Das Weinbaugebiet Bordeaux

Geschichte und Wissenswertes über das Bordelais

Kein dem Wein noch so reserviert gegenüberstehender Biertrinker, kein noch so überzeugter Abstinenzler, der mit diesem Namen nichts anfangen kann: wenn es um Bordeaux geht, hat doch jeder schon mal irgendwas gehört. Klar, Reisepässe haben diese Farbe. Aber darum geht es nicht. Sondern eher um die wunderschönen Schlösser, tiefen Gewölbekeller, großen Namen und astronomischen Preise. All diese gedanklichen Bilder sind wahr – und auch wieder nicht. Denn in Bordeaux sind zwar viele Dinge bis ins kleinste Detail geregelt, andere wiederum erscheinen ganz und gar nicht so, wie man sie vielleicht erwartet hätte. Doch dazu später mehr.

Das Bordeaux – oder Bordelais, wie es die Franzosen selbst nennen – liegt auf einem riesigen Kalksteinsockel und vereinigt 110 000 Hektar auf sich. Damit ist es nicht nur größer als die Rebfläche ganz Deutschlands, sondern sogar das größte geschlossene Weinbaugebiet der Welt. Der insgesamt produzierte Most liegt mit etwa sechs Millionen Hektolitern zwar hinter dem deutschen mit neun Millionen, dies aber ist eher ein Zeichen dafür, dass in Bordeaux deutlich mehr qualitativ hochwertiger Wein produziert wird. Und ohnehin befinden wir uns im ertragreichsten Weinbaugebiet des Kontinents. Die Weintraube ist hier bildlich gesprochen der größte Arbeitgeber: mehr als 55 000 Menschen sind in der Branche beschäftigt. Allein schon deswegen sollte man nicht davon ausgehen, es mit einem homogenen Anbaugebiet zu tun zu haben. Beginnen wir am besten in der Herzkammer des Bordeaux, dem Médoc. Bis vor etwa 150 Jahren fand sich hier nur eine unwirtliche, windige Dünenlandschaft mit nicht mehr als ein wenig Gestrüpp – dann begann man, durch die Pflanzung von Kiefern das Sumpfland zu entwässern und den kargen Böden feine, hochkomplexe Tropfen abzutrotzen. Die dreiecksförmige Halbinsel wird im Westen vom Meer, im Osten von der Gironde begrenzt, der Hauptschlagader der Region. Streng genommen ist die Gironde kein Fluss, sondern ein Ästuar – die trichterförmige gemeinsame Mündung der Flüsse Garonne und Dordogne an der flachgründigen Senkungsküste des Atlantik. Hier, wo das Klima dank des Ozeans besonders mild und ohne größere Schwankungen ist, reihen sich die kommunalen Appellationen aneinander wie Perlen an einer Schnur: Saint-Estèphe etwa, dessen gerbstoff- und säurebetonten Weine mit leicht mineralischer Note prädestiniert sind für einen langen Dornröschenschlaf im heimischen Weinkeller. Pauillac mit den wohl gewaltigsten Roten der ganzen Region, deren überwältigende Fülle sich erst mit den Jahren selbst zähmt und dann in ein charakteristisches Bouquet nach Zedernholz und Schwarzen Johannisbeeren hinübergleitet. Oder auch die hocheleganten Weine aus Margaux, deren betörende floral-würzige Finesse mit den Jahren Ausdruck in einer leichten Veilchenaromatik findet.

Der ansonsten eher unbeliebte Kaiser Napoleon III. war es, der 1855 anlässlich der Weltausstellung ein geradezu bahnbrechendes Klassifikationssystem auf den Weg brachte, das bis zum heutigen Tage seine Gültigkeit bewahrt hat. Es legt – anders als jenes im Burgund, das das Potential der einzelnen Lagen als Grundlage nimmt – den Fokus auf die Chateaus und errechnete sich damals nach den Preisen, die ebenjene in den vergangenen hundert Jahren im Durchschnitt für ihre Weine aufrufen konnten. Diese Chateaus können – wie man es sich als Besucher gern vorstellt und viele Güter auch mit der Abbildung ihres Anwesens auf den Flaschen suggerieren – hochherrschaftliche Anwesen sein, wie etwa Margaux mit seinem klassizistischen Portal, Palmer mit seinen schlanken Türmchen oder das „Versailles des Médoc“, Chateau Beychevelle. Unter den mehreren tausend Chateaus sind aber auch viele, die optisch eher an einen Bauernhof erinnern. Denn anders als in den meisten anderen Teilen Frankreichs war Gutsbesitz nicht allein dem Adel vorbehalten, sondern stand auch dem Bürgertum offen – der Grund dafür, dass während der Französischen Revolution hier kaum Enteignungen vorgenommen wurden und die historische Kontinuität zwischen einem Gut und seinen Besitzungen und Besitzern hoch ist. Die Abfüllung der Weine vor Ort, die ja den Chateau-Wein eigentlich erst vollkommen macht, setzte sich jedoch vor gerade einmal hundert Jahren als Reaktion auf unschöne Panscherei-Skandale durch.

Unterschieden wird seit 1855 also zwischen der großen Menge der Crus Bourgeoises und dem feinen Sahnehäubchen obendrauf, das die Grand Crus Classés bilden. Diese 61 Betriebe sind wiederum in fünf Klassen unterteilt, von Cinquième bis Premier. In dieser obersten finden sich die legendären Fünf, deren Namen die Herzen von Weinliebhabern rund um den Globus höher schlagen lassen: Margaux in der gleichnamigen Appellation, Haut-Brion im streng genommen nicht mehr zum Médoc gehörenden Pessac-Léognan und in Pauillac die Güter Latour, Lafite-Rothschild und Mouton-Rothschild. Letzteres gelangte erst im Jahr 1973 in den Wein-Olymp – nicht als bloßer Verwaltungsakt, sondern standesgemäß vorgenommen vom Landwirtschaftsminister und späteren Präsidenten Jacques Chirac. Mouton-Rothschild ist ohnehin geradezu ein Punk unter den sonst sehr konservativ-distinguierten Erscheinungen: jedes Jahr gestaltet ein anderer namhafter Künstler das Flaschenetikett. Was 1945 anlässlich der Befreiung von der deutschen Besatzung begann, wurde von Größen wie Picasso, Warhol, Kandinsky und Gerhard Richter mit teilweise sehr kontroversen Werken fortgeführt. Sein Aufrücken von der zweiten in die erste Klasse war die einzige Veränderung, die seit nunmehr 170 Jahren am etablierten System vorgenommen wurde. Dabei sind die qualitativen Unterschiede zwischen höher- und niederrangigen Chateaus oft geringer als solche zwischen verschiedenen Jahrgängen ein und desselben Betriebes. Ohnehin wird die starre Ordnung oft kritisiert, lässt sie den umgangssprachlich auch „5er“ oder „4er“ bezeichneten Häusern doch kaum die Möglichkeit, für ihre Weine ähnlich hohe Preise zu verlangen wie ihre Kollegen aus den höheren Ligen, auch wenn sie sich noch so viel Mühe geben.

