Extremadura ist keine Herkunftsbezeichnung, sondern eine Autonome Gemeinschaft im Westen Spaniens, an der portugiesischen Grenze — und nach Rebfläche wie nach Erzeugungsmenge die zweitgrößte Weinbauregion des Landes, gleich hinter Castilla-La Mancha. Rund 82.700 Hektar standen hier 2022 unter Reben, bewirtschaftet von etwa fünfzehntausend Winzern, die zu einem großen Teil in Genossenschaften organisiert sind; der weitaus größte Teil der Fläche liegt in der Provinz Badajoz. Die Herkunft, die diesen Weinbau ordnet, heißt DOP Ribera del Guadiana und ist mit gut 41.500 Hektar die drittgrößte eingetragene DOP-Rebfläche Spaniens. Was daneben entsteht, überrascht die meisten: In Almendralejo wird seit 1983 Cava erzeugt, und seit 2020 ist die Gegend eine der vier offiziellen Cava-Zonen. Und auf dem Land trinkt man seinen Wein bis heute aus dem Tongefäß — eine Technik, die älter ist als jede spanische Herkunftsbezeichnung.
Eine Region, zwei Herkünfte, kein Vino de Pago
Wer in Extremadura eine Denominación de Origen sucht, findet zwei Bezeichnungen und keine gleichen Namens. Die DOP heißt Ribera del Guadiana; ihr Reglamento genehmigte die Junta de Extremadura am 17. März 1997, der spanische Staat ratifizierte es mit der Orden vom 16. April 1999. Daneben steht die geschützte geografische Angabe Vino de la Tierra de Extremadura, unter der ein großer Teil der Erzeugung läuft. Einen amtlich anerkannten Vino de Pago, die höchste spanische Einzellagenstufe, gibt es in Extremadura nicht — das Weingut Palacio Quemado in Alange gehört dem privaten Verein Grandes Pagos de España an, was rechtlich etwas anderes ist. Wer also einen Wein sucht, auf dem Extremadura steht, sucht eine Region, keine Qualitätsstufe.
Drittgrößte DOP-Fläche Spaniens, und sie schrumpft
Die DOP Ribera del Guadiana ist alles andere als klein. In der Kampagne 2022/23 waren 41.503 Hektar eingetragen, bewirtschaftet von 3.478 Winzern; abgefüllt wird von 25 Bodegas. Damit liegt die Herkunft nach der Fläche an dritter Stelle aller spanischen DOP, hinter La Mancha mit 151.870 und der Rioja mit 66.986 Hektar. Bemerkenswert ist das Verhältnis von Fläche zu Menge: Nur 71.917 Hektoliter wurden als Qualitätswein zertifiziert, davon 55.484 vermarktet, und 94 Prozent davon blieben in Spanien. Der Trend zeigt nach unten — 2020/21 waren es noch 43.042 Hektar. Der weitaus größere Teil der Ernte verlässt die Region ohne DOP-Etikett — als Landwein, als Fassware oder als Grundwein für Schaumwein.
Sechs Unterzonen zwischen 289 und 849 Metern
Das Lastenheft gliedert die Herkunft in sechs Unterzonen, und sie unterscheiden sich stärker, als eine flache Region vermuten lässt. Tierra de Barros um Almendralejo liegt im Mittel auf 524 Metern auf rötlichem, kalkreichem Ton und ist die größte und wichtigste Zone. Matanegra folgt auf 638 Metern mit ähnlichen Böden, aber kühlerem Klima. Ribera Alta auf 427 Metern steht auf sandigen Tertiärsedimenten, Ribera Baja auf nur 289 Metern auf kalkig-sandigem Schwemmland bis an die portugiesische Grenze. In der Provinz Cáceres liegen die beiden Ausreißer: Montánchez auf 638 Metern auf leicht saurem Granit und Cañamero auf 849 Metern in der Sierra de Guadalupe, auf armem, sandig-schiefrigem Boden. Zwischen der tiefsten und der höchsten Zone liegen 560 Höhenmeter.
Cava aus Almendralejo, seit 1983
Dass Cava nur aus Katalonien komme, ist ein hartnäckiger Irrtum. Almendralejo in der Tierra de Barros ist die einzige Gemeinde Extremaduras, die für die Herkunft Cava zugelassen ist, und sie erzeugt ihn seit Dezember 1983 — damals kamen die ersten sechstausend Flaschen aus der Ernte 1982 auf den Markt. Seit der Neugliederung vom 15. Juli 2020 ist Viñedos de Almendralejo eine der vier offiziellen Cava-Zonen neben den Comtats de Barcelona, dem Ebrotal und der Zona de Levante. Im März 2025 eröffnete der Ort ein eigenes Cava-Museum. Juan Eloy Rodríguez von der Junta de Extremadura sagte bei der Einweihung am 6. März 2025, das Mindeste, was der extremadurische Cava verdiene, sei ein Museum — und lobte dessen „altísima calidad".
