Bodegas y Viñedos Gallego Zapatero – Yotuel – Ribera del Duero – Spanien
Grundsätzliches
Auf den Holzkisten, in denen der eine oder andere Wein die kleine, in Anguix beheimatete Kellerei verlassen, steht: „Yotuel – Vinos de Anguix“. Damit ist eigentlich schon alles gesagt. Bleibt, zwei Begriffe etwas näher unter die Lupe zu nehmen: Yotuel und Anguix.
Anguix ist ein kleines Dorf im Südwesten der Provinz Burgos, etwa einhundertsiebenunddreißig Seelen leben dort, Hunde und Katzen nicht mit gezählt. Auf gut sechsundneunzig Prozent der Gemeindefläche stehen keine Rebstöcke, Wein ist somit nicht unbedingt ein wichtiger Wirtschaftsfaktor des Dorfes. Dennoch gibt es hier sieben Bodegas, in denen jede Menge Trauben gekeltert werden. Sechs dieser sieben Kellereien verarbeiten Trauben aus diversen Orten der Region, die größte, Protos, keltert hier inzwischen mehr als fünf Millionen Liter Wein. Die siebte Bodega, gleichzeitig die jüngste des Ortes, arbeitet ausschließlich mit Lesegut, das aus den eigenen Weinbergen stammt, ein jeder Rebstock steht in Anguix: Bodegas y Viñedos Gallego Zapatero.
Sowohl die Gesteins- und Bodenform als auch die klimatischen Gegebenheiten sind anders als im Rest von Ribera del Duero, so man das Terroir richtig versteht und interpretiert, haben die Weine aus Anguix nicht viel mit dem zu tun, was man landläufig als Ribera del Duero kennt. Aber das ist in vielen Orten im Norden der Region so. Anguix befindet sich nur etwa fünf Kilometer vom Nordrand der Denominación de Origen entfernt, das Land ist wellig, ein paar Kilometer weiter im Norden markiert eine Bergkette die Grenze dieser Weinbauregion. Wichtig ist indes nicht diese Ansammlung etwas größerer Hügel, wirklich wichtig ist der Tafelberg, an dessen Füßen Anguix liegt: der Manvirgo. Ein wahrlich mächtiger, beeindruckender Tafelberg, das Gipfelplateau befindet sich auch neunhundertzweiundvierzig Metern über Meeresniveau. Der Berg ist wichtig, weil sich Wolken, die in der Regel aus Südwesten kommen, an seiner Westflanke stauen. An beiden Seiten entstehen Wirbel, die nur wenige Wolken, die aber in hoher Geschwindigkeit, durchlassen. Immer dann, wenn es Starkregen oder Hagel gibt, ist der Manvirgo nebst den umliegenden Dörfern besonders betroffen. Frühjahrsfrost oder, noch schlimmer, Herbstfrost, ist eher selten ein Thema, und wenn, dann betrifft es den flachen Teil im Süden. Die Kaltluft zieht vom Duero gen Norden und befällt die wenigen Weinberge, die dort stehen.
Entscheidend für die Qualität der Weine ist die Bodenform: in Anguix, teilweise auch in den Nachbardörfern, stehen die Reben auf eisenhaltigem Lehmboden, ein schwerer, wasserspeichernder Bodega. Darunter befindet sich Sandstein, aber erst gut einen Meter unter der Oberfläche. Dies hilft in trockenen Jahren; die Dürre, die ab und an in den Weinbergen weiter westlich zu größeren Problemen führt, gibt es hier nicht. Dafür findet man, so die Weine ordentlich bereitet sind, mineralische Noten, Frische und Säure. Im Vergleich zu anderen Teilen der Region, selbst zu den Nachbardörfern, brauchen die Weine aus Anguix länger, um ihre optimale Reife zu erreichen.
Yotuel – wörtlich genommen
Yo-Tu-El bedeutet nichts anderes als ich-du-er. Jede der drei Silben steht für eine Generation. Yo, das sind die beiden Brüder Bienvenido und Ignacio Gallego Zapatero, die im Jahr 2005 die Bodega gründeten. Tu bezieht sich auf Mariano, der Vater der beiden Inhaber, der über Jahrzehnte die Weinberge gepflegt hat und dies zumindest teilweise noch immer tut. El indes steht für die Großeltern, die dereinst die ersten Weinberge der Familie gepflanzt haben.