Médoc ist nicht die einzige Region am linken Ufer der Gironde, weiter aufwärts liegen auch die langgestreckten Graves mit ihren Pinienwäldern, wo vor über 2000 Jahren die Weinbau-Historie ihren Anfang nahm. Die Unterscheidung zwischen den beiden Flussufern ist dabei kein rein geografischer: auf der linken Seite dominiert Cabernet Sauvignon die Cuvées, was ihnen eine gewisse Strenge verleiht, meist gepaart mit zupackendem Tannin und knackiger Säure – die besten Voraussetzungen für eine lange Flaschenreife. So dunkel und gehaltvoll waren die Weine allerdings nicht immer: zu Beginn der Frühen Neuzeit muss man sie sich eher blassrot vorstellen, wovon die englische Bezeichnung „Claret“ zeugt, die damals zur Unterscheidung von den kräftigen Rotweinen der Iberischen Halbinsel gebraucht wurde und bis heute der übliche Name für Bordeaux in Großbritannien ist. Damals verschnitt man die leichten Weine gern mit kräftigeren aus dem französischen Südwesten.

Am rechten Ufer hingegen ist der Merlot Hauptakteur in den Weinen, was diese allgemein fruchtbetonter, früher zugänglich und sanfter im Geschmack macht. Im Gegensatz zum Cabernet Sauvignon, dem es dafür an Fülle mangelt, wird Merlot hin und wieder auch mal sortenrein ausgebaut. Etwa vom Chateau Pétrus, dessen namensgebende Heiligenfigur aus flechtenüberwachsenem Stein so etwas wie ein kleines Wahrzeichen des Pomerol ist, in dem wir uns nun befinden. Es profitiert ebenso wie seine nur unwesentlich weniger bekannten Nachbarn Lafleur, La Conseillante und Le Pin vom hohen Kiesanteil und dem darunter liegenden, stark eisenhaltigen Lehm. Das Resultat sind warme, samtig-mollige Tropfen mit feiner Trüffelaromatik, die von den Franzosen liebevoll als „gras“, fett, bezeichnet werden. Pomerol gilt mit nur 800 Hektar als die kleinste Appellation im ganzen Bordelais, aber als qualitatives Zentrum des Libournais – zusammen mit dem südlich gelegenen Saint-Émilion. In dieser AOC wird die seit 1955 bestehende Klassifizierung anders als im Médoc alle zehn Jahre einer Überprüfung unterzogen, was jedoch zu erbitterten Gerichtsprozessen und jüngst aufgrund von Streit über die Bewertungsgrundlagen sogar zum freiwilligen Ausscheiden der Spitzengüter Cheval Blanc, Angélus und Ausone führte. Wo der Merlot jedoch kein Solo spielt, wird er oft vom Cabernet Franc verfeinert, der eine gewisse Schwere und Würzigkeit mit einbringt. Er ist eine von vier „Nebensorten“, die die beiden Leitreben geschmacklich unterstützen. Außer ihm setzt man gern auf den kräftig-kantigen Petit Verdot. Der sehr farbintensive, fruchtige Malbec und die süffige Carménère mit dunkler Aromatik nach Tabak und Leder sind aufgrund ihrer Empfindlichkeit inzwischen nahezu vollständig aus den Weinbergen verschwunden. Dafür drängen seht 2021 sechs neu zugelassene Reben ins Feld, die den Anforderungen immer heißerer und trockenerer Sommer Rechnung tragen sollen.

Bordeauxweine, zumindest die besseren roten, sind definitiv nichts für Ungeduldige: fünf Jahre Zeit sollte man ihnen mindestens geben, um ihren Charakter gebührend offenbaren zu können. Und viele Grand Crus werden von gut betuchten Sammlern nicht für den eigenen Genuss erworben, sondern sollen Kindern und Enkeln als langfristige Wertanlage dienen. Ohnehin empfiehlt es sich, die Weine nur direkt ab Weingut (was jedoch als nahezu unmöglich gilt) oder aber vom Fachhändler des Vertrauens zu beziehen: insbesondere ältere Flaschen auf Auktionsplattformen und in der Gastronomie sind häufig das Produkt versierter Fälscher: vom Chateau Pétrus aus 1982, einem Jahrhundertjahrgang mit 100 Parker-Punkten, werden in Las Vegas jeden einzelnen Monat mehr Flaschen entkorkt, als man damals insgesamt produziert hatte. Apropos Parker: ohne den Weinkritiker aus Baltimore scheint nichts zu gehen in der Vermarktung, was ein erstes Indiz dafür liefert, dass das Bordelais ohne den Einfluss der angelsächsischen Welt nicht den Weltruhm heutiger Tage erreicht hätte. Die begehrten Punkte lassen sich dabei oft genug eins zu eins in Ladenpreise umrechnen. Das implizite Diktat der Preispolitik gilt vielen aber weit weniger bedenklich als die „Parkerisierung“ des Geschmacks: dem nahezu unangreifbaren Weinpapst wird vorgeworfen, mit seiner Bevorzugung alkoholreicher, stark konzentrierter Weine aus hochreifem Lesegut und geprägt durch kräftige Holztöne hauptsächlich dem Geschmack seiner amerikanischen Kunden Rechnung zu tragen und damit die unterschiedlichen lokalen Traditionen historischer Kulturlandschaften nach und nach einzuebnen.

