Le Cor de Chasse – im Wechselbad des Geschmacks
Trotz Wanderung wurden die berühmten historischen Megalithenstätten nahe der hübschen wallonischen Ortschaft Wéris leider nicht entdeckt. Auf der Suche nach diesen uralten Steinen traf es sich aber zumindest ganz gut, mit dem Le Cor de Chasse ein gutes Restaurant für den Mittagstisch gefunden zu haben.
Ein modernes, schickes Design aus Holz und Steinelementen in warmen Erdfarben gepaart mit einem tollem Blick in den riesigen Garten hinaus belohnten auf Anhieb die erfolglose Wanderung. Der Gastraum füllt sich auch recht schnell und ob Wandersleute, eine große Familiengruppe oder befreundete junge Ehepaare samt Kleinkinder, das Le Cor de Chasse scheint viele Verehrer und Freunde zu haben. Ohne viel Brimborium werden nach der Bestellung des „kleinen“ Menüs auch schnell die ersten kleinen Happen in Form einer mit Gin Tonic aromatisierten Melone und einem Birnen/Ananas Tartelette inklusive einer leicht scharfen Paprikasauce serviert. In Summe alles recht ordentlich, und im Falle der puren Früchte wohl auch ziemlich gesund, aber geschmacklich auch nicht perfekt harmonierend oder gar appetitanregend.



Eine kleine Steigerung gab es dann durch den etwas sauer marinierten Lachs mit Tomaten- und Avocado Gelee. Ein gutes Produkt mit einer starken Säurestruktur belegt und noch zwei Aromen hinzugefügt, und schon entwickelt sich ein wohliges Gefühl im Mund. Getoppt wurde der Lachs dann allerdings noch von dem nächsten Gruß aus der Küche, einem ziemlich grob geschnittenen Rinderfilet Tatar mit Sellerie, Zwiebeln, Kapern und gepopptem Korn. Auch hier sorgte eine perfekt in Szene gesetzte Säure dafür, dass dieses Gericht als appetitanregender Snack fungierte und die Vorfreude auf weitere Speisen deutlich erhöht wurde.
Die beiden folgenden Gänge in Form von Nordseekrabben, Hering, Kimchi, Kalamansi, Liebstöckel und Makrele, Aal, Pastinaken, leicht scharfem Blumenkohlsalat konnten leider nicht ganz mithalten. Beide Gänge wiesen dann doch zu viele Aromen auf, schmeckten zwar ganz gut, aber die beiden Gebilde wirkten irgendwie breiig und auch von den unterschiedlichen Konsistenzen der Zutaten irgendwie gewollt und nicht gekonnt.
Perfekt gegart und mit einem ganz feinen Hauch Ponzusauce in Szene gesetzt folgte dann der beste Gang des Tages in Form eines Bachsaiblings. Gut flankiert von einem Graupenrisotto, Mandeln und Rettich stimmte hier alles. Diesem standen die in zwei Gängen und insgesamt aus drei Kaisergranaten bestehenden nächsten Speisen in fast nichts nach. Zuerst mediterran und dann mit der Roten Bete eher erdig daher kommend, konnten die Zehnfußkrebse absolut überzeugen.
Bei den beiden Dessert stand leider jeweils die Süße im Vordergrund und die einzelnen Aromen gingen ein wenig unter; auch hätte hier ein kleiner Säure „Einschub“ einen eleganteren Genussbogen schlagen können.
Alles im allem eine wechselhafte Achterbahnfahrt mit Höhen und Tiefen.
Le Cor de Chasse – Rue des Combattants 16 – 6940 Wéris – Belgien – Telefon: +32 86 21 14 98 – https://www.lecordechasse.be/
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