Nobelhart & Schmutzig – Berlin – Deutschland
Die Easy Jet Maschine ist bei dem Flug nach Berlin bereits mit einer Vielzahl von Hipster jeglicher Couleur gefüllt. Junge Menschen mit Rauschebärten, gereiftere Typen mit vergilbten, schlechten Tätowierungen, Freaks und solche, die es werden wollen haben hier das Speedy Boarding oder das normale Check in mit Bravour überwunden, um in die coole, deutsche Metropole Berlin zu bereisen und diese mit ihrer Anwesenheit zu beglücken oder gar ein zukunftsweisendes Start Up zu gründen.
So eine Art Start Up wurde auch Anfang 2015 aus kulinarischer Sichtweise gegründet. Weder Fotoapparate, Handys noch Waffen sind in Billy Wagners Restaurant Nobelhart & Schmutzig im Berliner Stadtteil Kreuzberg erlaubt. Und AFD Sympathisanten wird mit einem deutlichen, vor der Eingangstür angebrachten Verbotsschild ebenfalls nahe gelegt, dieses Lokal besser nicht zu betreten.
Das Im Nobelhart und Schmutzig gelebte und gekochte Konzept nennt sich zwar „Brutal Lokal“, bezieht sich aber hier auf die Beschaffung von lokalen Zutaten aus Berlin, dem Spreewald, der Uckermark oder der Müritz. Lokale Zutaten von engagierten Bauern und Handwerksbetrieben werden vom Chefkoch Micha Schäfer und seinem Team in einer sehr reduzierten Art und Weise präsentiert und dann souverän serviert. Hier ist tatsächlich das Produkt und die Menschen, die dahinter stehen, der tatsächliche Star.
Die meisten Gäste nehmen dabei an einer großen Hufeisen- förmigen Bar Platz. Diese aus hellem Holz gezimmerte Bar umschließt die offene Küche, in der neben den Köchen auch der Service so nur sehr kurze Wege zum Gast zurücklegen muss. Den Service übernehmen die fleißigen Küchenmeister allerdings meistens höchst persönlich. Das spart Personal und es ist auch direkt der richtige Ansprechpartner an der Theke, um die einzelnen Gänge akribisch und locker dem Gast zu erklären. Das „Was, Wieso, Warum und Woher“ ist so keine leere Phrase mehr, sondern ein Bekenntnis zur lokalen Natur und deren Produkten.
Insgesamt herrscht im Nobelhart & Schmutzig eine grandiose heimelige Wohlfühlatmosphäre. Das einzige, was in den Räumen des Nobelhart und Schmutzig nicht „Brutal Lokal“ ist, sind dann letztendlich die Gäste, die aus allen Teilen der Republik und dem ein oder anderen Land dieser Erde hierhin pilgern. Und spätestens dann wird einem klar, wie verrückt unsere Welt geworden ist. Selbst ein gutes, schmackhaftes Projekt wie das Nobelhart und Schmutzig kann sich wahrscheinlich nur tragen, wenn viele Gäste mit dem Billigjet aus anderen Gegenden heranfliegen, um ein eigentlich zeitgemäßes und bewundernswertes Projekt erleben zu dürfen.
Gegessen und genossen wurden an diesem Abend folgende Gänge: Hafertee und Eisenkraut, Topinambur, Chicorée mit Rosenblättern, Roggen-Sauerteigbrot & Rohmilchbutter, Sellerie, Rosenkohl mit Walnüssen, Zander Zwiebel Dill, Himmel und Erde Kartoffel und Apfel, Landhuhn Sauerkraut Saft, Schweinebauch mit Karotte, Milch / Schwarze Walnuss, Haselnussschnitte.
Von diesem tollen Abend gibt es keine Fotos, da das Handy tatsächlich in der Tasche blieb und es im Nobelhart & Schmutzig ja auch noch das Fotoverbot gibt. Gehalten haben sich daran aber dann doch nicht alle Gäste und selbst die Crew und der Wirt hatten das eine oder andere mal ihr Handy in der Hand, um nur „einmal etwas kurz nachzuschauen“. 🙂
Nobelhart & Schmutzig – Friedrichstraße 218 – 10969 Berlin – Deutschland – Telefon: +49 30 25940610 – www.nobelhartundschmutzig.com
-
Punkte