Dabei wird den Franzosen landläufig eigentlich unterstellt, keinerlei fremde Einmischung in ihre Angelegenheiten zu dulden – doch an der Entwicklung des Bordeaux hatten Ausländer seit jeher einen großen Anteil. Auch wenn es die Einheimischen nicht gerne hören, die Glorie der Bordeaux-Weine verdanken sie in nicht geringem Maße Engländer und Iren. Die ganz und gar nicht französischen Namen vieler Chateaus wie Talbot, Belgrave oder Kirwan erinnern daran, dass jahrhundertelang enge Bande zwischen Frankreich und den Britischen Inseln bestanden. Die ersten wurden vor fast 900 Jahren geknüpft, als der Normannenherzog Heinrich II., später englischer König, Eleonore von Aquitanien heiratete und damit die Region für England in Besitz nahm. Die strategisch günstige Lage als größter Atlantikhafen des Landes wurde von Heinrichs Nachkommen mit allerlei Privilegien belohnt, die auch erhalten blieben, als während des Hundertjährigen Krieges Bordeaux wieder zu Frankreich kam. Zu dieser Zeit musste man sich mit dem Trinken ranhalten: Flaschenwein gab es nicht und jener in Fässern transportierte war nicht allzu lang haltbar. Das änderte sich erst, als die Technik der Schwefelung sich allmählich durchsetzte. Nun konnte der Wein auch in weit entfernte Gebiete wie die französischen Überseekolonien exportiert werden, vor allem der weniger hochwertige. Das traf sich ganz gut, denn die Engländer hatten im Laufe der Zeit ihren Geschmack verfeinert und bestanden auf den allerbesten Tropfen. Nun waren sie allerdings misstrauisch, ob die Franzosen ihnen diese auch zuverlässig liefern würden. Also gründeten sie vor Ort kurzerhand eigene Handelshäuser, verlegten sich nach deren erfolgreicher Etablierung sogar selbst aufs Weinmachen. In den berühmten Tagebüchern des englischen Chronisten Samuel Pepys findet sich eine anerkennende Notiz aus dem Jahr 1663, in welcher er einem „Ho-Bryan“ (gemeint ist Haut-Brion) „a good and most perticular taste that I never met with“ bescheinigt. Auch den aus England stammenden Bewohnern der Neuen Welt lag der Geschmack eines guten Bordeaux noch auf der Zunge: Thomas Jefferson etwa, dritter Präsident der Vereinigten Staaten, bereiste während seiner Zeit als Gesandter das Bordelais, führte akribisch Buch über die Güter und deren Weine und notierte schwer beeindruckt, dass seine junge Nation dem auf jeden Fall nachzueifern habe, wolle sie in der Welt etwas gelten. Privat galt er als fanatischer Sammler der besten Bordeaux’, angeblich aus seinem Besitz stammende Flaschen gelangen zu absoluten Mondpreisen immer mal wieder in Auktionen, stellen sich aber früher oder später als Fälschungen heraus.

Wo edle Weine wachsen, da darf natürlich auch die regionale Küche in nichts nachstehen. Beliebt ist bei den erstaunlich abwechslungsreichen Gerichten, die sowohl Fleisch, vor allem vom Rind, als auch Fisch und Meeresfrüchte einbeziehen, die Zubereitungsart á la Bordelaise, also an einer Soße aus vorzugsweise rotem Wein und – ganz wichtig – Schalotten statt Knoblauch und Zwiebeln. Im Becken von Arcachon werden Austern gezüchtet, außerdem gilt die Gironde als eines der letzten natürlichen Refugien des Europäischen Störs, was – wenn auch nur in bescheidenem Umfang – die Gewinnung von Kaviar ermöglicht. Er teilt sich de Lebensraum mit dem heringsähnlichen Maifisch, der gern über Rebenholz gegrillt und dann puristisch nur mit Kräutern oder in einer leichten Weißweinsoße verzehrt wird, und dem aalförmigen Neunauge. Das lebende Fossil, bekannter unter dem Namen Lamprete, genießt man vorzugsweise als Schmorgericht, dessen Sud mit dem Blut des Tieres gebunden wird. Zahlreiche Confits, Pasteten und Stopflebern bilden bei alldem die Zwischengänge. Auch Liebhaber von Süßspeisen kommen auf ihre Kosten: Canelés, kleine, außen karamellisierte Kuchen in Gugelhupf-Form erfreuen sich ebenso großer Beliebtheit wie die Makronen aus Saint-Émilion, klassisch aus Mandeln, Zucker und Eiweiß. Für eine Rotweinregion betrüblich und überdies für Frankreich ganz und gar unüblich ist allein das völlige Fehlen einer regionalen Käsespezialität.

Wenn landläufig von Bordeaux die Rede ist, geht es in den allermeisten Fällen um Rotwein, der ja auch auf fast 90 Prozent der Anbaufläche kultiviert wird. Genauso hellhörig sollte man aber werden, wenn die Sprache auf trockene Weiße und Süßweine kommt. Erstere gedeihen, neben kleineren Beständen in den Graves, vor allem in Entre-deux-Mers. Die Appellation mit dem poetischen Namen, die sie ihrer Lage zwischen Garonne und Dordogne verdankt, nimmt die Bezeichnung „trocken“ durchaus ernst, denn während sich diese in Deutschland auf Weine bis neun Gramm Restzucker erstreckt, sind es hier allerhöchstens vier. Auf den Böden mit hohen Kies- und Tonanteilen gedeihen vor allem Sauvignon Blanc, Muscadelle und Sémillon, die sich meist leicht und unkompliziert präsentieren, eine herrliche Begleitung für Fischgerichte abgeben und nur einen Bruchteil dessen kosten, was für namhafte Rotweine verlangt wird. Auf den Sémillon treffen wir erneut, wenn wir uns ins weiter südlich gelegene Sauternes-Barsac begeben. Er ist der Hauptbestandteil der dortigen goldgelben Weine mit nicht selten fast sirupartiger Konsistenz. Diese werden nicht aufgespritet, müssen aber dennoch mindestens 13 Volumenprozent enthalten – und haben daher wenig mit deutschen Süßweinen gemein, deren Alkoholgehalt eher bei sechs bis neun Prozent liegt. Durch das Zusammentreffen des kühlen Flüsschens Ciron mit der wärmeren Garonne entsteht besonders im Herbst ein feiner Nebel, der die Entwicklung der Edelfäule an den dafür besonders anfälligen Sémillon-Trauben und damit den Anstieg des Zuckergehaltes fördert. Die Kombination von Alkohol, Zucker und der Säure des Sauvignon Blanc verleihen den Weinen eine nahezu unbegrenzte Lebensdauer: während Rotweine aus dem Bordeaux viele Jahrzehnte gelagert werden können, sind die Süßweine mit ihrer unfassbar komplexen geschmacklichen Vielfalt faktisch für Jahrhunderte geschaffen. Stellvertretend für die ganze Appellation steht Chateau d’Yquem, das in der dreiklassigen Sauternes-internen Hierarchie als einziges in der ersten Liga spielen darf. Anders als bei den Rotweingütern wird hier kein Zweitwein erzeugt, und entspricht ein Jahrgang qualitativ nicht den enorm hohen Standards des Gutes, gelangt er gar nicht erst in den Handel. So kompromisslos sind allerdings die wenigsten Betriebe.

