{"id":71295,"date":"2019-08-07T11:00:40","date_gmt":"2019-08-07T09:00:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/?p=71295"},"modified":"2019-08-07T11:00:40","modified_gmt":"2019-08-07T09:00:40","slug":"el-oso-summer-school-2019-galiza-godello","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/2019\/08\/el-oso-summer-school-2019-galiza-godello\/","title":{"rendered":"El Oso Summer School 2019 \u2013 Galiza \u2013 Godello"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Teil 1. Godello, eine galicische Wundert\u00fcte<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Die Sache mit dem Godello ist so einfach nicht. Die beiden wichtigsten Weinbauregionen in Galiza, in denen Godello gedeiht, sind Valdeorras und Monterrei, in den anderen drei Anbaugebieten gibt es auch Godello, man merkt es nur kaum. Aber selbst in Monterrei und Valdeorras findet man ihn verstreut und, wenn er dann einmal auftaucht, steht er wahrscheinlich auf einem Kartoffelacker. Au\u00dferdem gibt es Verwechslungsgefahren. Und letztendlich kennt kaum ein Weintrinker diese Rebsorte. Aber der Reihe nach!<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/godello.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"450\" height=\"600\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/godello.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-146153\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/godello.jpg 450w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/godello-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><figcaption>Godello.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Auch wenn das politische, das wirtschaftliche und das soziale Chaos der letzten Tage, Wochen, Monate oder Jahre etwas anderes vermitteln k\u00f6nnte, Spanien ist und war schon immer streng hierarchisch durchorganisiert, normal f\u00fcr ein Land, in dem Milit\u00e4r und Kirche dominier(t)en.<\/p>\n\n\n\n<p>Im geendeten Mittelalter und in den ersten Jahrhunderten der Neuzeit konnte man zumindest in Castilla und in Galiza nicht so einfach Wein handeln. Alle gr\u00f6\u00dferen Marktflecken waren als Protektorate organisiert, die Altvorderen vergaben Zulassung, ohne eine solche durfte man, von au\u00dferhalb kommend, in der Stadt keinen Wein verkaufen. Oftmals war dies eine zeitlich befristete Angelegenheit. Solange der Wein, den der Ort und seine Nachbarschaft produziert hat, nicht gesoffen war, durften andere nicht verkaufen. Local first kannte man also schon damals. Arm dran waren die Weintrinker der Orte, in denen gar grausame Weine gekeltert wurden. Man darf nicht vergessen, dass aus Hygienegr\u00fcnden dereinst viel Wein getrunken wurde, der nur einen niedrigen Alkoholgehalt aufwies. In Mitteleuropa \u00fcbernahm Bier diese Aufgabe, Wasser war oftmals voller Keime. F\u00fcr O Barco de Valdeorras, f\u00fcr A R\u00faa (auch Valdeorras) sowie f\u00fcr Ver\u00edn und Monterrei war dies wesentlich, denn auf diese Weise hielt man sich die Konkurrenz aus Bierzo, aus Manzaneda sowie, im Fall von Monterrei und Ver\u00edn, aus dem Norden Portugals vom Hals.