Amelia – Donostia-San Sebastián – Spanien PART 1
Das Restaurant Amelia hat am 01. April 2017 seine Pforten in der spanischen Küstenstadt San Sebastian eröffnet. Der argentinische Koch Paulo Airauda hat italienische Wurzeln und nach langen Wanderjahren und Kochstationen unter anderem im The Fat Duck von Heston Blumenthal und dem Arzak hat Paulo Airauda sich endlich seinen Traum von einem eigenen Restaurant in San Sebastian erfüllt.
Das Design ist wie aus einem Guss, alles scheint perfekt und dem Gast wird der Menübetrag auch schon einmal am Morgen vor dem Restaurantbesuch vom Konto abgebucht.
Direkt nach der Eröffnung hat Paulo Airauda auch die sogenannte Dinner Series ins Leben gerufen: hier kocht er mit befreundeten Kollegen gemeinsam ein Zehn- Gang- Menü, bei dem jeder der Köche je fünf Gänge zaubert.
An diesem Montag Abend hat der dänische Koch Jonathan K. Berntsen (Restaurant Clou in Kopenhagen, vom dänischen Dining Guide als Koch des Jahres 2016 ausgezeichnet) mit Paulo Airauda die Kochlöffel geschwungen und vor allen Dingen alle technischen Gerätschaften und Küchentricks, Pulver und Konsistenzen produziert, derer diese beiden jungen Hipster Köche habhaft werden konnten.
Doch in diesem Fall und an diesem Abend hat dies alles nicht wirklich viel genutzt. Ein derart inszeniertes, selbstherrliches Menü mit so wenig Harmonie, falschen Garpunkten, zu kalten Hauptspeisen sowie einer so absurden Weinreise, welche so ganz und gar nicht zu dem sehr merkwürdigen Essen passte, hat die Stadt San Sebastian wahrscheinlich selten gesehen und erlebt.
Einzig und alleine die Hummersauce hatte an diesem Abend einen Wohlgeschmack, eine gute Länge und einen Top Nachhall. Alle anderen Speisen bildeten im Mundgefühl ein trauriges kulinarisches Kapitel.
Auch bei dem Personal hatte man an diesem Abend persönlich den Eindruck, als ob eine perfekt einstudierte Show einfach nur abgespult wurde.
Es bleibt wirklich nur zu hoffen und zu wünschen, dass dies alles entweder ein schlimmer Traum war oder dass das ganze Team sich einfach noch finden muss bis alles perfekt miteinander harmoniert. Vor allen Dingen eine natürlichere Gastlichkeit würde hier immens helfen.
Die Amelia Geschichte geht aber noch weiter … morgen folgt dazu PART 2.
Tja, das war der Eröffnungsgang: Auster mit Kaviar und geröstetem Mohn. Die Auster wurde aber einfach unterschlagen. Ansonsten aber gar nicht einmal so schlecht … für den Anfang …
Rotbarbe im eigenen Sud mit Herzmuschel und Paprika. Die Rotbarbe war aber etwas zu sehr angegrillt und auch noch ziemlich trocken dazu … wirkte nicht gerade wie frisch zubereitet.
Immerhin gab es einmal Brot und Olivenöl.
Violette Artischocken, Lakritze mit „geheimen Zutaten“ als Ravioli … schmeckte nach einer Pizza Margharita mit harter Pastahülle.
Aal Mousse Panna Cotta aus Joghurt und Rettich. Immerhin war der Aal zu erschmecken (geräucherter Natur). Aber auch dieses Gericht hatte keine Länge und schmeckte irgendwie hohl.
Kalbszunge, Anchovis und Xixas (Frühlingspilze). Viel zu trockene, leicht zähe und kalte Zunge mit nach wenig bzw. nach nichts schmeckenden Anchovis und Pilzen. Ein Kampf im Mund und hinterher auch im Kopf.
Steinbutt mit Hummer-Cappucchino. Die Sauce an sich ein Traum und mit leckerem Nachgeschmack, erschlug aber den fast kalt servierten Steinbutt geschmacklich um Längen und ließ keine Aromenentfaltung zu. Wie so vieles an diesem Abend eine gute Idee mit einer schwachen Umsetzung.
Iberico (natürlich fast kalt serviert), Rote Bete und Himbeeren. Sieht futuristisch aus, schmeckte aber leider überhaupt nicht. Keine Harmonie, keine Länge, keinerlei Wohlgeschmack … eine traurige Aneinanderreihung von Merkwürdigkeiten.
Kalbs Ossobuco, Mandel Sauce, getrocknete Früchte und schwarzer Knoblauch. Eigentlich ein klassisches Schmorgericht, welches übergart, viel zu trocken im Kern und natürlich fast kalt serviert wurde.
Grillen, Haselnüsse, Erbsen, Zimt, Blut. Der Versuch, aus Erbsen und Blut (wahrscheinlich aus Schweineblut) einen Tapa Klassiker als Dessert zu zaubern, ist so richtig gründlich gescheitert. Immerhin durfte der Gast hier erraten, was er mit diesem merkwürdigen Gebilde aufgetischt bekam. Der sonderbarste Nachtisch meines Lebens.
Crêpe Suzette. Ja, Crêpe Suzette … man kann froh sein, dass dieses geschmackliche Inferno der letzte Gang eines kuriosen Desasters waren.
Petit Fours, die von den meisten Anwesenden am Tisch dann noch nicht einmal mehr probiert wurden …
Amelia Restaurant
Moraza Kalea, 1B, Entrada en Prim, 34
20006 Donostia-San Sebastián
Spanien
Telefon: +34 943 84 56 47
www.ameliarestaurant.com

