Vitantonio Lombardo – Matera – Italien
Die Herzlichkeit, das gewinnende Lächeln und die permanente Selbstüberschätzung über die eigene Kochkunst und kulinarischen Fähigkeiten sind das große Plus, welches einige Süditaliener zur Schau tragen. Auch im Restaurant Vitantonio Lombardo, benannt nach eben seinem Koch, konnte dies auffällig beobachtet werden.
Die Speisestätte liegt in einer alten Höhle in der Altstadt von Matera. Modernes Innendesign und eine perfekte Illumination sowie ein netter Service sorgen direkt für eine gute Stimmung. Die ersten drei Grüße aus der Küche lassen die Alarmglocken im Körper zwar schon anklingeln, aber Amuse Bouche werden ja in vielen Restaurants eher als lästige Pflicht als als besondere Kür zum Einstieg in ein leckeres Abendmahl erachtet. Die kalte Ricotta Krokette schmeckte fast nur nach Panade und machte den Eindruck gerade dem Kühlschrank entnommen worden zu sein. Die Pancetta mundete nach mittelmäßigem Bauchspeck und von dem angekündigten Trüffel fehlte geschmacklich jegliches Attribut. Zumindest die Schweinesülze war ehrlich und rustikal, wenn auch hier nicht wirklich vor Übermut in die Hände geklatscht werden konnte.
Einer der bekanntesten Kreationen von Vitantonio Lombardo ist seine schwarze Pizza. Mit einer Ricotta Creme Füllung im Inneren und einer Trüffelcreme darunter. Bei den wie echter Kaviar aussehenden Perlen, die oben auf dem eigentümlich aussehenden Konstrukt getürmt wurden, handelt es sich auch um Trüffel, der seinen Aggregatzustand mit Hilfe modernster Kochtechnik verändern durfte. Das ist nett anzusehen, macht aber alles keinen Sinn, wenn die schwarze Pizza einfach nur nach Hefeteig mit künstlichen Trüffelaroma und Frischkäse schmeckt. Die Sache wird nicht besser, wenn so ein konstruiertes schwarzes Ufo auf den Teller gerade einmal lauwarm serviert wird.
Das anschließend georderte Kalbsfilet war dann beim Schlachtvorgang wahrscheinlich doch schon etwas älter als erwartet und wäre bei dem einen oder anderen Metzger auch als Halbwegs ausgewachsenes Rindvieh mit einer gerade beginnenden, guten Fettmarmorierung durchgegangen. Zart war das Stück Fleisch zwar schon, aber wahrscheinlich nicht vom angepriesenen Kalb. Das dazu gehörige ausgebackene Stück Kalbsbries erwies sich von außen her als recht fettig und vom Innenleben her doch sehr rustikal. Dass bei dem sehr schön angerichteten Kartoffelpüree auf viel zu viel Butter zurück gegriffen wurde, machte diesen Gang auch nicht besser.
Den Höhepunkt stellte dann aber ohne wenn und aber die Nachspeise dar. Schokolade, Frischkäse und Paprika. Eine gewagte Kombination aus der man sicherlich etwas Gescheites hätte machen können. Angepriesen wurde hier auch eine Kombination und ein typischer Geschmack der Region. Als nicht Basilikaner kann man hier leider nicht mitreden, der Geschmack des mit Schokolade getarnten Paprika-Frischkäse-Kegels erinnerte dann aber doch sehr stark an einen Paprika Bresso Käse aus der Kühltheke im Supermarkt. So etwas Eigentümliches gab es als Dessert wahrlich noch nie. Probieren kann man so etwas, schmecken tut so etwas leider überhaupt nicht.
Überhaupt wirkten die ganzen Gerichte im Vitantonio Lombardo sehr kreativ, ganz nach dem Motto, ich mach das einmal komplett anders und schon kommt etwas Großes raus. Heraus gekommen ist an diesem Abend viel Show um keinen oder doch zumindest sehr abstrusen Geschmack. Verstanden oder gemundet hat das an unserem Tisch und an diesem Abend leider niemandem. Wenn man das alles vorher gewusst hätte, wäre die Alkohol Wahl nicht auf einen an diesem Abend genossenen und durchaus respektablen, knackigen 2014er Falkstein Riesling aus Südtirol, sondern direkt auf das angepriesene und begleitende fünf Gläser umfassende Gin Tasting gefallen …
Vitantonio Lombardo – Via Madonna delle Virtù 13/14 – 75100 Matera – Italien – Telefon: +39 0835 335475 – www.vlristorante.it
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