Detailbeschreibung
Weißwein · Mosel · Riesling trocken
Der Julian Haart MoselRiesling 2025 ist der trockene Gutswein eines Fünf-Hektar-Betriebs aus Piesport, der ausschließlich in Steillagen arbeitet. Die Trauben stammen überwiegend aus dem Piesporter Goldtröpfchen, ergänzt um Parzellen im Wintricher Ohligsberg und in der Günterslay. Spontan vergoren, ohne Aromakosmetik, mit dem geraden Säurezug des Jahrgangs 2025.
Goldtröpfchen, Günterslay, Ohligsberg – drei Schieferhänge der Mittelmosel
Das Piesporter Goldtröpfchen liegt links der Mosel auf rund 66 Hektar und öffnet sich in einer Halbschale, die seit der Antike als natürliches Amphitheater beschrieben wird. Die Exposition ist überwiegend südöstlich, der Untergrund grauer Devonschiefer, flachgründig und stark wasserdurchlässig. Die Hangform staut Wärme und lässt sie über den Tag zirkulieren – der Grund, warum Piesporter Rieslinge früher reifen als die kühleren Nachbarlagen. Die Günterslay schließt sich flussaufwärts an: dieselbe Schieferformation, etwas kühler und windoffener, mit Weinen von schmalerem, geradlinigerem Bau.
Der Wintricher Ohligsberg ist die Gegenstimme in der Cuvée. Die Lage misst rund sieben Hektar, steht auf grau-blauem, festem Verwitterungsschiefer mit eingelagerten Quarzitadern, liegt auf 120 bis 200 Metern über dem Meer und fällt mit 40 bis 80 Prozent zur Mosel ab – direkt über Wehr und Schleuse. Ausrichtung West bis Südwest, in Teilen nach Süden. Das Quarzit im Schiefer und die späte Nachmittagssonne ergeben kühlere, salzigere Weine als in Piesport.
Julian Haart begann 2010 mit einer einzigen Parzelle im Ohligsberg und bewirtschaftet heute mit seiner Frau Nadine etwa fünf Hektar bei rund 30.000 Flaschen Jahresproduktion. Die Familie ist seit dem 14. Jahrhundert in Piesport dokumentiert. Ein Teil der Anlagen ist terrassiert und wurzelecht, mit Pflanzungen aus den 1920er-Jahren; nichts davon ist befahrbar, die gesamte Arbeit im Weinberg läuft von Hand. In den MoselRiesling fließen die jüngeren Rebzeilen und die Partien, die nicht in die Lagenweine gehen – gleiche Bewirtschaftung, andere Selektionsstufe.
Jahrgang 2025 – Mosel
2025 begann früh. Nach dem frostgeschädigten Vorjahr trugen die Reben wieder voll aus, die Blüte um den 15. Juni verlief bei trockenem, warmem Wetter rasch und gleichmäßig. Der Sommer wechselte zwischen Regen und Sonne bei warmen, aber nicht heißen Temperaturen. Im August kippte die Witterung: deutlich kühler, mit Nachttemperaturen um 8 °C, dazu wachsende Niederschläge. Anfang September setzte Regen ein, die Beeren nahmen Wasser auf, der Fäulnisdruck stieg – flussaufwärts stärker als flussabwärts.
Entscheidend war das Tempo. Julian und Nadine Haart lasen ihren Riesling in elf Tagen vom 14. bis 25. September, also vor dem Hauptteil der Oktoberregen. An der Mosel erreichte Riesling 70 bis 95 °Oechsle; die Erntemenge lag mit rund 780.000 Hektolitern etwa 52 % über 2024 und 11 % über dem langjährigen Mittel – während Deutschland insgesamt die kleinste Ernte seit 2010 einbrachte. Die Säurewerte fielen hoch aus, blieben geschmacklich aber eingebunden, der Alkohol niedrig: 2025 ist an der Mosel ein Jahrgang mit Zug und Spannung, kein Kraftjahrgang.
Assemblage und Ausbau
100 % Riesling, Jahrgang 2025, aus den Steillagenparzellen in Piesport und Wintrich. Vollständige Handlese in elf Tagen, Selektion direkt im Weinberg – im nassen Herbst 2025 die Grundlage dafür, dass der Wein sauber blieb.
Schonende Ganztraubenpressung, anschließend Spontangärung mit den weinbergseigenen Hefen. Der Ausbau erfolgt in neutralen Gebinden ohne Neuholzeinfluss, mit Lager auf der Feinhefe bis zur Füllung. Keine Aromahefen, keine Schönung auf Wirkung: minimal-interventionistisch und trocken durchgegoren, bei rund 12 % Vol. – gerade genug Substanz, um die Jahrgangssäure zu tragen.
Im Glas
Helles Gelbgrün mit grünlichem Rand. Die Nase öffnet mit weißem Pfirsich und Apfel, dahinter Zitrusöl, Limettenzeste und ein trockener, staubiger Schieferton. Am Gaumen straff und schmal gebaut, die Säure läuft gerade durch, die Frucht bleibt kühl und wird von einer salzigen Textur unterlegt, wie sie aus flachgründigem Schiefer mit Quarzit kommt. Der Abgang zieht sich lang, mit Grapefruitschale und Feuerstein.
Weißer Pfirsich und Zitrusöl über trockenem Schieferstaub – ein Gutswein, der die Steillage nicht verwässert, sondern verkleinert abbildet.
Bei 9–11 °C servieren, nicht zu kalt, sonst schließt sich die Frucht. Kein Dekantieren nötig; im Glas entwickelt der Wein über eine halbe Stunde mehr Kernobst. Trinkreif ab sofort, die Säurestruktur von 2025 trägt ihn bis etwa 2033.
Am Tisch
Zu Austern, Sushi und rohem Fisch, zu gebratenem Zander, Forelle und Skrei, zu Spargel mit Butter oder Sauce hollandaise. Ebenso zu Kalbsbrust, Geflügel und hellem Schwein, zu Ziegenfrischkäse und jungem Bergkäse. Der trockene Ausbau und die klare Säure machen ihn zum Essenswein, nicht zum Solisten.