Detailbeschreibung
Champagner · Grand Cru · Blanc de Blancs
Franck Bonville Collection Privée 2010 ist der seltene Prestige-Champagner des Hauses – nach Einschätzung des Weinjournalisten Tyson Stelzer einer der zwölf besten Champagner überhaupt, neben Namen wie Krug oder Roederer Cristal. Ein reinsortiger Blanc de Blancs aus den besten Grand-Cru-Lagen von Avize, Jahrgang 2010, der fast acht Jahre auf der Flasche reifte.
Avize – Grand Cru im Kern der Côte des Blancs
Franck Bonville sitzt in Avize, dem Ort, der den Kern des Familienbesitzes stellt. Die Côte des Blancs ist ein nach Osten geneigter Hangzug südlich von Épernay, auf dem Chardonnay rund 95 Prozent der Rebfläche ausmacht. Unter einer dünnen Bodenauflage steht hier Belemnitenkreide aus der Oberkreide an – ein poröses Gestein, das bis zu 40 Prozent seines Volumens an Wasser aufnimmt, es über trockene Phasen zurückgibt und die Temperatur im Wurzelraum ausgleicht.
Die Ostlage bringt Morgensonne bei kühlen Nachmittagen: langsame Reife, hohe Säure, geringe Erträge je Stock. Avize selbst gilt innerhalb der zu 100 Prozent als Grand Cru klassifizierten Gemeinden als die kräftigste Ausprägung – mehr Körper und Kreide-Kern als das blumigere Oger, weniger streng als Le Mesnil-sur-Oger. Genau diese Statik trägt eine Cuvée, die acht Jahre auf der Hefe verbringen soll.
Die Collection Privée wird nur in den besten Jahren abgefüllt und stammt aus den besten Parzellen von Avize. Ursprünglich war sie für den privaten Verbrauch der Familie Bonville bestimmt; nur eine Handvoll Flaschen gelangt in den Handel – eine Rarität für Liebhaber.
Jahrgang 2010 – Côte des Blancs
Der Jahrgang 2010 ist einer der wenigen der jüngeren Champagne-Geschichte, in denen Rebsorte und Herkunft über Gelingen oder Scheitern entschieden. Ein kühles Frühjahr verzögerte die Blüte, der Frühsommer blieb mild und unauffällig. Am 15. und 16. August fiel dann die Niederschlagsmenge von zwei Monaten innerhalb von zwei Tagen. Zusammen mit der anschließenden Wärme und der hohen Luftfeuchte setzte sich Botrytis cinerea fest – massiv in Pinot Noir und Meunier, deren kompakte Trauben kaum durchlüften.
Chardonnay kam weitgehend davon: Seine lockerbeerigen Trauben trocknen nach Regen schneller ab. Ein weiterer Starkregen am 8. September ließ Beeren aufquellen und teils platzen, danach stabilisierte sich das Wetter. Die Lese ab dem 15. September verlangte strenge Selektion – die Erträge lagen 25 bis 30 Prozent unter der Erwartung –, brachte aber gesundes Lesegut mit einem Verhältnis von Zucker und Säure, wie man es in wärmeren Jahren nicht bekommt. Viele Häuser verzichteten 2010 auf einen Jahrgangschampagner. Wer einen abfüllte, tat es fast immer mit Chardonnay aus der Côte des Blancs.
Rebsorte und lange Hefereife
Reinsortig aus Chardonnay aus Avize – daher Blanc de Blancs. Der Jahrgang 2010 lieferte die Voraussetzung für eine Cuvée dieser Machart: hohe Säure bei moderater Reife, also das Gerüst, das eine sehr lange Hefelagerung überhaupt erst trägt.
Nach der zweiten Gärung reifte der Champagner fast acht Jahre auf der Flasche. In dieser Zeit zersetzt sich die abgestorbene Hefe und gibt Mannoproteine an den Wein ab – daraus entstehen die Brioche- und Nussnoten, die cremige Textur und die feine, langsam aufsteigende Perlage. Gleichzeitig verschiebt sich die Aromatik von Zitrus und Apfel hin zu Haselnuss, Vanille und Gebäck, ohne dass die Säure der kühlen Ostlage verloren geht.
Im Glas
Güldene Farbe mit zarter, funkelnder Perlage. In der Nase Kalk, Brioche, frisch geröstete Haselnüsse und echte Bourbon-Vanille, die sich auch im Geschmack entfalten. Am Gaumen lang, sehr elegant und zugleich kraftvoll, mit viel Druck und einem fanfarengleichen, anhaltenden Nachhall.
Acht Jahre auf der Hefe über der Säure eines Jahres, in dem nur der Chardonnay der Côte des Blancs unbeschadet in den Keller kam.
Bei 9–11 °C in großen Gläsern servieren, nicht in der Flöte – bei dieser Reife braucht der Wein Luft. Nach zwanzig Minuten im Glas treten Nuss und Gebäck vor die Zitrusnoten. Trinkreif und mit Reserve bis weit in die 2030er-Jahre.
Am Tisch
Zu edlem Fisch, Krustentieren, Kalb, Geflügel und reifem Hartkäse – oder solo als Höhepunkt. Die Reife trägt Gerichte, an denen ein junger Blanc de Blancs scheitert: Hummer mit Butter, Bresse-Huhn mit Morcheln, alter Comté, gebratene Jakobsmuscheln mit Trüffel.