Vina Tondonia Reserva rosado 1982 – Rioja – Spanien
Wenn im Keller einer Bodega an den Wänden nur noch Penicillin hängt, die Vorhänge aus reinen Spinnweben bestehen und die Machart der Weine seit mehreren Generationen, um nicht zu sagen seit dem Gründungsjahr 1877, identisch sind, kann man getrost von Tradition und traditionellem Weinausbau reden. Was für die Urgroßväter normal war, ist in der hippen Neuzeit wieder schwer „in“. Wahrscheinlich einzig und alleine aus dem Grund, weil heute kaum noch jemand so konservativ und mit so einer Weinstilistik produziert. Zudem wird alles, was selten, rar und andersartig wirkt, heutzutage oft nur noch abgefeiert und über den allseits beliebten grünen Klee gelobt.
Die Weine des Weingutes Lopez de Heredia wurden früher, wie fast alle anderen Rioja Weine auch, sehr oxidativ ausgebaut. Dies ist, wenn man gut arbeitet und gute Weinlagen hat, ein Garant für lagerfähige Weine. Erstaunlich gut und frisch schmeckte hier kürzlich ein 1982er Tondonia Rosé Reserva. Eine Weingattung, die gemeinhin als leichter Sommertrunk mit viel Beerenfrucht an warmen Sonnentagen getrunken wird, erzählt in diesem Fall eine ganz eigene und andere Geschichte.
Die Farbe dieses Rosados erinnert an einen etwas vergilbten, alten Ziegelstein, im Duft treten dann viele erdige Aromen auf. Wald, Pilze und feuchtes Laub versammeln sich in gemütlicher Eintracht und katapultieren einen direkt in einen statthaften Herbstwald. Es finden sich aber auch eingekochte Waldfrüchte, Lakritze und Kräuter wieder. Das ganze wirkt dabei etwas unwirklich und sehr fragil. Nach zwei, drei Schlücken wird dann im Geschmack klar, dass die Aromen auch im Mund und Abgang immer noch zusammenhalten. Dabei wirkt eine straffe und klare Säurestruktur wahre Wunder. Diese schweisst den Wein genial zusammen, gibt ihm Trinkfluss und lässt ihn über dreissig Jahre jünger erscheinen als er tatsächlich ist. Das ist ganz großes Kino, ob Tradition oder hippe Neuzeit, und in jedem Fall der persönlich beste je getrunkene Rosado aller Zeiten!
-
Punkte