{"id":45248,"date":"2018-08-21T11:00:17","date_gmt":"2018-08-21T09:00:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/?p=45248"},"modified":"2018-08-21T11:00:17","modified_gmt":"2018-08-21T09:00:17","slug":"die-geschichte-von-ribera-del-duero-teil-3-ribera-del-duero-das-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/2018\/08\/die-geschichte-von-ribera-del-duero-teil-3-ribera-del-duero-das-ist\/","title":{"rendered":"Die Geschichte von Ribera del Duero Teil 3: Ribera del Duero \u2013 das ist"},"content":{"rendered":"<h2>Die Geschichte von Ribera del Duero Teil 3: Ribera del Duero \u2013 das ist<\/h2>\n<p>Aktuell gibt es in Ribera del Duero knapp dreihundert Bodegas, vor sechsunddrei\u00dfig Jahren war es gerade einmal ein Dutzend. Ein gesundes Wachstum sieht anders aus. Siebentausend dreihundert Hektar waren damals mit Reben bestockt, heute sind es mehr als zweiundzwanzig tausend Hektar. Ein so rasantes Wachstum hat kaum eine andere Weinregion dieser Welt hingelegt, selbst der chinesische Weinbau w\u00e4chst langsamer.<\/p>\n<p>Das erste Jahrzehnt nach der Gr\u00fcndung von Ribera del Duero diente der Konsolidierung. Erst sp\u00e4t in den achtziger Jahren begannen Weinbauern, insbesondere aber Investoren, Land in gr\u00f6\u00dferem Stil neu zu bestocken. Diese Entwicklung sollte um die Jahrhundertwende ihren H\u00f6hepunkt erreichen, alleine in den letzten f\u00fcnf Jahren des alten Jahrhundert wurden mehr als sechstausend Hektar bestockt, im Jahr zweitausend und drei standen in Ribera del Duero Reben auf zwanzigtausend Hektar. Danach flachte die Pflanzeuphorie ab, in den letzten f\u00fcnfzehn Jahren kamen gerade einmal gut zweitausend Hektar hinzu.<\/p>\n<p>Wer pflanzte all dies? Und: was geschah mit all dem Wein? Nun, in den ersten Jahren als Denominaci\u00f3n de Origen schlug sich Ribera del Duero mit ernsthaften Vermarktungsproblemen herum. Die Annahme, dass die ganze Welt nur auf die etwas kompaktere, konzentriertere, komplexere Alternative zu Rioja warten w\u00fcrde, stellte sich als einer der zahlreichen Irrt\u00fcmer der Region heraus. Auf internationalen M\u00e4rkten waren anfangs gerade einmal sechs oder sieben Bodegas vertreten, keine davon, nicht einmal Vega Sicilia, mit ernsthaften Mengen. Ein paar Exporte gen USA, kaum Deutschland, etwas Schweiz, und dann war auch schon schluss. Kastilier sind keine eloquenten Weinverk\u00e4ufer, die reden k\u00f6nnen, bis die Zunge einen Krampf erleidet. Innerhalb Spaniens ging das, weil dort au\u00dfer Rioja eigentlich keine Region \u00fcberregional vertreten war; Madrid wurde zum Eldorado von Ribera, aber auch schnell mit Ribera \u00fcbers\u00e4ttigt. \u00dcberall sonst jenseits der kastilischen Grenzen war man schnell die Nummer zwei hinter der Rioja, richtig vom Fleck kam man damals aber auch nicht.<\/p>\n<p>Versch\u00e4rfend kam hinzu, dass in jener Zeit viele Menschen, die auf die eine oder andere Art zu etwas Geld gekommen waren, meinten, dass sich so eine niedliche Bodega im Eigenbesitz doch ganz gut mache. Der Wein w\u00fcrde sich ja von alleine verkaufen, es stehe ja Ribera del Duero drauf. Gerade Industrielle, aber auch Neureiche aus Madrid waren f\u00fcr so etwas anf\u00e4llig. Zehn Freunde auf einer Party im Herzens von Madrid, leicht abends um halb drei, leicht anges\u00e4uselt: \u201elasst uns ein Weingut errichten!\u201c Diverse Bodegas entstanden auf diese Art und Weise, und fast alle erlitten das gleiche Schicksal: einige der Freunde brauchten ihr Geld dann halt doch schneller als erwarten, manche verstanden auch nicht, dass man mit einem Weingut bestenfalls nach zehn Jahren halbwegs vern\u00fcnftig Geld verdienen kann. Der eine stieg aus, dann die n\u00e4chste, und so weiter, \u00fcbrig blieb eine dann viel zu gro\u00dfe Bodega, geleitet von viel zu wenig Kapital.