Succés Vinícola
Die Philosophie der Kellerei Succés Vinícola
Ausgerechnet Conca de Barberà! Gut, Albert Canela stammt aus der Region, sein Vater ist Weinbauer, Teile des familiären Weinbergsbesitzes formen heute die Basis von Succés Vinícola. Aber dennoch: Albert hat sieben Jahre als einer von diversen Önologen bei Álvaro Palacios in Gratallops gearbeitet, Mariona Vendrell immerhin fünf Jahre mit Sara Pérez. Mariona lebte einige Monate in Deutschland, beiden gefällt es, zu reisen. Es hätte ohne Zweifel auch andere Lösungen gegeben als ausgerechnet die Heimat der Rebsorte Trepat.
Als Mariona und Albert im Jahr 2011 begannen, die ersten Weine zu keltern, war Trepat kein Thema. Die Rebsorte galt schon seit Jahrzehnten als lokale, nur bedingt relevante Sorte, die eher schlichte Weinchen hervorbringt. Die beiden Jungwinzer traten an, um genau das zu widerlegen. Ihr Ziel war und ist es, die Rebsorte Trepat und die Region Conca de Barberà und in letzter Zeit auch die nicht weniger vernachlässigte Rebsorte Parellada etwas stärker in den Vordergrund zu schieben.
Natürlich könnte man einwenden, dass man es in einer unbekannten Region mit einer unbekannten Rebsorte einfacher habe, Erfolge einzuheimsen, als in einer bekannten Region zu reüssieren. Tentenublo in Rioja, Terroir al Limit im Priorat, Albamar in Salnés zeigen, dass dem nicht so ist. Es war schon der feste Wille, Dinge in der Conca anzustoßen.
Und anzuecken! Der schon fast legendäre Spruch auf dem Mentider-Etikett, der mal kurz und hart den Trepat-Weinbau der letzten fünf Jahrzehnte in Stücke haute, ist schon heftig. Noch dazu, wenn er von Jungspunden stammt, die gerade ihren ersten Jahrgang auf den Tisch gestellt hatten. Wer fünf Jahre an de Seite von Sara Pérez aushält, verfügt offensichtlich über ein gerütteltes Maß an Selbstbewusstsein.
Sie wollen zeigen, das es geht! Dass es geht, einen roten Trepat mit ordentlicher Struktur und Komplexität in die Flasche zu bringen; dass es geht, ausdrucksstarken Parellada zu keltern; dass selbst der so stark belächelte Rosat aus Trepat mehr sein kann als die Grundlage einer Weinschorle. Eigentlich ist damit schon alles gesagt.
Sich selber stellen die beiden eher nicht so in den Vordergrund. Albert sowieso nicht. Sobald mehr als drei Leute im Raum sind, überlässt er das Reden gerne Mariona. Sie wiederum stellt gerne die Problemlösungskompetenz in den Vordergrund, ich-bezogene Aussagen hört man eher selten. Wohin das führt? Gute Frage! Erst einmal, im Sommer des Jahres 2016, in eine eigene Bodega.
Aber der Reihe nach:
Die Region: Conca de Barberà
Conca de Barberà ist eine kleine Weinbauregion, gut viertausend Hektar sind mit Reben bestockt. Die bekanntesten Orte sind Montblanc und L’Espluga de Francolí (hier befindet sich das berühmte Kloster Poblet), die wichtigsten Weinbauorte hingegen befinden sich alle im Nordosten: Blancafort, Solivella, Pira, Sarral, Rocafort de Queralt und Barberà de la Conca.
Die Landschaft ähnelt einem Kessel, mit Montblanc als tiefstem Punkt, moderat steilen Hängen im Norden im Osten und im Westen sowie ernsthaft steilen Hängen im Süden. Auf der anderen Seite dieses Gebirges beginnt die Weinbauregion Montsant.
Auch wenn es im Süden, in Poblet, Montblanc oder Villaverd die eine oder andere Schieferparzelle gibt, so stehen doch fast alle Reben der Region auf lehmhaltigem Kalksandstein. Terroirunterschiede basieren auf Hangneigung und -ausrichtung, auch auf der absoluten Höhe. Dazu kommt die Oberflächenstruktur: in vielen Parzellen findet man Bruchsteinsplitter, aber auch Kieselsteine sind nicht selten.
Vor etwa einhundert Jahren stand in der Conca fast nur Trepat, eine aromatische rote Sorte, die, bei ordentlicher Weinbergsarbeit, sehr gute Weine erbringen kann. Trepat neigt zu intensiver Produktion, ertragsreduzierende Maßnahmen sind unumgänglich. Als im benachbarten Penedès der Boom des Cava einsetzt, wurde Conca de Barberà zum Fassweinlieferanten der Cava-Bodegas. Man baute vor allem Parellada an, aber auch Trepat ist als rote Sorte für Cava Rosat zugelassen. Dementsprechend ist auch die Vertriebsstruktur der Region: im Jahr 21 wurde erstmals ein Zehntel der Produktion als Wein der D.O. Conca de Barberà abgefüllt. Der Markt wird dominiert von einigen Genossenschaften, die inzwischen fast alle Eigentum von Cava-Bodegas sind, ein paar Handelshäusern und etwa zwanzig kleinen Bodegas, deren Produktion indes vor allem aus Weinen mit international bekannten Rebsorten besteht (CabMeSy). Trepat ist derzeit eine Modesorte, daher versuchen sich viele der kleinen Bodegas an dieser Sorte. Mit unterschiedlichem Erfolg! Parellada gibt es indes nur in zwei oder drei Bodegas.
Die Weinberge von Succés Vinícola
Abgesehen von drei Parzellen befinden sich alle Weinberge, die Mariona und Albert beackern, in Barberà de la Conca.
