Gaja Darmagi Cabernet Sauvignon 1986 – Piemont – Italien
Der reinsortig ausgebaute Cabernet Sauvignon Darmagi von Angelo Gaja aus dem Piemont war vor über vierzig Jahren der große Streitpunkt zwischen Vater Giovanni und Angelo Gaja, dessen vinologische Ergebnisse das Weingut und den Namen Gaja letztendlich in aller Welt berühmt machen sollten.
Angelo wollte einen Weinberg, anstatt mit der klassischen Nebbiolo Rebsorte, mit der aus dem Bordeaux stammenden Cabernet Sauvignon neu bestocken, und den Wein in neuen Barrique Fässern ausbauen. Der Vater war entsetzt, fürchtete in der bäuerlich geprägten Region um den guten Ruf der Familie und gestand Angelo erst nach hitzigen und lebhaften Diskussionen zu, eine nicht so wichtige und kaum exponierte Seitenlage mit kargen Böden und wenig Sonneneinstrahlung für dieses ungeheuerliche Experiment zu verwenden.
Von unbändigem Ehrgeiz und der beseelten Hoffnung getrieben, einen großen Rotwein erzeugen zu können, widmete sich Angelo ab da an in jeder freien Minute dieser Parzelle. Giovanni liess hingegen keine Gelegenheit aus, dieses Projekt als Schande (Darmagi) für die Familie zu bezeichnen. Großes Erstaunen gab es dann, als 1982 der erste Jahrgang aus dem Barriquefässern das Licht erblickte. Aufgrund der herausragenden Qualität war die „Schande“ auf einmal der Stolz der Familie. Als Erinnerung an seine Rebellion gegen den Vater und gegen die Tradition der Region, wählte Angelo nun als Weinnamen Darmagi aus. Ein Kultwein war geboren.
Spannend wird es dann, wenn so ein Rotwein, hier allerdings aus dem Jahrgang 1986, blind ins Glas geschenkt wird. Die Farbe funkelt noch lebhaft und glitzert in einem klaren Kirschrot. Das erste „Hineinschnüffeln“ erinnert an einen älteren Coonawarra aus Australien, der noch voll im Saft steht. Cassis, ein wenig reife Paprikaschoten, Staub, Herbstlaub und Aromen von gekochten Pilzen machen hier die Runde.
Geschmacklich bietet der Darmagi dann noch eine extra Portion Gerbstoff. Nahezu verschlossen und unnahbar massieren die Tannine das Zahnfleisch und münden in einem doch eher kurzen Abgang. Dieser Cabernet wirkt wie zugenagelt und entwickelt sich auch nicht mit ausreichend Luftkontakt. Er verharrt in seiner Entwicklung und kann in keiner Phase mehr zulegen.
Die große Frage, die sich hier nun stellt, ist, ob der Wein einfach nur noch viel zu jung ist, worauf Farbe und Duft schließen lassen, oder ob sich diese „Schande“ je richtig öffnen wird. Wer noch Zeit hat und so eine Flasche im Keller sein eigen nennt, wird sich diese Frage irgendwann beantworten können.
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