<\/p>\n<p>Die wirklichen Industriellen bereiteten eher weniger Probleme. Sie stellten sich gelegentlich etwas trottelig an, weil auch sie nicht verstanden, dass Ribera weder Burgund noch Bordeaux ist. Aber in der Regel begannen sie schnell, dies mit anderen Aktivit\u00e4ten abzufangen: Hotel, Restaurant, Tagungszentrum, der Phantasie sind da kaum Grenzen gesetzt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_45801\" aria-describedby=\"caption-attachment-45801\" style=\"width: 645px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-163954 size-full\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/oss_ist_3.jpg\" alt=\"\" width=\"655\" height=\"436\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/oss_ist_3.jpg 655w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/oss_ist_3-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 655px) 100vw, 655px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-45801\" class=\"wp-caption-text\">Auch auf H\u00fcgeln kann man Geld versenken. Torres de Anguix, derzeit eine Art von Hotelbodega f\u00fcr Riojabodegas.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Weintechnisch entwickelte sich die Region durchaus weiter, in manchen Aspekten glich das aber eher einer Verschlimmbesserung denn einer echten Entwicklung. Vieles war aber auch dem Zeitgeist geschuldet. Dieser Zeitgeist, gepaart mit eher ahnungslosen Bodegainhabern und nicht wirklich sachkundigen Weinjournalisten, suche nach Weinen mit einem WOWWW-Effekt, Ribera kann so etwas liefern. Schon der erste Schluck nebelt Mund und Rachen ein, alles ist nicht nur \u00fcppig, sondern \u00fcppigst vorhanden. Technisch war das eher eine Aneinanderreihung von Fehlern: zu sp\u00e4te Lese (keine S\u00e4ure mehr da), zu lange Maischestandzeit (s\u00fc\u00dfe, aber auch bittere Tannine ohne Ende) und dann zu lange in zu vielen neuen Barricas ausgebaut (das Holz erschlug alles). Manche Weine aus dem Priorat erschienen eleganter als viele Riberas. Parker respektive seine spanischen Verkostroboter jubelten diese dicken Teile in die H\u00f6he, ernsthafte Weintrinker rieben sich nur verwundert die Augen. Irgendwann wollte dieses Zeug niemand mehr trinken.<\/p>\n<p>Es gab aber auch gute Entwicklungen: ein relativ junger Spanier, Tom\u00e1s Postigo, damals technischer Direktor und Miteigent\u00fcmer von Pago de Carraovejas, schleppt Ende der achtziger Jahre in gr\u00f6\u00dferem Stil Barricas aus franz\u00f6sischer Eiche gen Ribera, der Crianza-Ausbau \u00e4nderte sich schlagartig. Den eigentlichen Durchbruch schaffte diese Art von Barricas aber erst, als ein gewisser Peter Sisseck, in Bordeaux als Weinmacher aktiver D\u00e4ne, aus noch immer ungekl\u00e4rten Umst\u00e4nden in der Ribera landete und die Bodega Hacienda Monasterio aufbaute, zun\u00e4chst als Mitinhaber, dann als technischer Direktor. Hacienda Monasterio war die erste Bodega, die komplett auf franz\u00f6sische Eiche setzte; sie ist feinporiger als die amerikanische Eiche, die Geschmacksnuancen sind anders: weniger Vanille, nicht so viel Kokos, daf\u00fcr eher W\u00fcrznoten betonend, manchmal aber auch schokoladelastig.<\/p>\n<p>Was bei den einen zu extremer Verbesserung der Weinqualit\u00e4t f\u00fchrte, wurde anderorts ins Gegenteil verdreht. Pl\u00f6tzlich gab es Weine mit dem Markennamen XYZ elaborado en roble franc\u00e9s, die Art des Barrique wurde zum Ereignis. Oben erw\u00e4hnte ahnungslose Bodegabesitzer raunten etwas von franz\u00f6sischem Holz und von bester Wein der Bodega (zumindest war es immer der teuerste), servierten dann aber oftmals eine nur mit gr\u00f6\u00dferen M\u00fchen trinkbare Br\u00fche. Es sollte zwei Jahrzehnte dauern, ehe der Gro\u00dfteil der Bodegas halbwegs vern\u00fcnftig mit dieser Art von Barricas umzugehen lernte, manche k\u00f6nnen es bis heute nicht.