Château Montrose 1975 – St. Estephe – Bordeaux – Frankreich
Ein karger, von Gerbstoffen gebeutelter Rotwein, der bereits in das betagte Alter eines „Weinrentners“ übergangen ist, kann erstaunlicherweise noch ganz gut schmecken. Aromen von Kohle (die schwarze aus dem Bergtagebau), Rote Bete, Graphit, geräucherte Wurst und Waldpilze ergeben zusammen ein erstaunliches Potpourri an Sinneseindrücken. Die Tannine sind immer noch präsent und eine Beerenfrucht ist hier schon lange nicht mehr zu entdecken. Das macht aber rein gar nichts, da sich der 1975er Château Montrose seine eigene Geschmackswelt aufgebaut hat.
Dieses flüssige Kunstprodukt umschmeichelt den Gaumen nicht, es füllt ihn mit seiner „harten“ Art förmlich aus. Auch ein Abgang ist hier nicht zu finden, da sich alle Geschmacksattribute, als ob sich diese abgesprochen hätten, im Mundraum abspielen. Der Geschmack nach Blut (Eisen), Kohl (eingekochter Rotkohl) und viel geräuchertem Speck sprechen, bzw. schmecken für sich. Ein Wein, der nach einer deftigen Speisebeigabe schreit, und diese auch in Form von Schinken und Ochsenwurst bei der Probe erhalten hat. Ziemlich kernig und irgendwie auf seine verschrobene Art auch gut.
