{"id":71287,"date":"2019-08-28T11:00:19","date_gmt":"2019-08-28T09:00:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/?p=71287"},"modified":"2019-08-28T11:00:19","modified_gmt":"2019-08-28T09:00:19","slug":"el-oso-summer-school-2019-galiza-ein-land-der-cuvees","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/2019\/08\/el-oso-summer-school-2019-galiza-ein-land-der-cuvees\/","title":{"rendered":"El Oso Summer School 2019 \u2013 Galiza, ein Land der Cuv\u00e9es?"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Teil 4. Galiza, ein Land der Cuv\u00e9es?<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Die Sache mit den s\u00fcdlichen Nachbarn, den Portugiesen, ist so einfach nicht. Denn, aus welchem Grund auch immer, die Galegas und die Galegos f\u00fchlen sich den Nachbarn von der anderen Seite des Mi\u00f1o schon etwas \u00fcberlegen. Ernsthafte Gr\u00fcnde hierf\u00fcr gibt es jedoch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber Weinbaugeschichte vor dem sp\u00e4ten Mittelalter steht wenig geschrieben, man ist auf Vermutungen und Annahmen angewiesen. Klar indes scheint zu sein, dass die Ph\u00f6nizier mit Wein handelten. Sie kamen, gesichert, bis Oporto, nach manchen Berichten auch weiter gen Norden, bis nach Galiza. Sie brachten wohl den einen oder andere Rebstock mit, da sie aber, anders als in al-Andalus, an der n\u00f6rdlichen Westk\u00fcste keine festen Siedlungen errichteten, ist ihr Einfluss wahrscheinlich weniger stark. Als der Klerus begann, Weinbau zu betreiben, so um das neunte oder zehnte Jahrhundert, waren die meisten alten Rebsorten bereits vorhanden, sowohl in Galiza als auch in weiten Teilen Nordportugals. Eigentlich nehmen alle, die sich berufen f\u00fchlen, zu diesem Thema etwas zu sagen, an, dass sie von S\u00fcden gen Norden kamen. \u00dcbernehmen wir das einfach.<\/p>\n\n\n\n<p>Lange Zeit grenzte sich Galiza von Nordportugal dadurch ab, dass es dort eigentlich nur Vinho Verde gab, gr\u00fcn, s\u00e4uerlich, etwas bitter. Da er wenig prickelt, kann man ihn gut von einem Wei\u00dfwein aus Getaria oder Zarautz unterscheiden. F\u00fcr die Galegos aus Albari\u00f1istan war das sowohl Fluch als auch Segen. Letzteres, weil Alvarinho einfach billiger war als Albari\u00f1o und weil man mit ihm gerade im S\u00fcden, in O Rosal oder Condado do Tea, den alkoholgetriebenen, s\u00e4urearmen Albari\u00f1os einen Schuss K\u00fchle und S\u00e4ure beif\u00fcgen konnte. Wenn da nicht die Guardia Civil w\u00e4re. Da zumindest in der Provinz Pontevedra der Mi\u00f1o die Grenze markiert, kann man diese gut kontrollieren. Dennoch: nicht jeder Fischkutter, der Alvarinho gefangen hatte, wurde aufgebracht, der Schmuggel war weit verbreitet. Unterhielt man sich, vor etwa zehn Jahren oder so, mit Verantwortlichen \u201eunter C\u201c, dann wurde schnell klar, dass man eher die Vermischung mit Air\u00e9n aus der Mancha oder mit Verdejo aus Verdejistan unterbinden wollte; es gab jedes Jahr eine oder zwei spektakul\u00e4re Aktionen der Guardia Civil, um zu zeigen, dass man an der Grenze zu Portugal pr\u00e4sent sei; ansonsten lie\u00df man die Bodegas in Ruhe.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies geschah auch aus einem ganz anderen Grunde: es gab gar nicht so viel Wein. Und bevor die Galegas und Galegos anfangen, Air\u00e9n aus der Mancha zu saufen, dann doch lieber etwas internationalisierten Wein aus Galiza.