<\/p>\n<p>Ein paar Jahre nach dem Beitritt Spaniens zur Europ\u00e4ischen Gemeinschaft begann auf der Iberischen Halbinsel ein bis dahin nicht gesehener Bauboom, an dem nicht nur Bauunternehmen, sondern auch diverse vor- und nachgeschaltete Einrichtungen profitierten. Geld lag f\u00f6rmlich auf der Stra\u00dfe. Auch der spanische Staat warf mit Geld (das oftmals aus Br\u00fcssel kam) nur so um sich, gerade Firmen, die Machbarkeitsstudien bez\u00fcglich Infrastrukturprojekte erstellten, besa\u00dfen pl\u00f6tzlich Unmengen von Geld. Oft wurde dieses Geld in Weing\u00fcter investiert. Bauunternehmer aus Valladolid, aus Burgos oder Palencia begannen, in Ribera Bodegas zu bauen oder zu \u00fcbernehmen. Wie viele andere Weingutsbesitzer hatten sie weder von Wein noch von Weinm\u00e4rkten auch nur einen blassen Schimmer. Als die Wirtschaftskrise in Spanien Ende der Nullerjahre so richtig zuschlug, verschwanden all diese Projekte in der Versenkung.<\/p>\n<p>Die Krise traf aber nicht nur diesen Teil der Ribera, sie offenbarte, dass auch f\u00fcnfundzwanzig Jahre nach der Gr\u00fcndung der D.O. Ribera del Duero kein nat\u00fcrlicher Markt f\u00fcr diese Weine geschaffen war. Nur wenige Bodegas exportierten wirklich ernsthaft, neben Vega vielleicht noch Pingus sowie ein paar Bodegas, die mit den Namen Mariano Garc\u00eda (Vega, Mauro) oder Peter Sisseck punkten konnten. Ansonsten war da nichts Strukturelles gewachsen, Exporterfolge waren oftmals Aneinaderreihungen gl\u00fccklicher Umst\u00e4nde und Zuf\u00e4lle. Versch\u00e4rfend kam hinzu, dass all die Hochleistungsweinberge, die in der zweiten H\u00e4lfte der neunziger Jahre angelegt wurden, nun in vollem Ertrag standen. H\u00e4tte es nicht in den Jahren zweitausend und sieben sowie ein Jahr sp\u00e4ter scharfe Fr\u00f6ste gegeben, die Region w\u00e4re tief im Chaos versunken. Indes, es kam anders. Die Bodegas der Ribera waren daran jedoch nur indirekt beteiligt.<\/p>\n<p>Um die Entwicklung zu verstehen, muss man den Blick noch einmal gen Geschichte richten. Anfang bis Mitte der neunziger Jahre begegnete dem damaligen (und heutigem) Platzhirsch namens Rioja ein Gegner, den man nicht auf dem Schirm hatte. Und gegen den man erst einmal nichts ausrichten konnte. Denn um Weine der Art Ribera del Duero herzustellen, braucht es H\u00f6he und spezielle klimatische Gegebenheiten. Beides hatte und hat die Rioja nicht in ausreichendem Ma\u00dfe. Man war mit diesen satten, etwas \u00fcppigen, dichten, vor allem aber dunklen Weinen konfrontiert, die damals noch gar nicht so alkoholisch daherkamen. Das Schlimme war: man hatte keine Antwort. Untergangsszenarien wurden in der Weinregenbogenpresse durchgespielt, die Rioja stand pl\u00f6tzlich mit dem R\u00fccken zur Wand. Gleiches geschah damals mit deren Wei\u00dfweinen und Rueda. W\u00e4hrend man Ribera mit billigen Rotweinen noch halbwegs unter Schach halten konnte, hatte man dem Verdejo als Alltagswein nichts entgegenzusetzen.<\/p>\n<p>Als direkte Folge versuchte man, die beiden kastilischen Regionen zu kopieren. Man erlaubte Verdejo als Versuchsrebsorte und viele Rioja-Bodegas versuchten sich an dicklichen roten Riojas. Ersteres schlug fehl und zweiteres wurde ein wahres Fiasko. Da die Riojanos aber, anders als die eher l\u00e4ndlichen Kastilier, Gesch\u00e4ftsleute sind, erinnerte man sich schnell an den bekannten Spruch: \u201eWenn du den Gegner nicht besiegen kannst, dann kaufe ihn auf!