Cayetana Blanca, die Urgroßmutter iberischer Reben
Die meistangebaute weiße Sorte Extremaduras heißt Cayetana Blanca und trägt in der Region auch den Namen Pardina — dieselbe Sorte, nicht zwei. Der internationale Rebsortenkatalog führt allein 110 Synonyme für sie. Interessanter als die Namen ist ihre Rolle im Stammbaum: Eine SNP-Analyse von Ibáñez und Kollegen aus dem Jahr 2012 wies nach, dass Cayetana Blanca ein zentraler Knoten im genetischen Netz der iberischen Rebsorten ist. Gekreuzt mit der portugiesischen Alfrocheiro brachte sie unter anderem Castelão, Mouratón und Camarate hervor, gekreuzt mit Listán Prieto den Jaén Tinto. Ihre eigenen Eltern sind unbekannt. Spanienweit stand sie 2015 auf 39.919 Hektar und war damit die drittmeistangebaute weiße Sorte des Landes.
Portugiesische Sorten auf der spanischen Seite
Die Sortenliste der DOP verrät, wo diese Region liegt. Neben den spanischen Klassikern Tempranillo, hier auch Cencibel genannt, Garnacha Tinta, Graciano, Bobal, Mazuela und Monastrell führt das Lastenheft ausdrücklich portugiesische Sorten: Touriga Nacional, Castelão und Trincadeira bei Rot, Antão Vaz, Arinto und Fernão Pires bei Weiß. Wer den benachbarten Alentejo kennt, erkennt sie sofort — die Staatsgrenze verläuft mitten durch eine gemeinsame Weinbaulandschaft. Weiß zugelassen sind daneben Alarije, Borba, Cigüente, Chelva, Eva, Malvar, Perruno, Macabeo, Pedro Ximénez, Verdejo, Parellada und Xarel·lo. Die beiden letzten sind wiederum Cava-Sorten und stehen nicht zufällig auf der Liste: Sie werden in Almendralejo gebraucht.
Vinos de pitarra: der Wein aus dem Tongefäß
Die eigenwilligste Weintradition der Region hat keinen geschützten Namen. Vinos de pitarra heißen die hausgemachten Weine, die in pitarras vergoren werden — Tongefäßen mit hundert bis fünfhundert Litern Fassungsvermögen, verwandt mit den Talhas des portugiesischen Alentejo und den Tinajas Kastiliens. Verbreitet sind sie in Las Villuercas und Cañamero, in der Tierra de Barros, im Valle del Alagón und in den Sierras von Montánchez und Gata. Eine Studie in der Zeitschrift RIVAR vom Januar 2026 führt die Technik bis in vorrömische Zeit zurück und schlägt vor, sie als immaterielles Kulturerbe anerkennen zu lassen. Rechtlich laufen diese Weine unter der geografischen Angabe, nicht unter der DOP; geschützt ist der Begriff pitarra nicht.
17,1 Grad im Mittel und die Reblaus von 1897
Extremadura gehört zu den heißesten Gegenden des spanischen Festlands. Die Station des Wetterdienstes AEMET bei Badajoz auf 186 Metern weist für die Normalperiode 1981 bis 2010 ein Jahresmittel von 17,1 Grad aus, den Juli bei 26,1 und den Januar bei 8,6 Grad, dazu 447 Millimeter Jahresniederschlag. Die Reblaus erreichte die Region nach Angaben des Kontrollrats 1897 über zwei Herde aus Portugal, einen bei San Vicente de Alcántara und einen in der Tierra de Barros; in Almendralejo entstand daraufhin eine Rebschule für amerikanische Unterlagen. Zwischen dem ersten spanischen Befall 1878 bei Málaga und der Rioja im Juni 1899 liegt Extremadura damit zeitlich genau in der Mitte. Wärme und Trockenheit erklären, warum die hohen Zonen Montánchez und Cañamero eine eigene Rolle spielen.
Was aus Extremadura sonst noch auf den Tisch kommt
Kaum eine spanische Region hat so viele geschützte Lebensmittel und so wenig Aufmerksamkeit dafür. Die Torta del Casar, jener löffelbare Schafskäse, der mit Distelblüte dickgelegt wird, trägt seit der EU-Verordnung vom 25. August 2003 eine geschützte Ursprungsbezeichnung; der Queso de la Serena wurde bereits mit der Orden vom 14. April 1993 national geschützt. Dazu kommen der Jamón Dehesa de Extremadura und die Ternera de Extremadura. Zu beidem passen die Rotweine der Region: kräftig, warm, mit weichem Tannin, am besten bei sechzehn Grad. Die weißen Cayetana-Weine gehören gut gekühlt ins Glas. Unser Rotwein- und Weißweinregal ist jeweils eine eigene Kategorie, sämtliche spanischen Herkünfte finden Sie unter Spanien.