<\/p>\n\n\n\n<p>In Monterrei gibt es ein Weingut, dessen Weinberge zur H\u00e4lfte in Monterrei, zur H\u00e4lfte in Portugal stehen, der Wein indes ist komplett D.O. Monterrei. Nat\u00fcrlich wei\u00df das der Consejo, aber da es sich um gerade einmal achttausend Flaschen handelt, H\u00e4lfte Galiza, H\u00e4lfte Portugal, macht da nicht einmal ein Zwerg einen Aufstand.<\/p>\n\n\n\n<p>In O Ribeiro ist das schon etwas anders. Denn dort gibt es gro\u00dfe Bodegas, die \u00fcber keine eigenen Weinberge verf\u00fcgen, oder nur \u00fcber eine symbolische Parzelle, f\u00fcr Photos mit Lokalpolitikern, Lokalsangesk\u00fcnstlern oder lokalen Kochgr\u00f6\u00dfen. Da k\u00e4men ein paar Tonnen Trauben aus dem S\u00fcden schon recht. Aber das ist einigerma\u00dfen unterbunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ribeiro eint mit Nordportugal, dass man Cuv\u00e9es mag, sortenreine Weine sind dort eher selten. Dies hat mehrere Gr\u00fcnde. Einer davon: eigentlich passiert immer etwas. Regen, Hagel, Frost, F\u00e4ulnis, aber in der Regel nicht \u00fcbers ganze Jahr hinweg. Hat man nun fr\u00fch austreibende und fr\u00fch reifende Sorten, aber auch sp\u00e4t austreibende und sp\u00e4t reifende, so wird stets zumindest eine Sorte schon etwas Vern\u00fcnftiges erbringen. Dazu kommt, dass die klassischen Sorten, also Treixadura, Godello, Albari\u00f1o, Lado, Loureira und mit latentem Sicherheitsabstand, Torront\u00e9s, unterschiedliche Felder abdecken: Treixadura bringt Stoff, Dichte, einen leicht \u00f6ligen Charakter, Albari\u00f1o bringt Frucht und S\u00e4ure, Godello etwas S\u00e4ure, Fenchel, Anis, K\u00fcmmel und so&#8217;n Zeuch, Loureira bring gr\u00fcne Noten und S\u00e4ure, und Torront\u00e9s f\u00fcllt das Fass. Lado kennt man eigentlich nur aus dem S\u00fcden, aus Arnoia und Cortegada.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus der Distanz betrachtet ist Ribeiro ein mehr oder weniger runder Fleck mit Ribadavia als Zentrum. In Wirklichkeit handelt es sich um drei komplett unterschiedliche Regionen, die auch bis heute mehr oder weniger f\u00fcr sich alleine agieren. Gut, Vi\u00f1a Costeira, die gro\u00dfe Cooperative, hier finden in jedem Herbst zwischen f\u00fcnf und acht Millionen Kilo Trauben ihr Zuhause, besorgt sich Trauben von \u00fcberall, sonst k\u00f6nnten sie diese Menge auch gar nicht stemmen. Die Bodega liegt strategisch gut, wenn man so will, ist sie eigentlich das Zentrum von Ribeiro.<\/p>\n\n\n\n<p>Ribeiro ist die einzige Weinbauregion Spaniens, in der es zwei amtliche Klassifizierungen von Weing\u00fctern gibt: Colleiteiros (Winzer) und Adegas. Colleiteiros d\u00fcrfen nur die Trauben ihrer eigenen Weinberge verarbeiten, au\u00dferdem gibt es da ein Limit von sechzigtausend Litern pro Jahr. Alles, was diese Grenzen nicht einhalten will oder einhalten kann, findet man in der Gruppe der Adegas. Die bekommen w\u00e4hrend der Ernte auch einen Aufpasser in die Bodega gestellt, damit da kein Unsinn passiert. Passiert nat\u00fcrlich trotzdem. Die Colleiteiros bekommen keinen, weil man, so sagt es der Consejo, davon ausgeht, dass die nicht schummeln. Soso. Und wieso gibt es von manchen Colleiteiros dann Rotweine, obwohl die gar keine roten Sorten in ihren Weinbergen haben? Die Wahrheit ist eine andere: summiert man die H\u00f6chstmengen auf, die alle siebzig Colleiteiros produzieren k\u00f6nnen, so kommt man auf vier Millionen zweihunderttausend Liter, weniger als das, was Vi\u00f1a Costeira produziert. Und ein Gro\u00dfteil der Colleiteiros arbeitet schon sauber, die kleinen Abweichungen der anderen nimmt man, die Augen fest geschlossen haltend, in Kauf.