Expressive Nase nach Gewürzen, insbesondere nach weißem Pfeffer. Nicht der Anflug oder das kleinste Anzeichen von Oxidation. Fruchtaromen sind hier eigentlich gar nicht wirklich zu finden. In einer Wein-Geschmackswelt, wo sich immer mehr Frucht und beerenartige Aromen im Glas sammeln und bündeln, eine erstaunliche, kleine Sensation. Auch im Geschmack finden sich viel Erde und Pfeffer wieder. Aromen, die geradezu nach einem schönen Stück Filet schreien. Dabei ist dieser 1995er eigentümlicherweise noch recht verschlossen und auch ziemlich eindimensional im Rachen unterwegs. Der Abgang ist mittellang, aber einprägsam und wen wundert es … mit viel Pfeffer gespickt. Vier Tage später hat sich das Pfefferfeuerwerk ein wenig gelegt. Der Wein ist immer noch frisch, viel weicher als vor ein paar Tagen, und man weiss, dass dies ein großer Wein sein kann, wenn man diesen nur sehr rechten Zeit öffnet. Doch wann soll das sein?
Wein · Rotwein · Baden · Deutschland
Ziereisen Jaspis 10⁴ Spätburgunder 2021 ist ein Pinot Noir aus alten Reben des Weinguts Hanspeter Ziereisen in Efringen-Kirchen am Dreiländereck. Die Reben sind mit mindestens 10.000 Stöcken pro Hektar bestockt – eine im deutschen Weinbau seltene Pflanzdichte, die konsequent auf Ertragsreduzierung setzt. Unfiltriert abgefüllt.
Markgräflerland / Oberrhein
Efringen-Kirchen liegt im Markgräflerland, dem südlichsten Zipfel des badischen Weinbaus. Das Dreiländereck D/F/CH bringt ein kontinental geprägtes Klima mit langen Vegetationsperioden. Die Böden wechseln zwischen verwittertem Kalkstein, Lehm und Lössauflagen – tiefgründig genug für alte Rebwurzeln, die sich bei hoher Pflanzdichte tief ins Erdreich arbeiten. Klassifiziert als Landwein Oberrhein. Die „Jaspis"-Linie umfasst die Spitzenweine des Guts.
Rebsorte und Ausbau
Reinsortig aus Spätburgunder (Pinot Noir) von alten, handgelesenen Reben. Der Namensteil 10⁴ steht für die Mindest-Pflanzdichte von 10.000 Stöcken pro Hektar; jeder Stock produziert wenig Frucht – die Konzentration entsteht im Weinberg, nicht im Keller. Unfiltriert ausgebaut. Trocken.
Im Glas
Dunkles Rubinrot mit violetten Reflexen. In der Nase rote Kirschen, getrocknete Kräuter, Erde und ein Hauch Graphit. Am Gaumen feste, aber feinkörnige Tannine, eine präzise Säurestruktur und eher dunkle Frucht – Brombeere, schwarze Pflaume –, unterlegt von würzigen Noten. Der Abgang ist lang und mineralisch, ohne Überdruck.
Am Tisch
Trinkreife jetzt mit Dekantieren (mindestens 45 Minuten); optimales Fenster 2025–2033. Kühl bei 12–14 °C, liegend lagern.
Passt zu: gebratener Ente, Wildgerichten, Lammrücken und Pilzrisotto – verträgt kräftige Röstaromen, braucht aber keine schwere Sauce.