Bis ins Jahr 2005 wurden die Trauben an die Genossenschaft in Pedrosa de Duero verkauft, teilweise auch an andere Kellereien, ein kleiner Teil verblieb in Anguix, um einen Hauswein, einen typischen Clarete zu keltern. Noch bis ins Jahr 2008 wurde ein Teil der Ernte weiterverkauft, von da an wurde das gesamte Lesegut in der eigenen Bodega verarbeitet.
Bodegas y Viñedos Gallego Zapatero verfügt über neue Parzellen, die im Ertrag stehen, eine weitere wurde vor zwei Jahren neu bestockt. Abgesehen von Pincharratas, eine Miniparzelle, ganz im Nordosten des Dorfes gelegen, sind die Weinberge mindestens zwanzig Jahre alt. Camino Viejo bringt es auf vierzig Jahre, die vier alten Parzellen Morris, Otero, Valdepalacios und San Miguel auf zwischen achtzig und neunzig Jahre.
Alle Weinberge werden strikt ökologisch kultiviert; letztendlich ist dies nichts anderes als die erhaltene Tradition, man braucht in dieser Gegend, wenn man bei der Standortwahl etwas aufpasst und gut im Weinberg arbeitet, nicht mehr als etwas Schwefel und ganz wenig Kupfer.
Abgesehen von drei Parzellen, Camino Viejo, Molino und Los Dujos, werden alle Stöcke im klassischen Kopfschnitt gezogen. Dies sorgt für Beschattung der Trauben, im Hochsommer eine sehr wichtige Komponente für erstklassige Weine.
In den letzten Jahren haben Bienvenido und Ignacio damit begonnen, alte Parzellen aufzukaufen. Oftmals handelt es sich um kleine Stücke Land, die an eine der Bodega eigenen Parzellen grenzen. Altersbedingt haben die Alteigentümer keine Lust mehr, sich um die Weinberge zu kümmern. Qualitativ stehen diese Parzellen den eigenen in nichts nach. Eine zwei Hektar große Parzelle nahe Molino, Hanglage, nach Osten abfallend, wurde bereits integriert, ebenso ein kleines Stück Rebland im Süden, nahe der Parzelle Otero. Infolge all dieser Maßnahmen ist die Gesamtrebfläche von dereinst neun auf aktuell vierzehn Hektar angewachsen, die eine oder andere Parzelle wird wohl noch hinzukommen.
In allen Weinbergen, in dieser Hinsicht unterscheidet sich Anguix nur wenig von den Nachbardörfern, die nicht älter als fünfzig Jahre sind, steht Tempranillo, hier auch Tinta del País genannt. In den alten Parzellen hatten die Weinbauern ein paar zusätzliche Rebsorten gepflanzt, die manche Schwäche des Tempranillo ausgleichen konnten. Insbesondere dann, wenn die Trauben spät gelesen werden, leidet Tempranillo unter Säuremangel. Daher findet man Garnacha, aber auch Bobal, Palomino Blanco, Albillo Mayor, gelegentlich auch etwas Maturana. Früher erntete man all dies gemeinsam, das Cuvée wurde bereits im Weinberg erstellt. Heute wird, zumindest in dieser Bodega, getrennt gelesen. Die weißen Trauben werden weiterverkauft, aus den roten Trauben entsteht dann und wann ein Hauswein, der nicht kommerzialisiert wird.
Weinausbau – die Sache mit den Gebinden
Auch wenn Weinbau in dieser Region auf eine lange Tradition zurückblickt, ist qualitativ orientierter Weinbau eher neueren Datums. Früher wurde hier, wie auf der gesamten kastilischen Hochebene, Wein vor allem als Alltagsgetränk genutzt. Wasser war nicht hinreichend keimfrei, die alkoholische Gärung löste dieses Problem. Gleichwohl waren die Weine der Region alles andere als haltbar, oftmals war schon der Sommer nach der Lese eine echte Herausforderung. Dazu kamen niedrige Alkoholwerte, elf Volumenprozent war schon ein Qualitätskriterium. Aus all dem kann man folgern, dass die Art der Weinbereitung und -aufbewahrung in vergangenen Jahrhunderten (oder Jahrzehnten) wohl für diverse anmutige Geschichten taugt, als Vorbild für aktuellen Weinbau ist dies eher weniger geeignet.
