Marqués de Riscal – von Schein und Sein
Die Kellerei Marqués de Riscal wurde bereits im Jahr 1858 gegründet und ist somit nach der Bodega Marques de Murrieta die zweitälteste Bodega der ganzen Rioja. Gleichzeitig ist Riscal auch einer der bekanntesten spanischen Weinmarken und war in der Weinregion Rueda der Vorreiter für leicht zu trinkende, fruchtbetonte Weissweine aus der Rebsorte Verdejo und der aus Frankreich importierten Rebsorte Sauvignon Blanc.
Im Jahr 2000 wurde der bekannte kanadisch- amerikanische Architekt Frank O. Gehry dafür gewonnen, ein neues, spektakuläres Bauwerk auf dem Kellereigelände zu entwerfen. So entstand kurz darauf in dem kleinen, verschlafenen Weinort Elciego in der Rioja Alavesa ein neues, wie aus einer anderen Welt stammendes Gebäude, welches jährlich jede Menge Touristen zu Marqués de Riscal reisen lässt.
Neben einem Hotel sind in dem futuristisch- geschwungenen Bau auch noch die beiden Restaurants Bistro 1860 und Marqués de Riscal untergebracht. Das zweite Restaurant erhebt dabei den Anspruch einer Hochküche und wird von dem bekannten spanischen Koch Francis Paniego, der hier als Kreativdirektor engagiert wurde, geleitet. Der Gast hat bei der Reservierung die Qual der Wahl, zwischen einem Menüs aus 14 oder 21 Kleinigkeiten auszuwählen. Da im fortgeschrittenen Alter 14 Gänge mehr als genug sind, wird an einem heißen Sommertag in gut klimatisiertem und kunstvoll designten Ambiente die moderne Küche im Marqués de Riscal getestet.
Im Großen und Ganzen kann man den Gerichten ein gutes Niveau bescheinigen, auch wenn es ziemlich stark an eine perfekt inszenierte Konzeptküche erinnert. Durchgestylte Teller, seriös und minutiös agierende Kellner und Kellnerinnen sowie neuste Küchentechniken wirkten zwar auf den ersten Blicken und Bissen beeindruckend, konnten aber auch eine gewisse Seelenlosigkeit nicht verhehlen. Als katastrophal muss die begleitende Weinreise bezeichnet werden. Nichts gegen die Weine und historischen Leistungen der Weine von Marqués de Riscal, aber einen einfachen Sauvignon Blanc zu Carabinero oder Spargel mit Pilzen und Kaviar zu servieren, macht geschmacklich einfach keinen Sinn. Auch der zu den Seehechtbäckchen angepriesene Barrique Verdejo kann nur als suboptimale Wahl bezeichnet werden; dieser Barrique Wein hätte sicher viel besser zu dem besten Gang des ganzen Menüs, dem Seehechtfilet gepasst. Aber dazu gab es dann wiederum einen modernen, „seelenlosen“ Rotwein. Wer es mag und auf Markenweine anspringt, ist hier durchaus an der richtigen Adresse, aber alleine diese Weinbegleitung entlarvt eigentlich das ganze Konzept „Marques de Riscal“.
Begeistert hat das persönlich nicht wirklich, und lässt die berechtigte Frage aufkommen, ob diesen Gemäuern nicht doch ein wenig mehr Schein als Sein innewohnt.















Bodegas Marqués de Riscal – Calle Torrea Kalea 1 – 01340 Elciego – Spanien – Telefon: +34 945 18 08 88 – https://www.restaurantemarquesderiscal.com/
-
Punkte



