Wenn man seinen Zinken in das Glas steckt, kommen einem unangenehme Noten von unreifen Paprikaschoten und schimmeligen, nassen Altbaukeller entgegen. Im Geschmack dann knorrig, abweisend, schroff und mit einem nicht vorhandenen Abgang gesegnet. Ein Rotwein, den man eigentlich sofort abschreiben würde, stände da nicht der Name Montrose und der Jahrgang 1995 auf der Magnum Flasche. So wird der Wein nicht dem Abfluss Rohr zugeführt, sondern es wird immer wieder daran geschnüffelt und kurz nachprobiert. Und das Wunder des Montrose macht sich dann auch gut drei Stunden später im Glas breit. Es ist wie eine kleine Auferstehung. Auf einmal glänzt dieses Naturprodukt mit feinen Minz-Noten und Johannisbeergelee, öffnet sich immer mehr in feine Waldaromen, geröstete Nüsse und wird auch im Nachhall immer länger und stimmiger. Ein richtiges Chamäleon, da die Flasche in der Nachbetrachtung nicht kaputt war, sondern einfach viel zu früh geöffnet wurde.
Weißwein · Bourgogne Aligoté · Auxey-Duresses
Der Bourgogne Aligoté 2024 von Pierre Vincent reift nicht nur im kleinen Holzfass und im Edelstahltank, sondern erhält ein paar zusätzliche Streicheleinheiten in der Tonamphore. So vereinen sich frische, warme und kühle Elemente wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge – ein wegweisender Aligoté von einem der gefragtesten Winzer des Burgund.
Auxey-Duresses – alte Reben, große Hand
Der Wein stammt aus zwei Parzellen in Auxey-Duresses: Sous le Châtelet (gepflanzt 1932–1962) und Les Fontaines de Moule (gepflanzt 1949). Sehr alte Reben auf Kalkstein-Ton, nach Norden ausgerichtet – die Grundlage für Frische, Spannung und Mineralität.
Hinter der Domaine steht Pierre Vincent, der seinen Ruf bei der Domaine de la Vougeraie und als Leiter der Domaine Leflaive begründet hat. 2023 übernahm er mit Partnern das frühere Gut Terres de Velle und keltert seither unter eigenem Namen – biologisch bewirtschaftet, in Umstellung auf Biodynamie.
Jahrgang 2024 – Burgund
2024 war im Burgund kühler und feuchter: milder, nasser Winter, früher Austrieb, ein feucht-kühles Frühjahr mit Frost und hohem Krankheitsdruck, dann ein trockenerer Sommer mit langsamer Reife und später Lese. Strenge Selektion und teils stark reduzierte Erträge prägten das Jahr.
Bei den Weißweinen ergibt das klare, feine, balancierte Weine mit pikanter Frische und kühler Eleganz – genau die rassige Säurestruktur, die diesem Aligoté seine Spannkraft gibt.
Im Glas
Grüner Apfel, Limette, Orangenzeste, Frühlingsblumen und Rauchmandeln gehen ein geniales Zusammenspiel ein. Die Säure zeigt sich deutlich am Gaumen und spielt wie spritziges Gischtwasser um Aufmerksamkeit. Im Nachhall gesellt sich eine feine Cremigkeit hinzu – mit etwas Luft entwickelt der Wein eine beeindruckende Länge und zunehmend mehr Ausdruck.
Am Tisch
Austern, Moules marinière, Fisch und Meeresfrüchte, Ziegenkäse – oder solo als spritziger Aperitif. Bei 10–12 °C servieren.