Als die Bodega im Jahr 2005 begann, Weine auszubauen, war die Stilrichtung in Ribera del Duero klar vorgegeben: weit über neunzig Prozent der privaten Kellereien nutzten Stahltanks für die alkoholische und in der Regel auch für die malolaktische Gärung, die Weine selbst wurden in kleinen Barricas ausgebaut. Einzig die Cooperativen nutzten die alten, großen Zementtanks. Auch Sophie Kuhn, Elsässerin mit diverser Berufserfahrung im Burgund, in Crozes-Hermitage und in St. Emilion, begann auf diese Weise. Es war aber schnell klar, dass hier anders gearbeitet werden muss, so man das Terroir ordentlich darstellen will. Der erste Schritt bestand darin, die malolaktische Säureumwandlung nicht mehr in Edelstahltanks, sondern in Barricas zu absolvieren. Edelstahl ist, dies zeigt sich immer deutlicher, für Tempranillo jenseits der alkoholischen Gärung eher kompliziert, und selbst hier deutet sich ein Wandel an. Beginnend mit dem Jahr 2008 vergor ein Teil der Moste in einem großen Holztank; dies war der erste Schritt in eine neuere Richtung. Gleichwohl erlebte dieses Experiment vier Jahre später ein abruptes Ende, das Fass wollte nicht mehr. Ein Jahr später kam zum ersten Mal Zement ins Spiel, zuerst nur für die Vergärung des Mostes des Lagenweines Valdepalacios, später begann Sophie damit, einen Teil des Gutsweines Yotuel Roble im dem Zementfass auszubauen; die Reifezeit im Barrique wurde damit verkürzt.
Der wirkliche Wechsel begann mit dem Jahrgang 2016, respektive mit den Weinen, die damals in den Barricas reiften. Drei neue Zementtanks, unterschiedliches Fassungsvermögen, allesamt unbeschichtet, wurden angeschafft, und zwar weniger für die alkoholische Gärung – sie findet nach wie vor vor allem in Stahltanks statt – sondern für die malolaktische Säureumwandlung und insbesondere für die Zeit zwischen dem Ende der Barriquereife und der Abfüllung. Dies hat einen klaren Stilwechsel zur Folge: die primären Holznoten verschwinden fast vollständig, dafür steht die Frucht stärker im Vordergrund.
Ansonsten hat Sophie Kuhn im Laufe der Jahre nicht viel verändert: vergoren werden die Moste nach wie vor ausschließlich mit traubeneigenen Hefen, die Maische wird, so weit es geht, in Ruhe gelassen, einzig der Tresterhut wird gelegentlich nach unten gedrückt. Fassabzüge nur dann, wenn es unvermeidlich ist, und dann auch nur Fass für Fass. Die Moste aller Parzellen vergären separat, das Cuvée der Gutsweine wird jedoch vor dem Barriqueausbau erstellt. Schließlich handelt es sich um genau eine Rebsorte, Besonderheiten des Reifeverlaufes während der Fassreife spielen da eher keine Rolle. Die fertigen Weine werden leicht filtriert, und, seit dem Jahrgang 2008, auf pflanzlicher Basis geschönt. Die Weine sind somit als vegan-freundlich einzustufen.
Die Yotuel Weine – Gut Wein will Lage haben
Yotuel gibt es sowohl als Gutsweins als auch als Lagenweine. In normalen Jahren stehen zwei Gutsweine vier Lagenweinen gegenüber. Nun kann man sich natürlich fragen, warum es denn gleich zwei Gutsweine sein müssen. Die Antwort ist relativ klar: die Qualität der Weinberge ist zwar generell hoch, aber nicht identisch.Außerdem werden für den Yotuel Roble vor allem die zwei etwas jüngeren, ertragreicheren Parzellen Molino und Los Dujos genutzt, hier kommt man in guten Jahren immerhin auf zweiundvierzig Hektoliter pro Hektar, was in etwa der Ertragsobergrenze für Grand Cru-Weine aus dem Burgund entspricht. Beides Drahtrahmen, relativ junge Anlagen und relativ große Beeren. Daraus kann man nur schwer einen Wein keltern, der mehr als ein Jahrzehnt in der Flasche schadlos übersteht. Auch Cotarro de Molino, die zwei Hektar von irgendeinem Primo von Bienvenido und Ignacio (davon gibt es in spanischen Familien tendenziell viele), die vor zwei Jahren erworben wurden, liefert Trauben für diesen Wein.
Lange Zeit wurde der Roble acht bis zehn Monate in gebrauchten Fässern bordelaiser Größe ausgebaut, inzwischen werden für den Ausbau auch Zementtanks genommen, so gerade welche leer sind. Weniger Holz, mehr Frucht, vor allem mehr helle Beeren sind die Folge. Erstmals, wenn auch nur in geringem Umfang, wurde dieses Ausbaumix beim Jahrgang 2014 angewandt. Auch wenn es verlockend erscheint, wird wohl auch in der Zukunft nicht alleine auf Zement gesetzt; dem Roble stehen die zwei Arten von Sauerstoffkontakt schon ganz gut.