Im Jahr 2016 hat Succés eine Parellada-Parzelle gepachtet, die sich im Osten von Barberà de la Conca befindet. Somit sind es insgesamt derer drei. Die neue Parzelle sowie eine eher kleine Parzelle im Westen des Ortes bestehen aus lehmhaltigem Kalkstein mit Bruchsteinauflage, die Reben wurden vor etwa vierzig Jahren gesetzt. Die dritte Parellada-Parzelle befindet sich in Cabra del Camp. Dieser Ort gehört teilweise zur D.O. Conca de Barberà, teilweise zur D.O. Tarragona, die Kammlinie einer kleinen Bergkette markiert die Grenze. In dieser Parzelle findet man viele Kieselsteine, daher der Name El Pedregal. Die Reben sind älter, geschätzt sechzig Jahre, der Ertrag ist geringer. Die Trauben der beiden Parzellen aus Barberà werden für den Experiencia Parellada verwendet, jene des El Pedregal für den Lagenwein El Pedregal.
Trepat-Parzellen gibt es diverse. Einige gehören dem Vater von Albert, andere haben Albert und Mariona gekauft oder gepachtet. Wichtig ist, dass alle Parzellen von der Bodega beackert werden. Nur so kann man Traubenwuchs und Traubenqualität wirklich optimal kontrollieren. In der Zukunft wollen die beiden noch die eine oder andere Parzelle kaufen oder pachten. Jedoch gibt es nicht wirklich viele alte Parzellen, die gute Traubenqualität liefern können. Und außerdem sind gerade vor allem die bekannten Großbodegas aus Katalonien damit beschäftigt, Trepat-Parzellen zu kaufen. Da dort das Geld verhältnismäßig locker sitzt, ist die Konkurrenz heftig.
Für den Cuca de Llum werden fünf verschiedene Parzellen genutzt, sie befinden sich an unterschiedlichen Stellen des Ortes. Vierzig Jahre ist das Altersminimum, manche Stöcke haben schon mehr als achtzig Winter kommen und gehen gesehen. Diese Parzellen können in etwa 30.000 Kilo Trauben liefern, ein kleiner Teil der Ernte wird für den Rosado Patxanga genutzt.
Der Mentider speist sich derzeit aus drei Parzellen. Eine befindet sich in Sarral, der nördliche Nachbarort von Barberà de la Conca. Sie nennt sich Solà, die Stöcke wurden Ende des neunzehnten Jahrhunderts gesetzt, wohl direkt nach der Reblausplage. Die zweite Parzelle befindet sich in Barberà de la Conca, auch deren Stöcke sind alt. In einem guten Jahr beträgt die Ernte etwa siebentausend fünfhundert Kilo. Dazu kommt eine Parzelle, etwa ein halber Hektar, die Albert und Mariona im Jahr 2014 gepachtet haben, allerdings war diese Parzelle damals komplett aufgegeben. Im Jahr 2015 betrug die Ernte immerhin schon zweihundert Kilo, sollte die Wiederbelebung klappen, können hier bis zu zweitausend Kilo eingesammelt werden.
Die wichtigste Parzelle jenseits der Trepat-Welt befindet sich ganz im Osten der Region. Es handelt sich um Cabernet Sauvignon, die Reben stehen auf etwa achthundert Meter über Meeresniveau. Ein Großteil der Trauben wird weiterverkauft, in der Succés-Bodega landen gerade einmal die Trauben der obersten zehn Rebzeilen. Etwas weiter unten an Hang, aber nicht sonderlich weit entfernt, steht Tempranillo, der aber nur zu geringem Prozentsatz genutzt wird. Die Trauben der Merlot-Parzelle werden verkauft.
Eine sehr spannende Parzelle befindet sich in L’Espluga de Francolí, nahe Poblet. Es handelt sich um Garnacha, die Stöcke sind durchaus alt. Die bislang umfangreichste Ernte belief sich auf zweihundert und fünfzig Kilo.
Die Bodega Succés Vinícola
Von 2011 bis in den Sommer 2016 befand sich die Bodega von Succés im Celler Viver, das Gebäude einer alten Cooperative aus Barberà de la Conca, von der Gemeinde aufgekauft und modernisiert, ausgestattet mit all dem, was Bodegas brauchen, um die ersten Schritte ihre Entwicklung zu vollziehen. Einzig Barricas müssen die Bodegas selbst kaufen und unterbringen, alles andere ist vorhanden. Im Jahr 2011 kelterten Albert und Mariona insgesamt zweitausend achthundert siebenundsechzig Flaschen. Oder so…. Eine Minimenge. Im Jahr 2015 waren es gut dreißigtausend Flaschen, das Limit dessen, was man im Viver problemfrei keltern kann, war erreicht. Schon seit dem Jahr 2014 suchten die beiden eine eigene Bodega, im Juli 2016 begann dann der Umzug in eine umgebaute Fabrikhalle in Solivella, ein weiterer Nachbarort von Barberà de la Conca. Für die momentanen Bedürfnisse ist diese Halle ausreichend groß. Da aber viele Weine in kleinen und kleinsten Auflagen entstehen, sind diverse Stahltanks, Holztanks und Amphoren vonnöten, die Halle wird sich wohl schnell füllen.
Platz für moderate Erweiterungen ist vorhanden. Zwar wird die Produktion der Top-Weine, wenn überhaupt, dann nur moderat steigen; es gibt kaum mehr Parzellen für den Mentider, die man kaufen oder pachten kann. Die Produktion des Cuca de Llum indes kann sehr wohl ansteigen, Weinberge der hierfür nötigen Qualität gibt es dann doch. Text: El oso alemán.
Zu unserem Weinangebot in unserem Webshop -> Weine der Bodega