Enderle und Moll – Bericht zur Lese 2015:
„Dieses Jahr war geprägt durch einen kalten und langen Winter, einen eher späten Austrieb und eine sehr lange Trockenphase im Sommer. Der lange und kalte Winter führte dazu, dass die Reben viel Zeit hatten, sich auszuruhen und zurückzuziehen. Auch konnte ein Großteil der Larven der Kirschessigfliege, die uns letztes Jahr sehr viel Sorgen beschert hatte, die Kälte nicht überleben.
Der Austrieb war dann eher spät, aber schnell, was für die Winzer sehr gut war, da die Schädlinge so weniger Zeit hatten, um die jungen Triebe zu befallen!
Das Jahr war dann sehr warm und extrem trocken. Deswegen passten wir unsere Arbeit in den Rebanlagen an das sehr heiße Wetter und die Trockenheit an und versuchten, die Reben möglichst wenig zu stressen oder zu Reaktionen zu zwingen!
Jeder Eingriff in das „System Rebe“ provoziert nämlich eine sofortige Reaktion von Seiten der Pflanze, was für diese immer Kraft und Energie kostet. Wenn die Rebe aber sowieso schon aufgrund von äußeren Umständen (Nässe, Hitze, Dürre, Hagel, Schädlinge,…) sehr gefordert ist, sollte man möglichst allzu große Eingriffe vermeiden. Wir verzichteten also z.B. auf das Zurückschneiden der Spitzen und wickelten stattdessen die Triebe um zusätzliche Drähte, um dadurch die Rebe nicht zur Bildung von zusätzlichen Trieben zu zwingen.
Auch die Entblätterung war dieses Jahr sehr vorsichtig, da die Sonneneinstrahlung und die Hitze sonst Schäden an den Trauben hinterlassen hätte!
Da aber unsere Reben weitestgehend sehr alt sind und dementsprechend sehr tief wurzeln, kamen sie nicht in Trockenstress und überstanden den Sommer sehr gut.
Die Lese begann bei uns dann auch dieses Jahr sehr früh (Anfang September). Die Trauben waren zu diesem Zeitpunkt sehr gesund und wir hatten kaum Verlust durch Schädlinge oder Pilzkrankheiten, so dass wir auch genug Menge in den Rebanlagen hatten! Wie jedes Jahr bestimmten wir den optimalen Lese-Zeitpunkt anhand des pH-Wertes und der Säure und weniger anhand des Zuckerwertes.
Aufgrund der tollen Qualität konnten wir sehr zügig lesen und hatten innerhalb weniger Lesetage die komplette Menge Trauben in unserem Keller!
Die Trauben wurden von uns nur z.T. entbeert, aber der größte Teil wurde mit den Füßen eingemaischt und in 700-Liter-Behältern ausgebaut. Natürlich verwendeten wir wieder keinerlei Hilfsmittel oder Hefen oder Schönungsmittel oder Schwefel. Die Gärung verlief sehr ruhig und kontinuierlich. Schon nach kurzer Zeit fiel auf, dass die Maische eine sehr intensive Farbe und sehr viel Armona aufwies. Die Weine werden auf jeden Fall um einiges kräftiger, komplexer und kompakter werden als in 2014, was ja eher ein sehr kühles und nasses Jahr war.
Die meisten Weine haben wir inzwischen abgepresst, aber wir haben auch dieses Jahr wieder Trauben von befreundeten Winzern dazugekauft, die wir erst später bekommen haben und die noch mitten in der Gärung stecken!
Zusammen mit den neuen Fässern, die wir dieses Jahr gekauft haben, wird dies mit Sicherheit einer unser besten Jahrgänge.
Bei einigen Weißweinen ( Auxerrois, Müller-Thurgau ) haben wir uns wieder entschieden, sie in unseren großen Ton-Gefäßen mit einem Teil der Beeren auszubauen!
Wir sind schon sehr gespannt auf die weitere Entwicklung der Weine und wir werden Sie auf jeden Fall auf dem Laufenden halten!“
Text: Florian Moll