<\/p>\n\n\n\n<p>Monterrei hatte noch eine andere Funktion, irgendwie musste der Klerus ja auch eingebunden werden. Es oblag den \u00c4bten zu Monterrei, den Preis f\u00fcr den Wein festzulegen. So etwas gab es in jeder Weinbauregion, La Vid etwa war zust\u00e4ndig f\u00fcr den ganzen Osten dessen, was heute Ribera del Duero hei\u00dft, bis el Burgo de Osma. Dies war eine wichtige Aufgabe, allerdings nicht problemfrei, denn der Klerus verdiente am Weinverkauf, das Zehnt, wie eigentlich \u00fcberall, wo die katholische Kirche etwas zu sagen hatte. Je h\u00f6her der Preis, desto h\u00f6her die Einnahmen. Nur musste man schon ein Auge drauf haben, dass das einfache Volk den Wein auch bezahlen konnte. Welches Kloster diese Aufgabe im heutigen Valdeorras \u00fcbernahm, ist zumindest nicht leicht zu recherchieren, es d\u00fcrfte aber auf O Barco de Valdeorras zulaufen. Wie dem auch sei, man hatte m\u00e4chtige Tr\u00fcmpfe in der Hand. Erstaunlich ist, dass man eigentlich nichts daraus gemacht hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Valdeorras geriert sich heute als das Herz der Godelloweine. Nun ja. Godello gibt es dort zwar schon l\u00e4nger, gleichwohl waren es Sorten wie Do\u00f1a Branca oder Monstruosa, die fr\u00fcher vornehmlich angebaut wurde. Dazu kamen Mourat\u00f3n, Grao Negro, etwas Menc\u00eda schwappte aus dem benachbarten Bierzo her\u00fcber; die wichtigste Rebsorte, sie brachte der Region viel Ruhm ein, indes war Albarello, eine eher helle Rotweinsorte, die sich dennoch gut zum Verschnitt mit anderen Sorten eignete. Die H\u00e4nge des Tals des Sil waren und sind f\u00fcr Weinbau gut geeignet, im zentralen Bereich stand wohl viel Rotwein, im Osten, nahe Rubi\u00e1, sowie weit im Westen, in Quiroga, das heute aus welchen Gr\u00fcnden auch immer zu Ribeira Sacra geh\u00f6rt (wahrscheinlich steckt da eine Kirchensprengelgrenze dahinter), ist das Land f\u00fcr Wei\u00dfweine besser geeignet.<\/p>\n\n\n\n<p>Valdeorras ist, was Gestein angeht, ein bunter Kessel. Im Westen, zwischen A R\u00faa und Quiroga, gibt es zun\u00e4chst sehr kalkhaltigen Sandstein mit dicker Lehmkrume, danach kommt grauer Granit mit Sand. Weiter gen Osten gibt es Kalksandstein mit Lehmauflage, dann Schiefer, bis hin gen Bierzo. Auf der anderen Seite des Sil gibt es erst einmal wieder Lehm, in O Bolo stehen Reben auf Granit. Der Sil m\u00e4andert von Osten gen Westen, die H\u00e4nge auf der Nordseite sind exzellente Standorte f\u00fcr Reben, die besten Ergebnisse erh\u00e4lt man, wenn die Reben jenseits der vierhundert Meter Linie kultiviert werden. Weiter unten ist es oftmals zu feucht, Rebkrankheiten sind nicht gerade selten. Auf der anderen Seite des Flusses sind die H\u00e4nge steiler, Weinberge findet man dort nur selten, die Trauben w\u00fcrden schlicht und ergreifend nicht reifen.<\/p>\n\n\n\n<p>Um sich das Valdeorras der Bl\u00fctezeit vorstellen zu k\u00f6nnen, muss man die Zeitbrille aufsetzen und minus zweihundert einstellen. Damals gab es noch keine Stauseen, der Sil war ein wilder Fluss, von den Kordilleren kommend st\u00fcrzte er sich durch halb Galiza, um in A Peroxa in den ebenfalls wilden Mi\u00f1o zu m\u00fcnden. Heute gibt es diverse Staustufen, die Wucht des Sil ist geb\u00e4ndigt.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Verdello.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"450\" height=\"600\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Verdello.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-166209\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Verdello.jpg 450w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Verdello-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><figcaption>Verdello.