Der Yotuel Selección ist, wie der Name schon sagt, eine Selektionswein. Hier landen Trauben der alten Weinberge, die nicht für den jeweiligen Lagenwein genutzt werden. Dazu kommen mit Otero (über achtzig Jahre alte Stöcke) und Morris (über sechzig Jahre alte Stöcke) zwei Parzellen, von denen es (noch) keine Lagenweine gibt. Das Parzellenzukaufprogramm der Bodega dient letztendlich der Produktionserweiterung dieses Weines. Denn normalerweise gibt es von diesem Wein gerade einmal ein paar tausend Flaschen. Sieht man von der etwas längeren Barriquereifedauer einmal ab, so unterscheidet sich der Ausbau der Selección nicht von dem des Roble.
In einem einzigen Jahr, zweitausend und acht, um genau zu sein, gab es einen dritten Wein: Yotuel Viñas Viejas Reserva. Dies war ein sehr kühles Jahr, gelesen wurde Ende Oktober, nach zwei teilweise scharfen Nachtfrösten. Es war klar, dass dieser Wein eine betont lange Reifedauer benötigen wird. Und so kam dieser Wein, eine etwas aufgebesserte Selección (die es im Jahr 2008 nicht gab), dann erst nach insgesamt fünf Jahren auf den Markt. Auch wenn klassische Klassifizierungen bei Bodegas y Viñedos Gallego Zapatero nicht so gerne gesehen werden, kommt dieser Wein inzwischen als Reserva auf den Markt. Dies hängt schlicht und ergreifend damit zusammen, dass in diversen Märkten explizit Weine gesucht werden, welche dieses Wort auf dem Etikett führen. Einen Nachfolgejahrgang gibt es bislang nicht; mal sehen, was im Jahr 2018 passiert.
Finca La Nava wird intern auch gerne als die Hagel-Frost-Parzelle bezeichnet, denn irgend etwas passiert dort immer. La Nava findet man im Nordwesten von Anguix, genau dort, wo der Manvirgo den größten Schaden anrichten kann. Es ist eine relativ junge Parzelle, inzwischen hat sie gerade einmal zwanzig Winter gesehen. Ein traditioneller lokaler Klon des Tempranillo, kleine Trauben, kleine Beeren, geringer Mostertrag; die Reben stehen auf lockerem, steinigen Lehmboden, die Parzelle selbst fällt leicht gen Norden ab. Siebentausend Quadratmeter ist nicht gerade üppig, mehr als dreitausend fünfhundert Kilo sind selbst in ertragreichen Jahren nicht drin. Aber – Hagel und Frost: es gab auch schon Jahre mit nicht viel mehr als zweitausend Kilo Trauben, gerade einmal fünf Barriques. Finca La Nava ist von allen Lagenweinen der frischeste, der fruchtbetonteste. Die nicht aufdringlich wirkende, aber vorhandene Säure, sorgt für einen guten Trinkfluss.
Finca Camino Viejo ist das glatte Gegenteil. Die Parzelle heißt so, weil ein uralter Handelsweg vom Süden Spaniens gen Nordküste hier durchführt(e). Entscheidend ist jedoch etwas ganz anderes: die Lage ist auf Sand gebaut. Man erkennt dies auf den ersten Blick, denn Pinienhaine fühlen sich nur dort wohl, wo die Böden extrem sandig sind. Und neben der Parzelle steht, nun ja, ein Pinienhain. Selbst innerhalb der Parzelle erkennt man den Unterschied: je weiter man sich von den Bäumen entfernt, desto weniger sandig ist der Boden. Sand führt in der Regel zu einer gewissen Mundfülle, die Weine werden cremig, die Säure bildet den Gegenpunkt. Camino Viejo ist die einzige Parzelle der Bodega, die für einen Lagenwein genutzt wird, mit Reben gezogen im Guyot-System. Es ist eine der ältesten Drahtrahmenparzellen in der gesamten Region. Auch wenn sie recht weit im Süden und recht tief am Hang steht, gibt es eigentlich keine Frostprobleme. Der Tafelberg Otero kann es zwar bei weitem nicht mit dem Manvirgo aufnehmen, er schützt die dahinter liegenden Parzellen aber dennoch durchaus effektiv. Ein halber Hektar, in normalen Jahren gut zweitausend Kilo, der Ertrag ist so üppig nicht.
