Ein Riesling, der in mir sehr gemischte Gefühle auslöste: im Duft vielversprechend, voller reifer Steinobstfrüchte, fast schon majestätisch und opulent. Im Geschmack hängt die ganze Ladung der gelben, reifen Frucht dann oben plakativ im Mund, im unteren Teil ist dann allerdings nur eine stark abweisende Mineralität zu spüren und ein wenig zu viel Alkohol. An sich zwar alles in allem eine gute Sache, aber leider auf zwei komplett anderen Geschmacksebenen. Der Wein, der also eigentlich hervorragend und wirklich lecker und gar groß anmutet, wirkt durch diese Disharmonie leider unrund und nicht gerade harmonisch. Man kann erahnen was in diesem herrlichen alkoholischen Getränk so alles an Potenzial schlummert, hofft und betet, dass es sich beim Trinken auch öffnet und muss leider feststellen, dass es für diesen großen Weißwein leider noch zu früh war. Hier gehört noch nicht zusammen was zusammen gehört: Rieslingfrucht plus Terroir. Aber was noch nicht ist, wird sicher durch weitere Flaschenreife noch werden. Dies untermalt auch der stattliche und sehr lange Nachhall.
Rotwein · Volnay Premier Cru · Pinot Noir
Der Volnay Clos des Chênes 1er Cru 2023 der Domaine Michel Lafarge gilt als Primus des Sortiments. Betörend komplex, mit roten Beeren und Gewürzen – komplett, konzentriert und kraftvoll. Noch jung und unentwickelt, lässt er seine künftige Schönheit aber bereits erahnen: ein großer Wein in jeder Beziehung.
Clos des Chênes – Flaggschiff-Lage in Volnay
Clos des Chênes zählt zu den größten und besten Premier Crus von Volnay. Die Lage liegt am oberen Mittelhang auf flachgründigem, steinigem Kalkstein mit dünnem, braun-rotem Ton – das ergibt strukturierte, mineralische und langlebige Weine, die etwas fester ausfallen als ein typischer Volnay. Lafarges 0,9 Hektar liegen in der Nordost-Ecke, am Schnittpunkt der vier großen Volnay-1er-Crus (Caillerets, Taillepieds, Champans), mit Reben aus den Jahren 1951 und 1971.
Es ist die größte Volnay-1er-Cru-Parzelle des Guts und eines seiner Aushängeschilder – schon 1934 zählte Clos des Chênes zu den ersten Eigenabfüllungen. Die Domaine Michel Lafarge gilt als Archetyp des klassischen Volnay und arbeitet biodynamisch.
Jahrgang 2023 – Côte de Beaune
Auf einen milden Winter folgte ein kühl-feuchtes Frühjahr mit Austrieb Mitte April; ab Mitte Mai wurde es trockener und wärmer. Die Blüte setzte Anfang Juni weitgehend störungsfrei ein, der Sommer verlief überwiegend gut.
Eine Hitzewelle im August konzentrierte die Aromen, Niederschläge Mitte September brachten Frische und Balance zurück. Für die roten Burgunder steht 2023 für Tiefe, Farbe und Eleganz – klare Frucht, feine Würze und geschliffene Tannine bei großzügiger Erntemenge.
Assemblage und Ausbau
Reinsortiger Pinot Noir aus dem Jahrgang 2023, von Hand gelesen, streng sortiert und überwiegend entrappt (mit etwas Ganztraube, wenn die Stiele reif sind); Spontangärung und sanfte Extraktion.
Der Ausbau erfolgt rund 14 bis 18 Monate in gebrauchten 228-Liter-Pièces, mit sehr wenig bis keinem neuen Holz und minimalem Abstich; biodynamisch (Ecocert/Demeter), unfiltriert bzw. nur leicht filtriert.
Im Glas
Betörend komplex: rote Kirsche, Kirschwasser, Cranberry und Pflaume, dazu Veilchen, Gewürze, ein Hauch Kakao und zerriebener Kalkstein. Am Gaumen konzentriert und kraftvoll, mit dichtem, puderigem Tannin und lebhafter Säure – fester als ein typischer Volnay, mit langem Abgang.
Rote Kirsche, Kirschwasser und zerriebener Kalkstein über dichtem, puderigem Tannin – konzentriert, kraftvoll und mit großer Zukunft.
In der Jugend noch verschlossen; das Potenzial reicht über viele Jahre, oft zwei Jahrzehnte. Bei 16 °C servieren; eine Belüftung im Dekanter lohnt sich.
Am Tisch
Wild und Federwild, Ente, Rind, Gerichte mit Trüffel oder Pilzen, dazu gereifter Käse. Ein Wein für den großen Anlass.