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Godello ist in Valdeorras erst seit weniger als zweihundert Jahren beheimatet, in alten Schriften liest man viel von Verdello. Und da beginnt dann die Konfusion. Denn viele Galegas und Galegos meinen Verdejo, wenn sie Verdello sagen. Das sind aber zwei unterschiedliche Dinge. Andere sagen, Verdello und Godello seien Synonyme. Auch nicht richtig. Verdejo ist etwas anderes. Und sowohl Godello als auch Verdello stammen aus Portugal; mag sein, dass sie Mitglieder einer etwas gr\u00f6\u00dferen Familie sind, indes unterscheiden sie sich deutlich: die Beeren des Verdello sind gr\u00fcner und l\u00e4nglich, w\u00e4hrend die des Godello eher gelb und rund sind. Auch sind die Bl\u00e4tter des Verdello dunkler als jene des Godello. Jedoch ist es nicht einfach, alleine aufgrund der Blattfarbe Verdello von Godello zu unterscheiden. Form und Farbe der Beeren erkennt man erst am Ende der Reifeperiode. Allerdings scheint es so zu sein, dass in Valdeorras Godello dominiert, Verdello indes findet man dort selten. In Monterrei stehen beide Sorten oftmals nebeneinander in einem Weinberg, so der alt ist. In jungen Weinbergen dominieren Setzlinge aus Rebschulen, da wird nichts vermischt.<\/p>\n\n\n\n<p>Godello-Fans sagen, dass vor der Ankunft der Reblaus in Valdeorras je ein Drittel der Rebfl\u00e4che mit Godello und Mourat\u00f3n bestockt war, der Rest entfiel auf andere Sorten. Nach dem Auftritt der Laus ver\u00e4nderte sich alles, die Weinbauern w\u00e4hlten, wich auch an vielen anderen Orten in Galiza, Alicante Bouschet und Palomino, vor allem Palomino, Albarello, Mourat\u00f3n und Godello fanden kaum noch statt. Stabiler Ertrag, gro\u00dfe Ernten, wenig Aufwand, kaum Rebkrankheiten, die Liste der Vorteile ist lang, Qualit\u00e4t indes steht da nicht. Wenn man will, kann man auf einem Hektar Rebland gut und gerne drei\u00dfigtausend Kilo Palomino ernten, und die Weinbauern wollten. Godello \u00fcberlebte, aber nur an wenigen Stellen. Und dann nahm das Unheil seinen Lauf.<\/p>\n\n\n\n<p>Mitte des letzten Jahrhunderts gab es in Valdeorras zwar noch eine Vielzahl von kleinen und kleinsten Kellereien, Hausgebrauch und ein wenig mehr, die einzigen dominanten Betriebe indes waren die drei Cooperativen: aus O Barco de Valdeorras, zust\u00e4ndig f\u00fcr den ganzen Osten der Region, aus A R\u00faa, zust\u00e4ndig f\u00fcr die Mitte und den Westen, sowie aus Larouco, zust\u00e4ndig f\u00fcr O Bolo, Larouco und andere D\u00f6rfer auf der anderen Seite des Sil. In den Cooperativen wurde alles mit allem vermischt, man kelterte wei\u00dfen und roten Valdeorras. Und man war vor allem an Kilos interessiert, Qualit\u00e4t war nicht so wichtig. Weinbauern konnten mit Palomino und Alicante Bouschet wesentlich mehr Einkommen generieren als mit Godello. Wenn nun der Aufwand gr\u00f6\u00dfer ist, der Ertrag aber geringer, dann muss man nicht lange nachdenken, um das zu verstehen, was geschah: Godello begann zu verschwinden. Er hielt sich vor allen in O Bolo, denn dort waren und sind die Parzellen klein, es war oftmals nicht rentabel, die alten St\u00f6cke auszurei\u00dfen, um Massentr\u00e4gersorten zu pflanzen. Im zentralen Teil von Valdeorras hingegen war dies problemlos m\u00f6glich. Die Mengen stiegen, Qualit\u00e4t war immer weniger ein Thema. Das Image von Valdeorras erreichte einen Tiefpunkt, von dem sich die Region bis heute noch nicht komplett erholt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr neunzehnhundert vierundsiebzig, Manuel Fraga, sp\u00e4ter Ministerpr\u00e4sident in Galiza und F\u00f6rderer des Weinbaus in dieser Region, war noch immer Francos Stellvertreter, begann man ein ehrgeiziges Programm: REVIVAL, ReEstructuraci\u00f3n de VI\u00f1edos de VALdeorras. Man