino, Hanglage, nach Osten abfallend, wurde bereits integriert, ebenso ein kleines St\u00fcck Rebland im S\u00fcden, nahe der Parzelle Otero. Infolge all dieser Ma\u00dfnahmen ist die Gesamtrebfl\u00e4che von dereinst neun auf aktuell vierzehn Hektar angewachsen, die eine oder andere Parzelle wird wohl noch hinzukommen.<\/p>\n<p>In allen Weinbergen, in dieser Hinsicht unterscheidet sich Anguix nur wenig von den Nachbard\u00f6rfern, die nicht \u00e4lter als f\u00fcnfzig Jahre sind, steht Tempranillo, hier auch Tinta del Pa\u00eds genannt. In den alten Parzellen hatten die Weinbauern ein paar zus\u00e4tzliche Rebsorten gepflanzt, die manche Schw\u00e4che des Tempranillo ausgleichen konnten. Insbesondere dann, wenn die Trauben sp\u00e4t gelesen werden, leidet Tempranillo unter S\u00e4uremangel. Daher findet man Garnacha, aber auch Bobal, Palomino Blanco, Albillo Mayor, gelegentlich auch etwas Maturana. Fr\u00fcher erntete man all dies gemeinsam, das Cuv\u00e9e wurde bereits im Weinberg erstellt. Heute wird, zumindest in dieser Bodega, getrennt gelesen. Die wei\u00dfen Trauben werden weiterverkauft, aus den roten Trauben entsteht dann und wann ein Hauswein, der nicht kommerzialisiert wird.<\/p>\n<p><strong>Weinausbau \u2013 die Sache mit den Gebinden<\/strong><\/p>\n<p>Auch wenn Weinbau in dieser Region auf eine lange Tradition zur\u00fcckblickt, ist qualitativ orientierter Weinbau eher neueren Datums. Fr\u00fcher wurde hier, wie auf der gesamten kastilischen Hochebene, Wein vor allem als Alltagsgetr\u00e4nk genutzt. Wasser war nicht hinreichend keimfrei, die alkoholische G\u00e4rung l\u00f6ste dieses Problem. Gleichwohl waren die Weine der Region alles andere als haltbar, oftmals war schon der Sommer nach der Lese eine echte Herausforderung. Dazu kamen niedrige Alkoholwerte, elf Volumenprozent war schon ein Qualit\u00e4tskriterium. Aus all dem kann man folgern, dass die Art der Weinbereitung und -aufbewahrung in vergangenen Jahrhunderten (oder Jahrzehnten) wohl f\u00fcr diverse anmutige Geschichten taugt, als Vorbild f\u00fcr aktuellen Weinbau ist dies eher weniger geeignet.<\/p>\n<p>Als die Bodega im Jahr 2005 begann, Weine auszubauen, war die Stilrichtung in Ribera del Duero klar vorgegeben: weit \u00fcber neunzig Prozent der privaten Kellereien nutzten Stahltanks f\u00fcr die alkoholische und in der Regel auch f\u00fcr die malolaktische G\u00e4rung, die Weine selbst wurden in kleinen Barricas ausgebaut. Einzig die Cooperativen nutzten die alten, gro\u00dfen Zementtanks. Auch Sophie Kuhn, Els\u00e4sserin mit diverser Berufserfahrung im Burgund, in Crozes-Hermitage und in St. Emilion, begann auf diese Weise. Es war aber schnell klar, dass hier anders gearbeitet werden muss, so man das Terroir ordentlich darstellen will. Der erste Schritt bestand darin, die malolaktische S\u00e4ureumwandlung nicht mehr in Edelstahltanks, sondern in Barricas zu absolvieren. Edelstahl ist, dies zeigt sich immer deutlicher, f\u00fcr Tempranillo jenseits der alkoholischen G\u00e4rung eher kompliziert, und selbst hier deutet sich ein Wandel an. Beginnend mit dem Jahr 2008 vergor ein Teil der Moste in einem gro\u00dfen Holztank; dies war der erste Schritt in eine neuere Richtung. Gleichwohl erlebte dieses Experiment vier Jahre sp\u00e4ter ein abruptes Ende, das Fass wollte nicht mehr. Ein Jahr sp\u00e4ter kam zum ersten Mal Zement ins Spiel, zuerst nur f\u00fcr die Verg\u00e4rung des Mostes des Lagenweines Valdepalacios, sp\u00e4ter begann Sophie damit, einen Teil des Gutsweines Yotuel Roble im dem Zementfass auszubauen; die Reifezeit im Barrique wurde damit verk\u00fcrzt.