Raritätenprobe von Klaus und Max zum 110ten:
1996er Georg Breuer Rüdesheimer Berg Schlossberg Riesling Magnum
Leichte Firnnote, dezente Süße, gereifter, eher stoffiger und breiter Rieslingstil,
aber immer noch locker auf der Höhe Zeit. Wunderbarer Aperitif.
1928er Martinze Lacuesta Reserva Especial
Helles Ziegelrot mit starken orangenen Reflexen. Unterholz, Karamell und Zimt im Duft,
lang und mit einer präsenten Säure ausgestattet. Wirkt für sein Alter noch sehr frisch
und lässt, da er neu verkorkt wurde, die Frage offen, ob der Wein nicht im nachhinein
„nachverjüngt“ wurde.
1952er Castillo Ygay Marques de Murrieta
Wunderschönes noch frisches Kaminrot. Gewürze, Nelken – insgesamt eigentlich
ein Duft wie auf dem Weihnachtsmarkt. Getrocknete Aprikosen, aber auch Feigen
mit einem fruchtsüßen Poutporie, Unterholz und sehr langen Nachhall. Ein Grande!
1953er Vina Pomal Reserva Especial
Ein klassischer passabler Rioja, der etwas metallisch und im Nachhall ausgezerrt wirkt.
Ein klein wenig über seinem Zenit, aber noch durchaus trinkbar.
1975er Chateau Gruaud-Larose Magnum
Reife Paprika und Auberginen bestimmen das Geruchsfeld. Am Gaumen Citrus-
und Säureattacken. Die Säure liegt anfangs über allen anderen Komponenten;
nach ausgiebiger Belüftung wird der Wein etwas charmanter, gehört aber nicht
gerade zu den elegantesten Vertretern seiner Gattung.
1975er La Rioja Alta Reserva 890
Farblich gereiftes Kaminrot. Die Nasenflügel erreichen ohne Ende Karamell und
rote Beerendüfte, mittelschwer und sehr elegant wird der Gaumen umspült,
harmonisch mit dem richtigen Schuss Säure, zeigt dieser Klassiker wie die besten
Riojas einmal geschmeckt haben und gereift auch noch schmecken können.
1978er Chateau Leoville-Lascases
Eine noch jugendlich frische, fast schon undurchdringliche Farbe. Anfangs ein
unreif wirkender Paprikagarten mit Gerbstoffen ohne Ende, die sich durch
Luftkontakt langsam glätten. Wird immer vielschichtiger und steht immer noch
wie eine Eins.
1978 Cavas Oro Vales Reserva
Ein Wein aus einer Kooperative der Rioja, der Zeugnis darüber ablegt das auch
kleine Weine im Alter durchaus noch trinkbar sind. Im Duft zwar ein wenig Kohl
und Nagellack und im Geschmack leicht säuerlich, aber dennoch ein würdiger
Rioja, der ohne die große Konkurrenz an diesem Tag, wahrscheinlich wesentlich
besser dastehen würde.
1985 Chateau Gruaud-Larose Doppelmagnum
Undurchdringlich im Farbgewand. Mokka und dunkelste Zartbitterschokolade,
gepaart mit Cassis Aromen und Teer geben diesem Bordeaux im Duft und
Geschmack das gewisse Etwas. Ein kraftoller St. Julien, der seinen Reiz durch
seine herzhafte, leicht rustikale Art gewinnt.
1985er Tinto Pesquera Reserva
Ein Wein wie diesen haben Alejandro Fernandez in der Weinwelt berühmt gemacht.
Viel süßes Holz, Kamillentee, Kraft und Struktur. Nach Belüftung kommen leider
einige Metalltöne zum Vorschein, trotzdem eine Ribera Stilistik, die eine
Goldgräberstimmung in diesem Weinanbaugebiet hervorbrachte.
1986er Cantemerle Magnum
Ein leichter aber keinesfalls schlechter Haut Medoc. Eben ein typischer Claret, der
auf dem Höhepunkt seines Lebens steht. Mittelschwer, am Gaumen rund und ehrlich.
1986er Tinto Pesquera Reserva
Alejandro Fernandez hat ein paar Glanzpunkte in seiner langen Karriere gesetzt, dieser
Wein gehört mit Sicherheit dazu. Komplette Farbe. Duft nach frisch gebackenem Brot,
animalische Komponenten mit süßlicher Kirschfrucht und Kakao. Finessenreich, nachhaltig
und mehrdimensional bis zur Speiseröhre gleitend im Rachenraum. Top!