\u201c<\/p>\n<p>Und genau das geschah. Den Anfang machte La Rioja Alta, Bodegas Palacio (Vi\u00f1a Mayor) war auch schon lange mit von der Partie. Irgendwann ging es dann Schlag auf Schlag: Faustino, Ram\u00f3n Bilbao, Cune, Berberana, Valdespino, sp\u00e4ter Roda, dann Pierola, Onta\u00f1\u00f3n (Hauslieferant von Mercadona), Luis Ca\u00f1as, viele klassische Bodegas der Rioja kamen nach Ribera del Duero. Deren Vorteil? Nun, sie verf\u00fcgten \u00fcber ein gut gepflegtes nationales, vor allem aber internationales Vertriebsnetz, sie mussten lediglich ein paar zus\u00e4tzliche Weine integrieren.<\/p>\n<p>Es waren aber nicht nur Bodegas aus der Rioja, welche den kastilischen Markt aufr\u00e4umten, die Katalanen sind auch schon lange mit an Bord. Freixenet war die erste der Gro\u00dfbodegas aus dem Osten, die sich in der Ribera niederlie\u00df, man kaufte eine ins Schlingern geratene Bodega nahe Aranda de Duero: Valdub\u00f3n. Dann kam Codorn\u00edu, Torres war somit nicht weit entfernt. Es sollte aber noch einmal fast zehn Jahre dauern ehe sich die Gro\u00dfkellerei aus El Pacs del Pened\u00e8s am Rand des kleinen Dorfes Fompedraza niederlie\u00df. Pinord gesellte sich dazu, dann kam noch Par\u00e9s Balt\u00e0. Von den gro\u00dfen Namen Kataloniens fehlen eigentlich nur \u00c1lvaro Palacios, Ramon Roqueta und Castillo Perelada, der Rest ist da.<\/p>\n<figure id=\"attachment_45800\" aria-describedby=\"caption-attachment-45800\" style=\"width: 645px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-163953 size-full\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/oss_ist_2.jpg\" alt=\"\" width=\"655\" height=\"436\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/oss_ist_2.jpg 655w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/oss_ist_2-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 655px) 100vw, 655px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-45800\" class=\"wp-caption-text\">Diverse Bodegas wurden im Laufe der Jahre von einem Eigent\u00fcmer zum n\u00e4chsten weitergereicht: Bodegas Tarsus, heute Teil von Pernod Ricard.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Einen wirklich gro\u00dfen Fortschritt in Sachen Vermarktung eher einfacher Ribera-Weine bewirkten jedoch die Ansiedlungen von zwei Bodegas aus dem S\u00fcden Spaniens: Felix Sol\u00eds aus Valdepe\u00f1as und J. Garc\u00eda Carri\u00f3n aus Jumilla, die zwei gr\u00f6\u00dften Bodegakonglomerate der Iberischen Halbinsel. Beides keine wirkliche Global Player, sie exportieren zwar, der wichtigste Markt indes ist der heimische. Felix Sol\u00eds stellte eine Art Zementraumschiff vor die Tore von Olmedillo de Roa, Garc\u00eda Carri\u00f3n errichtete eine Gro\u00dfbodega auf einem H\u00fcgel nahe der Nationalstra\u00dfe, die Ribera von Ost nach West quert. Es gab Jahre, in denen jede vierte Flasche mit Ribera-R\u00fcckenetikett in einer dieser beiden Bodegas gef\u00fcllt wurde.<\/p>\n<p>Rechnet man Se\u00f1or\u00eda de Nava aus der Gruppe der lokalen Bodegas heraus (hinter ihr steckt VILE aus Le\u00f3n, hinter der wiederum eine Versicherungsgruppe steckt), dann wird gerade einmal ein gutes Drittel der in Ribera del Duero gef\u00fcllten Weine von Bodegas aus der Region vertrieben, mit Protos einsam an der Spitze. J\u00fcngst haben die ehemaligen Genossen aus Pe\u00f1afiel ihre eigentliche Bodega (das in Pe\u00f1afiel ist nur ein Museum samt Barriquelager, der Wein wird in Anguix gekeltert) mal eben verdoppelt: von vier auf acht Millionen Kilo Jahresproduktion. Ob das schon reicht um Nummer eins zu sein, ist nicht klar, da Garc\u00eda Carri\u00f3n viel zugekauften Wein weiterverarbeitet. Mengen absch\u00e4tzen ist in solchen F\u00e4llen nicht einfach.