Heymann-Löwenstein Schieferterrassen Riesling 1987 – Mosel – Deutschland
Was macht ein guter Winzer mit einem Riesling, der sich in seiner Jugend als nicht trinkbar entpuppt? Einfach im Fass und in der Flasche weiter liegen und reifen lassen! Dies hat der Moselwinzer Reinhard Löwenstein vom Winninger Weingut Heymann-Löwenstein zumindest mit seinem 1987er Schieferterrassen Riesling getan und diesen 30 Jahre nach der Ernte auf den Markt gebracht. 1987 war einer dieser Jahrgänge, welcher einer totalen Katastrophe gleichkam; unreifes Traubenmaterial mit Monster Säurewerten haben in diesem Jahr Winzer und Konsumenten das Fürchten und Grauen gelehrt. So riecht dieser 1987er Schieferterrassen Riesling auch immer noch irgendwie unreif. Aromen von Verjus, sehr sauren Zitronen und nassem Schieferstein lassen eher an einen wesentlich jüngeren Wein denken.
Nach ein bisschen Luftkontakt schälen sich immer mehr Rhabarbernoten durch. Diese finden sich auch ziemlich deutlich und markant im Geschmack wieder. Gleichzeitig erinnert dieser Tropfen tatsächlich auch bei jedem Schluck ein wenig an allerfeinsten Weissweinessig. In Verbindung mit unreifen Apfelnoten und seiner sehr trockenen Art reinigt dieser Riesling bei jedem Schluck ungestüm und rasant den Gaumen. Obwohl die Säurestruktur ziemlich sauer rüber kommt, wirkt diese nicht penetrant oder gar störend. Dem Kommentar eines Mittrinkenden „Der hat eine Säure, die frißt mir fast das Hirn weg.“, ist auch nichts mehr hinzuzufügen.
Der Abgang kann treffend als spritzig, rassig, knochentrocken und rachensäubernd umschrieben werden. Ein großartiger Tropfen, der wie ein vinologischer Solitär auf ganz andere Geschmackswerte aufzubauen scheint und gnadenlos all das widerlegt, was dem Jahrgang 1987 an der Mosel zugeschrieben wurde.
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