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch sind die H\u00f6chstertr\u00e4ge so kalkuliert, dass sie ein Colleiteiro kaum erreichen kann: elftausend Kilo pro Hektar f\u00fcr die Qualit\u00e4tssorten, sowie derer zwanzigtausend Kilo pro Hektar f\u00fcr Palomino und Alicante Bouschet. Wie auch in den anderen Weinbauregionen im Inneren von Galiza so waren es nach der Reblaus auch in Ribeiro diese beiden Sorten, die fast ausschlie\u00dflich bestockt wurden. Und da diese Rebst\u00f6cke fast ewig leben, findet man auch heute noch viel davon. Hinter vorgehaltener Hand sagt der Consejo Regulador, dass etwa vierzig Prozent der Rebfl\u00e4che der Region, derzeit noch um die zweitausend zweihundert Hektar, von knapp viertausend kommend, mit Qualit\u00e4tssorten bestockt seien. Mag sein. Wenn die aber nur die H\u00e4lfte oder noch weniger an Ertrag bringen als die beiden Massentr\u00e4ger, kann man sich die reale Bedeutung von Palomino und Alicante Bouschet unschwer ausmalen.<\/p>\n\n\n\n<p>In Ribeiro gibt es aktuell f\u00fcnftausend siebenhundert zweiundf\u00fcnfzig Weinbauern, Colleiteiros und Adegas eingerechnet. Bei gerade einmal zweitausend zweihundert Hektar Rebland kann man sich die Gegebenheiten gut vorstellen. Colleiteiros, die von dem leben, was sie als Wein verkaufen, haben in ihren Weinbergen kaum Palomino stehen, Alicante Bouschet eher auch nicht. Aber das sind gerade einmal gut f\u00fcnfzig, grob gesch\u00e4tzt. Der Rest liefert an eine der beiden Cooperativen oder an eine der diversen Handelskellereien, die fast alle in Ribadavia beheimatet sind. Die aber brauchen vor allem Mengen. Aber auch das ist ein eher kompliziertes Gesch\u00e4ft. Unvergessen bleibt die Aktion von Vi\u00f1a Costeira, vor etwa zehn Jahren: wer eine Palette normalen Wei\u00dfwein kaufte, bekam eine Palette Pazo, der Palomino der Cooperative, gratis dazu. Was der Kunde dann damit machte, nicht das Problem der Cooperative.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt noch immer viele Handelskellereien in Ribeiro, einige von ihnen findet man, wie Perlen an der Schnur, am Ostausgang von Ribadavia, gen Ourense. Sie hei\u00dfen Loeda, Docampo, Pericocho, Castro Rei oder Alanis, alle keltern mehrere hunderttausend Liter Wein, alle haben kaum Weinberge, alle Weine sind eher schlicht, manche auch sehr schlicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man Vi\u00f1a Costeira, die sind auch dort beheimatet, mal au\u00dfen vor l\u00e4sst, dann ist dies aber nicht das Zentrum des industriellen Weinbaus von Ribeiro. Dieses Zentrum findet man weiter im Osten, am Ostrand der Weinbauregion, an beiden Seiten des Stausees, der die Verh\u00e4ltnisse in Ribeiro nachhaltig ver\u00e4ndert hat.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bau der Staumauer war alles andere als unumstritten, Mitte der sechziger Jahre leisteten etwa dreihundert Menschen erbitterten Widerstand. Die Schergen von Franco wiesen die Guardia Civil an, auf die Rebellen zu schie\u00dfen, was die aber ablehnten. Die Staumauer erreicht eine H\u00f6he von f\u00fcnfundsechzig Metern, der Stausee, der erst hinter To\u00e9n, weit im Osten der Region, endet, hat die Landschaft nachhaltig ver\u00e4ndert. Der direkte Weinbau war zwar weniger stark betroffen, \u00fcberflutet wurden vor allem fruchtbare B\u00f6den, auf denen Gem\u00fcse und Obstb\u00e4ume kultiviert wurden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die indirekten