<\/p>\n<figure id=\"attachment_45799\" aria-describedby=\"caption-attachment-45799\" style=\"width: 645px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-163952 size-full\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/oss_ist_1.jpg\" alt=\"\" width=\"655\" height=\"436\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/oss_ist_1.jpg 655w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/oss_ist_1-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 655px) 100vw, 655px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-45799\" class=\"wp-caption-text\">Die wahre Protos-Bodega in Naguix, noch vor der Erweiterung; die gr\u00fcne Wiese ist jetzt bebaut.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Internationale Investitionen hingegen sind eher rar. Ein Teil von Dominio de Ca\u00edr (Luis Ca\u00f1as) geh\u00f6rt dem chinesischen Importeur der Ca\u00f1as-Weine, eine kleine Bodega nahe Aranda wurde von chinesischen Investoren komplett \u00fcbernommen, ein russisches Unternehmen, die Bodega O. Fournier aus S\u00fcdamerika, das war es dann auch schon fast. Ribera del Duero hat jenseits der eigenen Kircht\u00fcrme keinen klangvollen Namen, Investoren stehen hier nicht Schlange. Dennoch bleibt festzuhalten, dass Ribera del Duero als Ganzes immer st\u00e4rker von ausw\u00e4rtigen Weing\u00fctern gesteuert wird.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang spielt eine spezielle Gesetzgebung des spanischen Weine eine wichtige Rolle, und die Genossenschaften spielen eine andere, eng mit der ersten verbandelt. Von einigen wenigen Regionen abgesehen, die gerade beginnen, eine terroirbasierte Klassifizierung zu erstellen, legen alle Weinbauregionen einzig auf den Ursprung der Trauben halbwegs wert: aus der Region oder eben nicht aus der Region. Eine Klassifizierung als Erzeugerabf\u00fcllung, auf eigene Weinberge basierend, gibt es nicht. Man kann einer Flasche Wein nicht ansehen, ob der Wein aus eigenen Weinbergen, aus zugekauftem Lesegut oder aus zugekauftem Fasswein besteht. Die meisten gro\u00dfen Bodegas kaufen zumindest Trauben, viele kaufen auch Fasswein. Zu dieser Gruppe geh\u00f6ren auch viele mit einem klangvollen Namen. Und Quell vieler Weine sind die Genossenschaften. Noch immer sind in Ribera del Duero derer f\u00fcnfzehn aktiv, manche, wie etwa Protos, inzwischen als Aktiengesellschaft gef\u00fchrt. Die Genossen verf\u00fcgen \u00fcber viele alte Weinberge, in der Regel sollte die Qualit\u00e4t der Weine hoch sein. Aber nur wenige Genossenschaften sind kommerziell erfolgreich, die meisten verdienen ihr Geld damit, namhaften Bodegas Fasswein zu verkaufen. Diese Bodegas zahlen meistens schnell, sind zwar w\u00e4hlerisch, aber in der Regel zuverl\u00e4ssig. Nicht wenige Bodegas der Ribera f\u00fcllen eine Million Flaschen Wein; was sich erst einmal als nicht gar so gro\u00df anh\u00f6rt, ist auf den zweiten Blick enorm: bei einem schwer zu erreichenden H\u00f6chstertrag von siebentausend Kilo pro Hektar und einem Mostertrag von nicht mehr als siebzig Liter pro einhundert Kilo Trauben braucht man schon einhundert und vierzig Hektar Rebland, um das zu stemmen. Wenige Bodegas verf\u00fcgen \u00fcber diese Menge. Zwar gibt es auch die eine oder andere privat gef\u00fchrte Fassweinkellerei, meistens handelt es sich aber auch um eine Art Genossenschaft, einfach nur anders genannt.