Chateau Gruaud Larose 1947 – Saint-Julien – Bordeaux – Frankreich
Es liegt ein Knistern in der vom Kaminholz aufgeheizten Luft. Der Hausherr kündigt etwas extrem Spannendes an, schreitet von dannen und erscheint kurz darauf mit einer alten Weinflasche mit verblichenem Etikett und einem Flaschenfüllstand, der sich schon weit unterhalb des Flaschenhalses befindet.
Fragende und neugierige Blicke werden mit „das ist ein 1947er Chateau Gruaud Larose“ beantwortet. Die Reaktionen reichen von anerkennendem Nicken, über entsetztes Schweigen bis hin zu unflätigen Zwischenrufen „man solle einmal etwas Anständiges öffnen“.
Der edle Spender schaut mit geübtem Blick auf den alten Korken, um dann wie ein Revolverheld seinen Spiral Korkenzieher zu zücken. Eine langwierige Öffnungszeremonie zieht sich scheinbar endlos in die Länge und die Spannung steigt fast ins Unermessliche.
Die Korken Notoperation gelingt dann letztendlich auch mit unterschiedlichen Werkzeugen und in stiller Andacht und ehrfurchtsvoll wird dann das trübe und dunkle Etwas in die dafür bereitgestellten Gläser gefüllt.
Vorsicht riecht man in das Glas hinein, um dann sofort zurück zu schrecken. Ein stechender Lösungsmittelgeruch und Verwesungston von ehemals lebendiger Materie macht sich schnell breit und macht alle Hoffnung zunichte, dass dieses Getränk noch schmecken könnte. Auch der hoffnungsvolle Satz des Gastgebers „der schmeckt viel besser als er riecht“ wird mit einem kurzen Nippen am Glas schnell zu Grabe getragen.
Die Spannung war da, der Genuss dieses Getränkes konnte dann allerdings dazu geschmacklich leider nicht wirklich beitragen.