Auswirkungen indes sind enorm. Zum einen bildet sich hier inzwischen oft Nebel, auch in Zeiten, in denen dies f\u00fcr den Weinbau ein Problem darstellt. Zum anderen gingen vor allem am Nordufer viele Anbaufl\u00e4chen verloren, heute ist dort, wo sowohl Autobahn als auch Nationalstra\u00dfe verlaufen, kaum mehr Platz f\u00fcr andere Dinge. Ein paar H\u00e4user, ein paar wenige Gem\u00fcseg\u00e4rten, drei Weinberglein, vielleicht auch derer vier. Den S\u00fcden hat der Weinbau inzwischen fast komplett in Beschlag genommen. Und hier findet man dann auch das andere Weinindustriezentrum von Ribeiro, in To\u00e9n und in Castrelo. Dort stehen Bodegas, die schon ein paar Millionen Kilo Trauben stemmen k\u00f6nnen: Pazo do Mar, Cunqueiro, Campante, die sich aus Marketinggr\u00fcnden gerade einen neuen Namen zugelegt haben: Bodegas GRM, Rey Lafuente, Rodr\u00edguez M\u00e9ndez (hat nichts mit Rodri M\u00e9ndez zu tun), Vilanueva Senra, Ram\u00f3n do Casar oder Uceira, V\u00e1zquez Nievez hat seine Bodega unl\u00e4ngst an Carlos Moro aus Ribera del Duero verkauft. Sie sind dort, weil man so einen guten, schnellen Zugang zu Ourense hat, einer der wichtigen Absatzm\u00e4rkte. Auch gibt es schon lange eine gut ausgebaute Stra\u00dfe gen Santiago de Compostela und weiter, nach A Coru\u00f1a. Und: in T\u00f3en und in Castrelo gibt es jede Menge Weinberge, wesentlich gr\u00f6\u00dfer als die in Arnoia oder Gomariz, einfacher zu beackern als jene in Beade oder Cenlle. F\u00fcr Handelskellereien ist das ideal, eine der gr\u00f6\u00dften in Galiza, jedoch nicht in der Weinbauregion Ribeiro beheimatet, befindet sich genau gegen\u00fcber von To\u00e9n, an der Nationalstra\u00dfe gen Ourense.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bau des Stausees hat den Weinbau in Castrelo den Hang hochgeschoben, f\u00fcr die Traubenqualit\u00e4t ist das nicht wirklich schlecht. Gleichwohl findet man dort vor allem Palomino, und selbst wenn Reboredo vollmundig verk\u00fcndet, dass man gerade die f\u00fcr Ribeiro gigantische Menge von zehn Hektar mit Qualit\u00e4tsrebsorten bestockt habe, dann ist das bei einer Jahresproduktion von drei Millionen Flaschen gerade einmal ein kleiner Tropfen auf einem gro\u00dfen Stein. In Castrelo do Mi\u00f1o gibt es schon ein paar gute Winzerbodegas, wobei fast alle einen guten Wein haben, von dem es wenige Flaschen gibt, dann aber viel Palomino verkaufen m\u00f6chten, weil sie den eben auch in ihren Rebg\u00e4rten gepflanzt haben. Wenn man Geduld hat und wirklich an Ribeiro aus Castrelo do Mi\u00f1o interessiert ist, dann kann man bei Antonio Montoro, Eduardo Pe\u00f1a, Bodegas Pe\u00f1a oder Pousadoiro schon den einen oder anderen guten Wein finden, das Gesch\u00e4ft indes ist durchaus m\u00fchsam. To\u00e9n kann man gleich von der Liste streichen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"600\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/typisches_Ribeiro_Gestein.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-166207\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/typisches_Ribeiro_Gestein.jpg 800w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/typisches_Ribeiro_Gestein-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/typisches_Ribeiro_Gestein-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/typisches_Ribeiro_Gestein-790x593.jpg 790w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption>Typisches Ribeiro Gestein.