Man darf sich die Erschaffung eines Grand Vin nämlich nicht zu romantisch vorstellen. Nachdem das Lesegut streng nach Rebsorten getrennt zu Most verarbeitet wurde, wird versuchsmäßig viel verschnitten und gekostet – aber stets mit dem Taschenrechner in der Hand. Denn es ist undenkbar, die gesamte Ernte nur in den besten Wein fließen zu lassen, weshalb die meisten Weingüter auch einen preisgünstigeren Zweit-, manche sogar einen Drittwein anbieten. Diese aber sollen auch nicht nur aus mittelmäßigem Wein bestehen, da die qualitative Kluft zum Erstwein sonst zu groß wäre. Man kann die Weinbereitung also durchaus als betriebswirtschaftlich-önologische Knobelaufgabe begreifen, an deren Ende sämtliches Lesegut verarbeitet, die Kosten gedeckt und Weine auf Flaschen gezogen wurden, die nicht nur gut sind, sondern im besten Falle auch noch den ganz eigenen Stil des Hauses erkennbar werden lassen.

Dennoch scheut man keine Kosten und Mühen, um den wertvollen Trauben die bestmögliche Pflege angedeihen zu lassen. Das konnte man bereits im 19. Jahrhundert beobachten, als der Falsche Mehltau das Bordelais heimsuchte. Ohnehin schon doppelt bitter, denn dieser war erst durch den Import amerikanischer Rebstöcke ins Land gekommen – die man aber brauchte, weil sie sich im Gegensatz zu den heimischen resistent gegen die Reblaus erwiesen, die gerade erst verheerende Zerstörungen angerichtet hatte. Ein findiger Naturwissenschaftler der Universität Bordeaux entdeckte beim Spaziergang durch die Weinberge, dass eine Lösung aus Kalkmilch und Vitriol den Pilzbefall verhinderte – diese war eigentlich nur aufgebracht worden, um Spaziergänger durch den unappetitlichen hellblauen Schimmer die Lust am Diebstahl der Trauben zu nehmen. Der Botaniker entwickelte daraufhin auf Basis von Kupfersulfat das erste Fungizid der Welt, das als „Bordeauxbrühe“ schnell Bekanntheit erlangte und noch heute im Einsatz ist. Hundert Jahre später treiben neue technische Möglichkeiten die Rebpflege im wahrsten Sinne des Wortes in ungeahnte Höhen: einem namhaften Weingut musste es behördlich untersagt werden, die Pflanzen mittels Hubschrauber trockenzufönen, andere bedecken den gesamten Boden ihrer Weinberge mit Plastikplanen, damit dieser kurz vor der Lese kein Wasser aufzunehmen mehr imstande ist, was in die Beeren wandern und damit ihre Aromenkonzentration mindern könnte.

So sagenumwoben die Namen sind, so homöapathisch sind die Abgabemengen der Güter an Kunden. Sie können auch gar nicht anders, denn sie bewirtschaften gerade mal fünf Prozent der Bordelaiser Gesamtfläche und Betriebe wie Lafite-Rothschild mit über 100 Hektar sind dabei noch die Ausnahme: die meisten Güter verfügen nur über 40 bis 60 Hektar, manche wie etwa Le Pin aber auch über gerade mal zwei. Die starke Ertragsregulierung samt strengster Selektion tut ihr Übriges dazu, dass selbst namhafte Einkäufer oft nicht mehr als zwei oder drei Kisten zugeteilt bekommen. Wohl dem also, der einen guten Draht zu einem der etwa 300 Négociants hat: an diese nahezu allmächtigen Zwischenhändler haben die großen Güter ihren Verkaufsbereich faktisch outgesourct – meistens erwerben sie nicht den bereits in Flaschen gefüllten Jahrgang, sondern per Subskription den noch in Fässern ruhenden Jungwein. Und natürlich wohl dem, der wenige oder auch nur ein einziges Mal in seinem Leben die Gelegenheit bekommt, einen solchen Tropfen zu kosten.

Die luxuriöse Aura um den Bordeaux kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Region in den vergangenen 20 Jahren auch ordentlich zu kämpfen hat: der Absatz sinkt, einerseits wegen starker und oft preisgünstigerer Konkurrenz aus Ländern wie Australien, Chile oder Südafrika, andererseits wegen der sich immer mehr abzeichnenden Präferenz gerade jüngerer Menschen für weiße statt roter Weine und Easy Drinking im Allgemeinen. Auch den Trend zu mehr Transparenz, Nachhaltigkeit und biologischem Weinbau hat man lange Zeit ziemlich verschlafen. Über Ermüdungserscheinungen spricht man nicht gern, aber schon des öfteren musste der Staat helfend einspringen und Überproduktion zähneknirschend in die Herstellung von Industriealkohol gegeben werden. Darüber hinaus sind viele Güter massiv verschuldet und werden immer mal wieder von Großkonzernen aufgekauft. Doch man ist zuversichtlich, die Durststrecke meistern zu können. Wie sollte man auch nicht? Die Crus Bourgeois und Crus Artisans produzierenden, meist kleinen Güter, häufig seit Generationen in Familienhand, liefern solide, preiswerte Qualität im großen Mittelfeld. Und es gibt ja nicht nur Rotweine, sondern auch weiße, Rosés, Süßwein und sogar Cremant. Pro Sekunde werden auf der Welt 22 Flaschen aus dem Bordelais verkauft, mehr als 680 Millionen pro Jahr. Mit den fast vier Milliarden Euro jährlichen Umsatzes steht man auf einer Stufe mit dem Axel Springer Verlag oder der Lebensmittelsparte von Dr. Oetker. Die Franzosen haben in der Vergangenheit zwar oft auf Hilfe von außerhalb vertraut, den Weinabsatz stemmen sie aber heute gern selbst: mehr als de Hälfte der Bordeauxweine wird im eigenen Land konsumiert. In einer Nation, dessen Esskultur als UNESCO-Welterbe gilt, kann dies nicht als bloßer Lokalpatriotismus abgetan werden kann, sondern ist viel eher als Einladung an die Welt zu verstehen, Bordeaux im 21. Jahrhundert noch einmal völlig neu zu entdecken. Text: Dario Sellmeier