<\/p>\n<p>In einem der Nullerjahre warf Pago de Carraovejas mehr als anderthalb Millionen Flaschen Wein auf den Markt, mit eigenen Weinbergen kann man das in der Ribera unm\u00f6glich stemmen. Vor allem aber Gro\u00dfbodegas aus Katalonien oder dem S\u00fcden Spaniens, die auch in ihren Stammregionen mit Fassweinlieferanten arbeiten, setzen auch in der Ribera auf die Zusammenarbeit mit Cooperativen.<\/p>\n<p>Dieser muntere Handel von Trauben und Fasswein sorgt nat\u00fcrlich f\u00fcr eine gewisse Beliebigkeit, das Wort Terroir war in der Ribera lange Zeit zwar oft geh\u00f6rt aber nur selten sinnstiftend umgesetzt. Weing\u00fcter wie Aalto, Vega Sicilia, Emilio Moro, Carlos Moro, Arzuaga und noch viele mehr verarbeiten Trauben aus ihren Heimatd\u00f6rfern, aber auch aus dem Osten, etwa aus Ba\u00f1os de Valdearados, wo Reben auf Sand Stehen. Oder aus Atauta, aus La Aguilera, aus Moradillo de Roa, man k\u00f6nnte meinen, dass dies typische Gebietsriberas seien.<\/p>\n<p>Aber nat\u00fcrlich kam auch Terroir nach Ribera, Franzosen brachten es \u00fcber die Pyren\u00e4en. Den Anfang machte der von der unteren Loire zugereiste Bertrand Sourdais in Dominio de Atauta. Miguel S\u00e1nchez, ein mit Softdrinks befasster Gro\u00dfh\u00e4ndler aus Madrid, gr\u00fcndete diese Bodega, Bertrand begann nicht nur, einen f\u00fcr das gegebene Terroir typischen Gutswein zu keltern, er war der erste Weinmacher der Region, der sich daran machte, Weine lagenweise auszubauen und zu vermarkten. Inzwischen hat Bertrand Dominio de Atauta verlassen, um sich mit seinen eigenen Weinen, aus Atauta, in Dominio de E.S. Einen Markt zu schaffen.<\/p>\n<p>Gut acht Jahre sp\u00e4ter begann die Els\u00e4sserin Sophie Kuhn in drei Bodegas rund um Aranda de Duero, das ihr aus dem Elsass und dem Burgund bekannte Lagensystem auch in Ribera del Duero umzusetzen: in De Blas Serrano, in Hacienda Solano (diese Bodega wurde inzwischen an Mustiguillo verkauft), insbesondere aber in Bodegas y Vi\u00f1edos Gallego Zapatero, wo nicht weniger als vier Lagenweine, alles Parzellen aus Anguix, gekeltert und vertrieben werden. Wie Bertrand so setzt auch Sophie auf relativ fr\u00fche Lese, um ein m\u00f6glichst perfektes Gleichgewicht zwischen Frucht, S\u00e4ure und K\u00f6rper zu erhalten, an Zucker (Alkohol) mangelt es in der Ribera in der Regel nicht. Beide verstehen dar\u00fcber hinaus, Zementtanks nicht nur zu besitzen, sondern auch sinnstiftend einzusetzen sowie den aromatischen Effekt der Barricas auf ein Minimum zu beschr\u00e4nken.<\/p>\n<p>Dennoch sind dies echte Ausnahmen, im Gro\u00dfen und Ganzen hat das Terroirkonzept in Ribera del Duero noch nicht gegriffen. In der Regel keltern Weing\u00fcter einen so genannten Spezialwein, der gerne als Vino de Autor oder Vino de Terroir bezeichnet wird. Und wenn ein kleiner Funken Terroirkonzept in einer Bodega flackert, dann ist da entweder ein \u00d6nologe oder eine \u00d6nologin aus Frankreich am Start oder jemand, Jorge Monz\u00f3n etwa, der in Frankreich gearbeitet hat. Die klassischen Stars der Szene, Vega Sicilia, Pingus, aber auch ein paar Sternchen wie Aalto, Cillar de Silos oder Carraovejas, sind eher an Mischterroirgetr\u00e4nken interessiert. Text: El oso alem\u00e1n<\/p>\n<h6><strong>Teil 4. <\/strong><strong>Ribera del Duero \u2013 das wird? erscheint auf diesem Blog am 28.08.2018 um 11.00 Uhr.<\/strong><\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geschichte von Ribera del Duero Teil 3: Ribera del Duero \u2013 das ist Aktuell gibt es in Ribera del Duero knapp dreihundert Bodegas, vor sechsunddrei\u00dfig Jahren war es gerade einmal ein Dutzend. Ein gesundes Wachstum sieht anders aus. 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