El Poblet – Valencia – Spanien
Das El Poblet ist wie ein verspieltes Wohnzimmer eingerichtet. Die Bilderrahmen glänzen ohne Bilder oder wurden mit Spiegeln versehen. An den Wänden sind großflächige Lederflächen installiert, die an eine Gummizelle erinnern; die Sitzstühle erinnern an alte Sitzgelegenheiten, die früher am Lehrerpult standen, Retro-Lampen illuminieren die Tische punktuell und vermitteln ein Bild Amerikas der 1950er Jahre. Ein Teil des kleinen Lokals wurde dann auch noch mit kitschiger farbenprächtiger Blumentapete verklebt. An diesem Raum scheint sich ein wahrer Künstler versucht zu haben und daher wird es auch nie langweilig, sich immer wieder umzuschauen, um neue Details zu entdecken.
Dies ist bei den ersten paar Snacks auch bitter nötig, denn diese Kleinigkeiten können den Anspruch leider nicht erfüllen: weder die trockenen Chips aus verschiedenen Zutaten, noch die Tomaten, noch die essbare Rose mit rot gefärbten dünnen Apfelscheiben konnten auch nur annähernd überzeugen. Auch der Apfel Gin Tonic war ein Schatten seiner selbst. So etwas bekommt fast jeder halbwegs begabte Barmixer besser hin.
Nach diesem kurzweiligen, aber leider nicht besonders schmackhaften Intermezzo keimte dann ein Funken Hoffnung in Form eines Tomatenschnees auf. Eine leckere Tomatencreme mit getrockneten ganzen Tomaten unter einer weißen Tomaten Schneehaube obendrauf vermittelte einen Hauch von Winter mit der Frische und dem Geschmack der südländischen reifen Tomate. Auch die anschließende Hühnerbrühe mit Einlage, pochiertem Ei und Goldblatt war durchaus ordentlich und wärmte nach der vorherigen Schneelandschaft den Körper wieder wohltuend auf .
Dass die Küche von Quique Dacosta allerdings noch zu viel mehr in der Lage ist, bewies das folgende Erbsenrisotto. Frische Erbsen, klein geschnibbelte junge Erbsenhüllen, die als Zwiebel Ersatz fungierten und ein perfekt gekochter Reis brachten die absolute Gemüsefrische in den Mund. Das ganze Gericht lebte nicht nur durch die tollen und frischen Aromen, sondern auch durch die Knackigkeit und Frische der Erbsen, verbunden mit der Cremigkeit des gekochten Reis. Dieser Gang machte den Besuch im El Poblet lohnenswert.
Das Stück Iberico durchaus lecker und gut gebraten, allerdings auch kein absolutes Top Highlight. Das abschließende Dessert Zitrusfeld gefiel dann wieder sehr, da es frische, saure Elemente und klare Aromen mit dem richtigen Schuss an Cremigkeit und Süße verband. Nicht zu sättigend und dabei recht leicht schmeckend. Auch ein ewiger Abgang sprach für diese tollen Zitrusfrüchte.
Die zum Cortado gereichten Petit Fours wirkten dann leider wieder wie die Anfangshäppchen. Absolut belanglos und diesem Restaurant nicht würdig. Wie so oft bei spanischen Spitzenköchen liegen Genie und Wahnsinn ganz nah beieinander und es zeigen sich hier die waren Kochkünstler, die nicht kopieren, sondern versuchen, sich immer weiter zu entwickeln. Viel Neues wird ausprobiert und ein paar Dinge sind einfach genial, andere dann leider auch nicht oder man versteht diese auch einfach nicht.
Tomaten.
Parmesanstangen.
Maisbrot.
Essbare Rose.
Apfel Gin Tonic.
Tomaten Schnee.
Goldene Hühnersuppe.
Reis mit Erbsen und Sepia Eiern.
Iberico.
Zitrusfrüchtefeld.
Restaurante El Poblet
Carrer de Correus, 8
46002 València
Spanien
Telefon: +34 961 11 11 06
www.elpobletrestaurante.com