Die luxuriöse Aura um den Bordeaux kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Region in den vergangenen 20 Jahren auch ordentlich zu kämpfen hat: der Absatz sinkt, einerseits wegen starker und oft preisgünstigerer Konkurrenz aus Ländern wie Australien, Chile oder Südafrika, andererseits wegen der sich immer mehr abzeichnenden Präferenz gerade jüngerer Menschen für weiße statt roter Weine und Easy Drinking im Allgemeinen. Auch den Trend zu mehr Transparenz, Nachhaltigkeit und biologischem Weinbau hat man lange Zeit ziemlich verschlafen. Über Ermüdungserscheinungen spricht man nicht gern, aber schon des öfteren musste der Staat helfend einspringen und Überproduktion zähneknirschend in die Herstellung von Industriealkohol gegeben werden. Darüber hinaus sind viele Güter massiv verschuldet und werden immer mal wieder von Großkonzernen aufgekauft. Doch man ist zuversichtlich, die Durststrecke meistern zu können. Wie sollte man auch nicht? Die Crus Bourgeois und Crus Artisans produzierenden, meist kleinen Güter, häufig seit Generationen in Familienhand, liefern solide, preiswerte Qualität im großen Mittelfeld. Und es gibt ja nicht nur Rotweine, sondern auch weiße, Rosés, Süßwein und sogar Cremant. Pro Sekunde werden auf der Welt 22 Flaschen aus dem Bordelais verkauft, mehr als 680 Millionen pro Jahr. Mit den fast vier Milliarden Euro jährlichen Umsatzes steht man auf einer Stufe mit dem Axel Springer Verlag oder der Lebensmittelsparte von Dr. Oetker. Die Franzosen haben in der Vergangenheit zwar oft auf Hilfe von außerhalb vertraut, den Weinabsatz stemmen sie aber heute gern selbst: mehr als de Hälfte der Bordeauxweine wird im eigenen Land konsumiert. In einer Nation, dessen Esskultur als UNESCO-Welterbe gilt, kann dies nicht als bloßer Lokalpatriotismus abgetan werden kann, sondern ist viel eher als Einladung an die Welt zu verstehen, Bordeaux im 21. Jahrhundert noch einmal völlig neu zu entdecken.

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Rebsorten

Metzger Riesling vom Kalkstein

Weißwein · Riesling · Pfalz · Deutschland

Metzger Riesling vom Kalkstein ist ein mineralischer Riesling aus der Pfalz. Der kalkreiche Boden, die selektive Lese und die schonendste Verarbeitung bringen diesen besonderen Wein hervor und ebnen den Weg zu den Spitzengewächsen des Weinguts. Im Glas klar, frisch und elegant.


Pfalz

Das Weingut Metzger liegt in der Pfalz im Südwesten Deutschlands. Die kalkreichen Böden der Heimat verleihen dem Riesling seine ausgeprägte Mineralität, Frische und klare Struktur.

Rebsorte und Ausbau

Der Wein besteht aus Riesling. Selektive Lese und schonendste Verarbeitung bewahren die feine Frucht und die kalkgeprägte Mineralität und sorgen für einen klaren, eleganten Stil.

Im Glas

Helles Strohgelb. In der Nase und am Gaumen klare Frucht, Zitrus und Apfel, getragen von einer kalkgeprägten Mineralität. Frisch und elegant, mit frischer Säure. Der Abgang ist klar und animierend.

Am Tisch

Gut gekühlt bei 9–11 °C servieren, als Apéritif oder als Speisenbegleiter.

Klassische Begleitung: Fisch, Meeresfrüchte, Sushi, Geflügel und Spargel.


Lage: Pfalz (Deutschland); Kalkstein
Klassifikation: Pfalz – Weißwein (Riesling)
Ausbau: Riesling, selektive Lese, schonende Verarbeitung

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Weine

Dönnhoff Höllenpfad im Mühlenberg Riesling GG 2020

Weißwein · Roxheim (Nahe) · Riesling (Großes Gewächs)

Riesling Höllenpfad im Mühlenberg VDP.Großes Gewächs Dönnhoff Roxheim · Nahe roter Sandstein (Rotliegendes) · Fels älteste Reben trocken · 2020

Der Dönnhoff Höllenpfad im Mühlenberg Riesling GG 2020 stammt aus dem besten Stück der Steillage Höllenpfad – von den ältesten Rieslingreben des Guts. Ein tiefgründiger, feinwürziger Riesling von großer Eleganz.


Höllenpfad im Mühlenberg – das beste Stück des Weinbergs

Das Weingut Dönnhoff in Oberhausen zählt zu den weltweit renommiertesten Rieslingerzeugern der Nahe. Der Höllenpfad liegt in Roxheim, in einem kühlen Seitental hinter Bad Kreuznach.

Im mittleren Teil der Ersten Lage Höllenpfad liegt das beste Stück des Weinbergs mit den ältesten Reben. Aufgrund der außerordentlichen Qualität wurden diese Gewanne unter dem historischen Namen „Höllenpfad im Mühlenberg" gesetzlich eingetragen und vom VDP als Große Lage klassifiziert. Der Boden aus rotem Sandstein des Rotliegenden mit viel purem Fels ist ein hervorragendes Rieslingterroir.

Jahrgang 2020 – Nahe

2020 war an der Nahe ein ausgewogener Jahrgang mit reifer, gesunder Frucht und frischer, präziser Säure. Der wärmespeichernde rote Sandstein und die alten Reben bewahrten Reife und Fülle, während die kargen Felspartien für Frische, feine Würze und Spannung sorgten.

Ausbau

Trockener Riesling, VDP.Großes Gewächs aus dem Höllenpfad im Mühlenberg (Roxheim), Jahrgang 2020; 100 % Riesling von rotem Sandstein (Rotliegendes) mit viel Fels.

Nach selektiver Handlese der hochreifen Trauben wird der Wein schonend verarbeitet und reift teils im Edelstahltank, teils in großen Holzfässern. Das Große Gewächs kommt erst im September des Folgejahres in den Verkauf.

Im Glas

Ein tiefgründiger, feinwürziger Riesling: reife gelbe Frucht und Aprikose, dazu Zitrus, ein Hauch weißer Pfeffer und eine warme, eisig-steinige Mineralität. Am Gaumen konzentriert und zugleich elegant, mit salzigem Grip, lebendiger Säure, feiner Struktur und einem langen, mineralischen Nachhall.

Reife gelbe Frucht und Aprikose über Zitrus, weißem Pfeffer und warmer, steiniger Mineralität – konzentriert und elegant, mit salzigem Grip, lebendiger Säure und langem, mineralischem Nachhall.

Ein tiefgründiger, langlebiger Nahe-Riesling; jung gern dekantieren. Bei 11–13 °C servieren.

Am Tisch

Zu Fisch und Meeresfrüchten, zu Geflügel und Kalb in Rahmsauce, zu würziger asiatischer Küche sowie zu gereiftem Hartkäse.


Lage: Höllenpfad im Mühlenberg (VDP.Große Lage), Roxheim, Nahe; steile Südlage; roter Sandstein (Rotliegendes) mit viel Fels; älteste Reben des Guts
Klassifikation: Riesling, VDP.Großes Gewächs, Nahe (trocken); 100 % Riesling
Ausbau: selektive Handlese, schonende Verarbeitung, Reife teils im Edelstahltank, teils im großen Holzfass

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Länder/Regionen

Schneider Tohuwabohu

Wein · Rotwein · Pfalz · Deutschland

Markus Schneider Tohuwabohu ist eine kräftige Bordeaux-Cuvée aus der Pfalz. Der Name – ein alter Ausdruck für „größtmögliche Unordnung" – ist Sohn Nicolaus gewidmet, der beim Winzer nicht nur vieles auf den Kopf stellt, sondern auch neu ordnet.