untersuchte und forschte, um dann mit der systematischen Bestockung mit Godello zu beginnen. Dabei traten zwei Probleme auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Problem bestand darin, dass die Hanglagen alle bestockt waren, man h\u00e4tte dort erst einmal alte Rebst\u00f6cke ausrei\u00dfen m\u00fcssen, um dann neu zu bestocken. Zudem h\u00e4tte es einer Flurbereinigen erfordert, denn die Parzellen am Hang sind klein, eine mechanische Beackerung, wie sie in jener Zeit schon Gang und G\u00e4be war, kam dort nicht infrage. Unten, auf flachem Gel\u00e4uf, indes war Platz, insbesondere in A R\u00faa, wo eine riesige Fl\u00e4che nahe des Sil neu bestockt wurde. Fast alles ist Godello, ein wenig Menc\u00eda kam auch. Diese Fl\u00e4chen indes sind durchaus fruchtbar, die Ertr\u00e4ge waren hoch, die Qualit\u00e4t nicht der Rede wert. Erstes Ergebnis: Valdeorras hatte viel Godello, der nach nichts schmeckte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das zweite Problem bestand darin, dass in jener Zeit nicht nur, aber vor allen in Galiza Menge vor Qualit\u00e4t kam. Da die Genossenschaften noch immer dominierten, das hat sich in Valdeorras erst in den letzten zehn Jahren ge\u00e4ndert, erachtete man Ertragsmengen von etwa dreizehntausend Kilo Godello pro Hektar als ordentlich. Versuchsweise wurden auch Klone gesetzt, die nur achttausend Kilo pro Hektar erbrachten, sie wurden aber dann wieder verworfen, in der Liste der Klone, die schlussendlich den Weinbauern empfohlen wurden, kamen sie nicht vor. Fazit: man w\u00e4hlte ertragreiche Klone, um sie dann auf betont fruchtbarem Land zu pflanzen. Und dann wunderte man sich, das das Ergebnis jenseits der Region niemand trinken wollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Gro\u00dfteil der Bodegas der Region, aktuell sind da f\u00fcnfundvierzig Betriebe mehr oder weniger aktiv, wurde zwischen neunzehnhundert sechsundachtzig und zweitausend und vier gegr\u00fcndet, viele kleine Kellereien, einige Handelskellereien, aber auch die eine oder andere gr\u00f6\u00dfere Bodega. Godeval, etwa, oder Valdesil, Don Mario in Larouco, Carballal in Pet\u00edn. An der grunds\u00e4tzlichen Problematik \u00e4nderte dies indes nur wenig: viele Weine endeten in regionalen Supermarktketten, Gadis und Froiz, oder in den Tavernen zwischen El Barco und Ourense, wo man ob niedriger Preise Markt erobern konnte. Restspanien interessierte sich nicht f\u00fcr die geschmacksfreien Wei\u00dflinge vom Sil, Export fand nicht statt, bis heute hat sich das nur wenig ge\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie in vielen anderen Weinbauregionen wendeten Zugereiste das Blatt, wobei hier einer wichtiger ist als andere: als Rafael Palacios begann, die Weinberge in O Bolo zu durchk\u00e4mmen; gut, er arbeitet mit Jos\u00e9 Beneitez zusammen, der wichtigste Weinbauer jener Region. So entstanden pl\u00f6tzlich Godellos, die zuvor niemand f\u00fcr m\u00f6glich gehalten h\u00e4tte. Da Rafael auch ein wenig Kleingeld mitbrachte, konnte er einige Weinberge neu bestocken, er r\u00fcckte O Bolo st\u00e4rker ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Seine Weine markieren heute den Stand der Dinge, und f\u00fcr Weine, auf deren Etiketten der Name Palacios steht, sind sie noch halbwegs bezahlbar.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/O_Bolo_das_neue_Epizentrum_von_Valdeorras.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"532\" src=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/O_Bolo_das_neue_Epizentrum_von_Valdeorras.