<\/p>\n<p>Der wirkliche Wechsel begann mit dem Jahrgang 2016, respektive mit den Weinen, die damals in den Barricas reiften. Drei neue Zementtanks, unterschiedliches Fassungsverm\u00f6gen, allesamt unbeschichtet, wurden angeschafft, und zwar weniger f\u00fcr die alkoholische G\u00e4rung \u2013 sie findet nach wie vor vor allem in Stahltanks statt \u2013 sondern f\u00fcr die malolaktische S\u00e4ureumwandlung und insbesondere f\u00fcr die Zeit zwischen dem Ende der Barriquereife und der Abf\u00fcllung. Dies hat einen klaren Stilwechsel zur Folge: die prim\u00e4ren Holznoten verschwinden fast vollst\u00e4ndig, daf\u00fcr steht die Frucht st\u00e4rker im Vordergrund.<\/p>\n<p>Ansonsten hat Sophie Kuhn im Laufe der Jahre nicht viel ver\u00e4ndert: vergoren werden die Moste nach wie vor ausschlie\u00dflich mit traubeneigenen Hefen, die Maische wird, so weit es geht, in Ruhe gelassen, einzig der Tresterhut wird gelegentlich nach unten gedr\u00fcckt. Fassabz\u00fcge nur dann, wenn es unvermeidlich ist, und dann auch nur Fass f\u00fcr Fass. Die Moste aller Parzellen verg\u00e4ren separat, das Cuv\u00e9e der Gutsweine wird jedoch vor dem Barriqueausbau erstellt. Schlie\u00dflich handelt es sich um genau eine Rebsorte, Besonderheiten des Reifeverlaufes w\u00e4hrend der Fassreife spielen da eher keine Rolle. Die fertigen Weine werden leicht filtriert, und, seit dem Jahrgang 2008, auf pflanzlicher Basis gesch\u00f6nt. Die Weine sind somit als vegan-freundlich einzustufen.<\/p>\n\n<p><strong>Die Yotuel Weine \u2013 Gut Wein will Lage haben<\/strong><\/p>\n<p>Yotuel gibt es sowohl als Gutsweins als auch als Lagenweine. In normalen Jahren stehen zwei Gutsweine vier Lagenweinen gegen\u00fcber. Nun kann man sich nat\u00fcrlich fragen, warum es denn gleich zwei Gutsweine sein m\u00fcssen. Die Antwort ist relativ klar: die Qualit\u00e4t der Weinberge ist zwar generell hoch, aber nicht identisch.Au\u00dferdem werden f\u00fcr den Yotuel Roble vor allem die zwei etwas j\u00fcngeren, ertragreicheren Parzellen Molino und Los Dujos genutzt, hier kommt man in guten Jahren immerhin auf zweiundvierzig Hektoliter pro Hektar, was in etwa der Ertragsobergrenze f\u00fcr Grand Cru-Weine aus dem Burgund entspricht. Beides Drahtrahmen, relativ junge Anlagen und relativ gro\u00dfe Beeren. Daraus kann man nur schwer einen Wein keltern, der mehr als ein Jahrzehnt in der Flasche schadlos \u00fcbersteht. Auch Cotarro de Molino, die zwei Hektar von irgendeinem Primo von Bienvenido und Ignacio (davon gibt es in spanischen Familien tendenziell viele), die vor zwei Jahren erworben wurden, liefert Trauben f\u00fcr diesen Wein.<\/p>\n<p>Lange Zeit wurde der Roble acht bis zehn Monate in gebrauchten F\u00e4ssern bordelaiser Gr\u00f6\u00dfe ausgebaut, inzwischen werden f\u00fcr den Ausbau auch Zementtanks genommen, so gerade welche leer sind. Weniger Holz, mehr Frucht, vor allem mehr helle Beeren sind die Folge. Erstmals, wenn auch nur in geringem Umfang, wurde dieses Ausbaumix beim Jahrgang 2014 angewandt. Auch wenn es verlockend erscheint, wird wohl auch in der Zukunft nicht alleine auf Zement gesetzt; dem Roble stehen die zwei Arten von Sauerstoffkontakt schon ganz gut.<\/p>\n<p>Der Yotuel Selecci\u00f3n ist, wie der Name schon sagt, eine Selektionswein. Hier landen Trauben der alten Weinberge, die nicht f\u00fcr den jeweiligen Lagenwein genutzt werden. Dazu kommen mit Otero (\u00fcber achtzig Jahre alte St\u00f6cke) und Morris (\u00fcber sechzig Jahre alte St\u00f6cke) zwei Parzellen, von denen es (noch) keine Lagenweine gibt. Das Parzellenzukaufprogramm der Bodega dient letztendlich der Produktionserweiterung dieses Weines. Denn normalerweise gibt es von diesem Wein gerade einmal ein paar tausend Flaschen. Sieht man von der etwas l\u00e4ngeren Barriquereifedauer einmal ab, so unterscheidet sich der Ausbau der Selecci\u00f3n nicht von dem des Roble.