Trossen Riesling Madonna Pur’us 2016 – Mosel – Deutschland
Sogenannte Naturweine, die wenig oder auch gar nicht geschwefelt werden, gibt es immer mehr auf dem Markt. Der Naturel Trend, welcher aus Skandinavien und Paris zu uns hinüber geschwappt ist, erfreut sich augenscheinlich einer immer größeren Zielgruppe. Gerade in den Metropolen, wo immer mehr junge Menschen sich nach einem natürlichen Leben aus politisch korrekten und biologisch einwandfreien Produkten bedienen wollen, ist dieser Trend ungebrochen. In vielen Großstädten, wo drei zusammen stehende Bäume schon als ökologisches Biotop zu bezeichnen sind und wo es kaum noch echte Metzger, die ganze Tiere zerlegen können, zu finden sind, und selbst Blumenläden zur Mangelware werden, ist den Menschen diese Sehnsucht auch kaum vorzuwerfen.
Das Natürliche und Saisonale ist ganz offensichtlich verschwunden und wird nun von großen Supermarktketten und Discountern ersetzt, die so immer mehr Convenience Food unter das Volk bringen. Man findet dort natürlich auch Erdbeeren im November, Spargel im Dezember und jedes erdenkliche Stück Obst, welches auf keinen Fall zum Zeitpunkt seines Verkaufs Saison hat. Das macht alles überhaupt keinen Sinn und schmeckt auch nie wirklich gut. Bei den Naturweinen stellt sich persönlich immer wieder die Frage, ob diese nun wirklich schmecken oder ob hier die Jünger dieser Bewegung alles zu dogmatisch sehen.
Es gibt natürlich auch Naturweine aus der Rebsorte Riesling. In diesem Fall wurde der 2016er Riesling Madonna Pur´us von dem Mosel Weingut Rita und Rudolph Trossen aus Kinheim in einem Berliner Restaurant in der Weinbegleitung ausgeschenkt.
Interessant an diesem Riesling ist, dass er in keinster Weise wie ein bekannter Riesling, egal welcher Herkunft, riecht oder schmeckt. Sehr viel Würze, sogar etwas Pfeffer und Gesteinsbrocken dominieren im Duft. Es lässt sich zu keinem Zeitpunkt überhaupt eine Form von Fruchtigkeit erkennen. So sucht der Trinkende bei diesem Produkt auch vergebens nach dem so bekannten und berühmten Süß- Säure- Fruchtspiel, welches die Riesling Weine so berühmt und bekannt gemacht haben. Es finden sich eher Noten von Gemüse, insbesondere Kohl, bei diesem Mosel Gewächs. Die Säurestruktur scheint wie abgetaucht und der Abgang wirkt etwas diffus und verschroben. Zum Essen probiert wirkte die Madonna etwas moderater und zarter. Es stellte sich zeitweise sogar eine gewisse Harmonie ein.
Die große persönliche Frage bleibt aber, ob man sich bei dieser Art von Produkten einfach nur weiter eintrinken muss, um diese zu verstehen und letztendlich auch genießen zu können oder ob es sich hier nur um einen nicht wirklich schmeckenden Hype handelt. Anstrengend sind solche Weine in jedem Fall. Sie fordern die ganze Aufmerksamkeit und geben, zumindest wie in diesem Fall, noch nicht so wirklich viel zurück.
Hier schließt sich dann auch der Kreis und es stellt sich die logische Frage, ob der beschriebene Natur Riesling, der laut Sommelier weltweit abgefeiert wird, von dem voreingenommen Verkoster gar nicht wirklich verstanden wurde. Wir probieren und trinken einfach weiter und finden es hoffentlich bald heraus.
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