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-166210\" srcset=\"https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/O_Bolo_das_neue_Epizentrum_von_Valdeorras.jpg 800w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/O_Bolo_das_neue_Epizentrum_von_Valdeorras-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.weine-feinkost.de\/unterwegs\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/O_Bolo_das_neue_Epizentrum_von_Valdeorras-768x511.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><figcaption>O&#8217;Bolo, das neue Epizentrum von Valdeorras.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Der zweite der kam, warum es ihn in diese Ecke verschlagen hatte, das wissen nur die Elche, war Telmo Rodr\u00edguez. Telmo machte das, was er auch sonst gerne macht: er suchte sich eine Bodega, in der es halbwegs ordentlichen Wein gab, machte ihn etwas besser und klebte seine Etiketten auf die Flaschen: Gaba do Xil. Erst in Don Mario, dann gr\u00fcndete der Kellermeister von Don Mario eine neue Bodega: Ladera Sagrada, und Telmo kam mit. Der normale Gaba do Xil ist mehr oder weniger belanglos, Valdeorras in bekannter Tradition. Jedoch begann der Riojano zusammen mit Jos\u00e9 Beneitez alte Parzellen zu suchen, die noch nicht von Rafael Palacios in Beschlag genommen waren. Dort entsteht der eine oder andere Lagenwein von wirklich guter Qualit\u00e4t.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der dritte von drau\u00dfen ist Jorge Ord\u00f3\u00f1ez, der Malague\u00f1o. Er nistete sich bei Godeval ein, verlie\u00df, wie so oft, das Nest im Streit, um sich dann in A R\u00faa in einer schlichten Industriehalle anzusiedeln. Seine Weine sind etwas \u00fcppig und m\u00e4chtig, aber das ist egal, denn Fans von Jorge trinken, was Jorge ihnen vorsetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Drei bekannte Namen machten Valdeorras bekannt. Pepe Dom\u00ednguez aus dem S\u00fcden von R\u00edas Baixas versuchte das auch, allein es schlug fehl. Er wollte mit Adegas D\u00eda Noite und ein paar weiteren Kellereien in Castilla und Catalunya eine Gruppe schaffen, die aufgrund latentem Geldmangel aber schnell wieder verschwand.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann passierte erst einmal nichts, und das fast zehn Jahre lang, nicht einmal Ra\u00fal P\u00e9rez wollte in Valdeorras aktiv werden; das sollte einem zu denken geben. Vor wenigen Jahren kam dann doch etwas Bewegung in die Region: Vi\u00f1a Somoza stellte Javier Garc\u00eda (4monos viticultores, Sierra de Gredos) als technischen Direktor ein, Xurxo Alba (Albamar) begann mit dem Projekt Ceibo, diverse Weinberge aus O Bolo.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kamen die Gro\u00dfen: Pago de los Capellanes kaufte in Seadur, eine Top-Ecke in Larouco, Rebland zusammen, man richtete sich in einer stillgelegten Bodega ein, Chivite \u00fcbernahm Roandi, ein anspruchsvolles Projekt, das vom ersten Tag an zum Scheitern verurteilt war. Vi\u00f1a Costeira, die Genossenschaft aus Ribadavia, \u00fcbernahm Don Mario. Muga sucht und wenn man dem Canyonfunk Glauben schenkt, dann ist die Liste derer, die suchen, lang und fett. Das Problem: der Erwerb eine Bodega ist nur sinnvoll, wenn man auch Rebland kaufen kann. Was da steht, ist irrelevant, man kann Palomino oder Alicante Bouschet problemlos durch Godello ersetzen. Pflanzrechte zu bekommen, ist hingegen quasi ein Ding der Unm\u00f6glichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn die Cooperativen vor sich hin sterben, Valdeorras wird \u00fcberleben. Wie die Region in zehn Jahren strukturiert sein wird, das kann heute niemand vorhersagen. So gro\u00dfe Glaskugeln gibt es nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Monterrei, die zweite Godello-Region in Galiza, ist eine kleine Weinbauregion, nicht einmal sechshundert Hektar Rebland sind bestockt. Gut, wen man so will, dann ist halb Galiza klein, addiert man die Fl\u00e4chen von Ribeira Sacra, Valdeorras und Monterrei dann gibt das weniger als die Rebfl\u00e4che von La Seca.<\/p>\n\n\n\n<p>Monterrei ist so etwas wie ein riesiger Kessel mit Ver\u00edn in der Mitte, das Dorf Monterrei gleich daneben. Weinberge findet man vor allem im Kessel, die besseren Weing\u00fcter, allen voran Jose Luis Mateo, das einzige \u00fcberregional und international bekannte Gesicht der Weinbauregion Monterrei, verf\u00fcgen auch \u00fcber Weinberge am Hang, bis hoch gen As Duas Casas, weit \u00fcber achthundert H\u00f6henmeter, wo dereinst Quinta do Buble sehr gute Weine kelterte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Von Mateo und Buble in seinen besten Zeiten und vielleicht V\u00eda Arx\u00e9ntea einmal abgesehen, ist das alles ein gewaltiges Missverst\u00e4ndnis. Niemand sonst keltert wirklich spannende Weine, diverse gr\u00f6\u00dfere Bodegas haben schon des \u00d6fteren den Eigent\u00fcmer gewechselt, Gargalo \u00fcberlebt alles, weil der Modedesigner Roberto Verino sich die Bodega als besseres Hobby leistet. Den Ton geben in dieser Weinbauregion Pazo do Mar (Ribeiro), Mart\u00edn C\u00f3dax und Manuel Jove an. Und Cregu e Monaguillo, aktuell die gr\u00f6\u00dfte Bodega der Region, Lieblingsbodega der Xunta do Galiza, Herr Alberto N\u00fa\u00f1ez Feijoo nimmt dort gerne ein Mittagsmahl ein, so er denn in dieser Wildnis weilt. Die Weine dieser Bodega, allen voran deren Wei\u00dfweine, sind nachgerade belanglos, sie reihen sich gut in das gesamte Spektrum ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Godello gibt es hier nur selten sortenrein, die Winzer pflegen, ihn mit Treixadura zu mischen. Das erbringt etwas mehr Stoff und Dichte, die Weine wirken komplexer, vor allem aber unterscheiden sie sich dadurch von jenen aus Valdeorras, man k\u00e4mpft schlie\u00dflich um die gleichen regionalen M\u00e4rkte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4hnlich wie in Valdeorras pflanzte man auch hier Godello an Stellen, die nicht f\u00fcr Godello geeignet sind, Mais w\u00e4re eine sinnstiftende Alternative. In den letzten Jahren hat man die Denominaci\u00f3n de Origen Monterrei um zwei D\u00f6rfer erweitert, dort findet man ein paar alte Weinberge.<\/p>\n\n\n\n<p>Richtig angreifen mag hier niemand, daher ist Jos\u00e9 Luis Mateo nach wie vor der einzige Vorzeigebetrieb. Antonio, Exinhaber von Quinta do Buble und heutiger Chef von Sol y Vento, k\u00f6nnte, die passenden Weinberge h\u00e4tte er. Nur, er mag lieber gef\u00e4llige Weine f\u00fcr die n\u00e4here Umgebung, bereitet von einem \u00d6nologen, der f\u00fcr gef\u00e4llige Weine bekannt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Manuel von V\u00eda Arx\u00e9ntea keltert seit Jahren einen mehr als ordentlichen klassischen Monterrei aus Godello und Treixadura, h\u00f6here Qualit\u00e4ten darf man hier aber nicht erwarten. Dies zieht sich wie ein roter Faden durch fast alle Bodegas. Es gibt immer einen Wein, den man mehr oder weniger problemfrei trinken kann, auch wenn an das Niveau des V\u00eda Arx\u00e9ntea nur wenige herankommen, mehr ist da aber nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn schon die Zukunft von Valdeorras ungekl\u00e4rt ist, was soll man dann erst \u00fcber Monterrei sagen?