El oso alemán

Mischen? Oder nicht mischen? Das sind hier die Fragen.

Mischen? Oder nicht mischen? Das sind hier die Fragen.

Und immer, wenn Bären auf grundsätzliche Fragen stoßen, pflegen sie, Vorbärinnen und Vorbären zu fragen. So auch hier!

Uns ward von alten bæren
wnders vil geseit
von heleden lobebæren
von grôzer arebeit. 

Und vom gemischten Satz!

Betrachtet man das moderne Weinmarketing, so stehen da immer wieder sortenreine Weine im Vordergrund. Und wenn gemischt wird, dann doch gleich im Klon. Dornfelder, diese dunkle, klebrige Brühe, ist eine Kreuzung aus Heroldrebe und Helfensteiner, was wiederum zwei Kreuzungen sind, die in Laboren zur Welt kamen. Marselan ist auch so etwas, und es gibt noch ein paar mehr. Richtig Bedeutung erlangt haben nur wenige. Aber um sie geht es auch nicht.

Es geht darum, dass in vielen Weinbauregionen immer stärker auf sortenreine Weine gesetzt wird, insbesondere in Sachen Weißwein. Gut, Riesling und Chardonnay wurden schon immer gerne sortenrein ausgebaut. Wer will sich schon mit der Rieslingsäure ins glas legen? Oder mit gebuttertem Chardonnay? Aber dann hörte es fast auch schon auf.

In Franken etwa kannte man den gemischten Satz, ein Weinberg, in dem allerlei Sorten gedeihen (es gibt auch heute noch ein paar wenige Parzellen dieser Art), In Österreich, im Norden Italiens und natürlich in Spanien war dies früher ein gerne genutzter Weg, um etwas komplexere, vielschichtige Weine zu keltern.

In Sachen Rotwein hat sich diese Tradition bis heute gehalten, wenn auch mit Mühe. Gut, es gibt Ausnahmen: Pinot Noir aus Bourgogne, Nebbiolo aus Barolo oder Barbaresco, dies waren schon immer sortenreine Weine. Den Gegensatz stellt die Rhone dar, wo das Cuvée noch immer den Ton angibt; zumindest im südlichen Teil.

In Spanien gab es früher kaum sortenreine Weine. Vor nicht einmal dreißig Jahren war ein Großteil dessen, was als Rueda über den Tresen ging, ein Cuvée aus Verdejo, Viura, Palomino und noch ein paar Sorten. Weißweine aus Ribeiro waren schon immer Cuvées. 

Die Manie der sortenreinen Weißwein kam erst vor wenigen Jahren auf, und sie hat sich, glücklicherweise, nicht immer durchgesetzt. Stark ist sie in Albariñistan, wo man vor vierzig Jahren damit begann, Albariño in Kartoffeläcker zu setzen. Stark ist sie auch in Rueda ausgeprägt, wo man damit beschäftigt ist, einhundert Millionen Liter hellen Saft in der Welt zu verteilen. Das klappt nur mit einer simplen Logik. Wer-dech-oh! Oder so…

Nun ist an sortenreinen Weinen erst einmal nichts auszusetzen, so sie denn ordentlich gemacht sind. Wenn man dann aber zu einem Weintypus gelangt, der strukturelle Ähnlichkeiten mit Coca Cola hat, dann läuft etwas schief.

In Sachen Rotweine und Rebsortenreinheit hört man immer wieder das Argument, dass die Amis die Weingüter drängen würden, keine Cuvées herzustellen. Zum einen ist das Kwatsch, sonst könnte man dort weder Bordeaux noch CH9 verkaufen, zum anderen stimmt es nicht. Denn dieser Trend entwickelte sich zu einer Zeit, als Exporte gen USA noch kaum eine Rolle spielten. 

