Bilbao, eine Stadt die entdeckt werden möchte
So klangvoll wie der Name Diego López V de Haro ist auch die Gründung der Stadt Bilbao zu betrachten. Im Jahre 1300 hat der als „Herr über die Bizkaia“ genannte Adelige den Grundstein für die heutige baskische Metropole gelegt. „Zwei Seiten“ bedeutet Bi albo auf baskisch und legt den Schluss Nahe, dass der Gründervater damit die beiden Seiten der Flussmündung gemeint hat. Die Stadt Bilbao hat viele Tiefen und Höhen erlebt und nach dem Ende der Industrialisierung und dem Niedergang der Industrie musste sich Bilbao wieder einmal neu erfinden. Mit dem Bau und der Fertigstellung des Guggenheim Museums 1997 durch den Stararchitekten Frank Owen Gehry wurde in der Stadt dann ein gänzlich neues Kapitel aufgeschlagen. Der monströse Titanbau schlängelt sich an die Ufer des Flußes und ist ein Statement für die Moderne, eine Zeitenwende und der Mut der hiesigen Basken, in schwierigen Zeiten ihr wahres Gesicht zu zeigen.
Bilbao ist eine Stadt, die entdeckt werden möchte. Ummantelt von vielen grünen Bergen, entdeckenswerten Vierteln, einer quirligen Altstadt und mit dem über 10.000 qm2 großen Ribera Markt, einem der größten Lebensmittelmärkte Europas, ist nicht nur der Bauch der Stadt, sondern auch die wahre Liebe der Basken zum „essen und trinken“ kurz zusammengefasst. Dieser Markt bedient nicht nur unzählige Privathaushalte, er versorgt auch die zahllosen Kneipen, Bars und Restaurants der Stadt mit seinen frischen Köstlichkeiten. Nicht so mondän und schick herausgeputzt wie in anderen Städten, verhält sich Bilbao ein wenig wie das hässliche Entlein. Hat man die Stadt und seine ganzen Facetten erst einmal inhaliert und verstanden, wird ein stolzer und mannigfaltiger Schwan daraus.
Der spanisch-schweizer Architekt und Künstler Santiago Calatrava Valls ist für viele Bauwerke bekannt und berüchtigt, unter anderem auch für den Flughafen Loiu in Bilbao. Dieser architektonische Hingucker soll an eine Taube erinnern und lässt direkt bei der Landung in Bilbao das Herz schneller schlagen. Denn keine fünf Minuten vom Flughafen entfernt lässt es sich wahrlich gut tafeln.
Die Tankstellen Gaststätte am Flughafen Bilbao
Hinter einer Tankstelle, keine fünf Gehminuten vom Flughafen von Bilbao entfernt, liegt dann das Restaurant Asador Taskas versteckt. Sage und schreibe elf Jahre schon wird hier in einem recht skurrilen Ambiente eine äußerst schmackhafte Produktküche serviert. Überall stehen wertvollste Champagner und Spirituosen herum, ein Zigarren Humidor scheint von den Besuchern und Besucherinnen auch gerne nach dem eingenommenen Mahl in Anspruch genommen zu werden. Fußball Trophäen und Bilder der Spieler des hiesigen Fußballvereins Athletic Bilbao sprechen für eine gewisse Zuneigung für diesen Club. Natürlich werden hier auch frische Fische und Meerestiere öffentlich zur Schau gestellt und stolz feilgeboten.
Dieser Ort ist so kurios, dass wirklich niemand hier so ein gutes Restaurant vermuten würde. Aber in diesem Punkt ticken die Basken nun einmal komplett anders und der eine oder andere bekannte Sterne Koch lässt es vor seinem Abflug oder nach seiner Ankunft im Asador Taskas auch so richtig krachen. Bester hausgemachter Lachs in einer Orangenmarinade, beste Muscheln in Gemüse Sud, ein Tomatensalat, der für die winterliche Jahreszeit erstaunlich gut mundet, gegrillte Artischocken zum Verlieben und die hausgemachten Paprikaschoten sind allesamt wahre Gedichte. Der abschließende Cortado gar eine Sensation. So wie der Asador Taskas sollten alle Tankraststätten kulinarisch aufgestellt sein. Die Welt würde ein leckerer und besserer Ort sein.












Asador Taskas, Parque Parque Empresarial Aeropuerto de Bilbao, 48160 Derio, Bizkaia, Spanien, Telefon: +34 946 74 12 10, https://www.asadortaskas.com/
Die sozialen Medien und das Trüffel Gericht
Ob es gefällt oder nicht, die sozialen Medien beeinflussen einen dann doch viel mehr als man es eigentlich wahrhaben möchte. Da poppt auf dem Handy nach dem Öffnen der App ein Tellergericht auf, bei dem sich sofort die Magensäfte regen und Erinnerungen an alte Gelage hochkommen, und der unwiderstehliche Drang nach „das möchte ich sofort haben und essen“ wird aktiviert. Praktisch ist es, dass man gerade vor Ort in der Stadt und nicht unweit von dem Restaurant entfernt ist, um dort einmal kurz vorbei zu schauen und zu fragen, ob es das Kartoffel-Eier- Trüffel Gericht aktuell noch zu essen gibt.
Dem ist so, der letzte Platz im Restaurant Narru in Donostia-San Sebastián wird im Bar Bereich für den Abend reserviert und die Vorfreude auf das kommende Kulinarische ist immens groß und wird in überhaupt keiner Art und Weise enttäuscht. Vorab noch ein Ochsenschwanz Ravioli mit Trüffel und Leber, ein Hummer Salpicón, danach noch ein bisschen Ananas und Apfelkuchen mit Eis und schon fühlt man sich wie im Himmel auf Erden und muss dem Internet und sozialen Medien für den vorab getätigten virtuellen Impuls auch einmal von Herzen danken!









