Restaurant Vendôme – Bergisch Gladbach – Deutschland
Der fast alljährliche Pflichtbesuch im Restaurant Vendôme in Bergisch Gladbach gehört sicherlich zu einem der großen kulinarischen Highlights. Prägten vor siebzehn Jahren ausschließlich klassische Gerichte den Speiseplan, werden diese nun eigentlich nur noch punktuell eingesetzt. Alles ist kreativ und von allem gibt es (zu)viel (wobei es auch schon Zeiten gab, wo es noch reichhaltiger zuging). Frei nach dem Motto, wir probieren einmal aus was geht.
Jeder Geschmack ist anders und viele neue Aromen und deren Kombinationen muss man selber erst einmal begreifen. Bei so vielen Eindrücken hat das an diesem Abend leider nicht immer funktioniert. Es fehlt dann letztendlich auch das eigene Wissen über diese Kochkunst und die Erklärung zu den einzelnen Gängen „warum, wieso und weshalb?“ fallen leider auch nicht vom Himmel. Nur an der Brotqualität sollte die Schlossbäckerei wirklich einmal arbeiten, diese war schon bedeutend besser.
Wie immer auch sensationell professionell das ganze Team. Es hat Spaß gemacht und es war wie immer zu viel des leckeren „Guten“!


Gänseleberkaramell mit Piemonteser Haselnuss. Ein Klassiker des Hauses, den man sich in großen Mengen in vielen Schachteln daheim wünschen würde. Kürbisschaum und caña de lomo. Nicht wie man annehmen könnte ein Wurstbier, sondern ein Iberico Wurst Happen auf einem leichten, fluffigen Crostini mit Kürbisschaum: Herzhaft, wild, leicht salzig. Ein perfektes Produkt genial in Szene gesetzt. Zum Abschluss dieser Triologie noch ein bodenständiges Schwäbisches Sülzkotelett mit Kartoffelchips aus verschieden Kartoffelsorten.
Tapioka Crouton und gepickelte Pilze. Ein schneller Haps und weg ist dieser kleine Ausflug in die Herbstwälder.
Das Brot wird im Schloss Bensberg laut Service wohl in der hauseigenen Schlossbäckerei zubereitet. An diesem Abend gehörten alle gereichten Brotqualitäten im Restaurant Vendôme nicht gerade zu den Höhepunkten. Es fehlte jegliche Frische, es war noch nicht einmal warm aufgebacken und das Brioche zur Gänseleberwaffel war sogar leicht verkohlt am Start. Ob es nur an diesem Abend lag oder ein Allgemeinzustand ist, kann letztendlich nicht beantwortet werden. Vielleicht war der Schlossbäcker auch einfach nur in Urlaub. Die Tendenz zu „schlechterem“ Brot in Top Restaurants hält leider an. Es reicht doch ein wirklich gutes Sauerteigbrot und gut ist.
Confierte Lechtalforelle mit zweierlei Bete. Dazu Maracuja, Meerrettich und Kresse. Perfekt gegarter Fisch, die Maracuja bringt die Säure und die Frucht dazu, die Bete die erdige Komponente und der Meerrettich die gelungene, subtile Schärfe. Einer der Highlights.
Gänseleberwaffel „C6“ (C6, da sechs verschiedene Cerealien, teilweise mit Blattgold vergoldet; da weiss man allerdings nicht wirklich, was das soll) mit grünem Apfel und Getreidemichcreme. Quasi ein Hanuta als Edelgänseleberwaffel. Ein bisschen mehr Gänseleber und ein wenig weniger Chichi und hier würde ein grandioser Gang auf dem Teller liegen. Schmeckte allerdings in dieser Fassung eher wie ein gutes Frühstück als wie ein Starter in ein Abendmenü.
Jakobsmuschel, welche in der eigenen Schale gegrillt wurde, mit Alblinsen, Blumenkohl-Zimtblütencreme, Zwiebel-Sojavinaigrette und Aquitainekaviar. Auch bei diesem Gang kann man wahrscheinlich nichts besser machen. Eine frische und zarte Jakobsmuschel mit tollen Grillaromen auf aldente gekochten Alblinsen, die nussig frisch am Gaumen zerplatzten. Toll!
Dehydrierte Zwiebel unter Jakobsmuschel Tatar und noch ein paar Zuchtkaviarperlen.
Langostine „Szegedinerflavour“ mit eingelegtem Spitzkohl, Pancetta, Piment-Ananas.
Spanischer Carabinero Kokosnage, Duftreisblini, Karotte und Ingwer.
Landei schwarz geadelt mit dem ersten schwarzen Perigord Trüffel. Bei dem Anblick solch eines Tellers zucken sofort alle Geschmackspapillen zusammen und die Speichelbildung im Mund nimmt sintflutartige Züge an. Auch der erste Biss enttäuscht die Erwartung nicht. Nur nach dem zweiten und dritten Happen wird klar, dass hier definitiv zu viel Salz im Spiel war (es lag wohl an der vierstündigen Garung des Eis in einem Misosud). Der Salzgeschmack war hinterher nur noch als einzige Geschmackskomponente wahrzunehmen. Schade!

Felsenrotbarbe, grüne Tomatenmarmelade, Calamaretti, Haselnusscreme und Fenchel. Sieht fein aus und hat vielschichtige Aromen, nur die Rotbarbe hatte leider nicht ihren so typischen, wilden und aromatischen Geschmack.
Winterkabeljau „Grenoble“ mit Petersilienwurzel-Encornetsalat, Topinambur.
Kalbsbries, Muskatkürbis, Kalbsschultersaft, Pak Choi, Quinoa. Perfektes Kalbsbries!
Hasenrücken, Pfeffer, Pistazienpesto, Pomelokaviar, Rosenkohl-Räucheraalcreme. Auch ein excellentes Gericht.
Fondue Vacherin Mont D´Or, schwarzer Trüffel, Sellerie, Schmorapfel. Weniger Frucht und mehr Trüffel …
Williams Birne und süße Wachsbohnen, Joghurt-Cassissorbet.
Winterliche Impressionen Vendome. Weisse Schokoladenhülle mit getrockneten Früchten und Zimt.
Süßer Abschluss: kleine Liebesäpfel, Popcorn-Schokoladen Macaron, Vanille-Blaubeer Magnum, Mandel-Luftschokolade.
Restaurant Vendôme
Grandhotel Schloss Bensberg
Kadettenstraße
51429 Bergisch Gladbach
www.schlossbensberg.com