Rübhausener Süsswein Probe 2015.
Reine Süsswein Proben sind selten. Süsswein Proben nach einem ausgiebigen Weißwein Tasting noch seltener und für Leib und Seele auch eine extreme Belastung.
Der erste Süsswein, der bei diesem legendären Wiedersehen Bonner Weinfreunde plus Umland auf den Holztisch kam, war eine 2006er Chardonnay Trockenbeerenauslese vom Weingut Kracher aus dem Burgenland/Österreich. Süß, breit und eher von einer plumpen, mächtigen Struktur geprägt. Durchaus gut und lecker aber nicht wirklich groß. Hier zeigt sich einmal wieder, dass der Chardonnay zwar potente Süssweine hervorbringt, aber ihm doch die Säure fehlt, um ein gewisses Spiel in die süssen Boliden zu bringen.
Weinlaubenhof Kracher Chardonnay Trockenbeerenauslese Nummer 10 2006.
Dann folgte ein Sauternes, um es genauer zu sagen, ein 1983er Rieussec aus dem Bordelaiser Sauternes Gebiet. Die vollmundige Ankündigung vor dem ersten Schluck des großen und wahren Olbis „Alle Rieussecs sind groß… der wird so massiv sein, dass kein anderer Wein mehr eine Chance gegen ihn haben wird.“, entpuppte sich leider als allzu optimistischer Blick in die Glaskugel. Die Farbe dieses Tropfens erwies sich als ziemlich braun und auch in Duft und Geschmack glänzte er zwar mit viel Süße, aber ansonsten doch eher wenig. Das Wort Überreife beschreibt dieses Gewächs relativ zutreffend.
Chateau Rieussec Sauternes 1983.
Ein ganz anderes Kaliber brachte dann der Szepsy Botond 1996 auf die Waage. Duft nach Marille, ein wenig Blütenhonig, getrocknete Früchte, sehr frisch und ausbalanciert, auch im Geschmack. Eine elegante Säure verleiht diesem Tokajer Frische und zudem Finesse. Hier wirkt alles perfekt integriert und mündet in einen atemberaubenden, sehr langen Nachhall.
Szepsy Botond Tokaji Cuvée 2006.
Der nächste Weißwein aus dem Sauternes Gebiet, ein Chateau Lafaurie-Peyraguey 2001, hatte wirklich „massiv“ viel Holz, viel Alkohol, sehr viel Extrakt und schmeckte noch ziemlich verschlossen (wenn er sich denn überhaupt je öffnen wird). In diesem Stadium ein rustikales Gewächs, welches eher den Blutzuckerspiegel nach oben treibt als wirklich feinen Genuss zu verbreiten.
Chateau Lafaurie-Peyraguey Sauternes 2001.
Dass es auch fein, subtil, elegant, leicht, beschwingend und vielschichtig gehen kann, beweist dann die 1992er Riesling Beerenauslese vom Rheingauer Weingut Langwerth von Simmern. Wirklich noch sehr frisch und viel Weinbergspfirsich und Zitrusaromen in allen Bereichen lassen sich hier finden. Eine leichte Firnis Note ist zwar feststellbar, aber wird durch die runde Säurestruktur und den harmonischen Abgang hinten heraus als angenehm empfunden.
Langwerth von Simmern Hattenheimer Nussbrunnen Rheingau Riesling Beerenausleses 1992.
Ein tolles Gewächs, welches von dem 1977er Steinberg Riesling Eiswein von den Staatsweingütern Eltville sogar noch getoppt wurde. Der Duft verbreitet kandierte Früchte, getrocknete Ananas, viel Pfirsich, feinsten Honig. Es duftet auch ein wenig nach Wald und als ob gerade zur Weihnachtszeit frische Plätzchen gebacken werden. Ein sich ständig verändernder, extrem leckerer Duft! Der Geschmack kommt dann überraschend frisch daher. Eine unglaublich frische Säure lässt den an diesem Rebensaft Labenden an einen reinen Gebirgsbach denken. Die ganze Süße dieses Hochextrakts wird mit dem ersten Schluck quasi weggespült. So klar und frisch können nur ganz große Rieslinge im Alter schmecken. Großartig und wahrscheinlich in 50 Jahren immer noch Top!
Verwaltung der Staatsweingüter Eltville Steinberger Riesling Eiswein Auslese 1977.
Dies` kann eingeschränkt auch von der 1964er Riesling Beerenauslese von dem nicht mehr existierenden Rheingauer Weingut Schloss Eltz behauptet werden. Der Duft eher eindimensional und man erahnt den klassischen Ausbau im großen Fuderfass. Kastanien, Fichtenhonig, Waldpilze, aber auch Rumtopf sind die Hauptattribute dieses Tropfens. Im Geschmack noch knackig und klar. Vielschichtig mit vielen reifen Kernobstfrüchten. Trotz seines Alters ist er ein richtiger Gaumenschmeichler und auch noch lange nicht über seinen Zenit hinaus.
Schloss Eltz Eltviller Sonnenberg Riesling Beerenauslese 1964.
Ein paar Tage nach dieser legendären Weinprobe kann ein kleines Resümée gezogen werden: die Franzosen und der Österreicher wirken doch eher plump und schwer, die Deutschen zeigen trotz hohen Alters eine Frische, Lagerfähigkeit und Vielschichtigkeit wie sie in der Welt der Weine einzigartig sein dürfte. Der Tokajer war in der ganzen Runde aber der geschliffenste und zeigte die meisten Facetten in Duft und Geschmack. Der gesundheitliche Aspekt sollte aber auch nicht vergessen werden: viele Süssweine an einem Abend hintereinander getrunken können den Körper ziemlich belasten und der liebliche, süße Nektar zeigt auch noch Tage später seine verheerende Wirkung auf die inneren Organe. An dieser Stelle in jedem Fall noch ein dickes Dankeschön an den Gastgeber nach Rübhausen für diesen unvergesslichen Abend.