Das Alentejo nimmt rund 27.330 Quadratkilometer ein, etwa dreißig Prozent des portugiesischen Festlands, und beherbergt darauf 474.701 Menschen — siebzehn je Quadratkilometer, die dünnste Besiedlung des Landes. Weinbaulich stehen hier rund 22.100 Hektar unter Reben, gut ein Achtel der portugiesischen Rebfläche, verteilt auf die DOC Alentejo mit etwa 11.760 Hektar und den weiter gefassten Vinho Regional Alentejano mit rund 10.200. Auf dem heimischen Markt ist die Region die stärkste des Landes: 2024 gingen 92,2 Millionen Liter über die Ladentheken, mehr als 123 Millionen Flaschen und acht Prozent mehr als im Jahr davor. Rot dominiert klar, getragen von Aragonez, Trincadeira und Alicante Bouschet; bei den weißen Sorten führen Antão Vaz und Arinto. Was das Alentejo prägt, sind aber nicht nur Reben — es sind die Korkeichen, die Olivenhaine und ein Bewirtschaftungssystem namens Montado, das beides mit Viehhaltung verbindet.
Acht Unterregionen, eine DOC und ein Vinho Regional
Die DOC Alentejo gliedert sich in acht Unterregionen, die von Nord nach Süd Portalegre, Borba, Redondo, Évora, Reguengos, Granja-Amareleja, Vidigueira und Moura heißen. Daneben steht der Vinho Regional Alentejano, der ein größeres Gebiet abdeckt, mehr Rebsorten zulässt und flächenmäßig fast gleichauf liegt. Das ist keine Rangordnung nach Güte, sondern nach Enge der Regeln — viele der besten Weine der Region laufen bewusst als Vinho Regional, weil ihre Sortenzusammensetzung im DOC-Lastenheft keinen Platz findet. Beide Segmente wuchsen 2024 im Inland, die DOC um elf, der Vinho Regional um sieben Prozent. Rot dominiert deutlich: 66,8 Millionen Liter der 92,2 waren Rotwein. Wer ein Alentejo-Etikett liest, schaut also besser zuerst auf die Unterregion.
Vinho de Talha: Gärung im Tongefäß seit den Römern
Die eigenwilligste Spezialität der Region wird in mannshohen Tonamphoren erzeugt. Talha kommt vom lateinischen tinalia; die Römer nutzten hier vergleichbare Gefäße, die dolia, und die Technik ist im Alentejo nie ganz abgerissen. Ein Talha fasst 300 bis über 1.000 Liter und ist innen mit Pech ausgestrichen; die Trauben vergären spontan darin, samt Schalen und Stielen, und der Wein bleibt im selben Gefäß liegen. Traditionell wird die Talha am 11. November geöffnet, dem Tag des heiligen Martin. Zentrum dieser Machart ist Vila de Frades in der Unterregion Vidigueira. Das ist keine neue Naturweinmode, sondern eine Technik, die zweitausend Jahre alt ist und heute wieder von einer wachsenden Zahl Erzeuger genutzt wird.
Alicante Bouschet: in Frankreich abgemeldet, hier Spitze
Kaum eine Rebsorte hat in zwei Ländern so unterschiedliche Karrieren gemacht. Henri Bouschet kreuzte sie 1866 in Frankreich aus Petit Bouschet und Grenache; sie ist ein Teinturier, eine Färbertraube mit rotem Fruchtfleisch statt nur roter Schale, und färbt über fünfzehnmal stärker als die Sorte Aramon. In Frankreich galt sie als Massenträger für dünne Verschnitte und verschwand entsprechend: von 24.168 Hektar im Jahr 1958 auf unter 4.000 im Jahr 2011. Im Alentejo dagegen steht sie für die teuersten Weine der Region. Die Herdade do Mouchão pflanzte ihre Bestände im späten neunzehnten Jahrhundert; deren alte Reben liefern bis heute den Maßstab. Dieselbe Sorte, dieselbe Genetik, zwei völlig verschiedene Rufe.
