Finger Lakes
Die amerikanische Wein Region Finger Lakes liegt nordwestlich der US Metropole New York im gleichnamigen Bundesstaat. Nicht unweit der Niagara Fälle und der kanadischen Stadt Toronto haben die Finger Lakes ihren Namen durch ihre besondere geografische Anordnung erlangt. Wie einzelne, schmale Finger schlängen sich die unterschiedlichen großen und langen Seen durch die grüne, fast unbewohnte Landschaft.
Hier, wo die Natur noch intakt ist, gedeihen unbemerkt von jeglicher Öffentlichkeit einige bemerkenswerte Weine. Ihr gemeinsames Markenzeichen ist der eher kühlere, nordeuropäische Weinstil, was sich auch in den hier angebauten Trauben manifestiert. Neben den bekannten Rebsorten Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Merlot, Pinot Noir und Chardonnay werden hier auch in kleiner Stückzahl erfolgreich Versuchspflanzungen von Gewürztraminer, Grauburgunder, Riesling und sogar Grüner Veltliner kultiviert.
Mehrere hundert kleine Kellereien haben hier mit viel Leidenschaft etwas geschaffen, wo jeder Weinliebhaber nur mit der Zunge bewundernd schnalzen würde. Bemerkenswert für diese vinologischen Tropfen ist auch die äußerst faire Preisgestaltung der Weine und ihr verhältnismäßig moderater Alkoholgehalt.
Kürzlich standen mal wieder ein paar dieser Tropfen auf dem Tisch. Der Penguin Bay Riesling aus dem Jahrgang 2014 begeisterte durch eine reife Pfirsichfrucht im Duft, leicht cremig, mit ein wenig Honig (Botrytis Trauben), sehr reifem Apfel, viel tropische Frucht und für diese Traube eine respektable Weichheit im Mundgefühl. Gut, es fehlte die Säurestruktur und dem Wein fehlte ein wenig die Länge, aber schlecht war dieses Gewächs bei weitem nicht.
Ein Highlight dann der 2015er Grüner Veltliner von dem 1962 gegründeten Weingut Dr. Konstantin Frank. Sehr puristischer und fokussierter Duft nach weissem Pfeffer und frisch geschnittenem weißem Kohl. Extrem mineralisch, dabei trocken und ganz klar und frech am Gaumen. Blind könnte dieser Wein auch zu der Elite der Wachauer Winzer gezählt werden. Wie ein perfektes Federspiel ohne Fehl und Tadel.
Dass ein Pinot Noir aus den USA auch schlank, geradlinig, trocken und ohne störende mollige Eichenwürze auskommen kann, beweist dann der Prejean aus dem Jahrgang 2012. Hier ist im Mundgefühl reine Eleganz angesagt. Ein wenig Leder, dunkle Schokolade, dezente Himbeerwürze und eine gute Säurestruktur im Nachhall verbinden sich mit Veilchenaromen und perfekt reifen Gerbstoffen. Einer guten Dorflage im Burgund nicht unähnlich, nur noch einen Tick leichter im Alkoholgehalt und günstiger …
Eine Region mit vielen Weine, die man auf dem Schirm haben sollte. Cheers!


