Die Steiermark ist die kleinste der drei österreichischen Weinbauregionen und die einzige, in der Handlese für alle Herkunftsweine vorgeschrieben ist. Auf rund 5.100 Hektar, etwa zwölf Prozent der österreichischen Rebfläche nach den Zahlen von Wein Steiermark für 2024, stehen die Reben vielfach in Steilhängen mit über hundert Prozent Neigung; bei Kitzeck im Sausal reichen sie über 600 Meter hinauf. Drei Gebiete teilen sich die Fläche: die Südsteiermark mit 2.785 Hektar, das Vulkanland Steiermark mit 1.644 und die Weststeiermark mit 667. Was hier wächst, ist fast durchweg weiß und fast durchweg schlank — Sauvignon Blanc führt mit 902 Hektar, dahinter Welschriesling und Weißburgunder. Zwischen den Reihen dreht sich der Klapotetz, jenes hölzerne Windrad, das ab Jakobi klappert. Und wer hier Morillon bestellt, bekommt Chardonnay; er heißt in der Steiermark nur anders, und der Name hat mit einem Ort nichts zu tun.
Drei Gebiete, drei DAC, alle seit 2018
Südsteiermark DAC, Vulkanland Steiermark DAC und Weststeiermark DAC traten gemeinsam mit dem Jahrgang 2018 in Kraft — anders als in Niederösterreich, wo sich die Einführung über zwei Jahrzehnte zog. Der Sortenspiegel ist in allen drei Gebieten weitgehend gleich: Welschriesling, Weißburgunder, Morillon, Grauburgunder, Riesling, Muskateller, Sauvignon Blanc und Traminer, dazu Cuvées daraus; in der Weststeiermark kommt der Schilcher aus Blauem Wildbacher hinzu. Was die Steiermark von den übrigen Herkunftssystemen Österreichs abhebt, sind zwei Vorschriften: Handlese ist Pflicht, und die Weine dürfen erst gestaffelt in den Verkauf — Gebietsweine ab dem 1. März nach der Lese, Ortsweine ab dem 1. Mai, mit eigenen Fristen für Welschriesling und Schilcher.
Sauvignon Blanc ist keine Burgundersorte
In Texten über die Steiermark steht regelmäßig, die Region habe sich auf die Burgunderfamilie spezialisiert, und im selben Satz fällt der Sauvignon Blanc. Botanisch passt das nicht zusammen. Als Burgundersorten gelten die Abkömmlinge des Pinot: Weißburgunder, Grauburgunder und Blauburgunder, dazu der Chardonnay als natürliche Kreuzung aus Pinot und Gouais Blanc. Sauvignon Blanc gehört einer ganz anderen Abstammungslinie an — er ist gemeinsam mit Cabernet Franc Elternteil des Cabernet Sauvignon. Beides stimmt also nebeneinander: Die Steiermark ist stark bei den Burgundersorten, und sie hat mit dem Sauvignon Blanc ihre Leitsorte. Nur ist der eben kein Burgunder. In der Südsteiermark steht er auf rund einem Viertel der Fläche.
Morillon ist kein Ortsname
Die schöne Geschichte geht so: Erzherzog Johann habe Reben aus einem französischen Städtchen namens Morillon mitgebracht, und weil niemand die Sorte bestimmen konnte, habe man sie nach dem Ort benannt. Falstaff hat das nachgeprüft und verwirft es: Morillon ist ein altes französisches Sammelsynonym für Burgundersorten — Morillon noir für den Blauen Burgunder, Morillon taconné für den Schwarzriesling, und im Chablis stand Morillon für Chardonnay. Ein Ort dieses Namens spielt keine Rolle. Belegt ist an Erzherzog Johann anderes: Er gründete 1819 die Steiermärkische Landwirtschaftsgesellschaft und ließ 1822 bei Marburg an der Drau, dem heutigen Maribor, einen Musterweingarten anlegen, in dem bis 1854 425 Rebsorten erprobt wurden.
Opok ist Mergel, kein Muschelkalk
Der Boden der Südsteiermark heißt Opok, und er wird fast überall falsch beschrieben. Muschelkalk im geologischen Sinn gibt es in der Steiermark nicht — der deutsche Muschelkalk gehört in die Trias und ins Germanische Becken. Opok dagegen sind feinkörnige, marine Sedimentgesteine aus dem Miozän, rund zehn Millionen Jahre alt, abgelagert im Meer der Paratethys und seither zu Mergel, Ton und Schluff verfestigt. Diese Verfestigung erklärt auch, warum Reben hier tief wurzeln müssen und die Weine straff bleiben. Der Name kommt vermutlich vom slowenischen opoka für Mergelboden; die im Dialekt kursierende Herleitung von zusammengebacken ist Volksetymologie und nicht belegt. Ob das Wort aus dem Slowenischen ins Deutsche wanderte oder umgekehrt, ist ungeklärt.