Pfalz

Das Weingut Markus Schneider ist in Ellerstadt in der Pfalz beheimatet. Das warme Klima und die vielfältigen Böden der Region bieten den Bordeaux-Rebsorten dieser Cuvée ideale Bedingungen für Reife und Konzentration.

Assemblage und Ausbau

Eine klassische Bordeaux-Cuvée aus Cabernet Sauvignon und Merlot. Die Assemblage verbindet die Struktur und Würze des Cabernet mit der samtigen Fülle des Merlot zu einem kräftigen, dichten Rotwein. Trocken ausgebaut.

Im Glas

Tiefes, dichtes Rubinrot. In der Nase dunkle Frucht wie Cassis und Brombeere, verbunden mit feiner Würze und Röstnoten. Am Gaumen kräftig und dicht, mit reifem, samtigem Tannin, klarer Frucht und einem langen, ausgewogenen Abgang.

Am Tisch

Bei 16–18 °C servieren; jüngere Flaschen profitieren vom Dekantieren.

Passt zu: Steak, Braten, Lamm, Schmorgerichten und gereiftem Hartkäse.


Lage: Pfalz, Ellerstadt (Deutschland); Weingut Markus Schneider
Klassifikation: Rotwein-Cuvée (Bordeaux-Stil) – Cabernet Sauvignon & Merlot, trocken
Ausbau: kräftig und dicht, samtiges Tannin

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Weine

Schenk-Siebert Grauer Burgunder BIO

Weißwein · Deutscher Qualitätswein trocken · Bio

Grauer Burgunder Grünstadt-Sausenheim, Pfalz 2025 Sand und Muschelkalk Bio · DE-ÖKO-022 trocken

Grauer Burgunder aus dem Norden der Pfalz: Der 2025er von Schenk-Siebert wächst in Grünstadt-Sausenheim auf Sand über Muschelkalk, im Regenschatten der Haardt. Der Jahrgang brachte kleine, gesunde Beeren und eine Lese, die Ende August begann und schon am 23. September abgeschlossen war. Im Glas reife Birne, saftiger Apfel und eine feine Kalkwürze – Frucht vor Wucht, trocken ausgebaut.


Grünstadt-Sausenheim – Sand über Muschelkalk im Leiningerland

Sausenheim gehört zu Grünstadt und liegt am nördlichen Ende der Deutschen Weinstraße, dort wo die Rheinebene in die Hügel des Leiningerlands übergeht. Die Familien Schenk und Siebert bewirtschaften hier 37 Hektar auf Sand- und Muschelkalkböden – zwei Untergründe, die im selben Wein zwei verschiedene Dinge tun.

Der Sand erwärmt sich früh, treibt Austrieb und Reife voran und liefert die weiche, fruchtige Seite. Der Muschelkalk darunter hält Wasser in den Mergelbändern und gibt dem Wein den salzig-trockenen Zug im Abgang. Dazu kommt das Klima: Der Pfälzerwald hält die Regenfronten aus Westen ab, die nördliche Pfalz zählt zu den trockensten und wärmsten Weinbauregionen Deutschlands. Das Ergebnis sind kleine Beeren mit dicker Schale und klarer Aromatik statt breiter Fülle.

Die Sieberts zählen zu den ältesten Winzerfamilien in Grünstadt, die Schenks bauen seit dem 18. Jahrhundert Wein an. Betriebsleiter ist Gerhard Siebert, im Keller arbeitet Christoph Siebert. Die Flächen für diesen Wein werden ökologisch bewirtschaftet (DE-ÖKO-022).

Jahrgang 2025 – Pfalz

Das Jahr verlief in der Pfalz warm und über weite Strecken trocken. Entscheidend war die Trockenphase während der Zellteilung nach der Blüte: Die Beeren blieben klein, das Verhältnis von Schale zu Saft verschob sich, die Aromen konzentrierten sich. In der Reifephase reichte die Wasserversorgung aus, hohe Temperaturen trieben die Reife dann rasch voran. Erst Mitte September setzte Regen ein – zu einem Zeitpunkt, an dem ein Großteil der Weißweintrauben bereits im Keller war. Der Gesundheitszustand der Trauben war entsprechend gut, der Krankheitsdruck gering.

Frühe Sorten erreichten schon Mitte August Mostgewichte auf Qualitätsweinniveau, viele Betriebe begannen Ende August mit der Lese. Weil praktisch alle Rebsorten gleichzeitig reif wurden, presste sich die gesamte Ernte in einen Sprint von rund drei Wochen; am 23. September war die Lese beendet – so früh wie selten. Die Menge blieb klein: Die Pfalz erntete rund 1,85 Millionen Hektoliter, etwa 17 Prozent unter 2024 und 18 Prozent unter dem Zehnjahresmittel. Wenig Wein, aber mit reifer Frucht bei erhaltener Säurestruktur – ein Jahrgang, der bei Burgundersorten Klarheit statt Opulenz bringt.

Assemblage und Ausbau

Reinsortiger Grauer Burgunder aus ökologischem Anbau, Jahrgang 2025, trocken ausgebaut. Das früh und schnell gelesene Traubenmaterial kam gesund in den Keller, entsprechend sauber und fruchtbetont fällt der Wein aus.

Der Ausbau verzichtet auf Holz – keine Röst- oder Vanillenote überlagert die Frucht. Bei bleibt der Wein schlank genug, um die Birnen- und Apfelaromatik im Vordergrund zu halten, statt sie mit Alkohol zu unterlegen. Die Verarbeitung erfolgt vegan, ohne tierische Klärhilfsmittel.

Im Glas

In der Nase reife Birne, dazu saftiger, frisch aufgeschnittener Apfel und ein Hauch Mandel. Am Gaumen zeigt der Wein Kraft und zugleich feine Textur: fruchtbetont, zart, mit klarer Kontur statt Breite. Der Muschelkalk meldet sich als salzige Würze im Mittelteil, das Finish läuft weich und ohne Kanten aus.

Ein Grauer Burgunder, der seine Kraft aus kleinen Beeren zieht, nicht aus Alkohol – Birne und Apfel vorn, Kalkwürze hinten.

Bei 10 bis 12 Grad servieren, nicht kälter, sonst verschwindet die Birne. Aus dem großen Glas gewinnt der Wein nach zehn Minuten an Fülle. Der Jahrgang 2025 ist jung schon zugänglich und hält dank seiner Säurestruktur bis etwa 2029.

Am Tisch

Der klassische Allrounder für mittelschwere Küche: Pouletbrust mit Rahmsauce, Kalbsschnitzel, Schweinerücken mit Pilzen, Kürbisrisotto, gebratener Zander, Flammkuchen mit Ziegenkäse. Auch zu leicht gewürzten asiatischen Gerichten trägt die Frucht. Solo funktioniert er ebenso – ein Wein für den Abend, an dem nichts Bestimmtes auf dem Tisch steht.