Narru – San Martin Kalea, 22 – 20005 Donostia-San Sebastián – Spanien – Telefon: +34 843 93 14 05 – https://narru.es/
Eine schlechtere Kopie vom Original
Die beiden Jungköche Gorka Rico und Javier Rivero haben mit ihrem Restaurant Ama taberna in der baskischen Stadt Tolosa schon für viel kulinarischen Gesprächsstoff gesorgt. Was liegt da näher, als eine Kooperation mit dem Hotel Zenit in Donostia-San Sebastián einzugehen und gemeinsam ein gutes Hotel Restaurant Projekt zu verwirklichen. So wurde kürzlich das Restaurant Enea im Untergeschoss des Hotels Zenit eröffnet. Das Ambiente ist dort großzügig offen, wird von hellem Holz und einer warmen Illumination geprägt. Herzlich auch der Service und baskisch flott die Küche mit der Umsetzung der bestellten Wünsche.
Die Speisen selber wirken auch perfekt auf dem Reisbrett geplant, kommen aber bei weitem nicht an die Küchenleistungen in der Ama taberna in Tolosa heran. Ein wenig lieblos, nicht richtig abgestimmt wirkte das ganze Arrangement hier im Restaurant Enea an diesem Abend. Ob Zufall oder Konzept wissen in diesem Moment nur das Team und die anderen Gäste dieser Lokalität.



Enea, Antonio Maria Labaien Kalea, nº1, 20009 Donostia-San Sebastian, Gipuzkoa, Spanien, Telefon: +34 943 56 39 09, https://www.enea.eus/


Zwei Schritte zurück in die richtige Richtung
Zunächst ein wenig rückwärts gewandt versucht der Krebs aus der Gattung der Gliederfüßer seine Situation zu erfassen, um dann die richtige Entscheidung zu treffen und wieder vorwärts tippelnd jeglicher Gefahr zu entgehen. Das im Dezember 2021 in der baskischen Hafenstadt Zumaia gegründete Restaurant Hamarratz (baskische Bezeichnung für Krebs) hat sich daher für genau diesen Namen entschieden. Es muss in die Vergangenheit geschaut werden, um für die Zukunft die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Umgesetzt bedeutet dies, dass viele der hier verarbeiteten Produkte traditionell konserviert werden, um diese dann auch noch viele Monate später den Gästen anbieten zu können. Es wird geschaut, was für Fische, außer den beliebten Vertretern unserer Zeit, früher auf den Grill und dann auf den Tisch kamen. Mit einheimischen Fischern werden diese dann gefischt und im Lokal Hamarratz liebevoll serviert. Eine lokale Produktküche, mit eigenem großen Nutzgarten, ein paar Tischen, einer stets erklärenden, voller Enthusiasmus explodierenden Gastgeberin und eine tolle Küche laden hier im Hamarratz zum langen Verweilen ein. Geht zurück und genießt das aufregend Leckere von gestern und morgen!





Restaurant Hamarratz, Artadi Auz., 20750 Zumaia, Gipuzkoa, Spanien, Telefon: +34 633 64 60 86, https://hamarratz-zumaia.com/
Der Druide und sein Restaurant an der Grenze
Felix Manso Ibarla nennt man im Baskenland den Druiden. Er soll über wahre magische Zauberkräfte in Bezug auf seine Kochkünste verfügen. Unzählige Wettbewerbe hat er gewonnen und vor allen Dingen bei seinen Pintxo und Tapa Kreationen gehört er zu den innovativsten und kreativsten Köpfen weit und breit. Was liegt da näher, auch einmal sein Restaurant in Irun direkt an der französichen Grenze zu besuchen. Hier werden dann auch saisonale und frische Zutaten sehr fein zubereitet. Avocado und Thunfisch in bester Manier, frisch gegrillte Artischocken mit Gänseleber zum vernaschen, frische Pilze auf Kartoffelpüree, Bacalao und noch ein Armer Ritter zum Nachtisch und fertig ist das doch recht klassisch anmutende Druiden Zaubermahl.







Bar Restaurante Felix Manso Ibarla, Bo. Meaka, 9, 20305 Irun, Gipuzkoa, Spanien, Telefon: +34 943 84 19 64, https://www.felixmanso.com/
Erlebt im Januar 2022.




