Frank Spiegel zum Jahrgang 2015 in seinem Weingut Ellermann-Spiegel
Nachdem schon der Winter ungewöhnlich mild gewesen war, begann der Austrieb der Reben bereits Mitte April. Trotz einiger Zitternächte mit Temperaturen knapp unter 0° Celsius in Bodennähe, blieben wir zum Glück von Spätfrösten verschont. Der etwas zu warme Mai begünstigte eine relativ frühe und sehr schnell verlaufende „Turbo-Rebblüte“ am Fronleichnams-Wochenende. Somit lagen wir in 2015 etwa eine Woche vor dem langjährigen Mittel. Schon bald wurden jedoch die ausbleibenden Niederschläge und somit die Wasserknappheit zum wichtigsten Gesprächsthema unter den Winzer-Kollegen.
In der ersten Jahreshälfte fiel nach Messungen des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum Rheinpfalz (DLR) beispielsweise in Neustadt 82 Liter je Quadratmeter weniger Niederschlag als üblich. Vier zu trockene Monate in Folge führten dazu, dass bereits Anfang Juli unsere Jungfelder gegossen werden mussten, weil diese unter der Trockenheit besonders litten.
Zur Trockenheit kam die Hitze hinzu. Die anhaltende sengende Sonne führte allerdings nur sehr vereinzelt zu Sonnenbrandschäden an den Trauben. Offenbar konnten sich die kleinen Beeren gut an die intensive Sonneneinstrahlung anpassen. Wir verzichteten zu diesem Zeitpunkt bewusst auf eine Entblätterung der Schatten spendenden Blätter der Traubenzone. Durch die Grüne Lese reduzierten wir auch bewusst den Traubenbehang und entlasteten damit unter Wassermangel leidende Rebstöcke.
Resultat der vielen Arbeit waren perfekte Trauben in optimaler Reife, weshalb wir schon am 10. September mit der Lese der frühen Sorten wie z. B. Sauvignon Blanc starten konnten. Und plötzlich kam dann auch der Regen – und das in großer Menge. Innerhalb weniger Tage fielen 80 Liter je Quadratmeter. Zum Regen kam am 19. September leider auch etwas Hagel, der die Beeren leicht „anschlug“, was auf den ersten Blick gar nicht sichtbar war. In Verbindung mit dem vielen Wasser wurden diese kleinen Verletzungen wenige Tage später schnell zu faulen Beeren, weshalb wir das Lesetempo schlagartig erhöhen mussten. Teilweise waren wir mit über 20 Erntehelfern im Weinberg zugange, um selektiv von Hand schnellstmöglich die noch gesunden Trauben der Hagel-Weinberge zu sichern. Am 8.10. beendeten wir schließlich die Weinlese 2015 mit der Ernte einer Rieslaner Beerenauslese.
In den wenigen Jahrgängen, die wir als noch junges Weingut vinifizieren durften, gehört 2015 sicherlich zu einem der ganz besonderen. Selten konnten wir Trauben in dieser Reife und Aromenfülle ernten. Noch blubbert es im Keller – die bereits vergorenen Jungweine jedoch präsentieren sich schon jetzt wunderbar rund und ungemein aromatisch. Wir können uns auf einen außergewöhnlichen Jahrgang freuen!