Produzent Weingut Schenk-Siebert, Grünstadt-Sausenheim, Pfalz
Rebsorte Grauer Burgunder
Lage Rebflächen um Grünstadt-Sausenheim, Leiningerland
Klassifikation Deutscher Qualitätswein trocken
Jahrgang 2025
Boden Sand über Muschelkalk
Bewirtschaftung ökologisch · DE-ÖKO-022
Ausbau ohne Holz · vegan
Trinkempfehlung 2026–2029

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Weine

Jose Gil Vinedos En Labastida 2024

Rotwein · Rioja DOCa · Tempranillo

Tempranillo mit ~20 % Garnacha & weißen Sorten Rioja DOCa Viñedos en Labastida Labastida (Rioja Alavesa) José Gil uralte Reben (80–100 J.) nur 1.000 Flaschen 2024

Der José Gil Viñedos en Labastida 2024 ist ein besonderer Vino de Pueblo, erstmals aus drei uralten Rebland-Hektar (Reben 80–100 Jahre) – ein sehr seriöser Wein, der den reinen, ursprünglichen Ausdruck dieses Dorfes widerspiegelt. José Gil vergleicht ihn gern mit einem Chambolle-Musigny aus dem Burgund.


Viñedos en Labastida – uralte Reben, burgundische Eleganz

José Gil zählt mit seiner Partnerin Vicky zu den gefeierten jungen Terroir-Winzern der Rioja (Tim Atkin „Young Winemaker of the Year 2021"). Geprägt von Praktika in Burgund und an der Mosel, vinifiziert er village- und lagenspezifische Weine aus alten Reben – organisch, mit burgundischer Eleganz statt traditioneller Holzlastigkeit.

Dieser Vino de Pueblo aus Labastida wird erstmals aus drei uralten Rebland-Hektar gewonnen, deren Rebstöcke zwischen 80 und 100 Jahre alt sind – ein Wein, der den reinen und ursprünglichen Ausdruck des Dorfes auf bestmögliche Weise widerspiegeln soll; José Gil vergleicht ihn gern mit einem Chambolle-Musigny. Die Reben wachsen auf Parzellen mit unterschiedlichen Böden, Höhenlagen und Klonen und umfassen einen bedeutenden Anteil an weißen Rebsorten, was zur Komplexität und Säurebildung im finalen Wein beiträgt.

Jahrgang 2024 – Rioja

2024 war ein Jahr mit gut wassergesorgten Böden und vergleichsweise kühlem Sommer, das zu einer späten, präzise gelesenen Reife führte. Aus den uralten Labastida-Reben ergibt das einen besonders feinen, vielschichtigen Village-Wein mit klarer Frucht, lebendiger Säure und floraler Eleganz – in einer limitierten Auflage von nur 1.000 Flaschen.

Assemblage und Ausbau

Basis aus Tempranillo und rund 20 % Garnacha, ergänzt durch einen kleinen Anteil weißer Sorten (Viura, Palomino, Garnacha Blanca), aus dem Jahrgang 2024, Rioja DOCa, trocken.

Die Fermentation erfolgt in Edelstahltanks, wobei 20 % der Rappen für zusätzliche Struktur einbezogen werden. Die Reifung erstreckt sich über zehn Monate in einer Kombination aus Betonbehältern und gebrauchten 500-Liter-Fässern aus französischer Eiche – im traditionellen Calado an den Hängen der Burg von San Vicente de la Sonsierra. Abgefüllt im September 2025.

Im Glas

Ein feiner, fast burgundisch anmutender Village-Wein: helle, klar definierte rote Frucht, florale Anklänge und feine Würze, getragen von der Frische und Säure, die der Anteil weißer Sorten beisteuert. Am Gaumen seidig, präzise und harmonisch, mit elegantem Tannin und langem, herkunftsgenauem Nachhall – der reine Ausdruck von Labastida.

Ein sehr seriöser Wein – der reine, ursprüngliche Ausdruck von Labastida, gern verglichen mit einem Chambolle-Musigny.

Schon jetzt zugänglich, mit gutem Reifepotenzial; profitiert vom Dekantieren. Bei 16–18 °C servieren.

Am Tisch

Zu Lamm und Geflügel, zu gegrilltem und geschmortem Fleisch, zu Wild sowie zu mittelreifem Käse.


Lage: Rioja DOCa, Viñedos en Labastida (Rioja Alavesa, Spanien); drei Hektar uralte Reben (80–100 J.), unterschiedliche Böden, Höhenlagen und Klone, hoher Anteil weißer Sorten
Klassifikation: Rioja DOCa, Tempranillo mit ~20 % Garnacha und etwas Viura, Palomino, Garnacha Blanca (trocken); nur 1.000 Flaschen
Ausbau: Gärung im Stahltank, 20 % Ganztraube/Rappen, 10 Monate in Beton und gebrauchten 500-l-Fässern (franz. Eiche) im Calado des Schlosskellers; organischer Anbau

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Weine

Scheuermann Deidesheim Bunter Sandstein Riesling 2022 BIO

Wein · Weißwein · Pfalz · Deutschland

Scheuermann Deidesheim Bunter Sandstein Riesling 2022 benötigt zunächst etwas Luftkontakt, um sich zu entfalten. Dezente Würznoten, Kräuter, reifer Apfel und Quitte sind seine Hauptattribute – zunächst breitschultrig, entwickelt er im Abgang und Nachhall seine feine Eleganz.


Pfalz / Deidesheim – Buntsandstein

Das Weingut Scheuermann liegt in der Pfalz. Der Riesling stammt aus Deidesheim, einem der renommiertesten Weinorte der Mittelhaardt. Der Bunte Sandstein (Buntsandstein) als Bodentyp verleiht dem Wein seine würzige, kräutrige Prägung und mineralische Tiefe. Das Gut arbeitet biologisch (DE-ÖKO-039).

Rebsorte und Ausbau

Reinsortig aus Riesling. Der Ausbau betont die kräftige, würzige Struktur mit feiner Eleganz im Nachhall – ein Riesling, der von etwas Luft profitiert. Trocken ausgebaut.

Im Glas

Sattes Grüngelb. In der Nase dezente Würznoten, Kräuter, reifer Apfel und Quitte. Am Gaumen zunächst breitschultrig und kräftig, entwickelt er im Abgang und langen Nachhall eine feine, elegante Seite.

Am Tisch

Gut gekühlt bei 11–12 °C servieren – am besten mit etwas Luft, gern zu kräftigen Speisen.