Stichwortgebend ist da natürlich die Rioja. Vor mehr als einhundert Jahren gab es dort eine enorme Sortenvielfalt, Tempranillo war damals wohl eher eine neuere Erscheinung. Es gab viele weiße Sorten, dazu jede Menge Garnacha, Cariñena, Graciano, Maturana und weiß der Altbär was noch für Sorten. Und alles wurde munter nebeneinander im Weinberg angebaut, miteinander gelesen, vergoren und ausgebaut. Das waren noch Zeiten!

Dann kamen die Strategen, die meinten, dass man sich das alles einfacher machen könnte: Tempranillo on my mind! Betrachtet man die Dinge ganz nüchtern, also relativ bald nach dem Aufstehen, so erkennt man, dass diese Strategie letztendlich nicht funktioniert hat. Viele Weine sind austauschbar, beliebig, in der Tendenz langweilig, ein Drittel aller Bodegas könnte man sich glatt sparen.

Man sieht aber auch, dass der Qualität irgendwann einmal Grenzen gesetzt sind. Dies erkennt man nicht in der Rioja, sondern in der Rioja-Kopie, auch unter dem Namen Ribera del Duero bekannt.

Diese Ecke ist aktuell eine der kompliziertesten der spanischen Weinwelt, verfügt sie doch über einen relativ guten Namen, aber auch über relativ viele schlechte, will sagen langweilige Weine. Klar, es gibt Pingus und die Weine von Bertrand Sourdais, die sind schon nicht so schlecht. Die Vegas sind Cuvées, sie spielen ob der langen Reifedauer aber ohnehin in einer anderen, jedoch nicht unbedingt höheren Liga.

Ansonsten jedoch stellt man fest, dass es kaum noch neue spannende Weine aus Ribera gibt, die nur aus Tempranillo bestehen. Es scheint, als ob man alles gesehen hat, was Tempranillo von dort bieten kann. Die Top-Weine von Jorge Monzón, von Gallego Zapatero, von Hacienda Solano und von noch einmal vier oder fünf Bodegas mehr, sie sind schon top, aber halt auch schon seit einem Jahrzehnt auf dem Markt. Wirklich spannende Neuerungen dieser Typenklasse gibt es nicht.

Aber auch die konstruierten Cuvées helfen hier nicht viel weiter. Wenn man in der Ribera Cabernet oder Merlot nutzt, Garnacha gibt es ja kaum mehr und Syrah ist zumindest amtlich nicht zugelassen, dann geschieht dies, um Säuredefekte des Tempranillo auszugleichen, oder aber, um grüne Tannine zu merlotisieren.

Wenn man dort einen Schritt weiterkommen will, dann muss man vier Schritte zurückgehen. Etwa dorthin, wo Covarrubias (gut, das ist die Nachbarregion) heute noch ist, oder aber ein paar Orte im Osten der Ribera, La Aguilera etwa, Tubilla del Lago, die Riboja interessanterweise eher nicht. In La Aguilera gibt es noch diverse alte Parzellen, in denen man Maturana, Provechón, Mencía, Puesta en Cruz, Albillo Mayor, Garnacha, Rojal oder Cariñena findet, in der Regel im gemischten Satz mit Tempranillo.

Noch gibt es wenige Weine, die diese traditionelle Tradition wieder aufgreifen, aber es gibt sie, und Jahr für Jahr, schneller geht das im Weinbau nun einmal nicht, werden es mehr. Colina triste aus Arlanza, Magna Vides, Marta Maté, beide aus Ribera, sind die ersten, die Altes neu interpretieren.

Gut, die von der Axarquía oder aus Ribeiro können über so etwas nur müde lächeln. Dort können wir lernen, wie man Traditionen gekonnt erhalten hat.

Die Ära zumindest der sortenreinen Rotweine ist in Spanien zumindest am Anfang ihres Endes angelangt. Es hat nur noch kaum ein Mensch gemerkt. Aber dafür gibt es ja Bären … Text: El oso alemán

*Punktesystem 0 bis 365 Punkte

Die Punkte stehen für die Tage eines ganzen Jahres. Je höher die Punktezahl ist, umso häufiger wünscht man sich an diesem Ort essen gehen zu können oder eben den beschriebenen Wein trinken zu dürfen.

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