Château Haut-Pougnan Sauvignon Blanc 1989 – Bordeaux – Frankreich
Der Gastgeber öffnet kenntnisreich den auf einem Flohmarkt zum Schnäppchenpreis erworbenen 1989er Sauvignon Blanc Château Haut-Pougnan aus dem Bordeaux, riecht anerkennend am Korken, schenkt sich diesen immerhin zwanzig Jahre alten Weißwein in sein Glas, schwenkt dieses darauf hin und her, trinkt dann vorsichtig einen kleinen Schluck und nickt dann anerkennend in die Runde.
„Gar nicht einmal so schlecht für einen Sauvignon Blanc“, wirft ein Gast in die Runde hinein, der sich voller Vorfreude über diese waghalsige Rarität schon einmal schnell die Flasche gegriffen hat und sich ein ordentliches Glas eingeschenkt hat. Auch der Gastgeber hat inzwischen diesen vinophilen Offenbarungseid etwas näher im Mundbereich untersucht und fügt schon einmal mit einer dunklen Vorahnung hinzu, dass man „weißen Bordeaux einfach verstehen muss“, … , aber dieser hier wäre schon ziemlich interessant“ …
Nun weiß man ja inzwischen, dass die Begrifflichkeit „interessant“ ein relativ dehnbarer Begriff ist, und wenn man den Einwurf eines weiteren Gastes „das dieser Tropfen nach Dosenchampignons und zwar nach ziemlich alten Dosenchampignons aus einem Discounter riecht und schmeckt“ hinzu zieht, weiß man spätestens dann, dass auch im eigenen Glas Gefahr in Verzug wartet.
Und so kommt es dann auch: dieser Château Haut-Pougnan Sauvignon Blanc 1989 riecht einfach nur noch nach nassem Hund. Und wenn die Gedanken und die Phantasie so kreisen, dann auch schon nach einem komplett toten, nassen Hund, den man vor ein paar Tagen aus der Wupper gezogen hat. Die Dosenchampignons Handelsklasse 3 fügen sich dann auch noch in dieses suboptimale Geschmacksbild ein und nähren den Verdacht, dass der Wein seinen Zenit doch schon irgendwie und irgendwo vor ein paar Jahren oder mehr als einem Jahrzehnt überschritten hat.
-
Punkte