Passt zu: rustikalen Gerichten, Schweinebraten, Geflügel, Pfälzer Küche und gereiftem Käse.


Lage: Pfalz, Deidesheim – Buntsandstein (Deutschland); Weingut Scheuermann
Klassifikation: Ortswein – 100 % Riesling, trocken
Ausbau: würzig und strukturbetont (Buntsandstein)
Jahrgang: 2022

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Weine

Herbert Zillinger Horizont Chardonnay 2023 BIO

Weißwein · Weinviertel · Chardonnay

Chardonnay Weinviertel · Ebenthal Horizont Zillinger kalkreiche Böden teils großes Fuderfass Biodynamie (AT-BIO-402) 2023

Der Herbert Zillinger Horizont Chardonnay 2023 ist ein mineralischer, kraftvoller Bio-Chardonnay aus dem Weinviertel – mit ausgeprägter Aromatik, faszinierender Mineralik und einem langanhaltenden Finish. Konsistente Struktur und fein eingebundene Gerbstoffe.


Horizont – der große Bruder der Neuland-Weine

Carmen und Herbert Zillinger in Ebenthal zählen zu den Paradewinzern des Weinviertels und gelten als biodynamische Pioniere der Region (Respekt-BIODYN, AT-BIO-402). Ihre Weine sind kompromisslos naturbelassen, puristisch und herkunftsgenau – „Zeit der Reife" statt schneller Effekte.

Die Horizont-Linie ist der große Bruder der Neuland-Weine und beeindruckt mit Reben von etwa 15 bis 25 Jahren. Teilweise im großen Fuderfass ausgebaut, gewinnt der Wein durch die subtile Oxidation an Komplexität, wobei das wiederverwendete Holz nur zart wahrnehmbar bleibt. Aus einer sorgfältigen Selektion mehrerer Weinberge bevorzugen Carmen und Herbert Lagen mit kalkreichen Böden – das verleiht dem Wein seine ausgeprägte Aromatik, faszinierende Mineralik und ein kraftvolles, langanhaltendes Finish.

Jahrgang 2023 – Weinviertel

Der Jahrgang 2023 bringt im Horizont Chardonnay einen präzisen, mineralisch geprägten Wein mit reifer, klarer Frucht und lebendiger Spannung. Die kalkreichen Böden und der schonende Ausbau betonen Salzigkeit, Struktur und Länge.

Ausbau

Reinsortiger Chardonnay aus dem Jahrgang 2023, trocken; ohne DAC, Wein aus biologischem Anbau (AT-BIO-402).

Im puristischen, minimal-invasiven Stil des Hauses: Spontangärung und Ausbau teils im großen Fuderfass, in dem die subtile Oxidation für Komplexität sorgt; das gebrauchte Holz bleibt nur zart spürbar. Biodynamische Bewirtschaftung.

Im Glas

Der Horizont Chardonnay zeichnet sich durch seine konsistente Struktur und die feinen, harmonisch eingebundenen Gerbstoffe aus. Am Gaumen zeigt er Anklänge von getrockneter Banane, Ananas, Kräutern und mineralischer Salzigkeit.

Konsistente Struktur und feine Gerbstoffe – getrocknete Banane, Ananas, Kräuter und mineralische Salzigkeit.

Schon jetzt zugänglich, gewinnt aber mit etwas Luft und Reife; profitiert von einem größeren Glas. Bei 11–13 °C servieren.

Am Tisch

Zu gebratenem Fisch und Meeresfrüchten, zu Geflügel und Kalb, zu cremigen Risotti und Pasta sowie zu mittelreifem Käse.


Lage: Weinviertel, Ebenthal (Österreich); Selektion mehrerer Weinberge mit kalkreichen Böden; Reben ~15–25 Jahre
Klassifikation: Chardonnay (trocken), ohne DAC; Wein aus biologischem Anbau (AT-BIO-402)
Ausbau: Chardonnay; Spontangärung, teils großes Fuderfass mit subtiler Oxidation (Holz nur zart spürbar); biodynamisch

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Spanien

Aalto PS 2023

Rotwein · Ribera del Duero · Spanien

100 % Tempranillo (Tinto Fino) D.O. Ribera del Duero La Horra · La Aguilera alte Reben (60–90 J.) 21 Monate neue franz. Eiche

Der Aalto PS 2023 ist der Spitzenwein der Bodegas Aalto aus der Ribera del Duero, gekeltert zu 100 % aus Tempranillo (Tinto Fino). Die Trauben stammen aus ausgewählten Parzellen mit 60 bis 90 Jahre alten Reben in La Horra und La Aguilera. Nach Handlese und strenger Selektion reift der Wein 21 Monate in neuen Barriques aus französischer Eiche. Sattes, rotviolettes Dunkelrot, balsamische schwarze Frucht und eine dichte, konzentrierte Struktur.


La Horra & La Aguilera – Ribera del Duero

Die Bodegas Aalto liegen in der Ribera del Duero im Norden Spaniens, gegründet von Mariano García und Javier Zaccagnini. „PS" steht für Pagos Seleccionados, ausgewählte Einzellagen. Die Trauben für den PS stammen aus alten Parzellen in La Horra und La Aguilera, mit Reben zwischen 60 und 90 Jahren. Das kontinentale Klima der Hochebene mit heißen Tagen und kühlen Nächten gibt dem Tempranillo Tiefe und Säurespannung.

Assemblage und Ausbau

Reinsortiger Tempranillo (Tinto Fino) von sehr alten Reben. Die Handlese erfolgt in kleinen 15-kg-Kisten mit Selektion Traube für Traube am Sortiertisch. Der Ausbau dauert 21 Monate in neuen Barriques aus französischer Eiche, die dem Wein feine Holz- und Gewürznoten verleihen, ohne die Frucht zu überdecken.

Im Glas

Sattes, rotviolettes Dunkelrot mit ausgeprägten Glyzerinschlieren. In der Nase balsamische, vollreife schwarze Früchte, Gewürze und feine Holznoten. Am Gaumen frisch und dennoch konzentriert, mit kraftvollem, dichtem Tannin, das von dunkler Fruchtsubstanz durchzogen ist. Stoffig und vollmundig, mit langem, feinem Nachhall.

Am Tisch

Klassische Begleitung: Lamm, geschmortes Rind, Wild, Steaks vom Grill und gereifter Hartkäse. Vor dem Servieren ein bis zwei Stunden dekantieren. Schon zugänglich, mit der Substanz für weitere Reife – bei kühler, dunkler Lagerung gut über das kommende Jahrzehnt, etwa bis 2038. Serviertemperatur 16–18 °C.



Lage La Horra, La Aguilera · Ribera del Duero (Spanien)
Klassifikation D.O. Ribera del Duero
Ausbau 21 Monate in neuen Barriques aus französischer Eiche

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