<\/p>\n<p>In einem einzigen Jahr, zweitausend und acht, um genau zu sein, gab es einen dritten Wein: Yotuel Vi\u00f1as Viejas Reserva. Dies war ein sehr k\u00fchles Jahr, gelesen wurde Ende Oktober, nach zwei teilweise scharfen Nachtfr\u00f6sten. Es war klar, dass dieser Wein eine betont lange Reifedauer ben\u00f6tigen wird. Und so kam dieser Wein, eine etwas aufgebesserte Selecci\u00f3n (die es im Jahr 2008 nicht gab), dann erst nach insgesamt f\u00fcnf Jahren auf den Markt. Auch wenn klassische Klassifizierungen bei Bodegas y Vi\u00f1edos Gallego Zapatero nicht so gerne gesehen werden, kommt dieser Wein inzwischen als Reserva auf den Markt. Dies h\u00e4ngt schlicht und ergreifend damit zusammen, dass in diversen M\u00e4rkten explizit Weine gesucht werden, welche dieses Wort auf dem Etikett f\u00fchren. Einen Nachfolgejahrgang gibt es bislang nicht; mal sehen, was im Jahr 2018 passiert.<\/p>\n<p>Finca La Nava wird intern auch gerne als die Hagel-Frost-Parzelle bezeichnet, denn irgend etwas passiert dort immer. La Nava findet man im Nordwesten von Anguix, genau dort, wo der Manvirgo den gr\u00f6\u00dften Schaden anrichten kann. Es ist eine relativ junge Parzelle, inzwischen hat sie gerade einmal zwanzig Winter gesehen. Ein traditioneller lokaler Klon des Tempranillo, kleine Trauben, kleine Beeren, geringer Mostertrag; die Reben stehen auf lockerem, steinigen Lehmboden, die Parzelle selbst f\u00e4llt leicht gen Norden ab. Siebentausend Quadratmeter ist nicht gerade \u00fcppig, mehr als dreitausend f\u00fcnfhundert Kilo sind selbst in ertragreichen Jahren nicht drin. Aber &#8211; Hagel und Frost: es gab auch schon Jahre mit nicht viel mehr als zweitausend Kilo Trauben, gerade einmal f\u00fcnf Barriques. Finca La Nava ist von allen Lagenweinen der frischeste, der fruchtbetonteste. Die nicht aufdringlich wirkende, aber vorhandene S\u00e4ure, sorgt f\u00fcr einen guten Trinkfluss.<\/p>\n<p>Finca Camino Viejo ist das glatte Gegenteil. Die Parzelle hei\u00dft so, weil ein uralter Handelsweg vom S\u00fcden Spaniens gen Nordk\u00fcste hier durchf\u00fchrt(e). Entscheidend ist jedoch etwas ganz anderes: die Lage ist auf Sand gebaut. Man erkennt dies auf den ersten Blick, denn Pinienhaine f\u00fchlen sich nur dort wohl, wo die B\u00f6den extrem sandig sind. Und neben der Parzelle steht, nun ja, ein Pinienhain. Selbst innerhalb der Parzelle erkennt man den Unterschied: je weiter man sich von den B\u00e4umen entfernt, desto weniger sandig ist der Boden. Sand f\u00fchrt in der Regel zu einer gewissen Mundf\u00fclle, die Weine werden cremig, die S\u00e4ure bildet den Gegenpunkt. Camino Viejo ist die einzige Parzelle der Bodega, die f\u00fcr einen Lagenwein genutzt wird, mit Reben gezogen im Guyot-System. Es ist eine der \u00e4ltesten Drahtrahmenparzellen in der gesamten Region. Auch wenn sie recht weit im S\u00fcden und recht tief am Hang steht, gibt es eigentlich keine Frostprobleme. Der Tafelberg Otero kann es zwar bei weitem nicht mit dem Manvirgo aufnehmen, er sch\u00fctzt die dahinter liegenden Parzellen aber dennoch durchaus effektiv. Ein halber Hektar, in normalen Jahren gut zweitausend Kilo, der Ertrag ist so \u00fcppig nicht.