Ein Riesling, der in mir sehr gemischte Gefühle auslöste: im Duft vielversprechend, voller reifer Steinobstfrüchte, fast schon majestätisch und opulent. Im Geschmack hängt die ganze Ladung der gelben, reifen Frucht dann oben plakativ im Mund, im unteren Teil ist dann allerdings nur eine stark abweisende Mineralität zu spüren und ein wenig zu viel Alkohol. An sich zwar alles in allem eine gute Sache, aber leider auf zwei komplett anderen Geschmacksebenen. Der Wein, der also eigentlich hervorragend und wirklich lecker und gar groß anmutet, wirkt durch diese Disharmonie leider unrund und nicht gerade harmonisch. Man kann erahnen was in diesem herrlichen alkoholischen Getränk so alles an Potenzial schlummert, hofft und betet, dass es sich beim Trinken auch öffnet und muss leider feststellen, dass es für diesen großen Weißwein leider noch zu früh war. Hier gehört noch nicht zusammen was zusammen gehört: Rieslingfrucht plus Terroir. Aber was noch nicht ist, wird sicher durch weitere Flaschenreife noch werden. Dies untermalt auch der stattliche und sehr lange Nachhall.
Weißwein · Rheinhessen · Riesling
Das Wittmann Westhofen Morstein Riesling Großes Gewächs 2024 stammt aus der ältesten und berühmtesten Einzellage Westhofens – ein großer, tiefgründiger Bio-Riesling mit elegantem, frischem Aroma nach gelben Früchten und einer klaren, leicht salzigen Mineralität.
Morstein – die historische Grosse Lage Westhofens
Das Weingut Wittmann in Westhofen zählt zu den führenden Adressen Rheinhessens und arbeitet seit Langem konsequent biodynamisch (Demeter). Die VDP.Grosse Lage zeichnet die hochwertigsten Weinberge Rheinhessens aus – parzellengenau abgegrenzt; hier reifen die besten Weine mit expressivem Lagencharakter und besonderem Reifepotenzial.
Der reine Südhang des Morstein zieht sich bis auf ein Hochplateau auf 280 Meter über NN hoch und ist die älteste in Westhofen erwähnte Einzellage (1282). Im Mittelstück des Hanges, zwischen 180 und 240 Metern über NN, liegt die VDP.Grosse Lage Morstein mit einer Hangneigung von 20 %. Hier findet man schwere Tonmergelböden mit Kalksteineinlagerungen in der oberen Schicht; der Untergrund wird von wasserführenden Kalksteinfelsschichten dominiert, die eine optimale Nähr- und Mineralstoffversorgung garantieren.
Jahrgang 2024 – Rheinhessen
2024 war ein kühlerer, klassischer Jahrgang, der Rieslinge von großer Frische und Präzision hervorbrachte. Auf den schweren Tonmergel-Kalkstein-Böden des Morstein ergibt das einen besonders tiefgründigen, dichten Wein mit lebendiger Säure, klarer gelber Frucht und feiner, salziger Mineralität – Größe und Spannung statt bloßer Opulenz.
Ausbau
Reinsortiger Riesling aus dem Jahrgang 2024, trocken, VDP.Grosses Gewächs.
Handlese, Ganztraubenpressung, Spontangärung mit eigenen Hefen und langer Ausbau auf der Vollhefe – überwiegend im traditionellen großen Holzfass und Edelstahl. Der zurückhaltende Ausbau lässt Frucht und die kalksteingeprägte Mineralität der Lage unverfälscht in den Mittelpunkt treten. Biodynamisch (Demeter), DE-ÖKO-022.
Im Glas
Ein elegantes, frisches Bukett von gelben Früchten – reifer Apfel, Birne, gelbe Zitrus –, ergänzt um weiße Blüten, feine Kräuter und einen tiefen, kalkig-mineralischen Zug. Am Gaumen tiefgründig und dicht, mit straffer, animierender Säure und der für den Morstein typischen klaren, leicht salzigen Mineralität – kraftvoll und zugleich elegant, mit großer Länge und Nachhall.
Elegantes, frisches Aroma nach gelben Früchten – mit klarer, leicht salziger Mineralität.
Schon jetzt zugänglich, entfaltet seine ganze Größe aber erst mit einigen Jahren Kellerreife; profitiert vom Dekantieren. Bei 11–13 °C servieren.
Am Tisch
Zu gebratenem Fisch und Meeresfrüchten, zu Geflügel und Kalb in heller Sauce, zu Spargel sowie zu kräftigerem Hartkäse.