Der Montado ist kein Wald, sondern ein System
Was von der Straße aus wie lichter Eichenwald aussieht, ist eine vom Menschen über Jahrhunderte geformte Kulturlandschaft. Der Montado kombiniert Korkeichen und Steineichen mit Weidewirtschaft, Imkerei, Pilzsammlung und Getreide zwischen den Bäumen; er macht rund einundzwanzig Prozent der portugiesischen Waldfläche aus. Ökologisch ist das kein Nebenschauplatz: Über 120 Vogelarten leben hier, darunter der Habichtsadler, dazu der Iberische Luchs. Und die Eicheln füttern das Porco Preto, das schwarze iberische Schwein, dessen Schinken die Region ebenso bekannt gemacht hat wie ihre Weine. Ein Baum wird erst mit rund fünfundzwanzig Jahren zum ersten Mal entrindet, danach im gesetzlichen Mindestabstand von neun Jahren.
Die Weizenkampagne, die den Weinbau fast beseitigte
Die Vorstellung, das Alentejo sei seit jeher Portugals große Weinregion, hält der Geschichte nicht stand. Zwei Eingriffe haben sie fast beendet: 1756 zwang die Douro-Förderpolitik des Marquês de Pombal zu Rodungen im Alentejo, und die Campanha do Trigo des Estado Novo ersetzte zwischen 1929 und 1938 großflächig Montado durch Weizenfelder — mit Nachwirkungen bis in die sechziger Jahre. Wein überlebte am Feldrand und im Hausgarten. Der Wiederaufbau ist jung und datierbar: 1977 startete das Projekt PROVA, 1983 der Technikerverband ATEVA, 1988 kamen die ersten geregelten Herkünfte, 1989 die Regionalkommission CVRA. Portugals erste Winzergenossenschaft stand allerdings schon 1895 hier, in Viana do Alentejo.
Heiß in Évora, kühler in Portalegre
Die Klimadaten des staatlichen Instituts IPMA für Évora, Normalperiode 1991 bis 2020, zeichnen ein klares Bild: Jahresmittel 16,6 Grad, der August im Mittel bei 24,7 Grad, der Januar bei 9,3, dazu 596,1 Millimeter Niederschlag an knapp 69 Regentagen. Das ist warm und trocken, aber nicht wüstenhaft. Die Ausnahme liegt im Norden: Portalegre an der Serra de São Mamede ist die höchstgelegene und kühlste Unterregion und vermarktet sich folgerichtig als Vinhos de Altitude. Wer im Alentejo Frische sucht, sucht sie dort. Évora selbst steht seit 1986 auf der UNESCO-Welterbeliste und hat einen römischen Tempel im Zentrum, der heute schlicht Templo Romano heißt — die früher übliche Zuschreibung an die Göttin Diana ist nicht belegt.
Der Jahrgang 2026 und ein Nachhaltigkeitsprogramm von 2015
Für die Ernte 2026 rechnet die Region mit einer guten Menge bei hoher Qualität. Luís Sequeira, seit März 2025 Präsident der Regionalkommission CVRA, sagte dazu am 28. Juli 2026: „Antecipamos para esta vindima alta qualidade e quantidade média" — man erwarte hohe Qualität bei mittlerer Menge, konkret rund 108 Millionen Liter. Bemerkenswert ist auch, wie systematisch die Region beim Thema Nachhaltigkeit vorgeht: Das Programa de Sustentabilidade dos Vinhos do Alentejo läuft seit Mai 2015, arbeitet mit vier Entwicklungsstufen und 171 Bewertungskriterien und startete mit 93 Mitgliedsbetrieben. Vergleichbares gibt es in Portugal sonst nicht. Für die Ernte 2025 hatte die Region zuvor eine um rund zwanzig Prozent höhere Menge gemeldet.
Was wir aus dem Alentejo führen
Ehrlich gesagt: viel zu wenig. Genau ein Wein steht in dieser Kategorie, der Montaria tinto 2023 von Parras Wines für 5,50 Euro, und der ist derzeit nicht verfügbar. Seine Zusammensetzung ist dafür lehrbuchhaft: Trincadeira, Aragonez und Alicante Bouschet, also genau der Dreiklang, der das Alentejo ausmacht — Aragonez ist der portugiesische Name des Tempranillo. Was hier fehlt, ist leicht benannt: ein Talha-Wein aus Vidigueira, ein reinsortiger Alicante Bouschet und ein weißer Antão Vaz. Bis dahin führen die Wege zu unseren Douro-Weinen und zu den Baga-Flaschen aus Bairrada; weitere Rotweine und alle portugiesischen Herkünfte stehen unter Portugal. Alentejo-Rotweine mögen es im Glas bei sechzehn bis achtzehn Grad.