Der Weinbau in Polen reicht zwar bis in das 17. Jahrhundert zurück, aber er war nicht wirklich von großer Bedeutung. In Polen wurde früher eher ein Honigwein, dann Bier und noch später Wodka gemacht und getrunken. Seit einigen Jahren aber versuchen immer mehr Menschen die alte Tradition des Weinanbaus und der Weinherstellung zu beleben. Es gibt sogar eine Lebuser Wein- und Honigstrasse, die sich von Zary (südlich von Zielona Gora, zu deutsch: Grünberg) bis nach Dobigniew (nördlich von Gorzow Wlkp, zu deutsch: Landsberg an der Warthe) zieht. Nach der Terminvereinbarung kann man die sehr winzigen Betriebe besuchen und Produkte verkosten. Auch im Süd-Osten von Polen wird der Wein angebaut. Polen gehört klimatisch zur Zone A.
Ende März 2012 besuchte ich das größte Weingut in Polen: Winnice Jaworek in Miekinia (Nimkau) in der Nähe von Sroda Slaska (Neumarkt in Schlesien). Das Weingut wurde 2001 von Ewa und Lech Jaworek gegründet, die alten Gebäude aus dem 18. Jahrhundert wurden restauriert.
Mittlerweile umfasst der Betrieb ca. 24 ha Rebfläche, auf welcher über 30Rebsorten getestet werden (u.a. Elbling, GB, SB, Blauburgunder, M-T, Riesling, Cabernet Sauvignon, Dunkelfelder, Gewürztraminer). Nur aus einem sehr kleinen Teil gelingt es Jahr für Jahr Weine herzustellen, jedoch nicht immer aus der gleichen Rebsorten.
Gewürztraminer wurde durch Hagel vernichtet, Dunkelfelder wurde vom Botritis befallen, Silvaner wollte auch nicht mitmachen.
Riesling und Regent haben hier eine neue Heimat gefunden, M-T lässt hoffen, Cabernet Sauvignon und Pinot Noir je nach Jahr bringen gute Ergebnisse.
Seit 2010 pachten die Besitzer auch einen Weinberg in süd-östlichen Makedonien in der Region Povardarie, wo Chardonnay, Sauvignon Blanc und Vranec angebaut werden. Dort kümmert sich Josef Watzl um die Weine.
Die Klimabedingungen in Miekinia sind nicht einfach, die Bodenarten sind sehr unterschiedlich (Lehm, Kies, Sand meist alles zusammen vermischt), daher so viele Rebsorten, so viele Versuche. Oft erfrieren die jungen Triebe, doch die Winzer lassen sich nicht entmutigen und versuchen es immer aufs Neue. Wenn der Frost kommt, werden zwar in den Weinbergen Lagerfeuer gemacht, aber auch diese Maßnahme hilft nicht immer. Auch die sieben Behörden, die die Weinproduktion kontrollieren, haben eher keine konstruktive Funktion bei der Weinbauentwicklung.
Die Chaptalisierung ist zwar zugelassen, aber man muss um Erlaubnis bitten; der Zucker, der zwar amtlich abgepackt wurde, wird nochmals gewogen …, die meisten chemischen Mittel sind verboten, also man kann sagen, die Weine sind Bio; Verkaufen darf man nur Weine aus eigener Produktion, man darf keinen Saft dazu kaufen; jeden Schritt (Filtration, Assamblage, Abfüllung, Verkauf …) muss man bei einem der Ämter anmelden; die Reinzuchthefe kaufen die Winzer hauptsächlich in Deutschland (Bad Karlstadt) und arbeiten eng mit einem Önologen aus Bad Dürckheim zusammen.
Die Gärung dauert 3-4 Wochen und wird kontrolliert; je nach Zustand wird die Temperatur durch kleine Öfen höher gehalten oder der Saft wandert in große Kühlräume; alle Rotweine durchlaufen eine malolaktische Gärung; die Abfüllung findet meist Ende April oder im Mai statt.
Zusammengefasst: es lohnt sich zur Zeit nicht wirklich in Polen Wein zu machen. Der Aufwand und die Kosten sind sehr groß, die polnischen Weine gelten auch im Lande als eine Rarität, daher sind sie ziemlich teuer und werden nur von einer kleinen Gruppe gekauft und getrunken.
Ich habe ältere Jahrgänge probiert, die jüngeren gab es nicht.
2010 Winnice Jaworek, Riesling wino biale
(Alk. 10,5%); Selektion, Handlese, 3906 Flaschen
Frisch, ausgeprägte Zitrusnoten, grüne Äpfel, Gras, wenig Linde, dominante Säure; halt polnischer Txakoli.
2009 Winnice Jaworek, Sauvignon Blanc biale wino wytrawne
(Alk. 11,5%, Makedonien)
untypisch; geht Richtung Scheurebe; Stachelbeere; grasige Noten, Paprika, Spargel, grüne Oliven, wenig Melone, Zitrus und Ananas, Jogurt; gute Harmonie zwischen Säure (7g/L) und dem RZ.
2009 Winnice Jaworek, Muscat Trollinger rose polwytrawne (Alk. 12%, halbtrocken): helle Lachsfarbe, ein Blumenfeld: weiße Blumen und etwas Rose auch Nüsse, dezenter Muskatton.
2008 Winnice Jaworek, Vranec, czerwone wino wytrawne (Alk. 14%, trocken), malolaktische Gärung: dieser Wein wurde nach den Richtlinien der Inhaber in Makedonien gemacht. Vranec ist eine makedonische Bezeichnung für Lemberger. Dunkles Purpur im Glas; sowohl in der Nase wie auf dem Gaumen dunkle reife Waldfrüchte, grüne Zweige, Tannen, Cassis, Kräuter, Zimt, Lakritze, eine rauchige ziemlich dominante Note, weiche, aber grüne Tannine, gute Säure. Kräftig, mittlerer Abgang, ein wenig zu viel Holz und Joghurt.
2009 Regent wurde im Weingut kalt (wohl bemerkt auch nicht kühl) serviert. Ich versuchte ihn mit den Händen zu erwärmen, aber es dauerte zu lange ….vermutlich durch seine Kälte konnte er sich nicht wirklich entfalten; irgendwann kamen eine leichte Raucharomatik, dunkle Früchte, Teer und Vanille, Joghurt zu spüren; der Wein hat mir am wenigsten gefallen.
Und am Ende durfte ich in den Keller rein, wo die Weine liegen. Dort habe ich ein wenig zu viel vom „Honigwein“ (Traubensaft mit Honig und irgendwelchen Zutaten, eine Zeit lang gelagert) getrunken. Er war ein bisschen zu süß, aber lief gut runter. Dann ging es im leichten Schneefall weiter nach Krakau.




