Die Vorzeichen sind bei einem Vergleich zwischen zwei Weinen aus dem Burgund und Kalifornien eigentlich klar. Insbesondere, wenn es sich um einen Wein aus der Rebsorte Chardonnay handelt. Bei dem Vergleich eines 2010er Meursaults von Pierre André und eines Chardonnays von Deovlet aus dem Soloman Hills Vineyard war allerdings nicht wirklich zu erkennen, welcher Wein aus Übersee kommt und welcher die Fahnen des franzözischen Terroir Denkens hochhält. Der Meursaults wirkte sogar noch breiter, vom Barrique mehr aufgeplustert und zeigte doch sehr starke Röstaromen auf. Wäre da nicht die knackige Säure, welche auch sehr stark an Citrusfrüchte erinnerte, wäre der Meursault glatt untergangen. Im Duft und Geschmack zeigte der Kalifornier viel mehr Finesse, Eleganz und schwebte nahezu unbekümmert durch die vor Freude zuckenden Mundwinkel. Nur im Abgang spürte man die doch so typische Süße und den massiven Einsatz neuer Barriquefässer, wofür die Neue- Welt Weine so berühmt sind. Im großen und ganzen hatte der Deovlet eine Spur die Nase vorn, was einmal wieder klar macht, das man seine Meinung nicht von Vorurteilen leiten lassen sollte. Die lustige Speiseidee von mariniertem Lachs und Thunfisch auf Kartoffelpuffer passte in jedem Fall zu den beiden weinhaltigen Hauptdarstellern des Abends!
Rotwein · Musigny Grand Cru · Pinot Noir
Der Musigny Vieilles Vignes Grand Cru 2020 der Domaine Comte Georges de Vogüé gilt als Inbegriff des roten Musigny. De Vogüé ist mit 7,14 Hektar der größte Eigentümer dieser Lage; die Cuvée Vieilles Vignes vereint intensive rote Frucht, florale Noten und Würze mit großer Finesse.
Musigny – einer der größten Grand Crus des Burgunds
Musigny liegt an einem ost-südöstlich ausgerichteten Hang (8–14 % Neigung) auf 260 bis 300 Metern in Chambolle-Musigny. Im Südosten grenzt der Clos de Vougeot, südlich liegen Échezeaux und Grands-Échezeaux. Die Lage umfasst 10,70 Hektar in drei Klimaten – Les Musigny, Les Petits-Musigny und La Combe d'Orveau – mit rund 15 Eigentümern.
Der Boden vereint Oolith aus dem Bathonium im oberen und Comblanchien-Kalkstein im tieferen Teil; die zahlreichen Kalksteine speichern Wärme. Geschützt zwischen den Tälern Combe de Chambolle und Combe d'Orveau, bietet die reine Ostlage ein kühles, aber sonniges Mikroklima. Grand Cru seit 1936; die Familie de Vogüé bewirtschaftet den größten Teil in der 19. Generation und hält den ältesten Weinbergbesitz der Côte d'Or.
Jahrgang 2020 – Côte de Nuits
2020 war im Burgund ein warmer, trockener Jahrgang mit kleinen Erträgen. Die Reben lieferten konzentrierte, reife Trauben, die dennoch Frische bewahrten.
Für die roten Burgunder steht 2020 für Tiefe und Dichte bei feinem Tannin und tragender Säure – ein starker, lagerfähiger Jahrgang, der die Finesse des Musigny mit Substanz unterlegt.
Assemblage und Ausbau
Reinsortiger Pinot Noir aus dem Jahrgang 2020, aus den ältesten Reben des Guts (Cuvée Vieilles Vignes).
Der Wein reift im Holzfass, ganz im traditionellen Stil des Hauses – auf einen klaren Lagenausdruck ausgerichtet.
Im Glas
Musigny gilt als der parfümierteste der großen Grand Crus: intensive rote Frucht, florale Noten und feine Würze. Am Gaumen seidig und zugleich strukturiert, mit feinem Tannin und großer Länge.
Rote Frucht, Blüten und Würze über seidigem, feinem Tannin – der Inbegriff des roten Musigny.
In der Jugend bereits faszinierend, entfaltet der Wein sein Potenzial über viele Jahre Flaschenreife. Bei 16 °C servieren; eine Belüftung im Dekanter lohnt sich.
Am Tisch
Federwild und Geflügel, Reh, Gerichte mit Trüffel oder Pilzen, dazu gereifter Käse. Ein Wein für den ganz großen Anlass.


