Château Trotanoy 1997 – Pomerol – Bordeaux – Frankreich
„Ich verkoste sonst immer jeden Wein, egal wie er schmeckt, aber diesen Wein möchte ich noch nicht einmal probieren.“
Eine verständliche Aussage, wenn man das fürchterliche Brackwasser begutachtet, welches im Weinglas düster vor sich hin schwappt. Die Vorgeschichte zu diesem traurigen Vorfall ist schon etwas älter, somit aber umso schlimmer. Eine Flasche Château Trotanoy 1997 aus dem Anbaugebiet Pomerol im Bordeaux gelangte wie auch immer in den Besitz des Gastgebers und wurde in gutem Glauben auf seine Echtheit ein paar Jahre im Weinkeller eingelagert. An einem verhängnisvollen warmen Augustabend diesen Jahres sollte dieser Tropfen einer feucht fröhlichen Weinrunde stolz präsentiert werden. Nach dem schnellen Entkorken stellte sich beim Ausschenken dieser Trouvaille allerdings heraus, dass der findige Vor-Eigentümer dieses edlen Weines auf die pfiffige Idee gekommen ist, die Flasche zu leeren, diese wieder mit Wasser zu füllen, ordentlich zu verkorken und die Kapsel sauber an den Flaschenhals zu bringen, um die teure Pulle wieder in den Kreislauf der hiesigen Marktwirtschaft zu bringen.
Das Staunen in der Runde war groß, das ausgeschenkte Brackwasser dagegen leider nicht mehr ganz so toll. Da jedoch in gutsortierten Kellern immer eine zweite Flasche selben Kalibers aufzutreiben ist, wurde nach ein paar Minuten selbige geöffnet. Diese glänzte dann mit einem stattlichen dunklen Ziegelrot, duftete nach Teer, alter Holzkiste, eingemachten Pflaumen, Salmiakgeist, Hagebutten und frisch gegerbtem Leder. Der Pomerol versprühte am Gaumen gute Würzelemente, morbide Gerbstoffe und überzeugte immerhin mit einem gewissen Fruchtansatz im Geschmack und einem angedeuteten Abgang im Finish. In diesem zweiten Fall kein großer, aber ein ehrlicher und trinkbarer Pomerol und kein Brackwasser mehr.