Das Vulkanland ist nicht durchgehend vulkanisch
Der Name des östlichsten Gebiets weckt eine falsche Vorstellung. Der Untergrund besteht überwiegend aus jungtertiären Sedimenten des Steirischen Beckens; die vulkanischen Basalt- und Tuffkuppen ragen daraus inselhaft heraus. Zwei Phasen sind dokumentiert: eine ältere vor rund sechzehn Millionen Jahren, aus der etwa der Gleichenberger Kogel stammt, und eine jüngere vor 3,5 bis 1,8 Millionen Jahren mit rund vierzig Schloten, darunter das Klöcher Massiv und der Stradner Kogel. Wer also einen Wein von echtem Vulkanboden will, muss die Lage kennen, nicht nur das Gebiet. In Klöch wächst auf rund 37 Hektar der Gelbe Traminer, die historische Spezialität der Gegend — dieselbe Sorte, die als Pollenspender am Grünen Veltliner beteiligt ist.
Der Klapotetz klappert, aber der Ultraschall ist unbelegt
Das hölzerne Windrad mit den acht Flügeln — in Slowenien sind es meist sechs — heißt nach dem slowenischen klopotec, der Klapper. Schriftlich taucht es 1797 auf, Erzherzog Johann besaß 1836 nachweislich eines. Gebaut wird es aus Fichte für die Flügel, Buche für die Klöppel, Esche oder Kastanie für den Block und Kirsche für das Schlagbrett; aufgestellt wird es zu Jakobi am 25. Juli, abgebaut zu Allerheiligen oder Martini. Die verbreitete Behauptung, seine Wirkung beruhe auf Ultraschall, den nur bestimmte Hölzer erzeugen, hat keinen wissenschaftlichen Beleg — Ultraschall gilt in der Vogelabwehr generell als unwirksam, und Vögel gewöhnen sich ohnehin an den Lärm. Geblieben ist der Klapotetz als Wahrzeichen des Landes.
Der Blaue Wildbacher und die Kelten
Die Erzählung, schon die Kelten hätten den Blauen Wildbacher in der Weststeiermark gepflanzt, hält keiner Prüfung stand. Ampelografisch gilt die Sorte als natürlicher Sämling der alten Rebe Heunisch, entstanden in der Steiermark selbst; eine eindeutige schriftliche Nennung als Wildblaue bei Wildbach findet sich erst 1826 bei Lorenz Chrysanth von Vest. Johann Raschs Weinbuch von 1580 erwähnt zwar einen Schilcher, meint damit aber möglicherweise die historische Sorte Wippacher. Heute steht der Blaue Wildbacher auf 535 Hektar, überwiegend in der Weststeiermark, und liefert den Schilcher — im Herbst auch als Schilchersturm, der wegen seiner purpurnen Farbe schwer zu verwechseln ist. Weststeiermark DAC heißt das Gebiet seit 2018 amtlich.
Vom Sturm über den Staubigen zum Junker
Ein österreichischer Jungwein durchläuft drei Stationen mit eigenen Namen. Sturm ist die einzige davon, die das Weingesetz kennt: teilweise vergorener Traubenmost mit mindestens einem Volumenprozent Alkohol, verkäuflich zwischen dem 1. August und dem 31. Dezember des Erntejahres. Der Staubige, der danach kommt, ist keine Rechtskategorie, sondern der noch trübe, unfiltrierte Wein kurz nach Gärende. Am Ende steht der Steirische Junker, der 2025 am 24. Oktober in den Verkauf ging und am 5. November in der Messe Graz präsentiert wurde. Stefan Potzinger, Obmann von Wein Steiermark, sagte am 3. März 2026 in Graz: „2025 wird ein wunderbarer, typisch steirischer Weinjahrgang, der knackig-frische und zugleich hochelegante Weine verspricht."
Was wir aus der Steiermark führen
Ein einziger steirischer Wein steht bei uns, und er kommt aus dem Vulkanland: der biozertifizierte Grauburgunder von der Ried Saziani des Weinguts Neumeister, Jahrgang 2017, für 37,50 Euro. Das Kürzel G STK auf dem Etikett verweist auf die Klassifikation der Steirischen Terroir- und Klassikweingüter — eine private Lagenordnung, vergleichbar dem, was die Vinea Wachau mit Steinfeder, Federspiel und Smaragd macht, und keine gesetzliche Stufe. Neun Jahre auf der Flasche sind für einen steirischen Weißwein ungewöhnlich viel und genau der Grund, ihn zu probieren; servieren Sie ihn bei zwölf Grad, nicht kälter. Dass ein Sauvignon Blanc aus der Südsteiermark und ein Schilcher daneben fehlen, ist eine Lücke — die übrigen österreichischen Herkünfte stehen unter Österreich.