1990er Méo-Camuzet Vosne Romanee Les Chaumes 1er Cru
Veilchen, gereifter Walderdbeerenkompott, Lakritzpastillen. Ein Duft, der betörend
und animierend wirkt. Dann folgt eine schon unverschämt wirkende feine
Säure mit einer Gesamtharmonie und Eleganz wie sie nur große Burgunder hervorrufen
können. Dieser große Wein schreit förmlich nach einem Coq au Vin. Ein absolutes
Weinhiglight.
1990 Les Forts de Latour
Stark geröstete Paprika und Eukalyptusnoten. Mollig, viel Teer und zunächst vom
Geschmack her, als ob man auf eine 100% Zartbitterschokolade beißt. Es fehlt ihm
an Eleganz, Säure und Finesse. Sicherlich noch von seinen Tanninen überladen;
ein Wein, der sich sicherlich erst in ein paar Jahren oder Jahrzenten offenbart.
1994er Remirez de Ganuza Reserva
1. Versuch
Leider Kork
1994er Remirez de Ganuza Reserva Magnum
Tja, diesem Wein kann man sicherlich vorwerfen, das er nicht wie ein typischer
Rioja schmeckt. Jedoch ist er noch ganz am Anfang seiner Entwicklung. Das
noch sehr dunkle Farbspiel, sein jungendlich, frech auftretendes Aromenspiel im
Mund und seiner distinguierter, ja schon majestätischer Auftritt im Nachhall machen
den Ganuza zu einem der ganz Großen. Wahrscheinlich noch Jahrzehnte lagerfähig.
Dann schmeckt er wahrscheinlich auch wieder wie ein typischer Rioja
1994er Tinto Pesquera Janus
Von vielen gescholten und schon abgeschrieben, beweist Alejandro einmal
mehr, das man sich auf seine Flaschen nicht verlassen kann. Einmal genial, dann
der selbe Wein aus der selben Kiste genial daneben. Diesmal Gottlob einfach genial!
Pflaumenmus, Röstaromen, transparent und auf eine rustikale Art schon wieder
klar und elegant. Das Frucht- Säurespiel ist perfekt und zumindestens diese
Flasche lässt auf eine weitere positive Entwicklung hoffen. Chapeau!
Nach der Probe ist vor der Probe:
2005er Iturria Moral Vallejondo
Wie immer ein Garant von Kraft, Ausdruck und jugendlicher Ungestühmtheit.
Viel satte Beerenfrucht, gepaart mit einer tapezierenden Ausdauer wie ein
Marathonläufer. Braucht noch viele Jahre Keller Ruhe.
2005er Später Veit Riesling Auslese Tradition
Hier tanzt das Fruchtspiel von weißem Pfirsich bis reifer Honigmelone
wie ein Eiskonfekt am Gaumen. Eine beängstigend knackige, transparente
und reife Säure. Diese Auslese ist ein wirkliches Geschenk von Mutter Natur
und wirkt wie frisch gepflückte reife Früchte.
2007er Kaiserberghof Riesling Limestone Spätlese
Duft und Geschmack nach frischen Limetten und Grapefruit, immer
wieder tanzt das Saure durch den Mund, um dann von der dezenten
Restsüße des Weines wieder eingefangen zu werden. Ein Traumtänzer,
der zu Großem berufen ist.
1999er Mas Comtal Petrea Merlot Magnum
Ein anständiger, allerdings belangloser Wein, wie er inzwischen
an fast jeder Ecke dieser Erde angebaut werden kann und wird.
1964er Pieroth Hallgartener Cabinet
Oxidiert und kaputt.
1976er CVNE Imperial Reserva
Ein absolut unerwartetes Highlight, das genau auf dem Punkt seiner
Entwicklungsfähigkeit geöffnet wurde. Verschwenderische Frucht- und
Unterholztöne. Reif und vollmundig, mit einem Hang zur Dekadenz
neigenden Todessüsse im Finale ausgestattet. Anhaltende, durchhaltende
Weinart.
2004er Quinta Quietud La Mula
Als letzter Wein hat der Mula nicht mehr genug Zeit gehabt sich zu öffnen.
Vollmundig, portweinartig und verschlossen wie ein Brett, lässt er dennoch
Großes erahnen.


