Tignanello 1997 – Toskana – Italien
Es gibt wohl kaum einen anderen Wein wie den Tignanello, wo jeder Jahrgang als der „Beste jemals Produzierte“ gefeiert wird. Wenn das Jahr von der Qualität einmal nicht passt, dann wurde die Weinbergspflege optimiert oder der technische Aspekt im Keller auf Vordermann gebracht. In jedem Fall gibt es beim Tignanello wundersamer Weise eigentlich keine schlechten Jahrgänge und die potenziellen Kunden sollen Jahr für Jahr den immer besser werdenden Rebensaft Kistenweise in ihren Kellern horten. Das gegebene Versprechen vom Weingut, Vertrieb, Presse und Handel, dass sich der „Beste je Produzierte“, hochgelobte Tropfen über viele weitere Jahrzehnte hervorragend weiter entwickeln wird und dass die Preise weiter dramatisch steigen werden, ist allerdings eine Art modernes Märchen.
Auch der 1997er Tignanello war so einer dieser Wunderjahrgänge: es hiess, dass so etwas Großes noch nicht einmal im Jahrzehnt erschaffen werden kann. Ein Wein, der für die sogenannte Ewigkeit geschaffen wurde. Als der Wein auf dem Markt kam, war er auch wirklich gut, einfach lecker, ein Roter, der zu vielen Speisen passte, mit Frucht, guten, reifen Gerbstoffen und einer respektablen Länge. Ein vor zwei Jahren getrunkener Vertreter dieses Kultgetränks war auch noch gut, liess aber schon erste Anzeichen des Alters erkennen und hielt im Finale auch nicht mehr das, was vor 18 Jahren vollmundig versprochen wurde. Nun, zwei Jahre später, hat die Cuvée aus hauptsächlich Sangiovese und ein wenig Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc ihr Leben fast schon ausgehaucht. War der erste Schluck noch ganz angenehm, da der Wein kellerkühl ins Glas gegossen wurde und somit die nicht so schmeichelhaften Aromen durch die Kälte unterdrückt wurden, war das nachfolgende Intermezzo am Gaumen eine wahre Farce. Eine nicht mehr vorhandene Frucht kämpft im Mund mit unangenehmen Tanninen um die Vorherrschaft. Wie ein zu alt gewordener Fruchtsaft mit unangenehmen, verwelkten Erdaromen und einem bitteren Abgang präsentiert sich dieser Geselle aus der Toskana. Je mehr Luft an das rote Nass gelangt, um so schlimmer wird es.
Auch diese Flasche ist einmal wieder der flüssige Beweis dafür, dass ein Tignanello am besten nach einem Lebensalter von 10 bis 15 Jahren nach Produktionsdatum getrunken werden sollte. Alles andere kommt einem Roulette Spiel gleich und im Kasino wäre die Chance auf einen guten Gewinn wahrscheinlich ungleich höher.