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Betrachtet man die Geschichte von Ribeiro, dann ist das Tal des Avia nat\u00fcrlich die Keimzelle aller Erfolge, die Region, die Ribeiro in England, aber nicht nur dort bekannt machte. Als es Jerez noch nicht wirklich gab und auch Oporto nicht, da war es das Tal des Avia, das vorz\u00fcgliche S\u00fc\u00dfweine gen London und anderswo in England lieferte. Dieser Wein wurde aus Treixadura gekeltert, relativ sp\u00e4t gelesen und dann in einer Kammer unterm Dach noch einmal f\u00fcr ein paar Tage oder Wochen getrocknet. Am Stock konnte man nicht trocknen lassen, weil Grauf\u00e4ule im Tal des Avia ab Mitte Oktober perfekt zu bestaunen ist. Diese Weine wurden dann erst einmal lange in Holzf\u00e4ssern gereift, ehe er seinen Weg antrat. In Galiza selbst wurde nur wenig davon getrunken, die Eingeborenen schienen kein Interesse an solchen Dingen zu haben. Heute gibt es noch derer drei, der von Manuel Formig\u00f3 ist noch der beste. Allerdings wird es bald einen vierten geben, wohl das beste, was ich je an S\u00fc\u00dfwein in Spanien verkosten konnte. Zehn Jahre Barriquereife, da werden ein paar Trockenbeerenauslesen Ausschlag bekommen, wenn sie das sehen. Gut, das Schn\u00e4ppchen der Woche wird das nicht werden, aber das ist dann auch egal. Gro\u00dfe Weine finden immer ihren Markt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Tal des Avia war auch das erste, das so etwas wie eine kontrollierte Weinbauregion schuf, Ende des f\u00fcnfzehnten Jahrhunderts, kurz vor der der Asociaci\u00f3n de Viticultores de Medina del Campo. Man wusste schon fr\u00fch, wie man sich zu sch\u00fctzen und abzugrenzen habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Tal des Avia kann man recht einfach verstehen und auch bereisen. Im Westen geht es von Ribadavia aus an Beade vorbei, \u00fcber Teile von Leiro bis hin gen Gomariz. Dort kehre man um, dann kommt wieder etwas Leiro, Cenlle, und schlie\u00dflich landet man wieder in Ribadavia. Wenn man nicht nur auf Qualit\u00e4t, sondern auch ein klein wenig auf Produktion schielt, dann ist dies die Quelle f\u00fcr ordentliche bis gute Weine aus Ribeiro.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/A_Teixa_Staedtischer_Weinbau_in_Ribadavia.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"532\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/A_Teixa_Staedtischer_Weinbau_in_Ribadavia.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-166205\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/A_Teixa_Staedtischer_Weinbau_in_Ribadavia.jpg 800w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/A_Teixa_Staedtischer_Weinbau_in_Ribadavia-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/A_Teixa_Staedtischer_Weinbau_in_Ribadavia-768x511.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><figcaption>A Teixa &#8211; St\u00e4dtischer Weinbau in Ribadavia.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Um es kurz zu machen: das Ostufer ist besser, selbst f\u00fcr Wei\u00dfweine. Im Westen ist Beade in der Mitte, das ist versch\u00e4rftes Palominoland. Gut, Manuel Formig\u00f3 keltert mit Finca Teira und Teira X zwei wirklich ordentliche Weine, in den anderen Tanks indes schlummert Palomino. Ab und an versucht sich mal ein kleines Weingut, die Betriebsdauer indes ist \u00fcberschaubar. Leiro ist ganz gut, aber vor allem auf der Ostseite. Doert werkelten bis vor kurzem Vi\u00f1a Mein und Emilio Rojo, einst von Jos\u00e9 Pe\u00f1\u00edn als Vorzeigeribeiroaner ausgeguckt. Nun geh\u00f6rt das alles zu Pago de Carraovejas. Dominio do Bibei ist auch dort aktiv, ansonsten ist da niemand mehr aktiv. Weiter oben, im Norden, in Gomariz, da sieht die Welt wieder ganz anders aus.