<\/p>\n<p>Finca Valdepalacios ist eine der beiden Toplagen der Bodega. Die Lage Valdepalacios findet man ganz im S\u00fcden des Ortes, schon fast am Hang des Manvirgo, ausreichend weit vom Tal entfernt, um nicht mit Frost oder Feuchtigkeit am fr\u00fchen Morgen bel\u00e4stigt zu werden. Dennoch haben die Gro\u00dfeltern v\u00e4terlicherseits einen Guyot-Rebschnitt angelegt, die Trauben sind mehr als einen halben Meter vom Boden entfernt. Valdepalacios befindet sich nicht nur im S\u00fcden, die Parzelle f\u00e4llt auch noch leicht gen S\u00fcdosten ab. Dies bedeutet Sonne fast rund um die Uhr! Nicht zuletzt deswegen beginnt die Lese in jedem Jahr mit dieser Parzelle, die Trauben werden einfach schnell reif. Etwas kompliziert ist Valdepalacios nur in knochentrockenen Jahren mit extrem hohen Temperaturen; alle Jahrg\u00e4nge, die auf f\u00fcnf enden, sind davon betroffen. Dann steigen die Zuckerwerte schnell mal deutlich an. In k\u00fchlen Jahren, etwa viermal pro Jahrzehnt erlebt man dies, ist Valdepalacios hingegen nahezu perfekt. Der Boden speichert Wasser, die Trauben reifen schonend. Der Lehmanteil ist nur unten am Hang wirklich hoch, in der Mitte und weiter oben trifft man auf Sand und sogar auf etwas Kalk. Die Parzelle ist gro\u00df, sie umfasst etwa eins Komma drei Hektar. Allerdings steht hier auch viel Palomino und andere wei\u00dfe Sorten, auch Garnacha, Cari\u00f1ena, Bobal und etwas, das noch nicht genau identifiziert ist, findet man hier und dort. Bislang war der Jahrgang 2007 mit gut dreitausend Kilo der ertragreichste Jahrgang.<\/p>\n<p>Mit dem Yotuel Valdepalacios, damals hie\u00df der Wein noch Yotuel Vi\u00f1as Viejas, begann die Geschichte dieses Weingutes. Im Jahr 2005 wurde einzig dieser Wein gekeltert, seitdem schwankte die Produktion deutlich: zwischen zweitausendzweihundert Flaschen im Jahr 2006 und knapp siebenhundert Flaschen im Jahr 2013. Auch \u00e4nderte sich der Ausbau im Laufe der Jahre. Stahltank, Holztank, inzwischen Zementtank, nur neues Holz am Anfang, kaum mehr neues Holz seit dem Jahrgang 2012, einzig die Barriquereifezeit blieb mit etwa vierzehn Monaten \u00fcber die Jahre ann\u00e4hernd gleich. Den Wein erkennt man relativ leicht: wei\u00dfe Bl\u00fcten, helle Frucht, er scheint auf der Zunge zu tanzen. Selbst ab und an leicht erh\u00f6hte Alkoholwerte steckt er gut weg.<\/p>\n<p>Erneut stellt der zweite Wein das glatte Gegenteil dar: Finca San Miguel ist die lehmhaltigste Lehmparzelle, die es in der ganzen Gegend gibt. Man findet sie im Norden von Anguix, an der Grenze zu Olmedillo. Zudem f\u00e4llt sie gen Nordosten ab, sie bekommt fr\u00fch morgens Sonne ab, die Bl\u00e4tter trocknen rasch. In richtig nassen Jahren ist das alles eine Katastrophe, gl\u00fccklicherweise kommt das in Anguix selten vor. 1997 war ein solches Jahr, aber damals gab es die Bodega ja noch nicht. Die St\u00f6cke sind alt, jenseits der neunzig Jahre. Und sie bringen relativ wenig Ertrag. Seit dem Jahr 2008, der erste Jahrgang des Yotuel Finca San Miguel, konnten nur einmal drei Barricas gef\u00fcllt werden, in manchen Jahren war es ein normales und ein extra hierf\u00fcr angeschaffte halbes Barrique.<\/p>\n<p>San Miguel ist Mineralik pur, in manchen Jahren scheint der Wein das Holz, der Wein wird fast immer in neuen Barricas ausgebaut, das Holz nahezu aufzufressen, man schmeckt nichts mehr davon. Nat\u00fcrlich geht die Frucht, rote, aber auch dunkle Beeren, etwas Unterholz, irgendwann verloren. \u00dcber den Jordan ist der Wein dann aber noch lange nicht. Selbst so komplizierte Jahrg\u00e4nge wie 2008 k\u00f6nnen gut und gerne zwanzig Jahre altern. Text: El oso alem\u00e1n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bodegas y Vi\u00f1edos Gallego Zapatero &#8211; Yotuel \u2013 Ribera del Duero &#8211; Spanien Grunds\u00e4tzliches Auf den Holzkisten, in denen der eine oder andere Wein die kleine, in Anguix beheimatete Kellerei verlassen, steht: \u201eYotuel \u2013 Vinos de Anguix\u201c. Damit ist eigentlich schon alles gesagt. 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