Château Margaux 1985 – Margaux – Bordeaux – Frankreich
Zu später Nacht, kurz nach dem Rauswurf aus dem eigenen Heim wegen nächtlicher Ruhestörung, ist es immer gut, Freunde direkt um die Ecke wohnen zu haben, die nicht nur bereit sind, einem kurzfristig Asyl zu gewähren, sondern auch noch zuvorkommend genug sind zur vorgeschrittenen Stunde, nach einem halbwegs ordentlichen Gelage, einen „oben drauf zu setzten“.
So wurde dieser Château Margaux 1985 zu einem Zeitpunkt geöffnet, als sich Hase und Igel schon lange gute Nacht gesagt haben und in ihren Höhlen und Laubunterkünften fröhlich vor sich hin schnarchten. Und es hat sich in jedem Fall gelohnt!
Ein großer Rotwein schwappte zur nachtschlafenden Zeit in die Gläser, zwar keiner dieser ganz großen Margauxs, wo sich dessen Einzigartigkeit für ewig in die Gehirnwinde einbrennt, aber ein reifer, runder und ätherischer Tropfen. Frucht und Erde gaben sich noch einmal freundlich ihre Pranken, bevor ein seidiger und runder Abgang Geist und Körper noch mehr lähmte.
Fragmentstücke wie schwarze Johannisbeeren, gegerbtes Leder, Teer, Rotkohl und ziemlich viel dunkle Lakritze lassen sich noch rekonstruieren. Dass dieses feine Getränk im Laufe des Genusses immer morbider und müder wurde, ist auch noch in der Erinnerung geblieben. So war der Zeitpunkt, diese Flasche fröhlich in gemeinsamer Runde zu leeren, genau der richtige, und man sehnt sich schon ein wenig die nächste Möglichkeit für so einen nächtlichen Genuss herbei …