<\/p>\n\n\n\n<p>Und sonst? Nun Godello gibt es auch in Ribeira Sacra, aber vor allem am nord\u00f6stlichen Rand der Region, in Quiroga und seinem Hinterland. Gef\u00fchlt neunzig Prozent aller Godellos der Region stammen von dort, oftmals kaufen Bodegas, die an ganz anderen Stellen beheimatet sind, hier Trauben oder Fasswein. Die Gegebenheiten sind gut, allerdings ist Val de Quiroga, der Platzhirsch dieser Ecke, eher nicht f\u00fcr Qualit\u00e4t bekannt. Man keltert viel spanischen Tafelwein und manchen bedenklichen wei\u00dfen Ribeira Sacra. Gu\u00edmaro und Algueira haben in Sober und in Cortezada etwas Godello stehen, sie keltern den einen oder anderen durchaus guten Wei\u00dfwein. Ansonsten findet man da nicht viel.<\/p>\n\n\n\n<p>In Ribeiro gibt es Godello, aber nur in geringer Auflage, die wichtigste wei\u00dfe Sorte dieser Region ist Treixadura. Abgesehen von Vi\u00f1a Costeira, die ab und an einen sortenreinen Godello auf den Markt bringen, findet man Godello eher selten, Verdello eigentlich gar nicht. Da der Consejo Regulador keine Zahlen herausr\u00fcckt, kann man nur (\u00fcber)sch\u00e4tzen: vier Prozent der gesamte Rebfl\u00e4che k\u00e4me schon fast einer Sensation gleich.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr zwanzig sechzehn wurden in R\u00edas Baixas f\u00fcnfundsechzigtausend sechshundert siebenundsechzig Kilo Godello geerntet, siebenundachtzig Prozent davon in O Rosal. Alles verschwindet in Cuv\u00e9es aus Albari\u00f1o, Cai\u00f1o, Godello und Treixadura, O Rosal Regionalweine, Terras Gauda ist der bekannteste von ihnen. Im gleichen Jahr wurden im Val do Saln\u00e9s eintausend neunhundert siebenundneunzig Kilo Godello gelesen. Eine detaillierte Untersuchung der Verwendung dieser Trauben unterblieb.<\/p>\n\n\n\n<p>Letztendlich ist das alles aber fast egal, denn wer, von den Einheimischen einmal abgesehen, hat schon mehr als drei Godellos in seinem Laben getrunken? Man findet die Weine kaum, jenseits der spanischen Grenzen schon gar nicht. Der Konsument kann sich kein Bild von Godello machen, alles bleibt im Ungef\u00e4hren. Sollte man dennoch einmal auf Weine von Rafael Palacios oder Vi\u00f1a Somoza treffen, oder auf die Cuv\u00e9es mit Godello, die Jos\u00e9 Luis Mateo keltert, man kann guten Gewissens einen Korkenzieher ansetzen. Text: El oso alem\u00e1n<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Teil 2.  Albari\u00f1o, denn auch Galegos wollen gute Gesch\u00e4fte machen<\/strong> erscheint auf diesem Blog am 14.08.2019 um 11.00 Uhr.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Teil 3.  Galiza in Rot: noch immer eine Herausforderung<\/strong> erscheint auf diesem Blog am 21.08.2019 um 11.00 Uhr.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Teil 4.  Galiza, ein Land der Cuv\u00e9es? Vor allem um Ribeiro \ngeht es hier, aber auch um die komplizierte Nachbarschaft mit \nPortugiesen<\/strong> erscheint auf diesem Blog am 28.08.2019 um 11.00 Uhr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Teil 1. Godello, eine galicische Wundert\u00fcte Die Sache mit dem Godello ist so einfach nicht. Die beiden wichtigsten Weinbauregionen in Galiza, in denen Godello gedeiht, sind Valdeorras und Monterrei, in den anderen drei Anbaugebieten gibt es auch Godello, man merkt es nur kaum. 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