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Gomariz, das ist eine Art gro\u00dfes Amphitheater, steile H\u00e4nge, wenig kompliziertes Land, selbst die Steilh\u00e4nge, die den Nordhimmel anblicken sind gut. Wenn nur die Winzer nicht so kompliziert w\u00e4ren. Caco Carreiro, Gr\u00fcnder von Coto de Gomariz, und Arsenio Paz, Gr\u00fcnder von Adegas Vilerma, waren zumindest im Norden die ersten, die in den achtziger Jahren das alte, das klassische Ribeiro wieder aufleben lie\u00dfen, weg von Palomino und Alicante Bouschet, hin zu den alten, den autochthonen Sorten, allen voran Treixadura, Loureira, Godello und Cai\u00f1o. Sie hatten eigentlich ganz Ribeiro in der Hand. Nur: die Dinge begannen, schr\u00e4g zu laufen. Arsenio hatte keine Lust auf modernes Zeug, lieber viel spritzen, lieber den klassischen Ribeiro-Markt bedienen. Das reichte f\u00fcr seine kleine Bodega v\u00f6llig aus, als gut ausgelasteter Rechtsanwalt wollte er wohl auch nicht mehr. Ricardo Carreiro \u00fcbernahm die Bodega seines Vaters, er war schon gut bei der Sache, Coto de Gomariz vor gut zehn Jahren, das war eine der innovativsten Bodegas in ganz Galiza. Doch dann gab es ein paar famili\u00e4re Nackenschl\u00e4ge und Probleme, davon hat sich die Bodega leider nie wieder richtig erholt. Eine von diesen vielen Bodegas, wo zwei oder drei anders getroffene Entscheidungen viel bewirkt h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<p>Jos\u00e9 Luis Cuerda ist einer der bekanntesten spanischen Filmemacher, vielleicht die Nummer zwei, aber Lichtjahre hinter Pedro Almodovar. Irgendwann traf er wohl ein paar ber\u00fchmte Filmemacher, die auch eine Bodega haben. Und er wollte auch eine, er gr\u00fcndete Adega San Clodio. Gut gelegen, sechs Hektar Rebland, ordentliche Qualit\u00e4t. Allerdings meinte er, dass seine vielen Freunde auch seinen Wein kaufen w\u00fcrden. Mit dieser Idee ging schon Antonio Banderas baden. Jos\u00e9 Luis auch. Aber er, auch Eduardo Bravo, der sich in einem Kleinkrieg mit dem Weingut seiner Eltern aufreibt (Hey, wir sind in Galiza!) und noch ein paar mehr zeigen, dass Gomariz so schlecht auch nicht ist.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"532\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Gomariz_ein_Meer_voller_Reben.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-166206\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Gomariz_ein_Meer_voller_Reben.jpg 800w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Gomariz_ein_Meer_voller_Reben-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Gomariz_ein_Meer_voller_Reben-768x511.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption>Gomariz, ein Meer voller Reben.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Weiter unten im Avia-Tal wieder in Ribadavia, gibt es dann noch einmal ein paar sehr gute H\u00e4nge, sie werden von Casal do Arman und Adega Sameir\u00e1s beackert. Casal do Arman, mit seinen vielen, verzweigten Aktivit\u00e4ten, ist die lautere der beiden Bodegas, Antonio Cajide, Chef von Sameir\u00e1s ist eher der T\u00fcftler. Ordentliche Rotweine, gute Wei\u00dfweine aus dem Stahltank, besser werdende Barriqueweine. Aber auch die anderen kleinen Bodegas k\u00f6nnten gut sein, wenn sie keinen so guten Markt f\u00fcr ihre eher einfachen Weine h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAls ich in Ribadavia zur Schule ging, mussten wir den Mi\u00f1o per Boot queren.