Detailbeschreibung
Rotwein · Puglia IGT · Appassimento
Der Fola Primitivo 2023 kommt aus Apulien und wird von Baglio Gibellina aus 100 Prozent Primitivo nach dem Appassimento-Verfahren erzeugt: Ein Teil der Trauben trocknet vor der Vinifikation an. Das Ergebnis ist ein Puglia IGT mit Dörrfrucht und Gewürz, der bei 13,5 % vol deutlich straffer bleibt als die meisten Appassimento-Weine dieser Herkunft.
Apulien – Terra Rossa über Kalk zwischen zwei Meeren
Die Trauben stammen aus Apulien, dem Absatz des italienischen Stiefels, wo Primitivo seit dem 18. Jahrhundert die prägende rote Sorte ist. Der Landstrich ist schmal: Zwischen Adria im Osten und Ionischem Meer im Westen liegen an der engsten Stelle keine 60 Kilometer. Beide Meere kühlen die Nächte herunter, während die Tage im Sommer regelmäßig über 35 Grad erreichen – diese Amplitude hält bei einer früh reifenden Sorte wie Primitivo die Säure und die Aromatik zusammen.
Die Böden bestehen typischerweise aus Terra Rossa – eisenhaltiger, roter Verwitterungslehm – über kalkhaltigem Kalkstein und Kalkfels. Diese Kombination bestimmt den Weinstil der Region: Der Kalk sorgt für Drainage und liefert der Rebe in trockenen Sommern über Klüfte Wasser aus der Tiefe, der eisenhaltige Lehm gibt Farbe und Extrakt. Die klassische Erziehungsform ist der Kopfschnitt im Alberello, der niedrige Buschbaum, der die Trauben im Laubschatten hält – in den älteren Anlagen der Region noch weit verbreitet.
Primitivo reift auf diesen Böden früh und ungleichmäßig innerhalb einer Traube: Ein Teil der Beeren ist vollreif, während andere noch nachziehen. Genau diese Eigenheit macht die Sorte für das Appassimento-Verfahren geeignet – das Antrocknen gleicht die Reife an, statt sie durch immer späteres Lesen erzwingen zu müssen.
Jahrgang 2023 – Apulien
2023 war in Apulien ein Jahr der Pflanzenschutzarbeit. Ein nasses Frühjahr mit anhaltenden Niederschlägen erzeugte in ganz Süditalien massiven Peronospora-Druck; aus Teilen der Region wurden Schäden an bis zu 70 Prozent der Rebflächen gemeldet. Wer die Anlagen im Griff behielt, kam mit gesundem Lesegut durch – der Unterschied zwischen den Betrieben war in diesem Jahrgang größer als sonst.
Anomale Temperaturen und Niederschläge verschoben den Lesebeginn um rund zehn Tage nach hinten gegenüber 2022. Die Mengen fielen je nach Rebsorte um 15 bis 20 Prozent geringer aus. Der spätere Lesetermin erwies sich qualitativ als Vorteil: Das Verhältnis von Säure zu Alkohol geriet ausgeglichener als in den heißen Vorjahren, in denen Primitivo regelmäßig mit 15 Prozent und darüber in den Keller kam. Die 13,5 % vol dieses Weins sind für einen apulischen Appassimento-Primitivo entsprechend niedrig – und in diesem Jahrgang erklärbar.
Assemblage und Ausbau
Reinsortiger Primitivo aus dem Jahrgang 2023. Ein Teil der Trauben wird nach der Lese angetrocknet – das Appassimento-Verfahren, das aus dem Veneto stammt und dort für Amarone und Ripasso steht. Biscardo ist ein Veroneser Haus und überträgt diese Technik auf apulisches Lesegut. Beim Trocknen verlieren die Beeren Wasser, Zucker, Farbstoffe und Aromen konzentrieren sich, die Saftausbeute sinkt.
Der Wein reift anschließend im Holz, was die Vanille- und Gewürznote im Bukett erklärt. Die Stilistik ist bewusst zurückgenommen: kein Marmeladenprofil, keine 15 Prozent Alkohol, sondern ein Appassimento-Primitivo, bei dem die konzentrierte Frucht von Säure und Tanninstruktur gehalten wird. Für die Kategorie ist das eine Gegenposition.
Im Glas
Rubinrot mit violetten Reflexen. In der Nase reife Kirsche und Pflaume, dahinter Dörrfrucht, Gewürznelke, ein balsamischer Zug und eine Spur Vanille aus dem Holz. Am Gaumen vollmundig mit weichen, gerundeten Tanninen, die konzentrierte Frucht der angetrockneten Beeren trägt den Mittelbau, der Abgang bleibt fruchtbetont mit einer feinen mineralischen Kante.
Appassimento ohne Marmeladeneffekt: 13,5 % vol und eine erhaltene Säure halten die konzentrierte Frucht des Jahrgangs 2023 in Form.
Trinktemperatur 16 bis 18 Grad, eine Stunde Luft schadet nicht. Der Wein ist jetzt auf dem Punkt und sollte bis etwa 2028 getrunken werden – die Frucht ist der Hauptdarsteller, und die gewinnt mit weiterer Lagerung nichts hinzu.
Am Tisch
Passt zu Gegrilltem vom Rind und Lamm, zu Orecchiette mit Sugo und Salsiccia, zu geschmortem Gemüse mit Auberginen und Paprika, zu gereiftem Pecorino und Caciocavallo. Auch zu würzigen Gerichten der süditalienischen Küche mit Kapern, Oliven und Tomate. Die weiche Tanninstruktur macht ihn zu einem Wein, der ohne Anlass funktioniert.