Arnd Dietrich zum Jahrgang 2015 in seinem Weingut
Das Jahr 2015 hat uns in erster Linie irritiert. Kein Frost im Frühling, keine langen Regenperioden im Sommer und Herbst, kein Hagel, kein Schädlingsbefall exotischer Mücken, nichts. Das ist für die letzten Jahre eher ungewöhnlich, in denen in einem guten Jahr zumindest nochmal kurz vor der Lese ein Hagel reinhaut.
2015 war von Frühjahr bis zum Ende der Lese perfekt. Unsere hervorragenden Lagen konnten ihr ganzes Potenzial zeigen und liessen sich auch von der langen Trockenheit nicht nervös machen. Waren die oberen Schichten aus Kalk, Kies oder Löß schon sehr trocken, wurzeln die Rebstöcke jedoch so tief, dass sie die wasserspeichernden Ton- und Lehmschichten problemlos erreichten und optimal versorgt wurden.
Natürlich mussten wir auch dieses Jahr wieder Entscheidungen treffen, welche die Entwicklung des Reifegrades und der Aromenbildung nicht unerheblich beeinflusst haben. „Laubmanagement“ ist hier das etwas gekünstelt klingende Stichwort. Entlauben hat man bis vor kurzem noch dazu gesagt. Und da war 2015 bei uns weniger mehr. Nach einer ersten Entlaubung mit Traubenschluss, verzichteten wir auf eine zweite im Spätsommer. Entlaubt wurde auch nur die wetterabgewandte Seite um die Beeren vor Sonnenbrand und zu schützen, was zu unerwünschten Fehltönen führen kann.
Die Burgunder reiften 2015 relativ früh und perfekt aus. Das ist vielversprechend. Die Roten wie Merlot, Cabernet und Pinot Noir wurden 2015 von der Sonne mehr als verwöhnt und werden es wohl mit einem sensationellen Jahrgang danken.
Bleibt noch der Riesling. Tja, beim Riesling merkt man, dass er Deutscher ist. Sonne? Hitze? Mir doch egal! Ich werd immer erst frühestens Ende September reif, da werd ich doch 2015 keine Ausnahme machen! Und so konnte auch der liebe Riesling wieder Erwarten langsam ausreifen, um sein prägnantes Aromenbild, getragen von einer schönen Säure, auszubilden.
Im Keller blubbert noch einiges vor sich hin, erste kleine Jungweinproben lassen jedoch sehr schöne Sachen erwarten. Vom Jahrhundertjahrgang sollen andere reden …
Text: Arnd Dietrich