\u201c Mit diesen Worten beschreibt Luis \u00c1nxo Rodr\u00edguez V\u00e1zquez die Situation des Weindorfs Arnoia. Erst vor vierzig Jahren entstand eine Stra\u00dfe, die Arnoia mit der Welt verbindet. Vorher gab es nur eine gen Cortegada, das n\u00e4chste Dorf im S\u00fcden, und von dort aus, so kein Hase oder Wildschwein im Weg stand, gen Zivilisation.<\/p>\n\n\n\n<p>Arnoia ist eigentlich nicht wirklich Ribeiro, man ist eher mit den anderen D\u00f6rfern im S\u00fcden und im S\u00fcdosten verbandelt. Arnoia ist, was Weinbau angeht, auch ganz anders gelagert als alle anderen Orte. Der, hmmm, Ort befindet sich auf nicht einmal siebzig Metern \u00fcber Meeresniveau, alles ist Granit, bis auf eine kleine Parzelle purer Kalk, wo Luis \u00c1nxo rote Sorten gepflanzt hat. Aktuell verf\u00fcgt er \u00fcber sechs Hektar Rebland, zersplittert in mehr als einhundert und achtzig Parzellen. Damit ist er aber nicht alleine, Jos\u00e9 Merens Merens, auch einer der guten Winzer aus dem nicht einmal eintausend Menschen beherbergenden Dorf, verf\u00fcgt \u00fcber knapp vier Hektar Rebland, mehr als einhundert und zwanzig Parzellen. F\u00fcr Arnoia ist das ganz normal, in den anderen Orten der Weinbauregion sind die Parzellen so klein dann doch nicht. In Arnoia gibt es mit Lado eine Rebsorte, die lange Zeit nur in Arnoia kultiviert wurde, neben Luis \u00c1nxo haben sie auch Pepe Estevez und Emilio Rojo im Programm, aber keiner bringt einen sortenreinen Lado auf den Markt. In Arnoia bestehen die guten Wei\u00dfweine aus Albari\u00f1o und Treixadura, komplettiert mit etwas Godello, Loureira und Torront\u00e9s. Und Lado, of course. Auch hier gibt es nat\u00fcrlich zwei oder drei Winzerbodegas, die betont schwache Weine keltert. Das Durchschnittsniveau ist hier aber schon betont hoch. Nat\u00fcrlich sagen alle, sie w\u00fcrden Luis \u00c1nxo, nie, nie, niemals kopieren wollen. Sie schauen aber alle schon, was der Altmeister macht, und setzen dann das eine oder andere um. Dieses Dorf ist schon in Ordnung, und die Weine von Luis \u00c1nxo, die wei\u00dfen, aber insbesondere der rote Escolma geh\u00f6ren schon zum besten, was Galiza zu bieten hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Es mag an der langen Geschichte der Region liegen, oder an der Vielfalt der Rebsorten, oder an der Bodenst\u00e4ndigkeit der Weinbauern, oder an was auch immer. Aber hier in O Ribeiro gibt es zumindest Jahr f\u00fcr Jahr f\u00fcnf, sechs oder sieben neue Projekte, von denen das eine oder andere schon nicht schlecht ist. Sie m\u00fcssen nur aushalten, Geduld haben und flei\u00dfig an sich und an ihren Weinen arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein kleines pers\u00f6nliches Fazit: alle f\u00fcnf Weinbauregionen in Galiza sind spannend, selbst Monterrei und Valdeorras. Wenn mich jemand dazu verdonnern w\u00fcrde, Adega do Oso zu gr\u00fcnden, ich w\u00fcrde mir einen Flecken in O Ribeiro suchen, die haben das beste Potential. Text: El oso alem\u00e1n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Teil 4. Galiza, ein Land der Cuv\u00e9es? Die Sache mit den s\u00fcdlichen Nachbarn, den Portugiesen, ist so einfach nicht. Denn, aus welchem Grund auch immer, die Galegas und die Galegos f\u00fchlen sich den Nachbarn von der anderen Seite des Mi\u00f1o schon etwas \u00fcberlegen. 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