Finca Valdepalacios ist eine der beiden Toplagen der Bodega. Die Lage Valdepalacios findet man ganz im Süden des Ortes, schon fast am Hang des Manvirgo, ausreichend weit vom Tal entfernt, um nicht mit Frost oder Feuchtigkeit am frühen Morgen belästigt zu werden. Dennoch haben die Großeltern väterlicherseits einen Guyot-Rebschnitt angelegt, die Trauben sind mehr als einen halben Meter vom Boden entfernt. Valdepalacios befindet sich nicht nur im Süden, die Parzelle fällt auch noch leicht gen Südosten ab. Dies bedeutet Sonne fast rund um die Uhr! Nicht zuletzt deswegen beginnt die Lese in jedem Jahr mit dieser Parzelle, die Trauben werden einfach schnell reif. Etwas kompliziert ist Valdepalacios nur in knochentrockenen Jahren mit extrem hohen Temperaturen; alle Jahrgänge, die auf fünf enden, sind davon betroffen. Dann steigen die Zuckerwerte schnell mal deutlich an. In kühlen Jahren, etwa viermal pro Jahrzehnt erlebt man dies, ist Valdepalacios hingegen nahezu perfekt. Der Boden speichert Wasser, die Trauben reifen schonend. Der Lehmanteil ist nur unten am Hang wirklich hoch, in der Mitte und weiter oben trifft man auf Sand und sogar auf etwas Kalk. Die Parzelle ist groß, sie umfasst etwa eins Komma drei Hektar. Allerdings steht hier auch viel Palomino und andere weiße Sorten, auch Garnacha, Cariñena, Bobal und etwas, das noch nicht genau identifiziert ist, findet man hier und dort. Bislang war der Jahrgang 2007 mit gut dreitausend Kilo der ertragreichste Jahrgang.
Mit dem Yotuel Valdepalacios, damals hieß der Wein noch Yotuel Viñas Viejas, begann die Geschichte dieses Weingutes. Im Jahr 2005 wurde einzig dieser Wein gekeltert, seitdem schwankte die Produktion deutlich: zwischen zweitausendzweihundert Flaschen im Jahr 2006 und knapp siebenhundert Flaschen im Jahr 2013. Auch änderte sich der Ausbau im Laufe der Jahre. Stahltank, Holztank, inzwischen Zementtank, nur neues Holz am Anfang, kaum mehr neues Holz seit dem Jahrgang 2012, einzig die Barriquereifezeit blieb mit etwa vierzehn Monaten über die Jahre annähernd gleich. Den Wein erkennt man relativ leicht: weiße Blüten, helle Frucht, er scheint auf der Zunge zu tanzen. Selbst ab und an leicht erhöhte Alkoholwerte steckt er gut weg.
Erneut stellt der zweite Wein das glatte Gegenteil dar: Finca San Miguel ist die lehmhaltigste Lehmparzelle, die es in der ganzen Gegend gibt. Man findet sie im Norden von Anguix, an der Grenze zu Olmedillo. Zudem fällt sie gen Nordosten ab, sie bekommt früh morgens Sonne ab, die Blätter trocknen rasch. In richtig nassen Jahren ist das alles eine Katastrophe, glücklicherweise kommt das in Anguix selten vor. 1997 war ein solches Jahr, aber damals gab es die Bodega ja noch nicht. Die Stöcke sind alt, jenseits der neunzig Jahre. Und sie bringen relativ wenig Ertrag. Seit dem Jahr 2008, der erste Jahrgang des Yotuel Finca San Miguel, konnten nur einmal drei Barricas gefüllt werden, in manchen Jahren war es ein normales und ein extra hierfür angeschaffte halbes Barrique.
San Miguel ist Mineralik pur, in manchen Jahren scheint der Wein das Holz, der Wein wird fast immer in neuen Barricas ausgebaut, das Holz nahezu aufzufressen, man schmeckt nichts mehr davon. Natürlich geht die Frucht, rote, aber auch dunkle Beeren, etwas Unterholz, irgendwann verloren. Über den Jordan ist der Wein dann aber noch lange nicht. Selbst so komplizierte Jahrgänge wie 2008 können gut und gerne zwanzig Jahre altern. Text: El oso alemán
1 Gedanke zu „Yotuel – Ribera del Duero – Spanien“
Hallo Herr Fenske, habe diesen Wein beim Weinkanzler Klaus in Würselen bekommen und bin begeistert. Beste Grüße – Jürgen
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